Teil 2 von 3 
Natürlich bin ich wieder sittsam bekleidet, als ich zwei Stunden
später den Konferenzraum betrete. Ich habe mich für eine leichte Toga im
pseudorömischen Stil entschieden, weil ich mich als geborene Arkadierin immer noch nicht
an Sachen mit Ärmeln oder Hosenbeinen gewöhnen konnte. Eigentlich sieht es die Mode vor,
daß man unter einem solchen Gewand züchtige Unterwäsche wie Höschen und BH trägt,
aber ich kann mich einfach nicht dazu durchringen, meinen Körper einer solchen Tortur
auszusetzen.
Die drei Herren, die sich bei meinem Eintreffen artig von ihren
Sitzplätzen erheben, tragen dunkelgrüne Hosen und Jacketts mit kompliziert genähten
Revers und darunter gerüschte Hemden. Da ich dergleichen noch nie zuvor gesehen habe,
vermute ich, daß es sich dabei um eine deutsche Nationaltracht handelt.
»Guten Tag, Fräulein Greedy«, begrüßt mich der Mann in der
Mitte. »Willkommen in Deutschland.« Da er einen deutschen Dialekt mit weichen
Konsonanten und dumpfen Vokalen spricht, brauche ich ein paar Sekunden, bis ich
rekonstruieren kann, was er gesagt hat - und ich begreife, daß er eine
Standard-Begrüßungsfloskel benutzt hat, die für meine bescheidenen Deutschkenntnisse im
Grunde gar kein Problem darstellt. Wenn dieses Volk schon eine so komplizierte Sprache
benutzt, könnte es sich wenigstens auf eine einheitliche Aussprache einigen.
»Und ich möchte Ihnen die Grüße der Gemeinschaft von Arkadia
überbringen«, erwidere ich höflich. Ursprünglich wollte ich diesen Satz in deutscher
Sprache aufsagen, weil ich grundsätzlich zu höflichen Gesten bereit bin, aber meine
Sprechorgane waren einfach nicht in der Lage, die seltsamen Lautfolgen nachzubilden, die
mir der Computer vorgekrächzt hat.
Zum Glück tritt nun Hermann als Dolmetscher in Aktion und stellt mir
die Vertreter der Firma Licht- und Luft-Reisen DGmbH aus einem Städtchen namens Finsterwalde
vor - Herrn Hartmut Stein, den »Beauftragten für internationale Handelsbeziehungen«,
Herrn Klaus Wetter, den »Leiter der Ferien-Konzept-Entwicklung«, und Herrn Manfred
Eiche, den »Rechnungsprüfer des Sekretariats Investitionen«. Irgendwie habe ich das
Gefühl, daß die Leute sich diese wortreichen und offenbar wohlklingend gemeinten Titel
nur zu unseren Verhandlungsgesprächen zugelegt haben, aber ich traue den Deutschen
mittlerweile zu, daß in ihrer Firmenhierarchie tatsächlich solche Posten existieren.
Nachdem wir uns eine Weile mit diversen Nettigkeiten überhäuft haben,
kommt Stein zur Sache. »Ich vermute, die Behörden von Arkadia haben sich inzwischen
ausführlich mit unserem Projekt Freier leben beschäftigt«, sagt er. »Haben Sie
schon eine Entscheidung getroffen, oder möchten Sie zunächst über einzelne Punkte
verhandeln?«
»Bevor wir über Details reden«, erwidere ich, »würde ich gerne von
Ihnen hören, wie Sie auf die Idee gekommen sind, ein solches Projekt ausgerechnet auf
Arkadia realisieren zu wollen.«
»Wir Deutschen waren schon immer ein reiselustiges Volk«, beginnt
Stein, und lehnt sich zurück, damit er genügend Platz für die ausladenden Gesten hat,
mit denen er seinen Vortrag dekoriert. »Und wir lieben die Sonne und das Leben in der
unberührten Natur. Nach getaner Arbeit wollen wir freier leben - und die Natur frei
erleben. Man könnte Deutschland sogar als ein Ursprungsland der Nudisten von Arkadia
bezeichnen, denn insbesondere die Deutschen sind schon seit Jahrhunderten begeisterte
Anhänger der Freikörperkultur.«
Hermann braucht eine Weile, um mir das Wortspiel mit dem Projektnamen
und den unübersetzbaren deutschen Begriff mit den vielen Knack- und Knarrlauten zu
erklären. Offenbar haben viele Deutsche dieselben Probleme wie ich, da dieses
Wortungetüm häufig mit dem handlichen Kürzel »FKK« wiedergegeben wird - was in meinen
Ohren allerdings einen viel obszöneren Klang hat.
»Wenn das so ist«, sage ich anschließend, »verstehe ich nicht,
warum dann so wenige Deutsche nach Arkadia ausgewandert sind. Ich kenne nur eine einzige
Arkadierin, von der ich zufällig weiß, daß ihre Eltern aus Deutschland stammen.«
»Es liegt mir natürlich fern, die sehr freizügige Lebensweise auf
Ihrem Heimatplaneten zu kritisieren«, sagt Stein. »Aber wir betrachten den Nudismus
ausschließlich als Freizeitvergnügen. Es widerspräche geradezu der Grundidee der Freikörperkultur,
sie auch im Alltag oder gar im Arbeitsleben durchzusetzen. Da wir in erster Linie ein
arbeitsames und ordnungsliebendes Volk sind, legen wir in diesem Zusammenhang größten
Wert auf körperliche Hygiene und moralische Sittsamkeit.«
Unwillkürlich frage ich mich, warum die Deutschen dann eine so
unbedeutende Rolle in der interstellaren Wirtschaft spielen. Angeblich sollen sie sogar
die ersten Raketen erfunden haben, für militärische Zwecke, wenn ich mich recht
entsinne, doch an der anschließenden friedlichen Erkundung des Weltraums haben sie sich
kaum noch beteiligt.
Außerdem ist mir nicht ganz klar, was dieser Stein mit seiner
Ansprache bezweckt. Wenn er mich als Vertreterin der arkadischen Gesellschaft auf diese
Weise beleidigt, wird es ihm nur schwerlich gelingen, mich für sein Projekt zu
begeistern.
»Dann sollten Sie ihren Freizeitpark vielleicht an einem anderen Ort
errichten, wo die Gefahr geringer ist, daß Ihre Urlauber durch undeutsche Untugenden
verdorben werden.«
»Unsere Planung, die Ihnen zumindest in groben Zügen vertraut sein
müßte, Fräulein Greedy, sieht vor, die Kontakte zwischen unseren Gästen und der
einheimischen Bevölkerung von Arkadia auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die
Freizeitangebote unserer Ferienanlage sind so vielfältig angelegt, daß es für den
Urlauber von der Erde keinerlei Veranlassung gibt, das Gelände zu verlassen.«
»Wenn ich Sie richtig verstehe, wollen Sie Ihre Urlaubsnudisten
völlig von den arkadischen Vollzeit-Nudisten isolieren«, fasse ich zusammen. »Warum
bauen Sie dann nicht eine Raumstation oder kaufen sich eine unbewohnte Insel auf Terra
Nova oder einem anderen Kolonialplaneten? Damit würden Sie jegliches Restrisiko
vermeiden.«
»Ich glaube, Sie haben unsere Philosophie immer noch nicht richtig
verstanden, meine Gute«, sagt Stein. »Es ist der Reiz des Exotischen, der Hauch von
Abenteuer, der unsere deutschen Gäste in Scharen nach Arkadia locken wird. Wer viel Geld
für seinen Urlaub bezahlt, will perfekte Illusionen und keine wirklichen Gefahren
erleben. Unsere Gäste sollen einen Hauch der arkadischen Freiheit und Unbeschwertheit
mitnehmen, aber sie sollen keinen Kulturschock erleiden.«
*
Diesen Schlag in die Magengrube muß ich erst einmal verdauen. Daher
bitte ich um ein wenig Bedenkzeit, worauf wir uns einigen, die weiteren Verhandlungen auf
morgen zu vertagen.
Etwas später sucht Hermann mich in meinem Hotelzimmer auf, weil wir
uns für den Abend verabredet haben, um gemeinsam die Stadt zu erkunden.
Als er eintritt, zuckt er sichtlich zusammen, da ich mich in meinen
eigenen vier Wänden natürlich so verhalte, wie ich es als Arkadierin gewöhnt bin.
»Wir haben den ganzen Tag lang über Freikörperkultur geredet,
und wenn du plötzlich einem nackten Körper gegenüberstehst, bekommst du einen
Schreck«, sage ich lachend und streichele seine Wange. »Du bist süß!«
»Wir Deutschen waren schon immer Meister in der feinen Unterscheidung
von Theorie und Praxis«, erwidert Hermann schlagfertig.
»Und was sagst du zu den nackten Tatsachen?« frage ich, während ich
die Arme unter meinen Brüsten verschränke und ihn ansehe.
Hermann mustert mich skeptisch, bevor er antwortet. »Theoretisch
scheinst du eine ausgesprochen hübsche Frau zu sein, auch wenn deine völlige
Haarlosigkeit etwas irritierend wirkt. In praktischer Hinsicht bist du mir entschieden zu
weiblich. Ich stehe mehr auf muskulöse Schultern und schmale Hüften, falls du verstehst,
was ich damit andeuten will.«
Natürlich habe ich ihn verstanden. Ich hatte bislang noch nicht
genauer über diesen Punkt nachgedacht, aber schon während unserer Begrüßung am
Raumhafen hatte ich den Eindruck, daß Hermann mich offenbar ganz nett fand, daß aber der
gewisse Funke ausgeblieben war, der fast immer überspringt, wenn ich einem männlichen
Wesen begegne - daß Hermann gar nicht her man, sondern his man ist.
»Schade«, sage ich mit einem lässigen Achzelzucken und beginne, mir
die Kleidung anzuziehen, die ich auf dem Bett bereitgelegt habe. »Aber ich denke, daß
wir trotzdem einen netten Abend miteinander verbringen können.«
*
Bevor es in Deutschland völlig dunkel wird, zeigt mir Hermann
verschiedene Berliner Sehenswürdigkeiten: die zu großen Teilen wiederrichtete Mauer in
der Innenstadt, die Ruinen von Gedächtniskirche und Europa-Center, die historische Meile
des Kurfürstendamms, die ganz im Stil des späten 20. Jahrhunderts gehalten ist, die
holographische Projektion des Stadtschlosses, das nach der Zerstörung in einem der
zahlreichen deutschen Kriege nie wiederaufgebaut wurde, den Erlebnispark »Kleine DDR«,
der nach dem Einsturz des Fernsehturms im 21. Jahrhundert auf dem verwüsteten
Alexanderplatz angelegt wurde, und vieles mehr. Danach suchen wir eine typische Berliner
Kneipe auf, doch die penetranten Männer mit den dicken Bäuchen widern mich ebenso an wie
die Speisekarte, auf der ausschließlich die Überreste von getöteten Tieren zum Verzehr
angeboten werden.
Ich mache Hermann klar, daß ich für diesen Tag mehr an deutscher
Exotik und barbarischen Gebräuchen erlebt habe, als ich zu ertragen bereit bin, worauf er
mich ins chinesische Restaurant des Xing-Kempinski führt, das von sämtlichen
Reiseführern einhellig als kulinarischer Höhepunkt dieser Stadt gelobt wird.
Nachdem uns die kultivierten Köstlichkeiten der neuen chinesischen
Cuisine auf der Zunge zergangen sind, lasse ich mich von Hermann in sein erklärtes
Lieblingslokal einladen. Da es nicht weit entfernt ist und es inzwischen zu regnen
aufgehört hat, gehen wir zu Fuß zum Tuntentheater des Westens, einem ehemaligen
Schauspielhaus, dessen pseudoklassische Fassade von knallbunt bemalten Skulpturen und
anderen architektonischen Spielereien geziert wird.
»Ist es mir als weiblichem Wesen überhaupt erlaubt, diese heiligen
Hallen der Homosexualität zu betreten?« fragte ich meinen herrmännlichen Begleiter.
»Natürlich«, antwortet er. »Solange du niemandem unsittliche
Anträge machst ...«
»Ich werde mich zusammenreißen«, verspreche ich, »aber ich kann
für nichts garantieren, wenn die Männer hier genauso schnuckelig wie du sind.«
»Dann könnte es gefährlich werden«, sagt Hermann grinsend. »Denn
genau aus diesem Grund komme ich so gerne hierher.«
Er hat nicht zuviel versprochen. Denn im Tuntentheater tummeln sich
keineswegs nur Transvestiten, wie der Name anzudeuten scheint, sondern die gesamte
Spannweite männlicher Versuchungen. Von zarten Jünglingen in keuscher Toga bis zu
drahtigen Kerlen in knallengem Macho-Kunstleder ist alles vertreten, doch am besten
gefallen mir die Kellner, die mit nichts außer einem prall gefüllten Slip zwischen den
Beinen herumlaufen. Meine arkadischen Überzeugungen drohen ins Wanken zu geraten, denn
ich muß zu meiner Verblüffung feststellen, daß die geschickt angebrachte knappe
Bekleidung extrem reizvoll ist, weil sie meine Phantasie auf Hochtouren bringt.
Zu schade, daß all diese Prachtburschen für meine ansonsten recht
überzeugenden weiblichen Argumente unempfänglich sein dürften. Aber während ich mich
von Hermann überreden lasse, eine einheimische Spezialität namens Bier zu
probieren, und ich seine breiten Schultern und sinnlichen Lippen bewundere, kommt mir eine
verwegene Idee ...
Unter normalen Umständen halte ich mich mit solchen Manipulationen
sehr zurück, aber in diesem Fall kann ich dem Drang einfach nicht widerstehen, mit meinen
Möglichkeiten zu spielen. Was soll schon passieren? Schlimmstenfalls mache ich mich
lächerlich, was für mich noch nie ein Hinderungsgrund war.
Also beginne ich damit, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen - was
natürlich eine Weile dauert. Nach dem vierten Bier suche ich eine Toilette auf, um mich
mit eigenen Augen von meinen Fortschritten zu überzeugen. Außerdem besitzt das deutsche
Nationalgetränk die Eigenschaft, nur für kurze Zeit im menschlichen Körper zu
zirkulieren. Die Sitte des Biertrinkens dient offensichtlich nur dem Zweck, in geselliger
Runde große Flüssigkeitsmengen aufzunehmen, um sie dann ebenfalls in Gesellschaft wieder
auszuscheiden, wobei begonnene Gesprächsthemen ohne Unterbrechung weitergeführt werden
können. All der Aufwand soll offenbar auf geschickte Weise verschleiern, daß während
des Biertrinkens eine beträchtliche Menge Alkohol ihre Wirkung im Gehirn entfaltet. Für
mich ist es jedoch eine der leichteren Übungen, diese Psychodroge nicht zu absorbieren,
sondern mit dem Urin abzugeben.
»Hallo, Greedy«, ruft Hermann, als er mich zurückkommen sieht. »Wo
warssu so lange?«
Der übermäßige Genuß von Bier wirkt sich außerdem nachteilig auf
die Artikulationsfähigkeit aus, worauf mir einige Eigenarten der deutschen Sprache etwas
verständlicher werden.
»Ich habe mit den Jungs auf der Toilette ein Wettpinkeln
veranstaltet«, erwidere ich.
Hermann lacht sich schlapp. »Und wer hat gewonnen?« fragt er.
»Ich natürlich«, entgegne ich grinsend, als ich mich wieder neben
ihn setze.
»Du scheinss wirklich ne ganze Menge ssu vertragen«, sagt Hermann
schleppend. »Du wirkst eigentlich kein bißchen betrunken.«
Ich winke lässig ab. »Ich bin sozusagen seit Geburt gegen solche
Gifte immun«, erkläre ich ihm. »Ich kann die Wirkung ohne besondere Mühe
unterdrücken.«
»Echt?« staunt Hermann und runzelt nachdenklich die Stirn. »Dann
entgeht dir ja der ganze Spaß!«
»Oh, ich amüsiere mich trotzdem prächtig«, erwidere ich und schaue
sehnsüchtig einem knackigen Hintern nach.
»Dabei fällt mir auf ... bin ich schon völlig blau, oder siehst du
irgendwie anders aus?«
»Findest du?« frage ich unschuldig zurück.
»Ja ... als hättest du plötzlich abgenommen, diese weichen
wabbeligen Fettpölsterchen verloren.«
»Gefalle ich dir so besser?« frage ich und rücke ein Stückchen
näher an ihn heran.
»Ich verstehe nicht ...«
Hermann hat natürlich keine Ahnung, was geschehen ist, aber jetzt
scheint der richtige Augenblick gekommen zu sein, ihn damit zu überraschen. »Ich würde
dir gerne etwas zeigen«, sage ich und nehme seine Hand.
»Was hast du vor?«
Ohne weitere Erklärung ziehe ich seine Hand noch näher heran und
führe sie unter meine Toga. Ich spüre, wie seine Finger zunächst zurückzucken, als sie
das Ergebnis meiner Metamorphose berühren. Dann wagen sie sich noch einmal vor und
erkunden es neugierig, während Hermanns Augen im gleichen Maße größer werden wie das
Ding zwischen meinen Beinen.
»Wie kann das sein ...?« stammelt Hermann fassungslos. »Was hast du
gemacht?«
»Du bist nicht der erste, den ich mit meinen verborgenen Talenten
verblüffen konnte«, erwidere ich.
*
Weiter im Teil 3  |