Viele erfahrene Computertspieler dürften sich noch gut an Prince of
Persia 1 (1989) erinnern, das erste Action-Adventure mit Geschicklichkeitseinlagen.
Das Spiel zeichnete sich durch die - für damalige Verhältnisse - anspruchsvolle
Levelgestaltung und eine hervorragende Bewegungssimulation der Figuren aus. Weitere
Besonderheiten waren das orientalische Flair der Umgebung und die hinterlistigen Fallen,
mit denen sich der Prinz konfrontiert sah. Der zweite Teil (1993) setzte diese Traditionen
fort, bot zudem eine komplexere Story und begehbare Außenareale. Das 1999 publizierte
Spiel Prince of Persia 3D öffnete für den Prinzen den Weg in die dritte
Dimension, enttäuschte aber durch eine umständliche Steuerung und die unbefriedigende
technische Umsetzung. Später sicherte sich UbiSoft die Rechte am Titel und
unternahm einen neuen Versuch, den Prinzen in die dritte Dimension zu katapultieren. Das
Ergebnis ist geglückt, und mit The Sands of Time liegt wohl das bisher beste Prince
of Persia-Spiel in den Händlerregealen.Außer dem orientalischen Hintergrund hat
die Geschichte jedoch nur wenig mit den älteren Teilen der Serie gemein. Das Spiel
beginnt mit dem blutigen Feldzug eines persischen Königs gegen den Maharadscha von
Indien. Während der Palast erobert wird, dringt der Sohn des Königs auf eigene Faust in
das prachtvolle Anwesen und stiehlt den geheimnisvollen Dolch der Zeit. Doch statt seinen
Triumph genießen zu können, wird er von einem bösartigen Wesir zu einer schrecklichen
Dummheit verleitet: Der Prinz öffnet mit dem Dolch der Zeit die Magische Sanduhr in der
sich der Sand der Zeit befindet. Dieser Sand verleiht seinem Besitzer jedoch keine
Allmacht über die Zeit, sondern löst eine furchtbare Katastrophe aus. Jede Person, mit
welcher der Sand in Berührung kommt, verwandelt sich in eine grauenerregende Bestie, die
nur mit dem Dolch der Zeit getötet und von ihrem Leiden erlöst werden kann. Der Prinz
flieht Hals über Kopf, denn durch den Besitz des Dolches wurde er von der Wirkung des
Sandes verschont. Ebenfalls unversehrt ist Farah, die Tochter des Maharadschas. Um zu
Überleben, gehen die beiden eine Zwangsgemeinschaft ein und versuchen den Wesir
unschädlich zu machen und in den Besitz der Sanduhr zu gelangen.

Prince of Persia: The Sands of Time gelingt es, die Magie des Ursprungspiels
erneut aufleben zu lassen, durch sinnvolle Erweiterungen zu verbessern und dabei technisch
aktuellen Referenzen in nichts nachzustehen.
Die detaillierte Umgebung erscheint wie ein interactives 3D-Gemälde aus
Tausendundeiner Nacht - voller Magie und Zauberei. Diffuse Lichter erhellen die
märchenhaften Schauplätze, zarter Dunst schwebt über vielen Gängen und Plätzen. Auch
die Steuerung des Prinzen gibt keinen Anlass zur Beanstandung. Nur wenige Tastatur- und
Mauskommandos sind nötig, um ihn virtuos durch die verzwicktesten Levelabschnitte zu
bewegen. Zu seinen besonderen Begabungen zählt dabei, dass er vertikale und horizontale
Wände entlanglaufen, sich von einer Stange zur nächsten schwingen oder Säulen
hinaufklettern kann. Seine wohl bemerkenswerteste Fähigkeit verleiht ihm jedoch der Dolch
der Zeit. Sofern genügend Sand der Zeit zur Verfügung steht, ist er mit seiner Hilfe in
der Lage, die Zeit um einige Sekunden zurückzudrehen und Fehltritte ungeschehen zu
machen.
Als einzigen ernstzunehmenden Schwachpunkt in Prince of Persia: The Sands of Time
könnte man vielleicht die mitunter recht schwierigen Kampfsequenzen bezeichnen. Doch dank
fair gesetzter Speicherpunkte dürften diese auch für Gelegenheitsspieler keine
unüberwindbare Hürde darstellen. |
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