| Außer dem Schauplatz und
einigen Seegefechten hat das Piratenabenteuer Fluch der Karibik so gut wie nichts
mit dem gleichnamigen Kinoabenteuer gemein. Das ist vielleicht ganz gut so, da das Spiel
wesentlich mehr zu bieten hat, als simples »Schiffe versenken«. Fluch der Karibik
verbindet klassische Rollenspielelemente (der Spieler kann seinen Helden in einer ganzen
Reihe von Fähigkeits- und Talentbereichen weiterentwickeln und nebenher Schätze oder
Waffen horten) mit Handelselementen (auf den einzelnen Inseln, die für den Spieler
zugänglich sind, lassen sich vortrefflich Geschäfte abschließen) und mischt all dies
mit einer abwechslungsreichen Abenteuerhandlung. Der Spieler erfreut sich dabei großer
Bewegungs- und Handlungsfreiheit. Während er auf den Meeren mit dem Schiff unterwegs ist,
kann er die Inseln zu Fuß erkunden. Die Ansiedlungen auf den Inseln bieten die
Möglichkeit, die eigene Schiffsmannschaft aufzustocken, Beschädigungen am Boot beheben
zu lassen, mit Waren zu handeln oder Aufträge an Land zu ziehen. Der Spieler kann zudem
jeder Zeit entscheiden, ob er der Hauptgeschichte folgen oder lieber Handel treiben,
fremde Schiffe kapern, die Inseln nach Schätzen abgrasen oder Seeschlachten führen will.
Zu Beginn sollte man jedoch um die meisten Schiffe und die Schurken und Ganoven, welche
die Inseln bevölkern, einen großen Bogen machen. Erst mit gesteigerten Erfahrungswerten
kann man bei handfesteren Auseinandersetzungen punkten. 
Bis auf ein paar kleinere Details ist Fluch der Karibik ein grafisch
eindrucksvolles Spielerlebnis. Gerade die aufwändige Umsetzung bewegten Wassers kann sich
sehen lassen. Das fängt bei der sich naturgetreu im Wasser spiegelnden Sonne an und
reicht bis zur Darstellung einer stürmischen See mit riesigen Wellenbergen, auf denen die
Schiffe wie Nussschalen tanzen. Auch die Inseln mit ihren kleinen Städten aus
Fachwerkhäusern, dunklen Wäldern, Höhlen und Wüstengebieten können sich sehen lassen.
Der Spieler sollte keinesfalls versäumen, die Umgebung der einzelnen Inseln in
Augenschein zu nehmen. Ein großer Teil an Reichtümern würde ihm sonst verborgen
bleiben. Eindrucksvoll sind auch die Seeschlachten, bei denen man am praktischsten aus der
Ego-Perspektive die Kanonen abfeuert und dann beobachten kann, wie die Kugeln das Meer
hochpeitschen oder als kritischer Treffer in den feindlichen Planken landen. Der Blick
über die Rehling auf das bewegte Meer, auf dem das feindliche Schiff - das manchmal nur
wenige Meter entfernt ist - ebenfalls eine Salve Kanonenkugeln abfeuert, lässt fast schon
das Gefühl aufkommen, live im Geschehen dabei zu sein. Den einzigen Punkteabzug bekommt
das Spiel wegen der recht umständlichen Steuerung.
Fluch der Karibik von Ubi Soft ist ein spielerischer und grafischer
Überraschungshit, der jedoch etwas Eingewöhnungszeit benötigt. Die ersten zwei bis drei
Stunden sollte man zur Übung spielen und danach noch einmal neu beginnen, um grobe
Anfängerfehler zu vermeiden. |
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