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Alien Contact Personen-Lexikon |
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| Karl-Heinz Tuschel wurde am 23. März 1928 in Magdeburg geboren und arbeitete
nach Abitur und naturwissenschaftlichem Studium zunächst in der Chemie, später auch im
Bergbau, als Redakteur und als Funktionär der Freien Deutschen Jugend. In dieser Zeit
entstanden seine ersten Texte und Gedichte. Von 1958 bis 1961 folgte ein Studium am
Literaturinstitut »Johannes R. Becher«, das er als Dramaturg beendete. In diesem Beruf
war er auch in den nächsten fünfzehn Jahren tätig, sowohl beim Kabarett »Die
Kneifzange« in Ostberlin als auch beim Erich-Weinert-Ensemble der Nationalen Volksarmee.
Seit 1976 war er freier Schriftsteller und wurde zu einem der produktivsten SF-Autoren der
DDR. Er galt zwar nie als begnadeter Literat, lieferte aber im Zwei-Jahres-Takt
unterhaltsame Abenteuergeschichten, die, zumindest bis 1990, in einer sozialistischen
Zukunft angesiedelt waren. Sein Roman-Debüt gab Karl-Heinz Tuschel bereits 1967 mit Ein Stern fliegt vorbei, in dem sich eines der beiden Hauptthemen seines SF-Werkes, die Raumfahrt, andeutet. Mit knapper Not und unter Anspannung aller Kräfte kann darin eine Katastophe, der Einschlag mehrerer Planetoiden auf der Erde, verhindert werden. Zu den weiteren Planetenabenteuern Tuschels gehören Der purpurne Planet (1970), Die blaue Sonne der Paksi (1978), Zielstern Beteigeuze (1982) und Leitstrahl für Aldebaran (1983). Hier sind die Raumfahrer immer auch Kundschafter der Erde, die auf fernen Planeten und in exotischen Welten die Natur und, falls vorhanden, die dortige Zivilisation erforschen. In Die blaue Sonne der Paksi, kommt außerdem Tuschels zweites Hauptthema zum Tragen: Roboter und künstliche Intelligenz. Die Paksi-Zivilisation entstand aus den Trümmern eines verunglückten irdischen Raumschiffes. Im Gegensatz zu den Menschen konnten die Roboter auf dem unwirtlichen Planeten überdauern und ihre Intelligenz selbständig optimieren. Solche kybernetischen Systeme sind natürlich auch anfällig, sodass z. B. in Kommando Venus 3 (1980) eine vollautomatisierte Fabrikanlage auf der Venus durch Spezialisten von der Erde wieder unter Kontrolle gebracht werden muss. Eine andere Insel der Roboter (1973) wird im gleichnamigen Nah-SF-Roman durch westliche Geheimdienste bedroht. Die Fieslinge gönnen der DDR ihre überlegene Robotertechnik nicht und wollen deren weitere Entwicklung sabotieren. Es sind solche Romane, durch die Tuschel bekannt wurde; heldenhafte Raumfahrer und eine überlegene Technologie ebnen der Menschheit den Weg in eine lichte Zukunft, Probleme werden analysiert und gelöst. Das Menschliche kommt dabei oft zu kurz, auch der Humor. Er blitzt eigenlich nur einmal kurz auf, in der Erzählung »Wie ich meinen linken Beruf wechselte« (1977 in Raumflotte greift nicht an), die er 1986 als Ideenvorlage für den Roman Kurs Minosmond benutzte. Kurs Minosmond und Das Rätsel Sigma (1974) sind Ausnahmen, in denen Tuschels Protagonisten, anstatt in außerirdischen Artefakten zu wühlen oder Roboter zu reparieren, als Menschen in der Gesellschaft agieren und auch mal Gefühle wie Liebe und Eifersucht ausleben. Nach der Wende wurde es ruhig um Karl-Heinz Tuschel; sein letzter DDR-SF-Roman war 1989 Unternehmen Three Cheers. Zwischen 1990 und 1993 erschienen in ALIEN CONTACT die Storys »Sternbedeckung«, »Das Lächeln der alten Dame« und »Die Umarmung des Meeres«. Diese ruhigen, teilweise sehr hintergründigen Geschichten stellten bereits einen Bruch mit seinem bisherigen Themenspektrum dar, der mit dem Roman Der Mann von IDEA (1995) komplett war. Die kommunistische Zukunft ist passé und stattdessen Weltuntergang angesagt. Nach einer globalen Klimakatastrophe ist die Menschheit deutlich reduziert, im arg in Mitleidenschaft gezogenen Berlin behaupten sich die Bewohner mit allen Tricks gegen eine neue Eiszeit. Umweltfreundliche Technologien sind nicht nur Voraussetzung, sondern Pflicht. Nebenbei setzt der Autor seinem langjährigen Wohnort, dem Berliner Stadtbezirk Lichtenberg, ein literarisches Denkmal. Insgesamt umfasst Karl-Heinz Tuschels SF-Werk mehr als ein Dutzend SF-Romane sowie etliche Geschichten in Erzählungsbänden und Zeitschriften. Die letzten beiden Romane erschienen fast unbemerkt bei Kleinverlagen: 2002 Balance am Rande des Todes und 2004 Zwischen Perseus und Schütze. In Letzterem kehrt der Autor wieder zu seinen Wurzeln zurück, den Weltraumabenteuern. Ein irdisches Kolonistenschiff befindet sich im Anflug auf einen angeblich unbewohnten Planeten. Eine Rückkehr ist nicht möglich. Als sich der Planet als bereits von Außerirdischen besiedelt erweist, entscheidet die Diplomatie über das Schicksal der ganzen Expedition. Karl-Heinz Tuschel verstarb am 12. Februar 2005 im Alter von 76 Jahren in Berlin. |
![]() Foto: Siegfried Breuer |
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