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| Josef Nesvadba wurde am 19.
Juni 1926 in Prag geboren und studierte an der dortigen Karlsuniversität Medizin und
Philosophie. Nach zwei Jahren in einem Krankenhaus arbeitete er ab 1956 an der
Universitätsklinik in Prag, wo er individuelle und Gruppenpsychotherapie praktizierte.
Neben seinem Beruf als Arzt und Psychiater betätigte er sich auch sehr erfolgreich als
Schriftsteller und Übersetzer. Obwohl er das Schreiben sein Leben lang nebenberuflich
betrieb, wurde er bald zum bekanntesten und erfolgreichsten tschechischen Schriftsteller
im phantastischen Genre nach Karel Capek. Nesvadba begann als Übersetzer englischer
Lyrik. Seine ersten eigenenen Werke waren Dramatisierungen bekannter Prosawerke, so z.B.
der Reise um die Erde in 80 Tagen von Jules Verne. Ab Ende der fünfziger Jahre
erschienen dann zunächst in Zeitungen und Zeitschriften seine phantastischen
Erzählungen, mit denen er schnell bekannt wurde. In ihnen verwob er die klassischen
Sujets der Science Fiction- und
Horror-Literatur zu grotesken und satirischen Geschichten. Gesammelt erschienen die
meisten der frühen Texte in den Bänden Tarzanova smrt (1958, Tarzans Tod),
Einsteinuv mozek (1960; Einsteins Gehirn), Výprava opacným smerem
(1962; Die Expedition in umgekehrter Richtung), Výnalez protí sobe
(1964; Die Erfindung gegen sich selbst), Poslední cesta kapitána Nema
(1965; Die letzte Reise des Kapitän Nemo). Spätere Bände wiederholen z. T.
Material aus den früheren. Die Geschichten waren nicht nur beim tschechischen Publikum
sehr populär, drei von ihnen, »Tarzans Tod«, »Der Idiot von Xeenemünde« und »Vampir
Ltd.« wurden auch verfilmt, mehrere 1962 im MAGAZINE OF FANTASY
AND SCIENCE FICTION veröffentlicht. In
deutscher Sprache erschienen zahlreiche Auswahlbände der frühen Erzählungen: Die
Erfindung gegen sich selbst (1962), Das verlorene Gesicht (1964), Die
absolute Maschine (1966; andere Auswahl unter dem gleichen Titel 1983), Wie
Kapitän Nemo starb (DDR 1968), Einsteins Gehirn (1975) und Vampir Ltd.
(1998). Bei den Parteioberen in der Tschechoslowakei kamen Nesvadbas Humor und seine Gesellschaftskritik indes nicht immer gut an, einige seiner Werke konnten nur stark zensiert oder im Ausland erscheinen (er beherrschte das Deutsche und Englische perfekt und schrieb auch in diesen Sprachen). Nach dem Prager Frühling mußte er für einige Zeit ins österreichische Exil, kehrte aber später nach Prag zurück. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil schrieb Josef Nesvadba zwar weniger, seine Werke gewannen aber an psychologischer Tiefe. Beispiele dafür sind die Erzählungsbände Vor Eltern sei gewarnt (Ridicský prukaz rodicu. 1979, dt. 1985), Minehava das zweite Mal (Einfälle eines alten Psychiaters) (Minehava podruhé (Nápady starého psychiatra). 1981; dt. 1989), und der Roman Bludy Erika N. (1974). Sein Roman Geheimbericht aus Prag (První zpráva z Prahy), der heute als bedeutender Schlüsselroman der Zeit des Prager Frühlings gilt, entstand 1968, war schon in hoher Auflage gedruckt und durfte nach dem Prager Frühling nicht mehr erscheinen. 1978 wurde er, zum Kriminalroman umgeschrieben, dem tschechischen Publikum erstmals vorgestellt. Die Originalfassung erschien erst 1991 (deutsch 1994). Neben seinen phantastischen Texten schrieb Nesvadba im Alter auch erotische Storys, die er meist unter dem Pseudonym Joseph Nevada veröffentlichte. Der deutsche Leser konnte sich mit dem »SexFiction-Roman« Zärtliche Apokalypse (Hledám za manzela muze. 1986; dt. 1992) und der Erzählung »Erosome«, die 1991 exklusiv im SF-Magazin ALIEN CONTACT 9 erschien, ein Bild von dieser Schaffensseite Nesvadbas machen. Josef Nesvadba war ein sehr angenehmer freundlicher Mensch, der sein Publikum mit hintergründigen Anekdoten zu unterhalten wußte. Den deutschen Lesern hat sich Nesvadba zuletzt 1999 als Ehrengast des Trinity-Cons in Dortmund und bei einer Lesung des Freundeskreises Science Fiction in Leipzig präsentiert. In Dortmund begegnete er auch Diane Duane, die unter dem Eindruck des Gesprächs später ein Raumschiff in einem ihrer Star-Trek-Romane »USS Nesvadba« taufte. Am 23. April 2005 ist Josef Nesvadba im Alter von 78 Jahren in seiner Heimatstadt Prag gestorben. |
![]() Foto: Peter Fleissner |