ALIEN CONTACT

J. R. R. Tolkien

Britischer Schriftsteller (1892-1973)

Science Fiction > Alien Contact
Personen-Lexikon
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Name: John Ronald Reuel Tolkien
Geboren: 3.1.1892 in Blomfontein/Südafrika
Gestorben: 2.9.1973 in Bournemouth/England
J. R. R. Tolkien kam in Südafrika zur Welt, wo sein Vater eine Stellung als Bankangestellter übernommen hatte. Bereits 1895 kehrte die Familie in ihre englische Heimat in der Nähe von Birmingham zurück. Ein Jahr später starb sein Vater, 1904 seine Mutter, worauf der Waisenjunge von einer Tante und einem katholischen Geistlichen erzogen wurde. Seine herausragende Sprachbegabung wurde schon früh entdeckt. Nach Abschluß der Schule beherrschte er neun Fremdsprachen (Latein, Griechisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Altenglisch, Altnordisch, Isländisch und Finnisch). Zu den verblüffendsten Elementen seiner späteren literarischen Arbeit zählten vollständige Kunstsprachen, die er für die Völker in seinen Geschichten entwickelte.

Im Ersten Weltkrieg diente Tolkien bei den Lancashire Fusiliers. Die Kriegserlebnisse bewegten ihn tief. Der Grausamkeit des modernen Krieges setzte er seine Vorstellungen über eine romantische Epoche der Vergangenheit und die nordischen Mythologien entgegen. Verknüpft mit seiner Liebe zur englischen Landschaft und seinem Faible für Sprachen beherrschten diese Motive sein literarisches Werk.

Tolkien hatte schon vor Kriegsbeginn an der Oxford University ein Englisch-Studium begonnen, das er nach dem Krieg beenden konnte. Von 1918 bis 1920 war er Mitarbeiter des renommierten Oxford English Dictionary. Danach lehrte er bis 1959 an verschiedenen Universitäten als Professor für englische Sprache. Die frühen Formen des Englischen waren sein Spezialgebiet. 1945 erhielt er einen Ruf seiner Almer Mater und bekleidete bis zu seiner Emeritierung in Oxford die Merton-Professur. Auf dem Fachbuch-Sektor machte er sich früh mit A Middle English Vocabulary (1924) einen Namen. Es folgten weitere Arbeiten, darunter eine Neu-Ausgabe von Sir Gawain and the Green Knight (1925), die zusammen mit E. V. Gordon entstand.

Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs unterhielt Tolkien in Oxford literarische Freundschaften zu C. S. Lewis, Owen Barfield und Charles Williams. Die Gruppe wurde unter der Bezeichnung »The Inklings« (inkling = englisch für »Ahnung« oder »vage Idee«) bekannt. Im Verlauf ihrer regelmäßigen Treffen wurden viele Werke der Autoren erstmals vorgetragen und kritisiert. Das galt auch für Auszüge aus Der Herr der Ringe.

Angeblich geht die gesamte literarische Schöpfung Tolkiens auf einen Moment der Inspiration zurück, in dem er auf einem weißen Blatt Papier den Satz »And in a hole there sat a hobbit« (»Und in einer Grube saß ein Hobbit«) schrieb. In jedem Fall erschien der Roman Der kleine Hobbit (The Hobbit, or There and Back Again • 1937) als erstes Werk des Autors. Es handelt sich um ein Kinderbuch, dessen Geschichte auf den ersten Blick belanglos anmutet. Der Hobbit Bilbo Beutlin hilft darin dem Volk der Zwerge, einen Schatz zurückzuholen, der vom Drachen Smaug gehütet wird. Neben Teilen dieses Schatzes erringt Bilbo außerdem vom Monster Gollum einen magischen Ring. Dieses Kleinod gehörte einst dem »Dunklen Herrscher« Sauron, der fleischgewordenen Satansgestalt in Tolkiens Werk. Der kleine Hobbit führt erstmals die Welt Mittelerde vor, in der alle Geschichten des Autors spielen. Neben dem Volk der Hobbits oder »Halblinge« werden die der Zwerge, Elben und Menschen vorgestellt. Wichtige Figuren des Romans tauchen in Der Herr der Ringe wieder auf.

Der große Erfolg des ersten Romans veranlaßte Tolkiens Verleger dazu, den Autor um eine Fortsetzung zu bitten. Dieser Wunsch wurde erst 17 Jahre später erfüllt. 15 Jahre lang schrieb Tolkien am 1.200 Seiten langen Epos Der Herr der Ringe (Lord of the Rings • 1954/55). Für kleine Kinder war dieses Buch eindeutig nicht mehr geeignet. Das Werk erschien aufgeteilt in die Bände Die Gefährten (The Fellowship of the Ring • 1954), Die zwei Türme (The Two Towers • 1954) und Die Rückkehr des Königs (The Return of the King • 1955). Darin gelingt es Bilbos Neffen Frodo unter großen Mühen, Saurons Ring an einem magischen Ort im Feuer zu schmelzen, wodurch er verhindert, daß der dunkle Herrscher ganz Mittelerde unterjochen kann. Doch bis es soweit kommt, hat eine illustre Schar von Helden unzählige Gefechte und Schlachten gegen das finstere Volk der Orks zu bestehen. Von abgeklärten Kritikern ist die Handlung als relativ simpel bezeichnet worden. Dem stehen mehr als 50 Millionen verkaufte Exemplare entgegen, die J. R. R. Tolkien zum meistgelesenen Fantasy-Autor überhaupt machen. Seinen enormen Erfolg hat Der Herr der Ringe weniger den literarischen Qualitäten, sondern eher der liebevollen Akribie zu verdanken, mit der die Phantasiewelt Mittelerde ausgefüllt wurde.

Mit seinem Werk hat Tolkien unzählige Autoren beeinflußt. Mittelerde wurde die erste erfundene Welt, für die ein Autor souverän auf eine »Erklärung« ihrer Existenz verzichtete. Erst nach Erscheinen des Romans hielten es Fantasy-Schriftsteller nicht mehr für nötig, ihre Geschichten in Reiseerzählungen, Träumen oder Zeitreise-Abenteuern zu verpacken. Der Detailreichtum von Mittelerde ist zum Maßstab für Fantasy-Welten geworden und wird bestenfalls noch Austin Tappan Wrights Islandia (1942) und Frank Herberts Der Wüstenplanet (Dune • 1965) zugestanden, wobei Wright keine so packende Geschichte zu erzählen hatte wie Tolkien. Jenseits von Mythen, Fabeln, Sagen, Märchen, Romantik und klassischer Phantastik wurde Der Herr der Ringe zur Definition des modernen Fantasy-Romans in seiner populärsten Erscheinungsform - dem Subgenre »Sword and Sorcery« (»Schwert und Magie«). Mit der Imitation hat allerdings auch die Entwertung von Tolkiens Schöpfung Einzug in das Genre gehalten. Kommerzielle Fantasy ist voll von minderwertigen Kopien seiner Motive. Über den in Star Wars praktizierten Genre-Mix sind sie auch in die Science Fiction gelangt.

Tolkien entwickelte zu Mittelerde eher die Einstellung eines Historikers als die eines Autors. Bis zu seinem Tod arbeitete er am Buch Das Silmarillion (The Silmarillion • 1977), das von seinem Sohn Christopher vervollständigt und veröffentlicht wurde. Wie eine »Bibel« beschreibt es die Schöpfungs- und Entwicklungsgeschichte Mittelerdes -- leider auch mit derselben Schwerfälligkeit. Nach den ersten Kapiteln -- dem »Genesis-Teil«, läßt die Faszination beim Leser schnell nach. Das Buch ist nur für absolute Tolkien-Fanatiker und -Forscher empfehlenswert.

Gedichte und Gesänge aus Mittelerde erschienen in The Adventures of Tom Bombadil and Other Verses of the Red Book (1962) und The Road Goes Ever On: A Song Cycle (1967). Die kurzen Texte Farmer Giles of Ham (1949) und Smith of Wootton Major (1967) wurden in dem Band Fabelhafte Geschichten (Smith of Wootton Major and Farmer Giles of Ham • 1975) zusammengefaßt. Weitere Veröffentlichungen waren The Tolkien Reader (1966), Bilbo’s Last Song (1974), Briefe vom Weihnachtsmann (The Father Christmas Letters • 1976), Poems and Stories (1980) und Mr. Bliss (1982). Weitere Geschichten um Mittelerde wurden von Christopher Tolkien posthum im Band Nachrichten aus Mittelerde (Unfinished Tales of Numenor and Middle-earth • 1980) gesammelt.

Bis zu seinem Tod wies Tolkien Vermutungen zurück, seine Werke seien als Allegorien über die Geschichte und Politik des modernen Großbritannien in der Zeit des Zweiten Weltkriegs gemeint. Ähnlich hartnäckig widersetzte er sich einer Umsetzung in andere Medien. 1961 genehmigte er eine Radiofassung der BBC, und erst 1969 verkaufte er die Filmrechte an die Produktionsfirma United Artists. Vier Jahre später starb er in Bournemouth, wo er zuletzt mit seiner Frau gelebt hatte.

Danach dauerte es noch einmal fünf Jahre, bis Ralph Bakshis Verfilmung Der Herr der Ringe (The Lord of the Rings • USA 1977) in die Kinos kam. Unter den Tolkien-Fans fand diese Zeichentrickfassung des Fantasy-Klassikers wenig Zustimmung. Erst dem neuseeländischen Regisseur Peter Jackson gelang mit Der Herr der Ringe - Die Gefährten (The Lord of the Rings - The Fellowship of the Ring • USA/Neuseeland 2001) eine angemessene filmische Umsetzung der Vorlage.

Arno BehrendALIEN CONTACT


Foto: Klett-Cotta

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