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Alien Contact Personen-Lexikon |
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| Charles Sheffield studierte in Cambridge Mathematik und Physik. Mitte der
60er Jahre wanderte der gebürtige Brite in die USA aus. Er war im Verlauf seiner
wissenschaftlichen Tätigkeit Dozent am American Institute of Aeronautics und
Astronautics, Präsident mehrerer astronomischer und astronautischer Vereinigungen,
Forscher und Berater der NASA und Gutachter für das US-amerikanische Parlament und den
Senat. Sheffield veröffentliche seit 1962 eine große Anzahl wissenschaftlicher und
populärwissenschaftlicher Artikel sowie einige Sachbücher, u. a. Earthwatch
(1981), Man on Earth und The World of 2044: Technological Development and the
Future of Society (1994). Anfang der 70er Jahre kam Charles Sheffield durch die Lektüre von Larry Nivens Ringwelt auf die Idee, selbst Science Fiction zu schreiben. 1977 gab er mit der Kurzgeschichte »What Songs the Sirens Sang« in GALAXY sein Debüt, dieser folgten viele weitere Storys, auch in anderen Zeitschriften wie ANALOG, SCIENCE FICTION AGE, INTERZONE und dem MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION. So gerüstet wagte er sich an seinen ersten SF-Roman, der thematisch noch auf mehreren Erzählungen aufbaute, die durch eine gemeinsame Welt verknüpft waren. Sight of Proteus (dt. Der neue Proteus bzw. Die Gesichter des Proteus) erschien 1978 und bildet den ersten Teil der Proteus-Trilogie. Die Fortsetzungen Proteus Unbound (dt. Der entfesselte Proteus) und Proteus in the Underworld (dt. Proteus in der Unterwelt) folgten 1988 bzw. 1995. Grundidee der Trilogie ist eine Biotechnologie, die es den Menschen ermöglicht, ihre Körper den Bedingungen des Weltraums und fremder Planeten anzupassen, sie zu optimieren. Die dunkle Seite der Idee lässt freilich nicht lange auf sich warten, der Schwarzmarkt mit illegalen Körperformen blüht, die Zahl der Missbildungen unter den Formveränderten wächst, und die ursprünglichen Menschen stehen den Veränderten zunehmend ablehnend gegenüber. Die gesamte Gesellschaft gerät in eine tiefe Krise. Der Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation, die Abgründe des totalen Werteverfalls und nukleare Katastrophen bestimmen das ganze Werk Charles Sheffields. Ein großer Teil seiner etwa vierzig Romane und mehr als einhundert Kurzgeschichten und Novellen beschäftigt sich weniger mit Technik und naturwissenschaftlichen Phänomenen als mit der menschlichen Tragikomödie. Herausragende Beispiele dafür sind Between the Strokes of Night (1985, dt. Zwischen den Schlägen der Nacht), Trader's World (1988, dt. Die Welt der Handelsfahrer), Brother to Dragons (1992) sowie die in der gleichen Welt angesiedelten Bücher Cold as Ice (1992) und The Ganymed Club (1995). Eher leichte Lektüre stellen die Romane der »Jupiter«-Reihe dar, die Sheffield zusammen mit Jerry Pournelle konzipierte, aber bis auf den ersten Band allein schrieb: Higher Education (1996), The Billion Dollar Boy (1997), Putting Up Roots (1997) und The Cyborg from Earth (1998). Im Wesentlichen geht es um die Machenschaften intergalaktischer Konzerne und die Abenteuer junger reicher Schnösel, die mal gut und mal weniger gut ausgehen. Seine Herkunft als Wissenschaftler konnte und wollte Charles Sheffield auch als SF-Autor nie leugnen. Daher sieht man ihn als Vertreter der Hard-SF, die das wissenschaftlich-technische Element stärker betont. Raumfahrt-Technologie vermischt sich jedoch oft mit mythischen Motiven, insbesondere Questen. So geht es in den drei Büchern um das Heritage Universe (1990/92) weniger um den drohenden Kollaps eines bewohnten Doppelplanetensystems, sondern um rätselhafte Alien-Artefakte und die Suche nach den verschollenen Außerirdischen. Ähnlich auch in Godspeed (1993), wo die Expansion der Menschheit stagniert, weil ihr der sagenhafte Godspeed-Raumschiffantrieb abhanden gekommen ist. In einem seiner letzten Romane, Aftermath (1998, dt. Feuerflut), wird der sonnennahe Stern Alpha Centauri zur Supernova - mit dramatischen Folgen für die Erde, die auf den Stand vor der Industrialisierung zurückgeworfen wird. Ansonsten bleibt alles beim Alten, Sektenführer versprechen Wunder, der US-Kongress schmiedet Welteroberungspläne, die Reichen werden reicher und die Armen zahlreicher. Sheffields bekanntester Hard-SF-Roman dürfte The Web Between the Worlds (1979, dt. Ein Netz aus Tausend Sternen) sein, in dem er einen Fahrstuhl von der Erde zu den Sternen beschreibt, der an einem 105 000 Kilometer langen Seil befestigt ist, die teuren Shuttleflüge ersetzten soll und als Prototyp für ein ganzes Netz solcher Seilbahnen gedacht ist. Endstation ist in diesem Fall ein eingefangener Asteroid. Für sein Werk wurde Charles Sheffield mehrfach ausgezeichnet, so 1991 mit dem japanischen Seiun Award und 1992 mit dem John W. Campbell Memorial Award, für die Novelle »Georgia on My Mind« erhielt er sowohl den Hugo Gernsback Award als auch den Nebula Award. Eine Zeit lang war Sheffield Präsident der Science Fiction Writers of America. Die deutschen Leser konnten Charles Sheffield 1998 beim 4. ElsterCon in Leipzig kennen lernen, wo er zusammen mit seiner Frau, der SF-Autorin Nancy Kress, Ehrengast war. Charles Sheffield erlag am 2. November 2002 im Alter von 67 Jahren den Folgen eines Gehirntumors. |
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