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Robert Merle

Französischer Schriftsteller (1908 – 2004)

Science Fiction > Alien Contact
Personen-Lexikon
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Der 1908 in Algerien als Sohn eines französischen Offiziers geborene Schriftsteller Robert Merle studierte Philosophie und Anglistik, eine Zeit lang war er als Hochschullehrer tätig. Obwohl er spätestens seit seinem mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman Wochenende in Zuydcoote (1949) sehr erfolgreich war, schrieb er bis zu seiner Pensionierung nur nebenberuflich. In Wochenende in Zuydcoote verarbeitete Merle eigene Erlebnisse als Soldat in Dünkirchen und in der deutschen Kriegsgefangenschaft. Die Eindrücke aus jener Zeit motivierten ihn auch zu seinem wohl bekanntesten Roman La Mort est mon métier (1952, dt. Der Tod ist mein Beruf), der sich an die Biographie des KZ-Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, anlehnt.

Robert Merles eher linke politische Einstellung (er war Mitglied der französischen Kommunistischen Partei) schlägt sich in seinem literarischen Werk nieder. Nebenhandlungen und -figuren tauchen dabei öfter in anderen Romanen wieder auf, so dass die Bücher gewissermaßen miteinander verzahnt sind, ohne dass daraus ein Endlos-Zyklus entsteht. Viele sind sozialkritische Gegenwartsromane, wie etwa Moncada (1965, über die kubanische Revolution) oder Hinter Glas (1970, über die Studentenrevolte der so genannten 68er). Der soziale Sprengstoff wirkt aber auch im Kleinen - so zerbricht die scheinbar heile Idylle in Die Insel (1962) und endet in einem Desaster.

In seinem Spätwerk wich Merle von dieser Linie ab, ohne sich mit der Gesellschaft grundsätzlich zu arrangieren. Die Konflikte verlagern sich lediglich in die Vergangenheit. Ein zehnbändiges historisches Werk behandelt die Geschichte der Adelsfamilie Siorac in der Zeit von 1550 bis 1643.

Robert Merle, eher Gast im phantastischen Genre, sah sich nie als Science-Fiction-Autor, sondern als Autor »politisch-utopischer« Romane. Für die französische SF waren Un animal divé de raison (1967, dt. Der Tag der Delphine, auch Ein vernunftbegabtes Tier), Malevil (1972, dt. Malevil) und Les Hommes protégés (1974, dt. Die geschützen Männer) die prägendsten Werke. Als Grenzfall zur Science Fiction kann man Madrapour (1976) ansehen, das sich ebenfalls phantastischer Elemente bedient.

Der Tag der Delphine nimmt eine Entwicklung vorweg, die nicht lange nach dem Erscheinen des Buches traurige Realität wurde. Nachdem offenbar wurde, dass Delphine (in dem Fall Tümmler) über eine nachweisliche Intelligenz verfügen, hat das US-Militär nichts eiligeres zu tun, als die von Natur aus neugierigen Meeressäuger zu Selbstmordattentätern, zu lebenden Torpedos, auszubilden. Der Nah-SF-Roman spielt in den Jahren 1970 bis 1973. Wie auch Malevil wurde er verfilmt. In Malevil geht es um das Überleben in einer Welt nach dem Atomkrieg.

Die geschützten Männer hält der modernen westlichen Gesellschaft einen parodistischen Spiegel vor. Werden heute immer noch Frauen in Beruf und Alltag tagtäglich diskriminiert und »an den Herd« geschickt, so sind es nach einer verheerenden Epidemie die Männer, die sich einem Matriarchat beugen müssen. Die männliche Population wurde derart dezimiert, das zeugungsfähige Exemplare im 21. Jahrhundert als Samenspender interniert und vor sich selbst geschützt werden. Ein freies Handeln ist ihnen nur noch sehr begrenzt möglich, eine Flucht lebensgefährlich.

Robert Merle starb am 28. März 2004 im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in der Nähe von Paris.

Siegfried BreuerALIEN CONTACT

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