![]() |
Der erste Reporter | Krimis und Ekel in Serie | Leute und Familiengeschichten
| Lexikon >
Personen Film |
|
| Name: Wolfgang Menge Geboren: 10.4.1924 in Berlin |
|
Der erste ReporterDer gebürtige Berliner wuchs in Hamburg auf und verlor während der Nazizeit alle Verwandten seiner jüdischen Mutter. Nach dem Krieg machte Wolfgang Menge ein Volontariat beim German News Service, dem Vorläufer der DPA. Dann war er der erste Reporter, der 1949 vom HAMBURGER ABENDBLATT eingestellt wurde. 1954 ging er als Korrespondent für die WELT nach Ostasien und war in Tokio der erste deutsche Reporter seit dem Krieg. Und er war der erste deutsche Journalist, der mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau reiste. Ende der fünfziger Jahre kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich von einem befreundeten Schauspieler überreden, ein Theaterstück zu schreiben. Dieser wollte die Hauptrolle spielen, nahm sich jedoch kurz vor der Premiere das Leben. Trotzdem wurde das Stück Zeitvertreib dann an der Berliner Tribüne mit Brigitte Grothum in der Hauptrolle aufgeführt. Der Kritiker Friedrich Luft soll der einzige gewesen sein, der das Stück lobte. |
![]() Foto: WDR/Herbie Sachs |
Krimis und Ekel in SerieDann schrieb Wolfgang Menge Fernsehgeschichte, als er zusammen mit Jürgen Roland die erste deutsche Krimiserie Stahlnetz (D 1958-68) entwickelte, für die er fast alle Drehbücher verfaßte. In den sechziger Jahren machte er sich außerdem einen Namen als Autor zeitkritischer Fernsehspiele, die von Regisseuren wie Rolf von Sydow, Tom Toelle, Wolfgang Petersen oder Ulrich Schamoni in Szene gesetzt wurden. In Begründung eines Urteils (D 1966) ging es um den Schießbefehl an der DDR-Grenze, und Die Dubrow-Krise (D 1969) nahm er die Probleme einer deutschen Wiedervereinigung vorweg. Großes Aufsehen erregte er mit dem Fernsehfilm Das Millionenspiel (D 1970). Darin geht es um eine fiktive Fernsehshow, die den Überlebenden einer tödlichen Hetzjagd unter Beteiligung der Öffentlichkeit mit einer Million Mark belohnt. Die zynische Mediensatire wurde mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Für die Krimireihe Tatort (D 1970-) entwickelte er die umstrittene Figur des Zollfahnders Kressin, gespielt von Sieghardt Rupp, der erstmals in der dritten Tatort-Folge Kressin und der tote Mann im Fleet (D 1971) auftrat. Menges größter Erfolg war die satirische Familienserie Ein Herz und eine Seele (D 1973-76) mit Heinz Schubert, der als »Ekel« Alfred Tetzlaff deutsche Fernsehgeschichte schrieb. In den Fernsehspielen Smog (D 1973) und Planübung (D 1977), die von Wolfgang Petersen inszeniert wurden, verarbeitete er die Themen Umweltverschmutzung und Kalter Krieg. |
|
Leute und FamiliengeschichtenIn den achtziger Jahren war Menge Mitbegründer der Radio-Bremen-Talkshow III nach neun und moderierte auch die Talkshow Leute im Berliner Café Kranzler, in der Wolfgang Neuss seinen legendären Auftritt hatte, als er Richard Weizsäcker respektlos mit »Richie« anredete. 1987 wurde Wolfgang Menge in der Kategorie »Besondere Ehrung« mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Menges Kommentar zur deutschen Wiedervereinigung war die Fernsehserie Motzki (D 1993) mit Jürgen Holtz in der Hauptrolle, eine unverhohlene Neuauflage des »Ekel«-Konzepts, die den früheren Erfolg jedoch nicht wiederholen konnte. Ein ähnliches Schicksal erlitt Menges Das Lied zum Sonntag (D 1998) mit Jaecki Schwarz als Arnold Tetzlaff, eine direkte Anknüpfung an Ein Herz und eine Seele (D 1973-76). Übrigens verwendete Wolfgang Menge häufiger die Initialen »A. T.« für seine Figuren. 1969 war Menge wieder in seine Geburtsstadt Berlin gezogen. Er ist mit der Journalistin Marlies Menge verheiratet. Das Ehepaar hat drei Söhne und ist seit einigen Jahren getrennt, bewohnt aber nach wie vor gemeinsam eine Villa im Berliner Stadtteil Zehlendorf und ein Haus auf Sylt. |