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Prof. Dr. Herbert W. Franke

Deutscher Wissenschaftler und Schriftsteller (*1927)

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Herbert Werner Franke wurde am 14. Mai 1927 in Wien geboren, von 1945 bis 1950 studierte er an der dortigen Universität Physik, Mathematik und Chemie, in den Nebenfächern auch Psychologie und Philosophie. 1950 promovierte er mit einem Thema der Elektronenoptik zum Dr. phil. Die wissenschaftliche Tätigkeit war stets sein Hauptarbeitsfeld, dagegen war für ihn die Schriftstellerei stets ein sehr unterhaltsamer, aber dennoch ein Nebenberuf. Sein drittes Steckenpferd ist die Höhlen- und Karstforschung, auf diesem Gebiet war Franke an mehreren Entdeckungen im österreichischen Hochgebirge beteiligt und entwickelte eine wissenschaftliche Methode zur Altersbestimmung von sekundärem Kalk, also Tropfsteinen und Kalksinter. Nach einem Job im industriellen Bereich ist er seit 1957 freiberuflich tätig. Lehraufträge führten ihn jedoch 1973 bis 1997 an die Universität München (Kybernetische Ästhetik), 1979/80 an die Hochschule für Gestaltung Bielefeld (Einführung in die Science-fiction-Literatur und in die Wahrnehmungspsychologie) und 1984 bis 1998 an die Akademie der Bildenden Künste München (Computergrafik und Computerkunst). 1980 verlieh ihm das Österreichische Ministerium für Unterricht und Kunst den Berufstitel Professor. Bei der Konzeption des Space Centers in Bremen war er als Berater tätig.

Zahlreiche Fach- und Sachbücher zeugen von seiner rastlosen Forschertätigkeit, u. a. Wildnis unter der Erde (1956), Phänomen Technik (1962), Der manipulierte Mensch (1964), Phänomen Kunst. Die kybernetischen Grundlagen der Ästhetik (1967, erweitert 1974, 1979), Computergrafik – Computerkunst (1971, erweitert 1985), Geheimnisvolle Höhlenwelt (1974), Computergrafik-Galerie. Bilder nach Programm – Kunst im elektronischen Zeitalter (1984), Das P-Prinzip. Naturgesetze im Rechnenden Raum (1995) und Vorstoß in die Unterwelt – Abenteuer Höhlenforschung (2003).

Wie aus der Veröffentlichungsliste hervorgeht, ist Franke auch ein Pionier der Computergrafik und Digitalfotografie. Schon bald nach seiner Dissertation machte er erste Experimente mit Analoggrafik, der Gestaltung elektronischer Schwingungen auf einem Oszillografen. bereits ab 1970 entwickelte er Computergrafik-Programme auf digitalen Großrechnern. Das Ergebnis waren schon 1973 computeranimierte Filme und Multimedia-Projektionen. Korrespondierend damit erprobte er auch experimentelle Fototechniken.

Diese vielfältigen Interessen vertragen sich hervorragend mit den schriftstellerischen Ambitionen Herbert W. Frankes. Die Science Fiction ist sein Medium, um bekannte Entwicklungen zu popularisieren, aber auch futurologische Szenarien zu erproben.

Schon als Junge las Franke begeistert phantastische Geschichten, 1953 debütierte er als Autor mit einer Story in der österreichischen Literaturzeitschrift Neue Wege. Da dieses Magazin nur wenigen deutschen Lesern bekannt sein dürfte, gilt allgemein ein Beitrag aus dem Jahr 1958 im redaktionellen Anhang des Utopia-Großbandes 68 als sein Einstieg in die SF. Die knapp zwei Seiten lange Geschichte schildert ein Liebespaar, das nur rein platonisch verkehren kann, da das Mädchen auf einer Welt mit einer 98-prozentigen Sauerstoffatmosphäre lebt, in der ihr Freund wie eine Sternschnuppe verglühen würde.

1960 kam Herbert W. Franke offiziell als Herausgeber der SF-Reihe zum Goldmann-Verlag. Tatsächlich war er aber mehr ein Gutachter, der die zur Veröffentlichung anstehenden Manuskripte auf wissenschaftliche Genauigkeit zu prüfen hatte. Bis 1965 erschienen bei Goldmann auch sechs eigene Romane (davon einer unter dem Pseudonym Sergius Both) und ein Erzählungsband. Diese Bücher prägten die ganze folgende Generation deutscher SF-Autoren, sie waren stilweisend und ideenstiftend und haben bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Vielleicht auch deshalb, weil er mit vielen seiner Ideen seiner Zeit voraus war. Wer konnte schon in den 1960er Jahren etwas mit virtuellen Realitäten anfangen! Eingängiger waren seine dystopischen Gesellschaftsentwürfe. Für die Protagonisten gibt es scheinbar kein Entrinnen aus ihrer fremdbestimmten Existenz, selbst wenn sie sich zum Aufstand entschließen. Typisch für die frühen Romane ist auch eine scheinbar in mehrere parallele Stränge gegliederte Handlung, die sich erst gegen Schluss zusammenfügt und ungeahnte Zusammenhänge erkennen lässt.

Im Band Der grüne Komet erschienen 1960 zunächst 65 kurze SF-Storys, die die ganze Bandbreite seines frühen Werkes offenbaren. Den Miniaturen ist jeweils eine kleine Einleitung vorangesetzt. Bereits 1961 kamen dann die Romane Das Gedankennetz und Der Orchideenkäfig heraus, Meisterwerke, die eine Zukunftswelt schildern, in der die Menschen bereits Teil einer völlig manipulierten und cyborgisierten Welt sind, Sklaven der Technik, der sie sich einst freiwillig anvertraut haben. Die Glasfalle (1962) ist gewissermaßen eine Geschichte in der Geschichte, denn der Roman schildert eine gescheiterte Revolution aus der Sicht später erfolgreicher Revolutionäre. Mit Die Stahlwüste (1962) und Der Elfenbeinturm (1965) endet diese erste Phase in Herbert W. Frankes Werk, der sich erst nach einer Pause von fünf Jahren wieder der Science Fiction zuwandte.

In seiner mittleren Schaffensphase bis 1990 bekommt das Bild der totalen Ausgeliefertheit langsam Risse. Dem Roman Zone Null (1970) folgten 1972 die Collection Einsteins Erben und 1976 der Roman Ypsilon minus. Insbesondere letzterer steht für eine neue Qualität. Franke adaptiert faktisch George Orwells 1984 in die moderne Realität der Bundesrepublik. Die beklemmende Handlung stellt den Protagonisten vor die Frage, was überhaupt real ist, wenn die Grenzen zwischen virtueller und tatsächlicher Welt immer mehr verschwimmen. Die Bücher werden neben der sozial- und technologiekritischen Komponente zunehmend auch eine Spur metaphysisch. Hier wäre insbesondere der Roman Endzeit (1985) zu nennen, der auf die Romane Sirius Transit (1979), Schule für Übermenschen (1979), Tod eines Unsterblichen (1982), Transpluto (1982), Die Kälte des Weltraums (1984) und die Erzählungsbände Zarathustra kehrt zurück (1977) und Paradies 3000 (1981) folgte. Endzeit thematisiert den Versuch, die Versorgungsprobleme eines Planeten mit Hilfe einer Computersimulation zu lösen. Das wäre aber letztlich eine rein akademische Maßnahme geblieben, wenn nicht ein plötzlich einsetzender sintflutartiger Regen die Trockenheit beendet hätte. Besonders interessant ist auch der Band Keine Spur von Leben, in dem Herbert W. Franke 1982 seine SF-Hörspiele zusammenstellte.

Mit DEA ALBA wagte er 1988 in Zusammenarbeit mit dem Elektronik-Musiker Michael Weisser ein literarisches Experiment. Dem Buch lag eine Musikkassette bei, allein beides zusammen ergibt die richtige Stimmung und das Verständnis für die Handlung.

Nach den Romanen Hiobs Stern (1988) und Zentrum der Milchstraße (1990) sowie den Erzählungsbänden Der Atem der Sonne (1986) und Spiegel der Gedanken (1990) setzte eine erneute Schaffenspause ein, die bis zum Jahr 2004 andauerte. In Zentrum der Milchstraße kommt das sich zunächst nur andeutende metaphysische Element voll zum Tragen. In einem modernen Der-Name-der-Rose-Szenario verbinden sich Religion und Wissenschaft zu einem gleichsam magischen Ganzen. Es ist unwichtig, wie man es definiert, letztlich ist die Lösung entscheidend, nicht der Weg dorthin. Religion hat für Franke nicht nur spirituelle, sondern auch psychologische, soziologische und politische Aspekte. Sie ist für ihn dort besonders wichtig, wo es nicht genug gesichertes Wissen gibt, um optimale Entscheidungen treffen zu können.

Zwischen 1974 und 1979 war Herbert W. Franke auch Co-Herausgeber der SF-Reihe des Heyne-Verlags und stellte, abwechselnd mit Wolfgang Jeschke, die Anthologiereihe Science Fiction Story Readerzusammen. 1979 kehrte er zum Goldmann-Verlag zurück und gab 1980 bis 1982 die Anthologien SF Internationalheraus, 1986 dann beim Ullstein-Verlag die Anthologien Kontinuum I bis III.

In Frankes neuestem Roman Sphinx_2 (2004) geht es wieder um eine streng hierarchische Gesellschaft. Die Reichen und Mächtigen wohnen luxuriös in Kuppelstädten, während die Unterprivilegierten außerhalb der Kuppeln in einer zerstörten Umwelt klarkommen müssen. Der Wissenschaftler Gareth wird in doppelter Hinsicht zum Opfer, da er sich zudem als Klon eines reichen Stadtbewohners erweist, dazu verurteilt, mit seinen Organen dem Original das Leben zu verlängern.

Zur Zeit arbeitet Herbert W. Franke an einem Roman mit dem Arbeitstitel Cyber City Süd, in dem es um eine Vergnügungsstadt der nahen Zukunft geht. Deren Bewohner merken zu spät, dass sie durch die rigide Unterdrückung der Unterschicht eine politische Katastrophe und letztlich ihren eigenen Untergang heraufbeschwören.

Herbert W. Franke wurde in seinem Leben mit vielen Auszeichnungen und Ehrungen bedacht. So ist er Berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie, des Deutschen PEN-Clubs, der Grazer Autorenversammlung und der Gesellschaft Bildender Künste Österreichs »Künstlerhaus«, Ehrenmitglied der Inter-Society for Electronic Art (ISEA) und Mitglied von ARS MATHEMATICA Paris und des Art Research Center Kansas. 1986 wurde ihm der Kurd Laßwitz Preis verliehen, 1987 der Computerkunstpreis der Vereinigung Deutscher Software-Hersteller e. V., 1989 der Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar, 1992 der Karl-Theodor-Vogel-Preis für Technik-Publizistik und 2002 der Dr.-Benno-Wolf-Preis für Verdienste in der Höhlenforschung. Er gilt zu Recht als Multitalent und einer der wichtigsten deutschsprachigen SF-Autoren der Neuzeit.

Siegfried BreuerALIEN CONTACT

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Herausgeber – Autor – Wissenschaftler • Interview mit Herbert W. Franke
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