Personen-Lexikon

Stanley Kubrick

Amerikanisch-Britischer Filmregisseur und Produzent (1928-1999)

Frühe Werke | Wege zum Ruhm | Meisterwerke | Späte Werke | Der Besessene | Filmographie

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Film
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Name: Stanley Kubrick
Geboren: 26.7.1928 in New York
Gestorben: 7.3.1999 in St. Albans/England

Frühe Werke

Stanley Kubrick ist der Sohn eines Arztes aus einer jüdisch-amerikanischen Mittelstandsfamilie mit Wurzeln in Österreich-Ungarn. Er wuchs in der Bronx auf und brach früh die Schule ab, um Fotograf zu werden. Mit 16 Jahren, noch während seiner Highschool-Zeit, schoß er ein Foto von einem Zeitungsverkäufer am Tag nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt. Dieses Bild wurde sofort vom Magazin Look gekauft, und bereits mit 18 Jahren verdiente Kubrick sein Geld als freier Bildreporter für das Magazin.

Nach einer Fotoserie über den Boxer Walter Cartier drehte er den 16-mm-Kurzfilm Day of the Fight (USA 1950), den er aus eigener Tasche finanzierte und mit 100 Dollar Gewinn an RKO-Pathé für deren Dokumentationsserie This Is America verkaufen konnte. Danach folgte die Kurzdokumentation Flying Padre (USA 1951) über einen Priester in New Mexiko, der seine Gemeinde mit dem Flugzeug besucht. Im Auftrag der Internationalen Seemannsgewerkschaft entstand Kubricks erster Farbfilm The Seafarers (USA 1953), eine Dokumentation über die Arbeit von Seeleuten.

Dann überredete er seine Familie zur Finanzierung seines ersten Spielfilms, Fear and Desire (USA 1953), in dem es um einen fiktiven Krieg geht. Darin spielte unter anderem der spätere Regisseur Paul Mazursky mit. Der Film kostete 9000 Dollar, mußte aber noch aufwendig nachsynchronisiert werden. Der Audodidakt Kubrick hatte sich vor Drehbeginn vom Kameraverleiher erklären lassen, wie die Mitchell-Kamera funktioniert. Fear and Desire wurde anschließend in einigen kleineren New Yorker Kinos gezeigt.

Der Produzent Richard de Rochemont, der Kubrick bei der Finanzierung dieses Films geholfen hatte, verschaffte ihm daraufhin einen Job als Second-Unit-Regisseur für die Fernsehserie Omnibus (USA 1953-57). Kubrick drehte Außenaufnahmen für mehrere Episoden, in denen es um das Leben von Abraham Lincoln ging.


Foto: Berlinale

Wege zum Ruhm

Danach drehte er für ein geringes Budget das Boxer-Drama Der Tiger von New York (Killer’s Kiss • USA 1955). All diese frühen Filme zog Kubrick später aus dem Verkehr, weil er sie als unvollkommene Übungen betrachtete. Durch Der Tiger von New York wurde der unabhängige Produzent James B. Harris auf den jungen Filmemacher aufmerksam und produzierte in den folgenden sechs Jahren drei der nächsten vier Filme Kubricks.

Die Rechnung ging nicht auf (The Killing • USA 1956) entstand nach dem Roman Clean Break von Lionel White für ein Budget von 320.000 Dollar mit den Stars Sterling Hayden und Elisha Cook jr. Mit diesem Film über einen perfekt geplanten Überfall auf ein Wettbüro schloß der Autodiakt seine Lehrjahre ab und hatte seine handwerklichen Schwächen überwunden.

Als nächstes drehte Kubrick den Antikriegsfilm Wege zum Ruhm (Paths of Glory • USA 1957) nach dem Roman Paths of Glory (1935) von Humphrey Cobbs mit Kirk Douglas und Adolphe Menjou.

Anschließend arbeitete Kubrick sechs Monate lang an einem Drehbuch für Marlon Brando, doch aufgrund künstlerischer Differenzen wurde er ausbezahlt und nicht als Regisseur verpflichtet. Daraufhin übernahm Brando neben der Hauptrolle selbst die Regie für den Western Der Besessene (One-Eyed Jacks • USA).

Die Gelegenheit zu einem großen Karrieresprung erhielt Kubrick, als Kirk Douglas ihn mit der Regie für Spartacus (Spartacus • USA 1960) beauftragte, nachdem der erste Regisseur Anthony Mann nach nur einer Woche Drehzeit ausgestiegen war. Das 12-Millionen-Dollar-Projekt wurde von Douglas eigener Firma Bryna produziert. Diese Arbeit war für Kubrick künstlerisch unbefriedigend, weil er keine letzte Kontrolle über das Werk hatte, aber sie wurde gut bezahlt, wodurch der Regisseur nun seinen unabhängige Karriere fortsetzen konnte.

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Meisterwerke

1960 emigrierte er von den USA nach England, weil er sein nächstes Projekt Lolita (Lolita • GB 1962) nicht in den Staaten realisieren konnte. Die Rechte an Wladimir Nabokovs gleichnamigen Roman hatten Kubrick und Harris bereits 1958 gekauft.

Den endgültigen Durchbruch schaffte Kubrick mit Dr. Seltsam, oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Dr. Strangelove, or How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb • GB 1964), der Atomkriegsfarce mit Peter Sellers, die sogar für den Oscar nominiert wurde. Der künstlerische und kommerzielle Erfolg dieses Films bildete die Grundlage für seine nächsten Projekte.

1964 nahm Kubrick Kontakt mit dem Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke auf, um gemeinsam mit ihm ein Drehbuch zu entwickeln, aus dem vier Jahre später das Meisterwerk 2001 - Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey • GB 1968) wurde. Für diesen Film wurde Kubrick erstmals mit dem Oscar ausgezeichnet - allerdings nicht für die Regie, sondern für die Spezialeffekte.

Danach arbeitete er einige Jahre lang an seinem Lieblingsprojekt Napoleon, das gekippt werden mußte, als Dino de Laurentiis mit Waterloo (Waterloo • I/SU 1970) einen Flop landete. Dennoch versuchte Kubrick bis zu seinem Tod immer wieder, die Idee zu verwirklichen. In verschiedenen Vorbereitungsphasen waren Ian Holm und Jack Nicholson für die Titelrolle vorgesehen.

Statt dessen inszenierte Kubrick Uhrwerk Orange (A Clockwork Orange • GB 1971) nach dem gleichnamigen, 1962 erschienenen Roman von Anthony Burgess. Diese gnadenlos pessimistische Abrechnung mit dem Thema Gewalt erhielt vier Oscar-Nominierungen, war jedoch sehr umstritten und stand in Großbritannien zeitweise auf dem Index.

Späte Werke

Das aufwendige Sittengemälde Barry Lyndon (Barry Lyndon • GB 1975) entstand nach dem Roman von William Thackeray Barry Lyndon (The Luck of Barry Lyndon • 1844). Nach jahrelanger intensiver Vorbereitung dauerten die Dreharbeiten 300 Tage, und der Schnitt beanspruchte einige weitere Monate. Der Perfektionist Kubrick ließ ein Kameraverfahren entwickeln, mit dem bei Kerzenlicht gedreht werden konnte, und setzte die erste brauchbare Steady-Cam ein. Das Werk wurde mit vier Oscars ausgezeichnet und für drei weitere nominiert. Es kostete elf Millionen Dollar, brachte an der Kinokasse aber nicht den erwarteten Erfolg ein.

Ein großer Erfolg war Kubricks nächster Film Shining (The Shining • USA 1979) nach dem Roman Shining (The Shining • 1977) von Stephen King, der mit der Filmversion jedoch gar nicht zufrieden war. In der Rolle des langsam durchdrehenden Schriftstellers lief Jack Nicholson zur Bestform auf.

Kubricks dritter Antikriegsfilm war Full Metal Jacket (Full Metal Jacket • GB 1987) - der erste Vietnamfilm, der nicht in Südostasien, sondern komplett in England gedreht wurde.

Anfang der neunziger Jahre arbeitete der Regisseur an einem Projekt, das auf der Kurzgeschichte »Super-Toys Last All Summer Long« (1969) von Brian Aldiss basierte. Am Drehbuch arbeiteten neben Aldiss auch die Schriftsteller Bob Shaw, Ian Watson und Sara Maitland mit. Kubrick wollte mit der Realisierung warten, bis die Tricktechnik weit genug fortgeschritten war, um seine Ideen umsetzen zu können. Erst nach seinem Tod wurde  A. I. Künstliche Intelligenz (A. I. Artificial Intelligence • USA 2001) unter der Regie von Steven Spielberg Wirklichkeit.

1997 wurde Stanley Kubrick von der Directors Guild of America für sein Lebenswerk mit dem D. W. Griffith Award ausgezeichnet. Im gleichen Jahr begann er mit den Dreharbeiten zu Eyes Wide Shut (Eyes Wide Shut • USA 1999) nach der Traumnovelle (1926) von Arthur Schnitzler mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen. Nach einer Rekorddrehzeit von 14 Monaten wurde der Film Anfang März 1999 fertig - wenige Tage später starb Stanley Kubrick im Schlaf.

Der Besessene

Stanley Kubrick war der außergewöhnlichste und eigensinnigste Filmregisseur des 20. Jahrhunderts. Der Perfektionist ließ manche Szene bis zu über hundertmal wiederholen, um das Beste aus seinen Schauspielern herauszuholen und genügend Material für den Schnitt zu haben. Er wollte jeden Aspekt der Filmarbeit kontrollieren und ließ sich sogar die synchronisierten Fassungen seiner Filme zurückübersetzen. Als Journalisten ihm dumme Fragen zu 2001 stellten, beschloß er, sich nie wieder interviewen zu lassen. Seit 1970 trat er nicht mehr in der Öffentlichkeit auf und ließ sich kaum noch fotografieren. Obwohl er eine Pilotenlizenz besaß und mindestens 150 Flugstunden absolviert hatte, bestieg er kein Flugzeug und ließ sich nur von einem erfahrenen Rennfahrer chauffieren.

Typisch für Kubricks Filme sind die pessimistische Grundhaltung, die mit einem sehr hintergründigen Humor vermittelt wird, die intensive Bildsprache, der bewußte Einsatz von Musik und die langen Einstellungen. Viele Motive werden immer wieder aufgegriffen, beispielsweise die Korridorfahrten durch die Schützengräben in Wege zum Ruhm bis zum psychedelischen Sternentor-Trip in 2001. Auch seine Vorliebe für groteske Überzeichnungen zieht sich quer durch sein Werk, von der Parodie Dr. Seltsam bis zum Phallus-Mord in Clockwork Orange. Steven Spielberg über Stanley Kubrick: »Kubrick hat mehr als nur Filme gemacht. Er schuf neue Seherfahrungen, die intensiver wurden, je öfter man seine Filme sah.«

Der Regisseur war ab 1947 mit seiner ehemaligen Klassenkameradin Taba Metz verheiratet. 1952 ließ er sich von ihr scheiden und heiratete im selben Jahr die Tänzerin Ruth Sobotka, die eine kleine Rolle in Der Tiger von New York gespielt hatte. 1958 ging er seine dritte Ehe mit der Schauspielerin Susan Christian alias Susanne Christiane Harlan ein, der Nichte des Schauspielers Veit Harlan, die in Wege zum Ruhm als deutsches Mädchen zu sehen war. Stanley Kubrick hinterläßt drei Töchter, Abigail, Anya und Vivian, die in 2001 mit fünf Jahren in einer kleinen Rolle als Dr. Floyds Tochter auftrat und später die Dokumentation The Making of the Shining (USA 1980) drehte.

Zu den 51. Internationalen Filmfestspielen Berlin wurden am 18.2.2001 eine rekonstruierte Fassung von 2001: Odyssee im Weltraum und die Dokumentation Stanley Kubrick - A Life in Pictures (GB 2001) von Kubricks Schwager und langjährigem Produzenten Jan Harlan aufgeführt.

Bernhard Kempen

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Filmographie

  • Der Tag des Kampfes (Day of the Fight • USA 1949, Dokumentarfilm)
  • Der fliegende Priester (Flying Padre • USA 1951, Dokumentarfilm)
  • The Seafarers (USA 1953, Dokumentarfilm)
  • Furcht und Begierde (Fear and Desire • USA 1953)
  • Der Tiger von New York (Killer's Kiss • USA 1955)
  • Die Rechnung ging nicht auf (The Killing • USA 1956)
  • Wege zum Ruhm (Paths of Glory • USA 1957) Bestellen
  • Spartacus (Spartacus • USA 1959/60) Bestellen
  • Lolita (Lolita • GB 1961) Bestellen
  • Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Dr. Strangelove or how i learned to Stop worrying and love the Bomb • GB 1963 Bestellen
  • 2001: Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey • GB/USA 1968) Bestellen
  • Uhrwerk Orange (A Clockwork Orange • GB 1971) Bestellen
  • Barry Lyndon (Barry Lyndon • GB 1975) Bestellen
  • Shining (The Shining • GB 1979) Bestellen
  • Full Metal Jacket (Full Metal Jacket • USA/GB 1987) Bestellen
  • Eyes Wide Shut (Eyes Wide Shut • USA 1999) Bestellen
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