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VorspielGeorge Lucas mußte sich entscheiden, was er nach dem Erfolg von American Graffiti machen wollte: Apocalypse Now oder Star Wars. Zwei nun wirklich sehr gegensätzliche Projekte - das eine ein Antikriegsfilm, das andere ein in den Weltraum verlegter Kriegsfilm. Lucas hätte gern beides gemacht, trotz des offensichtlichen Widerspruchs. Er ging zu seinem Ziehvater Francis Ford Coppola, der Apocalypse Now produzieren wollte, um ihn zu bitten, das Projekt bis nach Star Wars aufzuschieben, aber Coppola wollte nicht warten und inszenierte das Ding auf eigene Faust. Also blieb nur noch der Krieg der Sterne, von dem allerdings nicht mehr als ein 13seitiges Exposé existierte: Es spielt im 23. Jahrhundert und schildert die Flucht der Rebellenprinzessin Leia Aguilae vor einem bösen galaktischen Diktator und ihre Gefangennahme durch denselben. Befreit wird das Mädel von dem Jedi-General Luke Skywalker, seinem Freund Annikin Starkiller und zehn Rebellenjungen zwischen 15 und 18 Jahren. Mit dem Exposé unter dem Arm meldete sich Lucas bei David Picker von United Artists an, aber der fand das alles technisch zu kompliziert und winkte ab, genauso wie Ned Tanen von Universal/MCA, mit dem Lucas ohnehin im Clinch lag. Um so interessierter zeigte sich Alan Ladd jr. von der Twentieth Century-Fox, der Lucas für einen »äußerst talentierten jungen Nachwuchsfilmer« hielt und ihm deswegen die große Chance gab. In den folgenden zwei Jahren deckte sich Lucas reichlich mit Comic- und Science-Fiction-Lektüre ein, sah sich Unmengen von alten Filmen an, wie Forbidden Planet und Day the World Ended, und mühte sich mit mehreren Drehbuchversionen ab. In der ersten Fassung sind der junge Kane Starkiller, 18 Jahre alt, und General Luke Skywalker, ein betagterer Herr in den frühen Sechzigern, die einzigen Überlebenden eines Massakers, das die bösen Sith-Ritter unter den Jedi-Bendu angerichtet haben. Die beiden hüten das Geheimnis von der »Macht der anderen«, einem mystischen Bund der Jedi-Ritter, der ihnen überirdische Kräfte verleiht. Gegenspieler der Jedi sind Prinz Valarium, der Schwarze Ritter der Sith, und sein finsterer Adlatus Darth Vader. Dazu gibt es noch zwei abgetakelte sprechende Roboter namens C-3P0 und R2-D2 (ursprünglich ein Kürzel für Rolle 2, Dialog 2) und die Wookies, zwei Meter vierzig große Rebellenpiloten mit grauem Pelz. Allein Han Solo ist noch ein grünes Halbmonster mit Kiemen statt Nase. Die zweite Fassung, die am 28. Januar 1975 fertig war, trug den Titel Die Abenteuer von Starkiller, Teil eins vom Krieg der Sterne (schon ging die Sache mit den Fortsetzungen los ...) und spielte in der von Bürgerkriegen und gesetzlosem Barbarismus erschütterten Republik Galactica. Im Mittelpunkt stand die Suche nach dem Kiberkristall, der die »Macht der anderen«, »ein mächtiges Energiefeld ..., das das Schicksal aller Lebewesen bestimmte«, beherrschte. Die Macht hatte eine gute Seite, Ashla genannt (eine Anspielung auf den Löwen Aslan, das Symbol für Christus in den Narnia-Büchern von C. S. Lewis), und eine böse, Bogan oder Para-Macht geheißen. Auf der Ashla-Seite des Guten standen der alte Skywalker und seine zwölf Söhne, die zu den Jedi-Bendu gehörten und von der dunklen Seite der Macht unter dem hünenhaften Lord Vader vernichtet wurden. Vaders Gegenspieler im erbitterten Kampf um den Kiberkristall war der mit einem silbernen Bart ausgerüstete und deswegen schon gottväterliche Starkiller.
Im dritten Drehbuch vom 1. August 1975 war Luke ein Bauernjunge, Sohn des berühmten Jedi-Ritters Annikin Starkiller. Er wächst unter der Obhut seines verbitterten Onkels Owen Lars auf, der das schwarze Schaf der Familie ist und sogar Lukes Ersparnisse stehlen muß, um seine Farm vor dem Ruin zu retten. Derweil gelingt es der 16jährigen Prinzessin Leia, im Roboter R2-D2 eine Botschaft mit den Plänen des gefürchteten Todessterns zu deponieren, bevor sie von Darth Vader überrumpelt wird. Luke findet den Roboter und überredet den »heruntergekommenen alten Wüstenfuchs« Ben Kenobi, einen ehemaligen Kampfgefährten seines Vaters, sowie dem Raumschiff-Cowboy Han Solo samt Copilot Chewbacca, die Prinzessin zu befreien. Ben wird im Schwertduell mit Vader verletzt, kann aber von Luke und Han noch rechtzeitig gerettet werden, um den wertvollen Kiberkristall weiterzugeben, mit dessen (und nicht der Macht) Hilfe der Todesstern angegriffen und zerstört wird. |
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![]() Foto: Twentieth Century Fox |
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Krieg der SterneZum Schluß kam die folgende Geschichte heraus: Im galaktischen Imperium ist eine Rebellion ausgebrochen, denn der Imperator hat die letzten Relikte der alten Republik abgeschafft, um die eine Million Systeme im Sternenreich ein für allemal unter seiner Herrschaft zusammenzuschmieden. Das »absolute Machtinstrument im Universum«, der Todesstern, soll den Stützpunkt der Rebellen-Allianz ausfindig machen und vernichten. Einige Rebellen, unter ihnen Prinzessin Leia Organa, die als Senatorin des Planeten Alderaan dem (inzwischen aufgelösten) galaktischen Rat angehörte, konnten die technischen Daten der fliegenden Superfestung in ihren Besitz bringen, werden aber, bevor sie sie ihren Mitrebellen überbringen können, von einem imperialen Raumschiff abgefangen. Die Prinzessin kann die Daten gerade noch in einem staubsaugergroßen Roboter, R2-D2, speichern und diesen mit seinem goldschimmernden Blechfreund C-3P0 (der verdammt an den Roboter aus Metropolis (D 1927) erinnert) auf die Suche nach General Obi-Wan Kenobi schicken, der sie statt ihrer übermitteln soll - dann landet sie auch schon in den Klauen des schwarzvermummten, maskierten und mit Samuraihelm versehenen Lords Darth Vader und seiner Stormtroopers und wird auf den Todesstem verschleppt. Auf Tatooine, ihrem sandigen Bestimmungsplaneten (nach dem Vorbild von Frank Herberts Der Wüstenplanet (Dune 1963/65) geschnitzt), werden die beiden Roboter von den im Schrotthandel tätigen Jawas, quirligen Zwergen mit funkelnden Augen, gefangengenommen und an den Gewürzfarmer Owen Lars verkauft. Dessen Adoptivsohn Luke Skywalker soll die Roboter fortan warten. Bei dieser Gelegenheit spielt ihm R2-D2 die Botschaft der entführten Prinzessin vor, und Luke weiß auch gleich, wer Obi-Wan sein könnte: der alte Eremit Ben Kenobi. Tatsächlich ist Ben mit dem gesuchten General identisch - ein alter Jedi-Ritter, der in den legendären Klon-Kriegen für die Republik gekämpft hat, wie übrigens auch Lukes (angeblich toter) Vater, der - laut Kenobi - der beste Kampfpilot gewesen ist, den er je kennengelernt hat. Gemeinsam stritten sie für die »Freiheit des Universums«, im Wissen um das Geheimnis der »Macht«, der »Kraft« (alias »the Force«). Die »Macht« - das ist ein göttliches Prinzip, das ist Religion ebenso wie Magie, Instinkt und Tradition alles Guten.
Kenobi ist, ganz offensichtlich, eine Mischung aus Merlin und Gandalf, dem Zauberer aus Carlos Castanedas Tales of Power und, wie sich noch zeigen wird, einem schwertkämpfenden Toshiro Mifune, der ursprünglich Wunschkandidat für die Rolle war, bevor sie an den Briten Sir Alec Guinness ging. Noch offensichtlicher sind die mit religiösen Hintergedanken servierten moralischen Absichten George Lucas':
Obi-Wan dagegen sagt noch, was richtig und was falsch ist. Falsch war es, daß er Darth Vader ausbildete, der sich der dunklen Seite der »Macht« verschrieb und zum Diener des Bösen, sprich: des Imperators, wurde. Diesen Fehler will der General nun an Luke, dessen Pflegeeltern inzwischen von den Verfolgern der Roboter umgebracht worden sind, gutmachen. Skywalker wird zum Zauberlehrling des weisen Kenobi. Später, in Mos Eisley, einem verrufenen Raumhafen, finden der General, sein Schüler und die beiden Roboter einen geeigneten Piloten, der willens ist, sie nach Alderaan überzusetzen, wo sie die Botschaft Leias überbringen wollen. Es handelt sich um den Schmuggler und Glücksritter Han Solo, Kapitän des schrottreifen Überlicht-Jets »Millennium Falcon«, der - für gutes Geld, versteht sich - gemeinsam mit seinem Ersten Offizier Chewbacca, einem baumlangen 300 Jahre alten Hominiden, den riskanten Job übernimmt. Unterdessen hat auch der Todesstern Kurs auf Alderaan genommen. Grand Muff Tarkin, Befehlshaber der Festung, will den Heimatplaneten der Prinzessin vernichten, falls ihm Leia nicht verrät, auf welchem Stern die Rebellen ihren Stützpunkt haben. Die Prinzessin versucht zu lügen, doch es hilft nichts: Alderaan wird zerstört. Als der »Millennium Falcon« das Gebiet erreicht, wo sich Alderaan befand, zieht ihn ein Schleppstrahl ins Innere des Todessterns. Ein schlechter Schachzug der Diener des Imperiums, denn jetzt können Luke, Han und Chewbacca die bereits auf ihre Hinrichtung wartende Leia mit Leichtigkeit in einem Stoßtruppunternehmen befreien. Allein Obi-Wan entkommt nicht. Der Schwarze Lord versperrt seinem alten Lehrer den Fluchtweg und entkörperlicht den Meister mit seinem Laserschwert. Doch darauf hat Obi-Wan im Grunde nur gewartet: Einmal seiner fleischlichen Hülle entledigt, geht Kenobis Geist, geht seine unsterbliche Seele ein in das große Geheimnis der »Macht«. Den anderen glückt die Flucht zum Rebellenstützpunkt, der sich auf dem vierten Mond des unbewohnbaren Gasplaneten Javin befindet, doch dank eines Peilstrahls weiß jetzt auch der Gegner, wo sich die Rebellen verborgen haben. Glücklicherweise ermitteln die Rebellencomputer aus den überbrachten Daten den wunden Punkt der nahenden Kampfstation: einen kleinen Thermalabgas-Ausgang, der unmittelbar in das Hauptreaktorsystem führt, das die fliegende Festung mit Energie versorgt. Ein direkter Treffer würde eine Kettenreaktion auslösen und den Todesstern in Stücke reißen. Es folgt eine unglaubliche Luftschlacht, Luftkampfbildern aus alten Wochenschauen und Kriegsfilmen exakt nachgestellt, in deren Verlauf Luke plötzlich die Stimme des mächtigen Kenobi-Geistes hört, die ihn auffordert, im Vertrauen auf die »Macht« den Zielcomputer auszuschalten und sich ganz auf sein Gefühl, seinen Instinkt zu verlassen. Worauf Luke, mit geschlossenen Augen und bei Höchstgeschwindigkeit, den vernichtenden Torpedo just über dem Zwei-Meter-Ziel abwirft. Eine gewaltige Explosion zerreißt den Todesstern. Die Schlußszene entspricht den Bildern aus Leni Riefenstahls NS-Parteitagsfilm Triumph des Willens (D 1934): Im Thronsaal des Rebellenstützpunkts nimmt Leia Organa vor versammelter Mannschaft die Siegerehrung der drei Musketiere des Weltalls vor: Luke, Han und Chewbacca. Der Imperator war einstweilen bezwungen - übrigens auch in echt, denn sein zweifelhaftes Vorbild, US-Präsident Richard M. Nixon, war inzwischen, watergategeschädigt, zurückgetreten. Und mit dem neuen Präsidenten, Jimmy Carter, schienen für Amerika wieder hoffnungsfrohe Tage zu kommen ... Trügerischer Schein! |
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![]() Foto: Twentieth Century Fox |
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Das Imperium schlägt zurück
Ladd, der diese Konditionen akzeptierte, hatte damit eine schlechte Position im eigenen Haus und kehrte der Fox endlich am 4. Juli 1979 den Rücken, um seine Ladd Company ins Leben zu rufen. Dennoch konnte die Geschäftsführung von Twentieth Century-Fox später Terrain zurückgewinnen, als Lucas den Gang nach Canossa antreten und, weil er das Budget überzogen hatte, um eine Bankbürgschaft betteln mußte, und ließ sich ein günstigeres Verleih-Abkommen ausstellen. Krieg der Sterne war, was Aufbau und Ablauf der Story anging, relativ simpel, eine zwar protzig in Szene gesetzte, doch im Kern einfach-naive Fabel, eine Kopie der alten SF-Serials mit ihrer klaren Schwarzweißzeichnung: hier gut - da böse. Eindimensional, könnte man sagen. Das Imperium schlägt zurück ist von anderem Kaliber: Die Handlung verläuft auf mehreren Ebenen. Nicht mehr nur inhaltlich, sondern auch dramaturgisch ist das Serial-Vorbild spürbar, die Aufteilung in Fortsetzungen innerhalb des Streifens durch Unterteilung der Story in drei verschiedene Blöcke und innerhalb der sich anbahnenden Star-Wars-Serie, indem der Zuschauer nach dem Schema Ende offen und mit der Ankündigung Fortsetzung folgt (in wenigen Jahren) aus dem Kino entlassen wird. Im ersten Block, der Vorbilder aus dem Kriegsfilmgenre am wenigsten verleugnen kann, greifen in Stop Motion wandelnde imperiale Riesenpanzer den Schlupfwinkel der Rebellen-Allianz auf dem Eisplaneten Hoth an (einer dieser Snow Walkers wird filmwirksam bezwungen wie der Riese aus dem Micky-Maus-Film The Brave Little Tailer (USA 1938)). Manche Bilder erinnern einen irgendwie an den deutschen Angriff auf Norwegen 1940 (tatsächlich ließ Lucas in Norwegen drehen). Der zweite Block ist Fantasy und erinnert ganz entfernt an Tolkien. Auf dem Sumpfplaneten Dagobah belegt Luke Skywalker einen Fortgeschrittenenkursus im Umgang mit der »Macht« bei einem gewissen Yoda (der vom Muppets-Meister Frank Oz belebt und gesprochen wird). Dieser Yoda mit den langen Ohren war schon der koboldhafte Lehrer Kenobis und seines Vaters. Aber Luke bricht die Übungen vorzeitig ab, um - im dritten Block - seinen in der Himmelsstadt Bespin (für die augenscheinlich die fliegende Stadt der Falkenmenschen aus dem Serial Flash Gordon Modell gestanden hat) festgesetzten Freuden zu helfen, wo es zu einer ernsten Laserschwert-Konfrontation zwischen ihm und Darth Vader kommt.
Die drei Blöcke sind praktisch unverbunden aneinandergeklebt, fließen in einem unglaublichen Tempo, aber der Fluß mündet nirgendwo. In Bewegung gehalten wird das Wasser des Flusses ohne Mühe durch die sage und schreibe vierhundertzwei (!) in Lucas' hauseigenner Industrial Light & Magic Corporation fabrizierten Trickaufnahmen, gegen die sich die alles in allem zwei Küsse eher bescheiden ausnehmen. Unbescheiden dagegen wirkte Lucas' Ankündigung, die Star-Wars-Saga (denn das war es inzwischen) auf neun Folgen zu drei Trilogien zu konzipieren. Krieg der Sterne selbst war nun nicht mehr Teil 1, sondern - mit dem neuen Untertitel A New Hope - Teil 4 (resp. Teil 1 der 2. Trilogie), Das Imperium schlägt zurück Teil 5 (resp. Teil 2 der 2. Trilogie). |
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Die Rückkehr der Jedi-RitterAbgeschlossen wurde die 2. Trilogie durch Die Rückkehr der Jedi-Ritter (Return of the Jedi USA/GB 1983). Längst hatte Lucas selbst der aufreibenden Regietätigkeit ade gesagt (Das Imperium schlägt zurück wurde von Irvin Kershner, Die Rückkehr der Jedi-Ritter von Richard Marquand in Szene gesetzt) und sich auf die Funktion eines Über-Walt-Disney beschränkt. Jedi beweist ganz klar, daß dieser neue Disney wohl langsam die Nase voll hat von seiner eigenen Superkreation. Mit der linken Hand wirbelt er verwandtschaftliche Beziehungen und Protagonisten durcheinander, daß es ein reines Wunder ist.
Als schon alles verloren scheint, als der zombiehafte Imperator Luke zu vernichten droht, schlägt sich Darth Vader, nachdem ihn Luke im Laserduell besiegt hat, auf die Seite seines Sohnes, packt den Kaiser von hinten und wirft den Zappelnden in einen tiefen Schacht, wo alles explodiert.
Skywalker senior ist tot und wird als Geist vereint mit den zwei anderen großen Toten: Obi-Wan & Yoda. Glücklich verfolgen die drei Geister die fröhliche Siegesfeier der Lebenden, wo es zum Happy-End kommt für Leia und Han. Ende gut - alles gut. Rolf Giesen |
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Literatur
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