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Den Walt
Disney-Film Tron könnte man - mit ein wenig gutem Willen - durchaus als
erstes Cyberspace-Abenteuer der Filmgeschichte bezeichnen. Zwar weisen Handlung und
Erzählweise deutlich märchenhafte Züge auf, dennoch versuchte sich der Film an einer
damals grafisch eindrucksvollen Darstellung einer Virtual Reality. Insoweit ist Tron
genausowenig ein realistischer Film über den Cyberspace wie Star Wars eine realistisch
umgesetzte Space Opera ist (soweit man den Begriff realistisch in diesem
Zusammenhang überhaupt verwenden kann). Eine weitere Besonderheit von Tron sind
die computeranimierten 3D-Sequenzen, die damals revolutionär waren und bis heute ihre
Faszination behalten haben - auch wenn vieles jetzt unfreiwillig komisch wirkt.Das Computerspiel TRON 2.0 greift besonders die visuelle Komponente des Disney-Films auf. Die Leistungsfähigkeit und Funktionalität heutiger 3D-Grafikkarten geht weit über die technischen Möglichkeiten der damaligen Filmindustrie hinaus. Die Spieleentwickler gingen daher einen Kompromiss ein. TRON 2.0 sieht deshalb zwar deutlich besser aus als die virtuellen Wirklichkeiten der Filmvorlage, hält sich aber in Bezug auf Architektur und visuelle Anmutung sehr nah an Disneys futuristisches Computerabenteuer. Als Spieler fühlt man sich ins vermenschlichte Innere eines Computersystems versetzt, in dem an den Wänden Energieströme pulsieren, Programme in Menschengestalt ihre Arbeit verrichten, Datenpakete durch den Raum schweben und alles von einem energetischen Glühen durchsetzt ist. Höchstes Lob verdient die Leistung der Leveldesigner, die bisweilen fast schon surrealistisch wirkende Schauplätze entwarfen und erneut beweisen, dass Computerspieldesign durchaus als Kunstgattung verstanden werden kann.
Spielerisch bedient sich TRON 2.0 bei verschiedenen Genres. Ein Schuss Rollenspiel (die Spielfigur verfügt über individuell steigerbare Erfahrungswerte und kann Upgrade-Module benutzen) mischt sich mit vereinzelten Rätselabschnitten, hektischen Racingsequenzen (die Lichtrennerspiele aus Tron) und Actionelementen (neben dem berühmten Wurfdiskus kommen bizarre Energiewaffen zum Einsatz). In erster Linie ist TRON 2.0 jedoch ein temporeiches und actiongeladenes Spiel, das den Spieler selten eine Ruhepause einräumt und durch den hohen Schwierigkeitsgrad einiges an Geschick und Reaktionsleistung abverlangt. Etwas nervtötend sind hier einige kurze, aber um so gemeinere Jump-and-Run-Einlagen. Die Hintergrundgeschichte von TRON 2.0 fügt sich nahtlos an die der Filmvorlage. Hautfigur ist Jet, der Sohn von Alan Bradley, der damals für die Entwicklung des Sicherheitsprogramms Tron verantwortlich war, das zusammen mit dem digitalisierten Computergenie Kevin Flynn die Bedrohung der Menschheit durch das Master Control Programm (MCP) vereitelte. In TRON 2.0 steht Alans Firma kurz vor der Übernehme durch ein anderes Unternehmen. Dabei wollen die neuen Firmenmachthaber auch Alan Bradlays Technologie der Digitalisierung von Menschen und deren Transfer in die virtuelle Computerwelt nutzen, um die weltweiten Computernetze mit Datenvampiren zu infiltrieren - eine Bedrohung, der sich natürlich der Spieler zu stellen hat. |
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