Personen-Lexikon

Jeffrey Combs

Amerikanischer Schauspieler (*1954)

Theater | Re-Animationen | Bad Guys | Ambitionen | Tiron, Brunt und Weyoun | Neue Projekte

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Film
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Name: Jeffrey Combs
Geboren: 9.9.1954 in Oxnard/Kalifornien

Theater

Jeffrey Combs erhielt seine schauspielerische Ausbildung am Pacific Conservatory of the Performing Arts im kalifornischen Santa Maria, wo er bekannte Kollegen wie Robin Williams kennenlernte, und im Professional Actors Training Program der University of Washington in Seattle. Danach folgten Theaterauftritte am Old Globe Theatre in San Diego (Combs: »Ich glaube, Shakespeare war nicht meine Stärke ...«), der Arizona Theatre Company in Tucson, dem California Shakespeare Festival, dem Mark Taper Forum in Los Angeles sowie dem South Coast Repertory in Costa Mesa.

Obwohl er seine Laufbahn als Theaterschauspieler begann, gehört sein Herz dem Film. Selbst wenn er jetzt noch einmal Theater spielen wollte, sagt er, hätte er zuwenig Zeit dafür, weil er sich mehr auf seine Filmkarriere konzentrieren möchte. Auf der Bühne spielte er einmal die Rolle des Mortimer Brewster in dem Bühnenstück Arsen und Spitzenhäubchen, was ihm viel Spaß bereitete.

Re-Animationen

Seine erste Filmrolle hatte er 1981 in Da steht der ganze Freeway Kopf (Honky Tonk Freeway • USA 1981). Seine winzige Rolle in der berühmten Komödie Der Mann mit zwei Gehirnen (The Man With Two Brains • USA 1983) dürfte jedem Zuschauer in Erinnerung geblieben sein, denn hier rasierte er nicht nur den Unterleib von Kathleen Turner, sondern verzierte den obendrein mit einem Herz (schließlich war Valentinstag ...).

Bekannt wurde er als Dr. Herbert West im Horrorfilm Re-Animator - Der Tod ist erst der Anfang (Re-Animator • USA 1985), der nach einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft entstand, von dem Combs bis dahin nie gehört hatte. Auf die Frage, ob er etwas mit Herbert West gemeinsam hätte, sagte er: »Nichts! Und ich meine absolut nichts. Herbert ist asexuell - vielleicht auf einem unbewußten Niveau. Ich versuchte das in Bride of Re-Animator zu vermitteln, als Herbert in einer Szene Dan und das Mädchen für einen Augenblick im Bett beobachtete. Herb ist ein wenig verwirrt - er weiß nicht, was Intimität ist. Das ist etwas, wovor er Angst hat, weil er so sehr mit Leben und Tod beschäftigt ist. Wahrscheinlich kann er nicht darüber hinausblicken. Einer der Gründe, warum er so besessen von der Wiedergeburt ist, ist der, daß er nicht wie ein normales menschliches Wesen leben kann, also hat er sich einem anderen Leben verschrieben. Es ist sehr schwierig, mit solch einem Charakter etwas gemeinsam zu haben.«

Es folgten noch weitere Verfilmungen, die auf Lovecraft basieren: From Beyond - Aliens des Grauens (From Beyond • USA 1986), Bride of Re-Animator (Bride of Re-Animator • USA 1991), von dem er sagt, daß es kein besseres Sequel hätte geben können, Shocking Fear (Lurking Fear • USA 1994) und Necronomicon (USA 1994), in dem er H. P. Lovecraft selbst verkörperte. Combs hat überwiegend in Horror- und SF-Filmen mitgewirkt.

Von Rexosaurus (Doctor Mordrid • USA 1992) sagt Combs selbst, daß es ihm Spaß gemacht habe, eine mystische, geheimnisvolle, geradezu an den Zauberer Merlin erinnernde Figur gespielt zu haben.

Bei der Aufzählung der Filme Cellar Dweller (USA 1988), Robot Jox (Robot Jox • USA 1989), The Guyver (USA 1991), Necronomicon (1994), Shocking Fear (Lurking Fear • USA 1994), Time Tracers (USA 1995), Cyberstalker (USA 1995) und Castle Freak (Castle Freak • USA 1995) sagte Combs, daß einige dieser Filme nur reine »Jobs« waren, nichts Besonderes, auf das man stolz sein könnte. Bis auf Necronomicon und vielleicht Castle Freak ist seine Ansicht auch nachvollziehbar, obwohl die Dreharbeiten von Castle Freak in Italien unter sehr schlechten Bedingungen stattfanden. Es gab arge Verständigungsschwierigkeiten, da kein amerikanischer Produzent anwesend war und ständig Probleme auftauchten.

Was den Film Cyclone (Cyclone • USA 1987) betrifft, so sagt Combs, es wäre kein großartiger Film mit einem sehr kleinen Budget gewesen, und er hätte nur drei Tage am Set verbracht. Von Phantom Empire (USA 1986) hingegen versprach er sich anfangs mehr. Fred Olen Ray (Evil Toons), der Regisseur und damalige Nachbar von Combs, erzählte ihm eines Tages, daß er sein privates Geld zusammengekratzt hatte und nun einen Film drehen wollte - innerhalb einer Woche! Combs dachte, es würde ein interessantes Abenteuer werden und sagte zu - im nachhinein wünsche er sich, er hätte es nicht getan.

Bad Guys

Seine Rolle als FBI-Agent Milton Dammers in Peter Jacksons The Frighteners (The Frighteners • Neuseeland/USA 1996) war unumstritten seine bisher anspruchsvollste Rolle und genialste Darstellung. Für diesen Auftritt wollte er sich die Frisur des jungen Adolf Hitler schneiden lassen, um den geradezu unterwürfigen und überzeugten Staatsdiener noch aussagekräftiger darstellen zu können. Dammers ist nämlich ein so großer Patriot, daß er schon ein Faschist ist. Peter Jackson war von dieser Idee begeistert, aber einige deutsche Kritiker haben das mal wieder mißverstanden und Dammers als Nazi abgestempelt. Die abstehenden Ohren bekam Combs durch eine für den Zuschauer nicht sichtbare Befestigung hinter den Ohrmuscheln. Seine im Film fast schwarze Augenfarbe rührt von extrem dunklen Kontaktlinsen her, mit denen er während der Dreharbeiten nur sehr schlecht Dinge und Personen erkennen konnte.

In House on Haunted Hill (USA 1999) spielte er die kleine Rolle des Dr. Richard Vannacutt, einen Arzt, der in einer Anstalt für kriminelle Geistesgestörte Experimente an lebenden Menschen durchführte. Diese Rolle bekam er, da der Regisseur William Malone selbst ein Fan von Combs ist und schon eine Folge der SF-Serie Perversions of Science (Episode »The Exile«, 1997) als Regisseur mit ihm gedreht hatte.

Combs erinnert sich, daß er sich als Kind beim Film The Brain That Wouldn't Die (GB 1963) fast zu Tode geängstigt hat. Er mag die alten, atmosphärischen Klassiker, aber in seinen Rollen hat er die alten Filme nicht unbedingt als Vorbild genommen. Oft wurde Combs schon mit Vincent Price verglichen, was er als Kompliment sieht, obwohl er kaum mit Ähnlichkeit mit Price hat - bis auf die Tatsache, daß er bei der Agentur unter Vertrag steht, die damals auch Price vertreten hatte! Combs bezeichnet von ihm gespielte, negative Charaktere keinesfalls als »Schurken«. Er habe nie einen Bad Guy gespielt. »Ich bin einfach nur sehr ... intensiv!« Weiter meint er zu diesem Thema: »Wenn jemand sagt ‘Ok, ich spiele jetzt den Bad Guy’, dann ist meist alles, was er rüberbringt, nur der Bad Guy und kein menschliches Wesen. Wenn ich jemanden vielleicht erschrecke, dann ist das gut, aber ich sage nicht im voraus ‘So, ich will jetzt jemanden erschrecken.’«

Mit The Pit & the Pendulum (USA 1990) hatte Combs in bezug auf den integrierten Humor ein Problem. Es wäre, als sei es ein Film über Foltermethoden und religiöse Fanatiker mit einem unangebrachten Witzanteil. Er teilte seinem Freund und dem Regisseur des Films Stuart Gordon (Re-Animator) mit, daß er nicht zu komisch und zu dumm spielen könne, da seine Figur ja am Ende des Films das Königreich übernehmen sollte. Somit durfte sich Combs zurückhalten, aber trotz dessen findet er das Endprodukt störend, obwohl der Großteil der Fans an dem Film nichts auszusetzen hat.

Zitat: »Wenn man Kunst und Business verbindet, ist manchmal - nein, meistens die Kunst verloren.«

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Ambitionen

Der Film, den Combs persönlich am gelungensten findet, ist Love and a .45 (Love & a .45 • USA 1994)), weil er einmal ganz anders spielen konnte. Hier durfte er einen Akzent aus dem Süden der USA einsetzen, den er von seinen Eltern kannte, die aus Arkansas stammen. Wiederholungen von Rollen mag er gar nicht, denn er bevorzugt die Vielfältigkeit. Combs würde gerne mal in einem für ihn völlig neuem Genre mitwirken: einem Western, einer Komödie oder einem Drama. »Die Leute würden einen am liebsten kategorisieren und in eine Schublade stecken, damit man nicht soviel nachzudenken braucht«, sagt Combs. »Das Gute an Star Trek ist, daß ich damit in das SF-Genre gerutscht bin und nicht mehr nur als Horror-Schauspieler betrachtet werde«.

Combs hätte auch großes Interesse, selbst Regie zu führen. Er hat viele Erfahrungen mit guten und schlechten Regisseuren gesammelt, aber andererseits sagt er: »Ich glaube, ich habe zuwenig Ahnung von Technik, um ein großartiger Regisseur zu werden. Ich wünschte, ich wäre ein Autor, dann hätte ich etwas, um die Zeit zu überbrücken, wenn ich nicht vor der Kamera stehe. Ich bin irre, ich weiß nicht, was ich mit mir selbst anfangen soll. Das ist hart ... I need the box to play in.« Als Vater von zwei Kindern (er ist im April 1999 zum zweiten Mal Vater geworden) würde er gern ein wenig Zeit für seine Familie haben, aber »seit das Baby da ist, habe ich kaum noch Luft zum Atmen«. Die im Netz kursierende Gerüchte über eine Verwandtschaft zwischen Jeffrey und Holly Marie Combs (Charmed) konnten bisher weder bestätigt noch dementiert werden (aber Ähnlichkeiten sind durchaus vorhanden).

Tiron, Brunt und Weyoun

René Auberjonois alias Constable Odo, mit dem Combs Theater gespielt hatte, schlug ihn bei den Produzenten von Star Trek - Deep Space Nine (Star Trek: Deep Space Nine • USA 1993-99) für die Rolle des Brunt vor, nachdem Combs seinen ersten Auftritt als Tiron in der DS9-Folge »Meridian« unter der Regie von Jonathan Frakes hatte - den er ebenfalls schon seit langem kannte. Die Produzenten hatten jedoch Bedenken, daß die Zuschauer ihn eventuell wiedererkennen würden. Auberjonois erwiderte, daß Combs als Tiron unter einem Berg von Gummi unkenntlich gemacht worden war und das bei der Rolle des Ferengi auch der Fall sein würde. Also bekam Combs die Rolle des Brunt angeboten, die er so vortrefflich spielte, daß er sich als wiederkehrender DS9-Charakter integrieren konnte. Eines Tages gingen die Produzenten Ira Steven Behr, ein großer Re-Animator-Fan, und Hans Beimler zu Combs und lobten ihn, daß er er seine Sache richtig gut machte und sie ihm daher gern eine Rolle anbieten würden, in der er besser zu erkennen wäre. Combs faßte das lediglich als nettes Kompliment auf, aber tatsächlich bekam er wenig später die Rolle des neuen Charakters Weyoun angeboten.

Weyoun starb bereits in der Folge seines ersten Auftritts, und Combs dachte sich: »Das war's dann wohl«. Aber Weyoun wurde geklont und kehrte immer wieder zurück. Die Produzenten sorgten sogar dafür, daß Weyoun für einige Episoden die Raumstation während der Besetzung »übernehmen« durfte und somit in fast jeder zweiten Folge der 6. Season mitwirkte. Da Combs verschiedene »Weyouns« spielte, fragt man sich, ob er einen von ihnen bevorzugen würde. Das nicht, aber seine Lieblingsfolge ist »Treachery, Faith, and the Great River«, in der er eine Weyoun-Doppelrolle spielte. Die Idee, einen defekten Weyoun zu spielen, der vom neuesten Weyoun-Klon verfolgt wurde, und verbale Gefechte mit sich selbst auszutragen, brachte Combs jede Menge Spaß beim Drehen. Der Darsteller bezeichnete sich selbst sogar als »Trekker«, auch wenn sein Vater ihm früher verboten hat, die Serie zu sehen, weil sie »Unsinn« sei ... Neben Raumschiff Enterprise (Star Trek • USA 1966-69) waren seine früheren Lieblingsserien Twilight Zone und Outer Limits (in denen übrigens auch Star-Trek-Darsteller wie William Shatner oder Leonard Nimoy zu sehen sind).

Combs sagt, er hätte die Figur des Weyoun gleich das erste Mal, als er sich mit Make-up im Spiegel sah, verstanden. Er erkannte, daß er ein sehr raffinierter Gentleman war. »Er versucht, die Leute erst einmal zu beruhigen, der sie mit seiner Stimme einlullt, bis sie sich in vermeintlicher Sicherheit wiegen und wenig später acht Dolche in den Rücken gerammt bekommen.« - »Er ist die Art von Typ, der hereinkommt und sagt, daß du hervorragende Arbeit leistet, daß du dir keine Sorgen machen mußt, und zwei Tage später bekommst du ein Fax mit einer Kündigung.« Im Gegensatz zum Make-up des glatzköpfigen Brunt, das insgesamt anderthalb Stunden dauerte, waren für Weyoun fast zweieinhalb Stunden nötig. Allein die seidige und sehr feine Haarpartie nahm schon eine Stunde in Anspruch.

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Neue Projekte

Demnächst kann man ihn in der Comicverfilmung Faust sehen, die Anfang 2000 abgedreht wurde. Ebenfalls abgeschlossen sind die Dreharbeiten für den Horrorfilm Attic Expeditions, der in den USA zu Halloween 2000 und in Deutschland vermutlich Anfang 2001 in die Kinos kommt. Neben Combs, der in kurzer Zeit sehr viel Dialog abzuliefern hat, spielen Seth Green (Buffy), Ted Raimi (Xena), Andras Jones (Nightmare On Elm Street 4) und Alice Cooper. Die Dreharbeiten hatten für Combs großen Erfahrungswert, jedoch bedauert er, daß im Moment eine kleine Flaute herrscht und er bislang keine weiteren Angebote hat. Combs wurde schon vor Jahren wegen Attic Expeditions angeschrieben, aber das Geld der Produzenten wurde immer knapper, so daß sie gezwungen waren, die Szenen mit Combs zu verschieben, da seine Szenen in der letzten Woche gedreht werden sollten. Die Produzenten blieben optimistisch und bekamen letztendlich genügend Geld zusammen, um den Film beenden zu können. Während der Dreharbeiten zu Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (I Still Know What You Did Last Summer • USA 1998) bewunderte er besonders Jennifer Love Hewitt. Combs: »Gott, sie war wirklich großartig. Eine wirklich professionelle Schauspielerin, sehr gut vorbereitet und ein wahrer Schatz.«

Worauf sich alle Fans freuen können, ist der dritte Teil der Re-Animator-Filme. Doch obwohl sich in der Internet Movie Database spärliche Infos finden (Regie: Brian Yuzna, Darsteller: Jeffrey Combs und Bruce Abbott) und gar ein Plakat im Netz die Fans langsam unruhig macht, gibt Combs zu, daß zur Zeit das einzige, was mit einem dritten Teil zu tun hat, mehrere Verhandlungsgespräche sind. Es gibt noch zu viele Punkte, über die man sich erst einigen muß. Unter anderem möchte Combs verständlicherweise nicht »unter dem Durchschnitt« bezahlt werden, und des weiteren möchte er auch nicht, daß der dritte Teil zu schlecht wird und schnell aus der Erinnerung der Zuschauer verschwindet. Das andere Problem ist, daß der zweite Teil nicht viel Geld eingespielt hatte und daher die Produzenten noch nicht ganz von einer weiteren Fortsetzung überzeugt sind.

• Yvonne Völzer

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