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John T. Sladek

Amerikanischer Autor (1937 – 2000)

Science Fiction > Alien Contact
Personen-Lexikon
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John Thomas Sladek wurde 1937 in Waverly, Iowa geboren. Sein genaues Geburtsdatum war ihm selbst nicht bekannt, da in den staatlichen Unterlagen der 15. Dezember, in denen des Krankenhauses, in dem er zur Welt kam, jedoch ein Tag im Oktober angegeben war. Seine frühe Kindheit verbrachte er bei den Großeltern in einem verschlafenen Kaff. Obwohl der kleine John in einer gut behüteten, fast schon idyllischen ländlichen Umgebung aufwuchs, die er später mit den typischen Kindheitsbeschreibungen eines Ray Bradbury vergleichen sollte, erinnerte er sich an seine Heimatstadt mit gemischten Gefühlen. Schließlich neigen Idyllen häufig dazu, auch sehr langweilig und monoton zu sein. Vielleicht deswegen entdeckte er schon früh die Welt der Bücher: Er verschlang nicht nur die üblichen Klassiker wie Die drei Musketiere und Huckleberry Finn, sondern auch allerlei Comics sowie die trivialen Kriminal-, Western- und Sportgeschichten, die sein Großvater häufig kaufte. Besonders beeindruckten ihn jedoch die Zauberer von Oz-Bücher und die Genau so-Geschichten von Rudyard Kipling. Im Alter von dreizehn Jahren zog er zu seiner Mutter und seinem Stiefvater nach St. Paul, wo er in der Bücherei zum ersten Mal Science-Fiction-Storys entdeckte. Allerdings beeindruckten ihn diese nicht sonderlich, und so wandte er sich zunächst dem Schriftsteller John Steinbeck und anderen Mainstream-Autoren zu.

Zwischen 1955 und 1956 besuchte John Sladek das St. Thomas College und wechselte anschließend an die University of Minnesota, wo er bis 1959 Maschinenbau und Englisch studierte. Diese Universität sollte später als Universität von Minnetonka zum Schauplatz einiger seiner Werke werden. Schon als Student fasste er den Entschluss, später als hauptberuflicher Schriftsteller arbeiten zu wollen. Als sein Freund Thomas M. Disch mit dem Verfassen von SF-Storys begann, wurde Sladeks ernsthaftes Interesse an der Science Fiction geweckt. Schon bald entdeckte er die Werke von Philip K. Dick, Alfred Bester, Walter M. Miller und Kurt Vonnegut jr.

Nachdem Sladek die Universität verlassen hatte, arbeitete er zunächst u. a. als Kellner, Technischer Zeichner und Weichensteller bei der Eisenbahn. Bereits Anfang der sechziger Jahre begann er zu schreiben und veröffentlichte diverse lyrische und experimentelle Arbeiten. Seine erste mir bekannte Veröffentlichung ist der Text »A Section from the Adventures of I.E.M.«, der im Sommer 1963 in der Zeitschrift Region erschien. Zu seinen ersten SF-Storys wurde er von Thomas M. Disch ermutigt, der ebenfalls aus Minnesota stammt und mit dem er anfangs häufig zusammen arbeitete. Von Anfang bis Mitte der sechziger Jahre bereiste er Marokko, Spanien, Deutschland, Österreich, die Niederlande und Großbritannien, bis er 1966 schließlich zusammen mit seiner ersten Frau Pamela nach London zog. Dort kam Sladek bald mit Michael Moorcock und anderen New-Wave-Autoren in Berührung. Seine erste Veröffentlichung in Moorcocks berühmtem Magazin NEW WORLDS war die Story »The Poets of Millgrove, Iowa«. Diese Geschichte ist bereits typisch für Sladek, vereint sich darin doch böse Satire mit einem ziemlich scharfen Blick auf die US-amerikanische Provinz, einem guten Anteil Spott über typische SF-Sujets, gewürzt mit einer kleinen Prise melancholisch gefärbter Bitterkeit. Zuvor hatte Sladek allerdings schon Erzählungen in anderen Magazinen veröffentlicht. Ein erster Höhepunkt war die Story »The Happy Breed«, die von Harlan Ellison 1967 in seine fulminante Anthologie Dangerous Visions aufgenommen wurde. Zahlreiche weitere Kurzgeschichten und SF-Parodien erschienen zwischen 1966 und 1969 in so unterschiedlichen britischen und US-amerikanischen Zeitschriften wie IF, AMAZING STORIES, FANTASTIC, natürlich in NEW WORLDS, aber auch in Nicht-SF-Magazinen wie ELLERY QUEEN'S MYSTERY MAGAZINE und PLAYBOY. In vielen dieser Storys zeigten sich schon Sladeks satirische Ader, seine Vorliebe für literarische Rätsel und Tüfteleien sowie sein teilweise spielerischer und experimenteller Umgang mit der Sprache.

Neben seinen literarisch ambitionierten Texten verfasste Sladek unter dem Pseudonym Cassandra Knye zwei eher reißerische Schauerromane, die jedoch beide nicht in die deutsche Sprache übersetzt wurden, was dem Vernehmen nach aber kein allzu großer Verlust sein soll.

Mit The Reproductive System (anderer Titel: Mechasm) kam 1968 sein erster Science-Fiction-Roman heraus. In dieser wüsten Satire über ein kybernetisches System, das sich unkontrolliert immer weiter vermehrt, sind schon viele Sladek-typische Elemente enthalten. Neben einigen SF-Klischees werden gnadenlos der Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb, Geschäftemacherei, Bürokratie und ganz besonders das US-Militär durch den Kakao gezogen. Im gleichen Jahr folgte mit dem Kriminalroman Black Alice eine weitere Zusammenarbeit mit Thomas M. Disch.

1970 wurde Sladeks zweiter SF-Roman The Müller-Fokker Effect veröffentlicht, der ähnlich wie The Reproductive System ein bissiges Bild der amerikanischen Gesellschaft zeichnete.

Nachdem The Müller-Fokker Effect jedoch – obwohl von der Kritik gelobt – ein kommerzieller Reinfall wurde, wandte sich Sladek vermehrt literarischen Themen außerhalb der SF zu. Neben mehreren Sachbüchern verfasste er zwei Kriminalromane sowie zahlreiche Kurzgeschichten, die häufig keinem bestimmten Genre zuzuordnen waren.

Im Jahre 1980, gut zehn Jahre nach The Müller-Fokker Effect, kam schließlich John Sladeks nächster SF-Roman auf den Markt: Roderick or The Education of a Young Machine um die Abenteuer eines freundlich-naiven Roboters wurde genau wie seine Fortsetzung Roderick at Random von der Kritik euphorisch gefeiertund vom Publikum, wie alle Werke Sladeks, zunächst viel zu wenig beachtet. Diesen beiden herrlichen, bitterböse sarkastischen Robotersatiren folgte 1983 mit Tik-Tok so eine Art »Anti-Roderick«, dessen blecherner »Held« alles andere als unschuldig oder naiv ist.

1986 kehrte Sladek nach seiner Scheidung von Pamela England den Rücken und zog nach Minnesota zurück, wo er bis zu seinem Lebensende bei einer Computerfirma als technischer Autor arbeitete. Seine literarische Produktion ging stark zurück, neben einigen wenigen Erzählungen erschien mit Bugs 1989 lediglich ein einziger SF-Roman.

John Thomas Sladek verstarb in seinem Haus in Edina, Minnesota am 10. März 2000 an einer angeborenen chronischen Lungenfibrose. Er hinterließ neben seiner zweiten Ehefrau Sandra, die er 1994 geheiratet hatte, eine Tochter und eine Enkeltochter. Posthum gab der bekannte englische SF-Spezialist und Fan David Langford 2002 die Sammlung Maps: The Uncollected John Sladek heraus. Mit Wholly Smokes erschien im Jahr darauf Sladeks möglicherweise seltsamstes Buch, das er kurz vor seinem Tod beendet hatte.

© 2004 Christian Hoffmann


Zeichnung: Peter Wühr
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Literatur
Christian Hoffmann, John T. Sladek. Von Aliens, Robotern und anderen Verrückten (Berlin: Shayol, 2005) [SF Personality 16] Bestellen
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