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Kir Bulytschow

(Igor Moshejko) Russischer Schriftsteller • 1934 - 2003

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Personen-Lexikon
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Name: Igor Moshejko
Pseudonyme: Kir Bulytschow, Kirill Bulytschow
Geboren: 18.10.1934 in Moskau
Gestorben: 5.9.2003
Kir Bulytschow ist das Pseudonym des vielseitigen Schriftstellers Igor Moshejko, der zu den bekanntesten russischen Science-Fiction- und Phantastik-Autoren zählt. Er schloss 1957 ein Studium am Pädagogischen Fremdspracheninstitut in Moskau ab und war als Dolmetscher und Korrespondent für die Zeitschrift WOKRUG SWETA (»Rund um die Welt«) in Birma (heute Myanmar) tätig. Danach arbeitete er viele Jahre als Wissenschaftler am Moskauer Institut für Orientalistik.

Seine erste belletristische Erzählung brachte der Autor unter dem Pseudonym Maun Sain Dshi als angebliche Übersetzung aus dem Birmanischen 1965 in der Zeitschrift ASIJA I AFRIKA SEGODNJA (»Asien und Afrika heute«) unter. Im selben Jahr erschien mit »Dewotschka, s kotoroi nitschewo ne slutschitsja« (»Die Kleine, der nichts passiert«) Bulytschows erste phantastische Geschichte - gleichzeitig das Debüt seiner jugendlichen Heldin Alissa, die nach der 1960 geborenen Tochter des Autors benannt ist und in zahlreichen weiteren Novellen und Erzählungen auftrat. Dieser Kinderbuchzyklus erfreut sich in Russland großer Beliebtheit und wurde in viele Sprachen übersetzt. 1970 kam sein erster SF-Roman Poslednjaja Woina (Der letzte Krieg) heraus. Darin versuchen Menschen, aus Resten biologischen Materials eine außerirdische Zivilisation wiederauferstehen zu lassen, die kurz zuvor durch einen Nuklearkrieg ausgelöscht wurde.

Um seinen Ruf als seriöser Wissenschaftler zu wahren, legte sich Igor Moshejko für seine literarische Tätigkeit ein Pseudonym zu, das er vom Vornamen seiner Frau Kira Soschinskaja, eine Illustratorin und Autorin, und dem Familiennamen seiner Mutter ableitete. Für einige seiner Kinderbuchveröffentlichungen änderte der sowjetische Verlag diesen Namen in Kirill Bulytschow, und diese Version wurde auch für die meisten Veröffentlichungen in Deutschland benutzt.

Weitere SF-Titel sind der in den 1970er und 1980er Jahren entstandene, überwiegend aus Novellen bestehende Zyklus um den Kosmosarzt Pawlysch oder die beiden Planetenabenteuer-Romane Agent Kosmoflota (Agent der Kosmoflot) (1984) und Podsemelje wedm (Die Höhle der Hexen) (1987) um den Helden Andrej Brjus.

Über 100 Erzählungen und einige längere Texte umfasst der humoristische Zyklus über das fiktive Provinzstädtchen Guslar. Schon die Titel der beiden frühen Erzählbände Tschudessa w Gusljare (Wunder in Guslar) (1972) und Ljudi kak ljudi (Ganz gewöhnliche Leute) (1975) lassen zwei Wesensmerkmale erkennen, die den Guslar- und vielen weiteren Texten Bulytschows eigen sind: Märchenhafte Wunder wie sprechende Goldfische stehen gleichberechtigt neben dem üblichen SF-Inventar. Auf Deutsch liegen einige der frühen Guslar-Geschichten in dem Bulytschow-Band Ein Takan für die Kinder der Erde vor, weitere sind in diversen Anthologien enthalten

Ab 1988 nahm die Auseinandersetzung mit der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung in seiner Heimat einen breiten Raum in Bulytschows Schaffen ein. In der 1986 geschriebenen und 1991 veröffentlichten Erzählung »Jedinaja wolja sowjetskogo naroda« (»Der einheitliche Wille des gesamten Sowjetvolkes«) schildert er auf amüsante Weise Krisensitzungen des Politbüros unter Breshnew. Denn Außerirdische haben den Einwohnern aller Staaten zugesagt, denjenigen Menschen wiederauferstehen zu lassen, der in ihrem Land in freier gedanklicher Wahl die meisten Stimmen auf sich vereint.

Bulytschows Stärken waren seine Beobachtungsgabe, der Sinn für Details und die glaubwürdige und lebendige Charakterdarstellung seiner Figuren. Seine Geschichten zeichnen sich durch eine Vorliebe für abstruse Situationen aus.

Bis zu seinem Tode sind von Bulytschow - Nachauflagen und Übersetzungen mitgerechnet - mehr als 550 belletristische Bücher in 24 Sprachen erschienen. Hinzu kommt eine große Anzahl Sachbücher, die er - unter seinem richtigen Namen - in 15 Sprachen veröffentlichte.

Am 5. September 2003 starb Kir Bulytschow im Alter von 68 Jahren. Für den Oktober 2003 war der Autor zu einer Lesung nach Leipzig eingeladen, wo er schon 1996 Ehrengast beim ElsterCon war.

Ivo Gloss

Deutsche Bücher von Kir Bulytschow/Igor Moshejko

SF und Phantastik Für Erwachsene

Kirill Bulytschow: Ein Takan für die Kinder der Erde. (C/OA) Phantastische Erzählungen.
(Moskau, Berlin: Verlage MIR und Das Neue Berlin, 1976) [Gemeinschaftsausgabe]
(München: Heyne, 1981) [im wesentlichen Material aus dem russischen Band Wunder in Guslar (1972). Guslar, Pawlysch und unabhängige Erzählungen]
Kirill Bulytschow: Das Mars-Elixier oder die Recken am Kreuzweg. Phantastische Erzählung.
(Berlin: Das Neue Berlin, 1980) [Guslar-Novelle]
Kir Bulytschow: Besuch aus dem Kosmos. (C/OA)
(Berlin: Neues Leben, 1982) [Das neue Abenteuer 428, Heft. Guslar-Erzählungen]
Kirill Bulytschow: Der Gebirgspaß. Phantastische Erzählung.
(Berlin: Das Neue Berlin, 1986) [Pawlysch-Zyklus. Diese Erzählung wurde später überarbeitet zum Teil des Romans Überlebende.]
Kirill Bulytschow: Überlebende. Roman.
(München: Heyne, 1995) [HSF 5371] [Pawlysch-Zyklus]
Kir Bulytschow: Der einheitliche Wille des gesamten Sowjetvolkes. (C/OA)
(Berlin: Gloss-Verlag/Shayol, 2004)

SF und Phantastik Für Kinder

Kir Bulytschow: Das Mädchen von der Erde. (C/OA)
(Berlin: Der Kinderbuchverlag, 1984) [Alissa-Zyklus. Auswahl aus Das Mädchen von der Erde (1974)]
Kir Bulytschow: Die lila Kugel.
(Berlin: Der Kinderbuchverlag, 1986) [Alissa-Geschichte]
Kir Bulytschow: Das Mädchen aus der Zukunft. (C/OA)
(Berlin: Der Kinderbuchverlag, 1987) [Alissa-Zyklus. Auswahl aus Das Mädchen aus der Zukunft]
Kir Bulytschow: Alissa jagt die Piraten.
(Berlin: Der Kinderbuchverlag, 1988) [Alissa-Zyklus, gekürzte Fassung]
Kir Bulytschow: Julka und die Außerirdischen. (C/OA) Zwei phantastische Geschichten.
(Berlin: Der Kinderbuchverlag, 1989)

Sachbücher

Igor Moshejko: Am Mast der Totenkopf. Piraterie im Indischen Ozean.
(Berlin: Das Neue Berlin, 1981)
Igor Moshejko: 7 und 37 Wunder der Welt.
(Moskau, Leipzig/Jena/Berlin: Verlage MIR und Urania, 1988)

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