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| Alfred Elton van Vogt wurde am 26. April 1912 in Winnipeg,
Manitoba, Kanada geboren. Sein Vater war holländischer Abstammung. Mit 14 Jahren
entdeckte der junge Alfred die Science
Fiction, die ihn von da an nie wieder losließ. Mit 19 Jahren trat er in den öffentlichen Dienst seines Heimatlandes ein und arbeitete in einer Abteilung für Volkszählung. Gleichzeitig belegte er Schreibkurse und konnte 1932 seine erste Geschichte (»No One to Blame but Herself«) an TRUE STORIES verkaufen, ein Magazin, das »wahre Geständnisse« veröffentlichte. Nach zahlreichen weiteren Beiträgen dieser Art wandte er sich 1934 dem Medium Radio zu und verkaufte etwa fünfzig Hörspiele, bis er 1938 John W. Campbells Story »Who Goes There?« las, die ihn dermaßen faszinierte, dass er alles daran setzte, Geschichten für den Herausgeber von ASTOUNDING zu verfassen. Ein Jahr später konnte er mit »Black Destroyer« tatsächlich seine erste SF-Story dort veröffentlichen. Mit nur wenigen Geschichten »Discord in Scarlet«, »Vault of the Beast«, seinem eigentlich ersten SF-Text und dem Roman Slan schrieb er sich an die Spitze des Genres und galt trotz seines bisher schmalen Werks bereits als einer der bedeutendsten SF-Autoren überhaupt. Da die SF-Magazine besser zahlten als die für »wahre Geständnisse« oder auch die Radiosender, konnte van Vogt 1939 seine Freundin Edna Mayne Hull heiraten, eine kanadische Schriftstellerin. Das junge Paar zog nach Ottawa, wo van Vogt im Verteidigungsministerium arbeitete. Der schlecht bezahlte Job nahm viel Zeit in Anspruch, und van Vogts literarischer Ausstoß ging zurück. 1942 erhielt van Vogt ein Angebot, dem er nicht widerstehen konnte. Da die bedeutendsten Autoren von ASTOUNDING in der einen oder anderen Hinsicht in das Kriegsgeschehen eingebunden waren und kaum noch produzierten, garantierte Herausgeber Campbell seinem kanadischen Zugpferd, jeden Monat etwa 100 Seiten von ihm zu veröffentlichen. Van Vogt kündigte und verkaufte bis 1944 über 25 Geschichten an das Magazin. In diesem Jahr wanderten die van Vogts auch in die USA aus und ließen sich in Los Angeles nieder (1952 wurde Alfred amerikanischer Staatsbürger). Bis zum Ende der vierziger Jahre behielt van Vogt seinen hohen Ausstoß bei und schrieb nun auch für andere Magazine. In dem Artikel »Complication in the Science Fiction Story« verriet van Vogt 1947 etwas über das Geheimnis seines kommerziellen Erfolgs: Der beruhe nicht zuletzt auf zwei Schreibtechniken, die er bei fast allen seinen Romanen und Kurzgeschichten anwandte. Die erste entnahm er schon in frühen Jahren dem Buch The only Two Ways to Write a Short Story (etwa: Die beiden einzigen Möglichkeiten, eine Kurzgeschichte zu schreiben) von John W. Gallishaw; sie besteht darin, jeweils abgeschlossene Szenen von etwa achthundert Wörtern (also zirka viertausend Anschlägen) zu schreiben und danach Schauplatz, Perspektive etc. zu wechseln. Dieser Technik verdanken van Vogts Werke sicher einen Großteil der Rasanz, die sie aufweisen, der komplizierten, wenn nicht sogar komplexen, ja mitunter verwirrenden Handlung und dem eigentümlichen Reiz, den sie gelegentlich ausstrahlen, wenn der Leser in vollständig ausgearbeitete, knapp angedeutete Hintergründe gestoßen wird oder die Handlung mehr oder weniger motivierte Sprünge zu vollziehen scheint. Das zweite System arbeitet wesentlich assoziativer. Van Vogt erträumte sich seine Romane und Kurzgeschichten geradezu, wie er in einem Interview mit Charles Platt (Gestalter der Zukunft, Köln-Lövenich: Hohenheim 1982) beschrieb: »Ich nahm mir den Familienwecker und legte mich in der folgenden Nacht ins Gästebett. Den Wecker stellte ich auf anderthalb Stunden ein. Von da an ließ ich mich, wenn ich gerade an einer Geschichte arbeitete, alle anderthalb Stunden wecken. Ich zwang mich zum Wachwerden und dachte über die Geschichte nach. Auch wenn ich darüber wieder einschlief ich arbeitete mich so der Lösung entgegen. [ ] Ich glaube, wir haben es hier mit einem Eindringen in das Unterbewusstsein zu tun.« Mit dieser Technik durchsetzte van Vogt seine mechanische Arbeitsweise der 800- Worte-Szenen mit jenen Eigenschaften, die ihn berühmt machten: mit fantastischen Bildern, symbolhaften Protagonisten auf der Suche nach Antworten auf mitunter nicht zu beantwortende Fragen und Geheimnisse, mit einer keineswegs logischen (wie das Wort es schon ausdrückt) Metaphysik und einer Transzendenz, die sein Werk aus der Masse der Science Fiction heraushebt und seinem Namen eine gewaltige Zugkraft verleiht. Doch diese Arbeitsweise kam nicht bei allen an: Van Vogt bekam für seine Geschichten und Romane oft beißend scharfe Kritiken (vgl. Vorwort). Seine Leser scherte das wenig; sie hielten ihm ungebrochen die Treue. Allerdings verfasste van Vogt in diesen Jahren auch einige Werke, die noch heute als Meilensteine der Science Fiction gelten: etwa die Zyklen um Is(c)her, die »Space Beagle« oder Null-A. Als die Bedeutung der Magazine nach dem 2. Weltkrieg allmählich schwand und die große Zeit der Buchverlage anbrach, war auch van Vogt präsent. Neben einigen Kurzgeschichtensammlungen veröffentlichte er nun jedoch hauptsächlich die Buchausgaben von Stoffen, die er in den letzten Jahren in den SF-Magazinen veröffentlicht hatte. 1948 gelang ihm mit The World of Null-A schließlich ein gewisser Durchbruch: Dieser Roman erschien bei einem angesehenen großen amerikanischen Verlag. Anfang der fünfziger Jahre lag mit dem Isher- und dem Null-A-Zyklus sowie mit dem aus früheren Storys zusammengesetzten Roman The Voyage of the Space Beagle (eine sogenannte Fix-up-Novel) bereits, ohne dass der Autor es wusste, sein Hauptwerk in der Science Fiction vor. Oder wusste er es doch? Van Vogts Interesse wandte sich nun von der SF ab und zuerst der Hypnose, dann der »Dianetik« zu, einer sehr kritisch zu sehenden Bewegung seines Schriftsteller-Kollegen L. Ron Hubbard. Im Aufschwung von Hubbards Erfolg stieg van Vogt 1950 zum Direktor der California Dianetics Foundation auf und schrieb fast gar nicht mehr. Als Hubbard die Dianetik zu einer neuen Religion, der auch heute noch bekannten Scientology, umwandelte, sagte van Vogt sich von ihm los, betrieb allerdings noch bis in die sechziger Jahre seine Dianetik-Klinik. Die Bücher, die von van Vogt während dieses Zeitraums erschienen, waren bis auf wenige Ausnahmen so genannte »Fix-up- Novels« Aufbereitungen früherer Kurzgeschichten, die er mehr oder weniger geschickt zu Romanen zusammenfasste. Während van Vogts Einfluss und Bedeutung in den USA kontinuierlich schwand, wurde er in Europa immer bekannter und scharte vor allem in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland, eine stetig wachsende Anhängerschaft um sich. Erst Mitte der sechziger Jahre wandte van Vogt sich wieder der Science Fiction zu; sein Kollege und damaliger Herausgeber Frederik Pohl sowie der Verleger Donald A. Wollheim boten ihm an, neue Kurzgeschichten und Romane zu veröffentlichen. Doch mit seinem Spätwerk konnte van Vogt nur in den seltensten Fällen an seine großen Erfolge anknüpfen. 1975 starb Edna Mayne Hull; das Verhältnis zwischen den beiden muss zum Schluss getrübt gewesen sein, denn van Vogt weigerte sich schließlich, von seiner Frau auch nur zu sprechen. 1979 heiratete er Lydia Brayman, ein ehemaliges Model und eine spätere Gerichtsdolmetscherin. In diesem Jahr wurde auch der Film Alien uraufgeführt, und van Vogt erhielt ein Jahr später wegen zu großer Ähnlichkeit mit seiner Story »Discord in Scarlet« eine außergerichtliche Abfindung von 50.000 Dollar. 1996 wurde van Vogt mit dem Grand Master Award der Science Fiction Writers of America geehrt. Zu dieser Zeit litt er bereits an der Altzheimerschen Krankheit, die seinen Verstand langsam, aber unerbittlich zerstörte. In seiner Grabrede sprach van Vogts Kollege Harlan Ellison durchaus zutreffend von einer Tragödie. Der Mann, der kosmische Reiche und Übermenschen ersonnen hatte, denen so gut wie nichts unmöglich war, konnte in den letzten Jahren seines Lebens keine zusammenhängenden Gedanken mehr verfolgen. Alfred Elton von Vogt starb in den frühen Morgenstunden des 26. Januar 2000 im Alter von 87 Jahren im Fountain View Convalescent Home in Hollywood, Kalifornien, an Komplikationen, die eine Lungenentzündung hervorgerufen hatte. © 2004 Uwe Anton |
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