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Brian W. Aldiss

Britischer Schriftsteller (*1925)

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Aldiss, Brian W(ilson) (1925- ) Britischer Schriftsteller, Herausgeber und Kritiker, an mehreren Privatschulen ausgebildet, die ihm alle mißfielen. Er diente bei den 'Royal Signals' in Burma und Sumatra, wurde 1948 freigestellt und arbeitete als Assistent in Oxforder Buchläden. BWA begann seine Schriftstellerkarriere mit fiktiven Studien über das Verkaufen von Büchern für die Einzelhandels-Zeitschrift The Bookseller; diese wurden später zu seinem ersten Buch The Brightfount Diaries (1955) zusammengefaßt.

Aldiss' erste Science-Fiction-Veröffentlichung war »Polizeibericht« in Science Fantasy 1954. Hierauf folgten die erwähnenswerten Erzählungen »Draußen« (1955), »Für alle Zeit« (1955), die bei einem SF-Wettbewerb des Observer einen Preis gewann, »Die Flut« (1956) und »Psiklopen« (1956), die allesamt in Aldiss' erstem SF-Band Raum, Zeit und Nathaniel (Space, Time and Nathaniel [Sb] • 1957) erschienen. No Time Like Tomorrow (Sb 1959) enthält sechs der 14 Geschichten aus Raum, Zeit und Nathaniel sowie sechs weitere. Diese frühen Werke waren erfinderisch und lyrisch, aber von eher düsterer Stimmung. Aldiss ist auch weiterhin ein produktiver Autor von Kurzgeschichten geblieben (1995 lag die Gesamtzahl bei über 300), die nahezu alle unter seinem eigenen Namen veröffentlicht wurden, auch wenn er gelegentlich die Pseudonyme C. C. Shackelton, Jael Cracken und John Runciman verwendete.

»Alle Tränen dieser Welt« (1957), »Armer kleiner Krieger« (1958), »Wer kann einen Menschen ersetzen?« (1958), »Old Hundredth« (1960) und »A Kind of Artistry« (1962) gehören zu den denkwürdigsten Geschichten des Sammelbandes The Canopy of Time (Sb zusammenhängender Geschichten 1959); von den genannten Erzählungen sind nur »Alle Tränen dieser Welt« und »Wer kann einen Menschen ersetzen?« zusammen mit erklärenden Passagen, die das Buch zu einer losen Future History verbinden, in die Zusammenstellung Das Ende aller Tage (Galaxies like grains of sand)aufgenommen worden (Sb zusammenhängender Geschichten 1960 US; mit 1 zus Geschichte rev 1979 UK). Der Sternenschwarm (Starswarm [Sb] • 1963) und Der unmögliche Stern (Best SF Stories by Brian W. Aldiss [Sb] • 1965) sind ebenfalls Sammelbände früherer Arbeiten.

Obwohl Aldiss 1959 auf der World SF Convention eine Auszeichnung als aussichtsreichster Nachwuchsautor erhielt, wurden seine Werke in gewissen Kreisen weniger freundlich aufgenommen und seine Betonung von Stil und Bildsprache und sein Mangel an Ingenieursmentalität mit Mißtrauen betrachtet.

Sein erster Roman Fahrt ohne Ende (Star Ship • 1958) ist eine brillante Darstellung eines Generationenraumschiffes sowie eines Begrifflichen Durchbruchs ; er wird als ein Klassiker des Genres betrachtet. Vanguard from Alpha (1959) - integriert in The Year Before Yesterday (1958-65) - und Unterdrücker der Erde (The Interpreter • 1960) sind weniger gelungen; Es brennt ein Licht (Primal Urge • 1961 US) dagegen stellt Sex auf unterhaltsame Art und Weise in einen SF-Kontext. Stets sehr direkt in seiner Herangehensweise an überkommene Vorstellungen von Sexualmoral war Aldiss einer der Autoren, die die Haltung der SF-Lektoren und -Herausgeber in den 60er Jahren veränderten.

Der Roman Am Vorabend der Ewigkeit/Der lange Nachmittag der Erde (The Long Afternoon of Earth/Hothouse • fixup 1962) bescherte ihm 1962 einen Hugo Award für die ursprüngliche Publikation in Form einer Reihe von Novellen. Er ist eins seiner besten Werke. In einer Fernen Zukunft, in der die Erde nicht mehr um ihre Achse rotiert, besiedeln die letzten Überreste der Menschheit die Äste eines gigantischen, Kontinente überspannenden Baumes. Wegen »wissenschaftlicher Unglaubwürdigkeit« von James Blish und anderen kritisiert, offenbart Hothouse (Aldiss zieht diesen Titel vor) nichtsdestotrotz all seine sprachlichen, humoristischen und erfinderischen Fähigkeiten. Ebenso illustriert der Roman Aldiss' thematisches Hauptaugenmerk, namentlich den Konflikt zwischen Fruchtbarkeit und Entropie, zwischen der reichen Vielfalt des Lebens und der Stille des Todes.

Die dunklen Lichtjahre (The Dark Light Years • 1964) - ein weniger bedeutendes Werk - ist zumindest aufgrund der Ironie des zentralen Konflikts erwähnenswert: die Frage, wie sich die Beziehung zu intelligenten Außerirdischen entwickelt, die äußerlich abstoßend sind. Graubart (Greybeard • 1964) ist vielleicht Aldiss' bester SF-Roman. Er setzt sich mit einer Zukunft auseinander, in der die Menschheit durch einen Unfall mit biologischen Waffen unfruchtbar geworden ist. Nahezu alle Charaktere sind ältere Personen, deren Reaktionen auf den bevorstehenden Untergang der menschlichen Spezies überzeugend dargestellt werden. Der Roman ist gleichzeitig eine Hymne auf das menschliche Leben und eine kritische Betrachtung unserer Zivilisation; er wird weitgehend unterschätzt, vor allem in den USA. Tod im Staub (Earthworks • 1965) ist ein Roman - zum Thema Überbevölkerung - von minderer Bedeutung. Kryptozoikum (Cryptozoic • 1967) ist eine sonderbare, aber eigenständige Behandlung des Themas Zeitreise, in der die Zeit rückwärts läuft und zu einer konsequenten Umkehrung von Ursache und Wirkung führt - vergleichbar, jedoch bedeutender als Philip K. Dicks Die Zeit: Auf Gegenkurs (Counter-Clock World • 1967), das im selben Jahr erschien.

Während der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurde Aldiss sehr stark im Zusammenhang mit der New-Wave-SF gesehen, insbesondere mit dem innovativen Magazin New Worlds, das Dank seiner Mithilfe seit 1967 vom Arts Council subventioniert wurde. Hier veröffentlichte Aldiss zunehmend unkonventionellere Werke, insbesondere seinen Roman Report über Probabilität A (Report on Probability A • 1968; bereits 1962 geschrieben, jedoch erst veröffentlichbar, als sich die Zeiten geändert hatten), eine Übertragung der Techniken französischer »Anti-Romanciers« auf die SF und eine surrealistische Geschichte über geheimnisvollen Voyeurismus; und seine Acid-Head-War-Geschichten, gesammelt in Barfuß im Kopf (Barefoot in the Head • 1969), eine außergewöhnliche Tour de Force, die vor dem Hintergrund der Folgen eines europäischen Krieges spielt, in dem psychedelische Drogen als Waffen eingesetzt wurden, verfaßt in einem dichten, an Wortspielen reichen Stil, der an Finnegans Wake (1939) von James Joyce erinnert.

Die Novelle »Der Speichelbaum« (»The Saliva Tree« • 1965) gewann einen Nebula und ist in The Saliva Tree and Other Strange Growths (Sb 1966) nachgedruckt. Sie ist eine unterhaltsame Hommage an H. G. Wells, auch wenn die Handlung an »Die Farbe aus dem All« (»The Coour out of Space« • 1927) von H. P. Lovecraft angelehnt ist. Weitere Sammelbände mit Kurzgeschichten: Die neuen Neandertaler (Intangibles Inc. [Sb] • 1969), Der Moment der Eklipse [sic!] (The Moment of Eclipse [Sb] • 1970), der 1972 den British Science Fiction Award gewann, und Alle Tränen dieser Erde (The book of Brian Aldiss [Sb] • 1972). Zu den Romanen dieser Zeit gehören Der entfesselte Frankenstein (Frankenstein unbound • 1973), eine Zeitreise-Fantasie mit Mary Shelley als eine der Hauptpersonen, in der Aldiss in fiktiver Form den Ursprungsmythos der SF entwirft, dem er auch in seiner Geschichte des Genres Der Millionen-Jahre-Traum (Billion year spree • 1973; rev und erw mit David Wingrove als Der Milliarden-Jahre-Traum (Trillion year spree: The history of SF • 1986), mit dem Hugo ausgezeichnet) den Vorzug gibt; und The Eighty-Minute Hour: A Space Opera (1974 US), eine Komödie, in der sich Aldiss manchen Kritikern zufolge allzusehr seinem Hang zu Wortspielen und extravagantem Einfallsreichtum hingibt. Sein umfangreicher Fantasy-Roman Der Malacia-Gobelin (The Malacia Tapestry • 1976) ist ein weit ausgewogeneres Werk, eine Liebesgeschichte mit phantastischen Elementen, die in einer geheimnisvollen, sich niemals wandelnden Stadt spielt. Mit seiner wundervollen Imagination nimmt Aldiss in diesem Werk erneut seine Leidenschaft für die Themen Entropie, Fruchbarkeit und die Rolle des Künstlers auf, vielleicht sein bester Roman seit Graubart. Brothers of the Head (Greybeard. Brothers of the Head • 1977), in dem es um siamesische Rockstar-Zwillinge und ihren schlummernden dritten Kopf geht, ist eher eine Fingerübung in Grand Guignol; zusammen mit einer zusätzlichen Geschichte wurde sie auch unter dem Titel Brothers of the Head, and Where the Lines Converge (Sb 1979) veröffentlicht. Feinde des Systems (Enemies of the System: A Tale of Homo Uniformis • 1978) ist eine aus einer Verstimmung heraus geschriebene Novelle. Dr. Moreaus neue Insel (Moreau's Other Island • 1980) spielt erfolgreich mit Themen von H. G. Wells: Während eines Nuklearkrieges entdeckt ein US-Beamter, daß ein genetisches Experiment auf einer verlassenen Insel ein Geheimprojekt seiner eigenen Abteilung ist. Die in Last Orders and Other Stories (Sb 1977), New Arrivals, Old Encounters (Sb 1979) und Seasons in Flight (Sb 1984) gesammelten Erzählungen sind orginell, wenn auch manchmal etwas übereilt ausgeführt.

In den 70er Jahren veröffentlichte Aldiss außerdem nicht einschlägige Erzählungen, die wesentlich gehaltvoller als seine beiden Frühwerke The Brightfount Diaries und The Male Response (1961 US) sind. The Hand-Reared Boy (1970) ist nicht nur sein erster Bestseller, sondern brachte ihm auch eine reichlich zwiespältige Berühmtheit ein. Dieser und die beiden folgenden Romane A Soldier Erect (1971) und A Rude Awakening (1978) beschäftigen sich mit der Erziehung, dem Erwachsenwerden und den Kriegserlebnissen eines jungen Mannes in Burma, dessen Lebensumstände oft an das Leben des Autors erinnern; diese drei Erzählungen wurden zu The Horatio Stubbs Saga (Omni 1985) zusammengefaßt. Der SF wieder etwas näher liegen vier Romane, die im Europa der nahen Zukunft spielen und lose durch einige gemeinsame Figuren verbunden sind. Die Reihe besteht aus Life in the West (1980), von Anthony Burgess in dessen Ninety-Nine Novels: The Best in English since 1939 (1984) aufgeführt; Forgotten Life (1988); Remembrance Day (1993) und Somewhere East of Life: Another European Fantasia (1994). Diese vier Romane, die einer Autobiographie sehr nahe kommen, sind aufgrund ihrer scharfsinnigen Analyse der Kulturen des ausgehenden 20. Jahrhunderts von größtem Interesse. Die Novelle Ruins (1987 chap), setzt sich ebenfalls mit einem zeitgenössischen Stoff auseinander.

Seit seinem letzten größeren Erfolg als SF-Erzähler waren einige Jahren vergangen, als Aldiss unvermutet seine Bedeutung innerhalb des Genres mit der Veröffentlichung der Helliconia-Trilogie wiedergewann - Helliconia Frühling (Helliconia Spring • 1982), das 1983 mit dem John W. Campbell Memorial Award ausgezeichnet wurde, Helliconia Sommer (Helliconia Summer • 1983) und Helliconia Winter (Helliconia Winter • 1985) - drei umfangreiche, sorgfältig recherchierte, sorgfältigst durchkomponierte Erzählungen über einen Planeten, dessen Hauptsonne sich auf einer exzentrischen Umlaufbahn um einen anderen Stern befindet, so daß der Planet sowohl den vergleichsweise kurzen Jahreszeiten als auch einem äonenlangen Jahr unterliegt, in dessen Verlauf die menschenähnlichen Bewohner radikalen Veränderungen unterworfen sind. Kulturen entstehen im Frühling, gedeihen während des Sommers und sterben mit dem Anbruch des generationenlangen Winters. Eine Gruppe von Erdbewohnern aus einer Zivilisation am Ende ihrer Kräfte beobachtet dieses Spektakel aus der Umlaufbahn. In allen drei Bänden erweist Aldiss verschiedenen Höhepunkten der Pulp-SF seine Reverenz und erzählt einige klassische Actionszenarien in einem düsteren, Helliconia angemesseneren Tonfall neu. Als Übung auf dem Gebiet des Weltenbaus bilden die Helliconia-Bücher unangreifbar das Herz moderner SF; als Demonstration der Komplexität, die der Form der Planetary Romance eigentümlich ist, wenn sie ernst genommen wird, sind sie beispielhaft; als heraklitische Verehrung der Implikationen, die das »Große Jahr« für die Ambitionen der Menschen enthält, sind sie (wie der größte Teil der Werke Aldiss') äußerst unkonventionell.

Dracula Unbound (1991) knüpft mittels einer vergleichbaren Zeitreise-Erzählung an den in Der entfesselte Frankenstein entworfenen Ansatz an, wenn auch dieses Mal in einer leichteren Stimmung. Zwei repräsentative Sammelbände - Best SF Stories of Brian W. Aldiss (Sb 1988), nicht zu verwechseln mit dem Buch gleichen Titels von 1965, und A Romance of the Equator: Best Fantasy Stories (Sb 1989), nicht zu verwechseln mit dem Bändchen A Romance of the Equator (1980), in dem nur die Titelgeschichte veröffentlicht wurde, schließen die 80er Jahre ab, zusammen mit Science Fiction Blues (Sb 1988). Der letztgenannte Band ist eine Zusammenstellung von Arbeiten, die Aldiss bei Bühnenlesungen im Stil von Dickens seit den 80er Jahren auf Conventions und bei anderen Anlässen hielt; diese Lesungen spiegeln etwas von der ungeheuren Größe wider, dem sprachlichen Reichtum, der Schwermut und der Vielgestaltigkeit des Werkes eines der zwei oder drei produktivsten und vielleicht experimentierfreudigsten Autoren von Niveau auf dem Feld der SF; diese ungeduldige Mitteilsamkeit findet sich ebenfalls in den Geschichten des Sammelbandes A Tupolev Too Far (Sb 1993) wieder. Kindred Blood in Kensington Gore (1992), ein kurzes Theaterstück, bot Aldiss die Möglichkeit, in ähnlicher Weise auf der Bühne eine imaginäre posthume Unterhaltung mit Philip K. Dick zu führen.

Aldiss war ein unermüdlicher Herausgeber und Kritiker der SF-Literatur. Zu seinen Anthologien (von denen die meisten anregende Einführungen und anderes zusätzliches Material enthalten) gehören Penguin Science Fiction (Anth 1961), Best Fantasy Stories (Anth 1962), More Penguin Science Fiction (Anth 1963), Introducing SF (Anth 1964), Yet More Penguin Science Fiction (Anth 1964) - mit seinen beiden früheren Penguin-Anthologien zu The Penguin Science Fiction Omnibus (Omni 1973) zusammengefaßt - und The Penguin World Omnibus of Science Fiction (Anth 1986) mit Sam J. Lundwall. The Book of Mini-Sagas I (Anth 1985) und The Book of Mini-Sagas II (Anth 1988) sind Sammelbände mit 50-Wort-Geschichten.

Die Space-Opera-Anthologiereihe umfaßt Space Opera (Anth 1974), Space Odysseys (Anth 1975), Titan 22/23 (Anth 1975), Titan 18-21 (Anth in zwei Bänden 1976) und Perilous Planets (Anth 1978). In Zusammenarbeit mit Harry Harrison gab er folgende Anthologien heraus: Der Tag Million (Nebula Award Stories II • Anth 1967); die Reihe The Year’s Best SF, und zwar Best SF: 1967 (Anth 1968 US; aT The Year’s Best Science Fiction No 1 1968 UK), The Year’s Best Science Fiction No 2 (Anth 1969; erw aT Best SF: 1968 1969 US), The Year’s Best Science Fiction No 3 (Anth 1970; aT Best SF: 1969 1970 US), The Year’s Best Science Fiction No 4 (Anth 1971; aT Best SF: 1970 1971 US), The Year’s Best Science Fiction No 5 (Anth 1972; aT Best SF: 1971 1972 US), Best SF: 1972 (Anth 1973 US; aT The Year’s Best Science Fiction No 6 1973 UK), Best SF: 1973 (Anth 1974 US; gek aT The Year’s Best Science Fiction No 7 1974 UK), Best SF: 1974 (Anth 1975 US; gek aT The Year’s Best Science Fiction No 8 1975 UK) und The Year’s Best Science Fiction No 9 (Anth 1976; aT Best SF: 1975 1976 US); All About Venus (Anth 1968 US; erw aT Farewell, Fantastic Venus! A History of the Planet Venus in Fact and Fiction 1968 UK); The Astounding-Analog Reader (Anth in 2 Bänden 1968 UK; TB von 1973 teilt Band 1 in 2 Bände, Band 2 ist bei diesem Verlag nicht erschienen); und die Decade-Serie: The 1940s (Anth 1975), The 1950s (Anth 1976) und The 1960s (Anth 1977). Ebenfalls mit Harrison, mit dem Aldiss eine lange und, gemessen am äußerst unterschiedlichen Erzählstil, erstaunlich erfolgreiche Zusammenarbeit verband, publizierte er zwei Ausgaben von SF Horizons (1964-5), einem kurzlebigen, aber exzellenten Sekundärmagazin, und Hell’s Cartographers (Anth 1975), eine Sammlung von sechs autobiographischen Essays von SF-Autoren, einschließlich der beiden Herausgeber.

Die meisten Sachbücher von Aldiss nehmen eine kritische Haltung zum SF-Genre ein; Cities and Stones: A Traveller’s Jugoslavia (1966) ist allerdings eine reine Reiseerzählung. Bei The Shape of Further Things (1970) handelt es sich um eine Autobiographie mit kritischen Exkursen. Der Millionen-Jahre-Traum (Billion year spree • 1973), ein umfassender und enthusiastischer Überblick über die SF, ist Aldiss' wichtigstes Sachbuch; sein Standpunkt, die SF sei ein Kind der Verbindung zwischen dem Schauerroman und der industriellen Revolution, ist als Ursprungsmythos ein tiefgründiges Vergnügen, wenn auch im Detail nicht völlig überzeugend; das Buch wurde unter dem Titel Der Milliarden-Jahre-Traum (Trillion year spree • 1986) mit David Wingrove erheblich erweitert und dadurch, vielleicht unweigerlich, etwas verwässert. Science Fiction Art (1975) ist eine ansprechend produzierte Auswahl kommentierter SF-Illustrationen, zum Großteil aus Pulp-Magazinen, und Science Fiction Art (1976) - man beachte den identischen Titel - bietet eine Auswahl der Bilder von Chris Foss. Science Fiction as Science Fiction (1978 chap), This World and Nearer Ones (Sb 1979), The Pale Shadow of Science (Sb 1985 US) und And the Lurid Glare of the Comet (Sb 1986 US) enthalten einige seiner Rezensionen und spekulativen Essays. Als langjähriger Literaturredakteur der Oxford Mail hat Aldiss Hunderte von Science-Fiction-Büchern besprochen; seine späteren Buchkritiken sind in den literarischen Beilagen der Times, des Guardian, der Washington Post und anderorts erschienen. Aldiss besucht regelmäßig SF-Conventions auf der ganzen Welt und unterstützt leidenschaftlich internationale Bestrebungen innerhalb der SF und in allen anderen Lebensbereichen - ein steter Kritiker britisch-amerikanischer Engstirnigkeit. Ebenso wie Harlan Ellison in den USA ist Aldiss ein energischer und charismatischer Redner. 1965 war er Ehrengast der 23rd World SF Convention (und weiterer seitdem) und wurde 1969 von der BSFA zu »Großbritanniens populärstem SF-Autor« gekürt. 1977 gewann er den ersten James Blish Award und 1978 einen Pilgrim Award, beide für herausragende SF-Kritiken. 1982 war er Gründungsmitglied der Organisation World SF und seit 1983 ihr Präsident. Bury My Heart at W. H. Smith’s: A Writing Life (1990; reguläre Ausgabe um 6 Kapitel gekürzt 1990), eine Autobiographie, reflektiert das öffentliche Leben eines schreibenden Mannes in der modernen Welt.

• David Pringle/John Clute • The Encyclopedia of Science Fiction
© 1993 by John Clute und Peter Nicholls
Übersetzt von Oliver Jäschke [© Hannes Riffel]


Foto: Frank Güpner

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Brian W. Aldiss erhielt den Kurd Laßwitz Preis für:
Helliconia Frühling • Bester ausländ. Roman 1983
Kurd Laßwitz Preis
Weitere Werke:
A Brian Aldiss Omnibus (Omni 1969); Brian Aldiss Omnibus 2 (Omni 1971); Pile: Petals from St Klaed’s Computer (graph 1979) mit Mike Wilks, ein illustriertes erzählendes Gedicht; Foreign Bodies (Sb 1981 Singapore); Farewell to a Child (1982 chap), Gedicht; Science Fiction Quiz (1983); Best of Aldiss (Sb 1983 chap); My Country ’Tis Not Only of Thee (1986 chap); The Magic of the Past (Sb 1987 chap); Sex and the Black Machine (1990 chap), ein jeu d’esprit in Collagen; Bodily Functions: Stories, Poems, and a Letter on the Subject of Bowel Movement Addressed to Sam J. Lundwall on the Occasion of His Birthday February 24th, A. D. 1991 (Sb 1991); Journey to the Goat Star (1982 in The Quarto udT »The Captain’s Analysis«; 1991 chap US); Home Life with Cats (Sb 1992 chap), Gedichte; Weißer Mars - Eine Utopie des 21. Jahrhunderts (White Mars or: The Mind Set Free, 1999) mit Roger Penrose.
Über den Autor:
Aldiss Unbound: The Science Fiction of Brian W. Aldiss (1977) von Richard Matthews; The Entropy Exhibition: Michael Moorcock and the British »New Wave« in Science Fiction (1983) von Colin Greenland; Apertures: A Study of the Writings of Brian Aldiss (1984) von Brian Griffin und David Wingrove; Brian W. Aldiss (1986) von M. R. Collings; Brian Wilson Aldiss: A Working Bibliography (1988 chap) von Phil Stephensen-Payne; A is for Brian (Anth 1990) hrsg. von Frank Hatherley, ein Tribut zum 65. Geburtstag; The Work of Brian W. Aldiss: An Annotated Bibliography and Guide (1992) von Margaret Aldiss (1933-1997).

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Abkürzungen:
Anth: Anthologie • Sb = Sammelband • chap: unter 100 Seiten • gek: gekürzt • hrsg.: Herausgeber • erw: erweitert • Fixup: Roman aus mehreren Erzählungen • Omni: Omnibus • rev: revidiert • übers: übersetzt • aT: anderer Titel
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