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| ALIEN CONTACT 47 |
von Arno Behrend
| Science Fiction > Alien Contact | Film |
Vor 25 Jahren schuf George Lucas mit der Star-Wars-Reihe einen modernen Mythos. Während die Verteidiger der Hochkultur immer wieder gegen die Saga wettern und angeblich faschistische Tendenzen ausmachen, schätzt das Massenpublikum bis heute die klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse.Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, in einer mit Phantasielosigkeit geschlagenen Republik: Die kühnsten Söhne dieses Staates wurden aus lauter Angeberei zum Mond geschossen und stolperten zwischendurch über die Kosten ihrer Träume. Sie waren in einem Dschungelkrieg verheizt worden, der ihnen alle Illusionen raubte. Sie waren mit ihren Schwestern auf die Straße gegangen, um gegen Atombomben, korrupte Politiker, Rassendiskriminierung und die Abholzung des Regenwaldes zu protestieren. Sie hörten Joe Cocker, Jimi Hendrix, Janis Joplin und die Doors. Und sie mussten einsehen, dass sich die Träume der Blumenkinder nicht einfach umsetzen ließen. Im Kino sorgte Dirty Harry für Ordnung und Love Story für Tränen. Die Zeitungen hatten Neil Armstrong und den Herzchirurgen Christian Barnard zu Helden ihres Zeitalters erkoren und erklärt: »Der Mond ist ein Stein und das Herz ist eine Pumpe.« In dieser Zeit hielten die einen störrisch am Fortschrittsglauben der sechziger Jahre fest. Die anderen suchten neue Antworten und erkundeten dabei so manchen Holzweg. Der Weltraum wurde in 2001 - Odyssee im Weltraum so klar und realistisch gezeigt wie nie zuvor. Gleichzeitig erschien er leer, unergründlich, angefüllt nur mit Stille, rebellischen Computern und den unausgegorenen Ideen eines schwierigen Regisseurs. Die Helden von Star Trek hatten ihre Fünfjahrespatrouille nach drei Jahren einstellen müssen. Niemand glaubte, dass sie jemals wieder komisch aufgemachte, humanoide »Außerirdische« mit den Idealen der Kennedy-Ära traktieren würden. Science Fiction als populäres Massenphänomen war gekommen und wieder gegangen, so wie andere Wellen auch. Nur hartgesottene, kostümverliebte Fans träumten immer noch von mehr. Inmitten dieser schreiend bunten, von Schlaghosen und Afro-Frisuren durchzogenen
Tristesse hing ein hoffnungsvoller Jungregisseur seinen Träumen nach. Er hatte von seinem
Mentor die Chance erhalten, den Wahnsinn des gerade beendeten Dschungelkrieges in
packende, anspruchsvolle Bilder zu gießen. [ George Lucas hat später erklärt, dass er etwas über den Weltraum machen wollte, weil er ein Fan des Raumfahrtprogramms war, ebenso wie andere enttäuscht davon, dass es nach ein paar Spaziergängen auf dem Mond nicht weiter ging. Um dem Publikum nachvollziehbare Bilder anbieten zu können, hatten einige Filmemacher die Erkenntnisse der modernen Raumfahrt sorgfältig berücksichtigt (2001 - Odyssee im Weltraum). Andere griffen auf Analogien zur US Navy zurück (Star Trek). Der bekennende Raumfahrtfan Lucas jedoch verzichtete auf jede technische Glaubwürdigkeit. Er war mit den Flash-Gordon-Serials der dreißiger Jahre und Forbidden Planet (1955) aufgewachsen. In dem Film, den er zu planen begann, ähnelten Sternenzerstörer so unverfroren offen irdischen Kriegsschiffen, dass es schon wieder Spaß machte, ihre unlogisch angebrachten Radarantennen rotieren zu sehen. (Für eine völlige Überwachung wäre im Weltraum auch noch eine auf der »Unterseite« erforderlich gewesen.) Es könnte sich um einen lächerlichen Schrottfilm handeln, eine typische SF-Trash-Gurke. Warum ist Star Wars nichts dergleichen? Wegen der Effekte? Immerhin - für diesen Film wurden Verfahren entwickelt, um Bilder von Modellen, die aus allen Richtungen aufgenommen werden, beliebig übereinander zu legen, quasi ineinander zu schachteln. Das schreit nur so nach impulsgetriebenen Raumern, die sich in Tunnelschächten, Asteroidenschwärmen oder Monstermägen verirren. Die Faszination der Saga erklärt es aber noch lange nicht. |
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![]() Alarm im Weltall (Forbidden Planet USA 1955) |
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| Eine Antwort lautet: Das Ganze ist ein Märchen. Viele würden wohl daran
zweifeln, dass das eine ausreichende Erklärung sei. Da mögen Literaturwissenschaftler
noch so viel über die tatsächliche tiefsinnige Bedeutung und das oft erwachsene Publikum
solcher Geschichten herausgefunden haben - mit dieser Einordnung ist ein erzählendes Werk
für die meisten Erwachsenen normalerweise erledigt. Wir selber nehmen den Inhalt des
Films schließlich auch nicht so ernst. Glaubt etwa irgendeiner von uns, das in wenigen
Jahrtausenden die Milchstraße von Jedi-Rittern, Sith-Lords, Wookies, goldbeinigen
Protokoll-Droiden und schneckenhaarigen Prinzessinen angefüllt sein wird? Dass
corellianische Schmuggler in flügellosen, rasenden Falken durch den Hyperraum brettern?
Dass pittoreske Raumjäger sich gegen jedes physikalische Gesetz in die Kurve legen und
krachend explodieren werden? Dass edle und finstere Menschen dieser Zeit sich mit
Laserschwertern bekämpfen werden, deren Lichtklingen merkwürdigerweise ein definiertes
Ende haben? Sicher nicht. Warum haben wir dann alle den Film gesehen? Das Märchen macht Gut und Böse schon äußerlich unterscheidbar. Nicht umsonst mangelt es dem ersten Star Wars-Abenteuer an Farben, die nicht schwarz oder weiß heißen. Es gibt Philosophen, die sagen, dass die Schwarzweißmalerei in erzählten Geschichten ihren berechtigten Platz hat. Die beiden antipodischen Mächte stehen demnach letztlich für das Gute und das Böse in jedem Leser, Zuhörer oder Betrachter. Der Sieg des Guten sei als nichts anderes zu verstehen, als ein Ansporn, tagtäglich die bösen Geister in sich selbst zu besiegen. Wo sich die beiden grundlegenden menschlichen Triebkräfte in den Grauzonen des Alltagslebens unentwirrbar verknotet haben, werden sie im Film getrennt. Der Zuschauer, der sich mit den Helden identifiziert, wird so animiert, seiner edlen Seite eine Chance zu geben. Kinder rennen in Geschäfte, holen sich Kostüme und spielen die Abenteuer von Luke Skywalker und Han Solo nach. Sie haben diese nur scheinbar naive Weisheit genauso begriffen wie die Mehrheit aller Kinogänger, ohne sie allerdings in Worte fassen zu können oder das nur zu wollen. Es ist das Dilemma der Intellektuellen, dass sich diese Filme nicht an den Intellekt richten sondern an die Phantasie und das Gefühl. Welch eine Beleidigung für den Geist! Und wie bitter haben sie sich nach Erscheinen des ersten Films gerächt, die Herren Feuilletonisten: »...dass Kinder da hinauf schauen und vor allem Begriffe wie Tod, Qual, Krieg, Zerstörung und Untergang assoziieren, dass solch ein Weltallbild gebastelt wird, um ihr Weltbild zu formen, und dass Erwachsene das tun, dass sie dafür 'Oscars' verleihen und dafür Alec Guinness und fünfzig Millionen Dollar aufwenden, ja, was ist das eigentlich? Sehr einfach - ich denke, es ist ein Verbrechen.« So ein Kritiker in Film und Fernsehen, dem nicht klar zu sein scheint, dass Kinder älter werden und sich irgendwann mit dem echten Krieg, der echten Qual und der echten Zerstörung auseinandersetzen müssen - mit einem idealistischen Weltbild im Hinterkopf oder dem eines Dirty Harry. Dieser Argumentation steht allerdings noch ein anderer Zeitgenosse fern: »Star Wars offenbart sich als ein Film, der den Zuschauer in seinen Ängsten gefangenhalten will, um ihm eine affirmative Haltung zur Macht zu erleichtern, und zwar der bestehenden als 'gut' von denselben Mächten verkauften, die auch den Film über den grünen Klee loben, die seine Verbindung von Handlungsleere und technischer Kompetenz dem Verleih zuliebe als Märchen, das noch weiß, was gut und böse ist, kennzeichnen.« (SF-BAUSTELLE) Welch Perfidie! Welch Frevel! Können wir nicht froh sein, dass der Rezensent dieses imperiale Komplott aufgedeckt hat? Atemlos harren wir weiterer Artikel, die aufdecken, wie US-Präsident Jimmy Carter George Lucas bestochen hat, um die bestehende Ordnung als gut zu verkaufen. Manche Kritiken, die sich sehr nach den paranoiden Analysen der Alt-68er anhören, haben schon ziemlich beknackte Schlußfolgerungen gezogen. So hat Peter M. Gaschler im Heyne Science Fiction-Jahr festgestellt, dass die »Macht« nichts anderes sei, als der von Nietzsche beschriebene Wille zur selben. Von der Unterscheidung zwischen Gut und Böse, die andere Kritiker beklagen, keine Rede mehr. Über Episode I schrieb der Kritiker der BERLINER ZEITUNG, dass es sich bei den Jedis durchweg um arische, blauäugige und dunkelblonde Recken handele. Darüber war ein Foto zu sehen, dass den eher wenig reckenhaften Yoda und den Afroamerikaner Samuel L. Jackson in der Rolle des Jedi-Meisters Mace Windu zeigte. Die deutsche Filmkritik kann ihre einseitige, durch die Kapitalismus- und Faschismuskritik der Nachkriegszeit geprägte Haltung bis heute nicht abschütteln. Man kann sich das Leben eben auch einfach machen. Star Wars muss nach Meinung dieser Kritiker schon allein deshalb eine finstere Verschwörung sein, weil die Macher mit den Filmen Millionen von Dollar verdient haben. Dass die Heldenehrung am Ende des ursprünglichen Films ganz unbefangen den Reichsparteitags-Szenen aus Leni Riefenstahls Triumph des Willens nachempfunden war, hat die Lage nicht gerade verbessert. Lucas hat mal gesagt, er habe gewollt, dass junge Leute sich etwas anderes ansehen als Killercops. Wenn es nach dem deutschen Feuilleton geht, hätte er es wohl besser mit dem Alternativen Struwelpeter versucht. |
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![]() Foto: Twentieth Century Fox |
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| Wenn man dem Star-Wars-Schöpfer etwas vorwerfen will, dann wohl
eher seinen kreativen Umgang mit fremdem Material. Aufmerksamen Science-Fiction-Fans ist
nicht entgangen, dass die feudalistische Struktur der Galaxis der in Edmond Hamiltons The Star Kings
(1949) ähnelt. Dieser Roman des Space-Opera-Urahns wiederum ist eine Weltraum-Adaption
von Anthony Hopes Edel-Abenteuer Der Gefangene von Zenda. Überliefert ist, dass
Lucas Hamiltons Witwe Leigh Brackett auf seine Ranch eingeladen und ihr die Filme
vorgeführt hat. Gleiches tat er für den Anthropologen Joseph Campbell. Der hatte mit
seinem Buch Der Heros in tausend Gestalten die in 17 definierte Schritte
aufgeteilte Queste des Helden als Gemeinsamkeit in Volkssagen rund um den Globus
ausgemacht. Lucas hat dieses Schema in den Filmen getreulich kopiert. Inzwischen ist er
Campbells Festredner bei gegebenen Anlässen und Mitbegründer der
Joseph-Campbell-Foundation. Freunde phantastischer Klassiker beklagen, dass Tolkiens Der Herr
der Ringe für etliche Elemente in Star Wars herhalten musste. Die
Ähnlichkeiten zwischen Tatooine und dem erst später zu Filmehren gekommenen Wüstenplaneten
aus Frank Herberts Feder sind offensichtlich. In seinem Buch über SF-Illustrationen, Infinite
Worlds, stellt Vincent di Fate ein Bild von Ed Emshwiller als Vorbild für die Szenen
in der Mos-Eisley-Cantina und weitere Illus von John Schoenherr als Ursprung des
Wookie-Designs vor. Weltraumprinzessin mit Schneckenfrisur und Strahlenschwert in einer Illu von Robert Graef zu Maza of the Moon von Otis Adalbert Kline, erschienen 1929 in Argosy. Die rasanten Raumgefechte sind 1:1 realen Luftkämpfen aus den Wochenschauen des Zweiten Weltkriegs nachgestellt. Star Wars verknüpft völlig zwanglos Elemente aus der Bibel, der Space Opera, den Rittersagen, Piraten- und Sandalenfilmen, Western, Eastern, der Geschichte Nazi-Deutschlands und griechischen Tragödien. Und der Motivklau geht in der aktuellen Episode II munter weiter. Angeblich machen sich Filmstudenten einen Spaß daraus, lieber aufzuzählen, welche populären Motive nicht verarbeitet worden sind. Und wieder haben Kritiker den Regisseur dafür gegeißelt und auch dort Bezüge hergestellt, wo kaum welche sind. Peter Gaschler zum Beispiel ist stolz auf die Feststellung, das Galaktische Imperium ähnele dem Römischen Reich. Dieser Analogie haben sich aber auch schon Frank Herbert und Isaac Asimov (Foundation-Zyklus) bedient. Da ist es schon lächerlich, wenn man deshalb und weil sie beide von Alec Guinness gespielt wurden, Obi Wan Kenobi mit Marc Aurel aus The Fall Of The Roman Empire (dt. Der Untergang des Römischen Reiches) vergleicht. Inzwischen gibt es für Star Wars wohl mehr mögliche Vorbilder, als selbst Lucas hätte ausschlachten können. Ich kann mich an einen alten Film mit Eddie Constantine erinnern, in dem er als Bootskapitän und Schmuggler in Erscheinung tritt, der Ärger mit früheren Auftraggebern hat. Wir werden wohl nie erfahren, ob es sich bei ihm um Han Solos Geburtshelfer handelt. Alles nur geklaut, könnte man sagen. Muss man aber nicht, wenn man Feuilletonist ist. Man kann so etwas heutzutage viel eleganter mit den Begriffen Postmoderne oder Konstruktivismus belegen. Wie bei Kunstwerken, die diesen Klassifizierungen gehorchen, kommt ein größeres Ganzes dabei heraus. Der Erfolg von Star Wars ist eine beeindruckende Tatsache. Millionen von Kinogängern schienen nur auf einen solchen Film gewartet zu haben, der Schluss macht mit der wohldurchdachten Langeweile weniger verspielter Produkte oder der Tristesse problembewusster Streifen. Mit diesem Werk stieg die SF zum erfolgreichsten Genre des Kinos auf. Heute kann man in Filmlexika lesen, dass die meisten SF-Filme B-Filme waren - in der Zeit vor Star Wars wohlgemerkt. George Lucas' hartnäckiger Lust am Fabulieren verdanken wir indirekt die Star-Trek-Kinofilme, die neuen Trek-Serien, Alien, E. T. und Babylon 5. Sie alle waren nur als Teile des Booms möglich, der von Star Wars ausgelöst wurde. SF und Billig-Produktionen waren keine Synonyme mehr. Die Merchandising-Welle, die folgte, war nicht die erste gewesen. Bereits in Zusammenhang mit dem Remake von King Kong (1976) wurden etliche Artikel rund um den Mega-Affen auf den Markt geworfen. Der Absatz von Star Wars-Action-Figuren, Rebellenjägern, TIE-Fightern, Laserpistolen und Lichtschwertern ging jedoch weit darüber hinaus. Mit dem Heranreifen des Publikums und der PCs wurden immer ausgefeiltere Computerspiele möglich. |
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![]() Der Kampf Gut gegen Böse in der Königsklasse der Spiele |
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| Ob groß oder klein - aufmerksamen Zuschauern entging nicht, dass der erste
Film zwei Dinge offen gelassen hatte. Darth Vader blieb am Leben. Der Imperator, von dem
manchmal die Rede war, hatte sich noch nicht gezeigt. Lucas hatte die Flash Gordon-Filme
als Serials genossen. Auch sein Sternenkrieg sollte Folgen haben. Und die wurden noch
erfolgreicher, als es der Grundstein der Reihe war. Wer allerdings keine von Lucas'
Presse-Erklärungen gelesen hatte, musste verwirrt reagieren, als im Vorspann von Das Imperium schlägt zurück der
Schriftzug »Episode V« zu lesen war. Dem allgemeinen Geraune im Kino nach zu urteilen,
dürfte das die Mehrheit aller Zuschauer gewesen sein. Tatsächlich wurde in den ersten
drei Filmen so viel über die Vorgeschichte verraten, dass es Fans Spaß machte, sich die
Ereignisse in der Ära vor der Geburt von Luke Skywalker und Leia vorzustellen. Noch lange
bevor die Prequel-Episoden in die Kinos kamen, erkundeten schon Taschenbücher die Wege
der Hauptfiguren jenseits der Haupthandlung. Es gab Abenteuer, in denen Han Solo und Lando
Calrissian im Mittelpunkt standen. Fast wie im richtigen Leben gab es Hochzeiten, Geburten
sowie den Kampf gegen die Ewiggestrigen und imperiale Wiedergänger. Heute würden die
Fans die Autoren dieser Werke am liebsten erwürgen. Lucas hat erklärt, dass er keine
dritte Trilogie mehr machen will, weil die Bücher schon alle Geschichten erzählt
hätten, die nach Die Rückkehr der
Jedi-Ritter spielen. Er gibt aber auch sein vorgerücktes Alter als Grund an.
Schließlich, so die neuesten Meldungen, will er gar überhaupt nie Pläne für die
Episoden VII bis IX gemacht haben. Es soll sich um einen Scherz gehandelt haben. Auf die Prequel-Folgen hat das Publikum lange warten müssen. 22 Jahre nach der heutigen Episode IV Filme ins Kino zu bringen, die ohne die älteren Vorgänger gar keinen Sinn ergeben, war ein gewagtes Experiment. Auf ein Happy End nach dem dritten Teil werden die Zuschauer diesmal verzichten müssen. Die alten Teile als »Special Edition« herauszubringen, war in diesem Zusammenhang wohl nichts anderes als ein geschickter Stimmungstest. Und was sieht man in den neueren Filmen, die innerhalb der Zukunft zu einem früheren Zeitpunkt spielen? Die Hauptstadt Coruscant, der Senat, Amidalas Heimat Naboo und der Jedi-Orden sind Gegenstand von faszinierenden Bildern, die mit den heutigen Effekt-Möglichkeiten entstehen können. Die sagenhafte Republik erhält so eine feste Form. Und wie steht es heute um die Ideologiekritik? In Episode I wurde der Senat als galaktische Quasselbude dargestellt, die von Palpatine leicht hintergangen werden kann. Die tatkräftigste und couragierteste Person in einem politischen Amt ist eine Aristokratin - die junge Königin von Naboo, Padme Amidala. Lucas verwirrte seine Fans, in dem er erklärte, ein wohltätiger Diktator wäre die beste, denkbare Regierung. War er zumindest vorübergehend der dunklen Seite der Macht anheimgefallen? Nach der Premiere des neuesten Werkes kann jetzt allerdings niemand sagen, der Schöpfer der Saga würde nicht auf Kritik reagieren. Seine eigenen Sätze über die altruistische Diktatur legt er Anakin Skywalker in den Mund, womit seine unheilvolle Weiterentwicklung angekündigt wird. Padme Amidala ist dagegen, wie wir jetzt erfahren, Inhaberin nicht eines erblichen, sondern eines wählbaren Amtes. Als neue Senatorin wertet sie das Parlament durch ihre Anwesenheit auf. Und sie hält Anakin engagierte Vorträge über die Vorzüge der Demokratie. Nein, diesmal will sich der große Meister keine ideologischen Doppeldeutigkeiten vorwerfen lassen. Und dennoch bleibt es dabei: Star Wars ist eine Saga, in der es um Gut und Böse, Engagement und Eigennutz, Zynismus und Ideale, Festigkeit und Versuchung geht - nicht um reale Politik, Ideologien oder auch nur um Sex. Ihre spielerische Phantasie hat Millionen für die Science Fiction begeistert. Inzwischen müssen sich die neuen Filme in einem Konkurrenzfeld behaupten, das die alten erst geschaffen haben. Und noch etwas hat sich geändert: Waren die Filme früher nur auf den Schulhöfen ein Gesprächsthema, reden inzwischen Mittdreißiger am Arbeitsplatz oder in der S-Bahn über die besten Szenen. Sich für moderne Märchen, für aufregende, phantastische Unterhaltung zu interessieren, ist inzwischen kein Kinderkram mehr. Die Faszination, die von Star Wars ausgeht, vereint inzwischen mehrere Generationen. Einen solchen Krieg lasse ich mir gefallen. |
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