Die Antwort auf diese Frage ist nicht sehr erfreulich, denn sie lautet: »Es ist unmöglich.« Wer eine unverlangte Idee oder Story oder einen Roman an Lucasfilm (die Leute, die sich um Star Wars kümmern) oder Paramount (Star Trek) oder irgendeine andere Lizenzfirma schickt, wird diese niemals in veröffentlichter Form sehen. Punkt. Frage beantwortet. Ich kenne nur eine mögliche, aber sehr komplizierte und zufällige Ausnahme dieser unumstößlichen Tatsache, auf die ich nicht weiter eingehen werde, denn ich bin mir sicher, daß auch diese Tür nun verschlossen ist, und ich möchte keine falschen Hoffnungen wecken.
Sämtliche Autoren, die Star-Wars-Bücher geschrieben haben, wurden vom Verlag dazu aufgefordert und dafür bezahlt, diese Bücher zu schreiben. Nachdem diese professionellen Autoren einen Vertrag erhalten hatten, lieferten sie ein Exposé ab. Diese Exposés wurden kritisiert, modifiziert, umgeschrieben und (mit etwas Glück) genehmigt. Ein Teil des Genehmigungsprozesses beschäftigte sich mit der Frage, ob die Idee gut war. Aber es ging auch darum, ob die Idee zum Rest des fiktiven Universums paßte und keine direkten oder späteren Probleme mit der Kontinuität verursachte. (Im Fall meiner drei Star-Wars-Bücher wurde ein Handlungsstrang von Lucasfilm gestrichen, weil meine Vorstellungen mit möglichen künftigen Handlungsverläufen konkurrieren könnten.) Erst nachdem die Verträge unterzeichnet und die Exposés genehmigt waren, begannen die Autoren mit der eigentlichen Arbeit an den Büchern. Und die fertigen Bücher durchliefen natürlich noch einmal denselben Genehmigungsprozeß.
Sämtliche Autoren, die Aufträge für Star-Wars-Bücher erhielten, hatten zuvor bereits ihre eigenen Bücher geschrieben und veröffentlicht. Sie konnten etwas vorweisen. Sie hatten ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, einen kompletten, kommerziell verwertbaren Roman auf die einzig mögliche Weise zu schreiben: indem sie es tatsächlich taten. (Von vielen Leuten werden wesentlich mehr Bücher angefangen als zu Ende geschrieben.)
Keins der veröffentlichten Star-Wars-Bücher wurde von Amateuren geschrieben, die noch nie zuvor etwas veröffentlicht hatten, und keins wurde ohne vorhergehende Genehmigung der Idee geschrieben. Daran wird sich niemals etwas ändern. Und dasselbe gilt für sämtliche anderen Lizenzunternehmen im Medienbereich.
Zu Hunderten oder Tausenden werden die Lizenzfirmen in jedem Jahr mit unverlangt eingesandten Ideen, Konzepten, Storys, Romanmanuskripten, Drehbüchern und so weiter bombardiert. Keins davon wird jemals publiziert oder produziert werden. Die überwältigende Mehrheit wird sogar ungeöffnet an den Absender zurückgeschickt. Und dafür gibt es gute und gewichtige Gründe.
Der erste und wichtigste Grund, um es ganz unverblümt zu sagen, lautet: Die meisten der unverlangten Einsendungen sind nicht gut genug. Auf der Grundlage dessen, was ich von Redakteuren gehört und mit eigenen Augen gesehen habe, kann ich Ihnen sagen, daß die meisten dieser Manuskripte schlecht geschrieben sind, auf einer schlechten Idee basieren, ungeeignet formatiert sind, zuwenig oder keine Rücksicht auf die bekannten Tatsachen des betreffenden Universums nehmen oder einfach nur unglaublich schlampig sind. Manche wurden von Leuten verfaßt, deren Schreibweise den Schluß nahelegt, daß sie geistesgestört sein müssen.
(Ich bin überzeugt, daß die große Mehrheit der Leute, die Bücher oder anderes Material an die Lizenzfirmen schicken, geistig normal und kompetent sind. Aber mit allem gebührenden Respekt vor dieser Mehrheit habe ich den starken Verdacht, daß aus verschiedenen Gründen der Anteil geistesgestörter Autoren bei eingesandten Romanen zu einer Serie höher ist als bei normalen Büchern. Manche Menschen entwickeln eine Obsession für ihre Lieblingsfigur aus einem Film. Andererseits - und um fair zu sein - muß man sagen, daß der Anteil geistesgestörter Autoren im gesamten Verlagswesen recht hoch ist.)
Mit anderen Worten, selbst wenn Ihr unverlangt eingesandter Star-Wars-Roman ein großartiges Meisterwerk ist, wird er vermutlich buchstäblich unter einem Berg aus unbrauchbarem Mist begraben werden. Das Manuskript landet auf dem gleichen Haufen, der auch all die mißlungenen Manuskripte enthält, und wird mit diesen über einen Kamm geschoren.
Doch selbst wenn Ihr unverlangt eingesandtes Meisterwerk das einzige sein sollte, das im Büro des Verlegers eintrifft, und selbst wenn dieser verzweifelt nach Material sucht, würde man es ungelesen zurückschicken. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: um Schadensersatzklagen zu vermeiden. Ich möchte versuchen, diesen Punkt an einem Beispiel zu erläutern.
Nehmen wir an, der furiose Fan F, der die Medienserie M innig liebt, schreibt ein Buch, das in diesem Universum spielt und in dem Figur X und Figur Y heiraten. (Figuren zu verheiraten ist unter Schriftstellern äußerst beliebt, ganz im Gegensatz zu den Leuten, die Lizenzen kontrollieren. Eine Heirat verändert zu viele Dinge und verkompliziert die Kontinuität.) Dieses Buch gelangt daraufhin in die Hände des Redakteurs R, der es liest, feststellt, daß es nicht gut genug ist, und schließlich ablehnt.
Nun nehmen wir an, daß zwei Jahre später in der Filmreihe oder Fernsehserie oder Buchreihe oder Comicserie (Verzeihung, Graphic-Novel-Serie), die mit dieser Lizenzfirma verbunden ist, tatsächlich Figur X und Figur Y heiraten. Oder X heiratet Z oder irgendeine neue Figur, die bisher völlig unbekannt war. Der furiose Fan F ist nun der Ansicht, daß die Firma M seine Idee, Figur X zu verheiraten, geklaut hat. Fan F geht zum Anwalt A und leitet eine Klage in die Wege.
Selbst wenn Anwalt A davon überzeugt ist, daß der Prozeß keinerlei Erfolgsaussichten hat, könnte er auf die Idee kommen, trotzdem zu klagen, in der Hoffnung, daß sich Lizenzfirma M auf einen Vergleich einläßt, damit der furiose Fan F Ruhe gibt. Und wenn schlechte Publicity droht und Lizenzfirma M davon ausgeht, daß es äußerst schwierig werden könnte, das Gegenteil zu beweisen (d. h. daß sie niemals auch nur ein Wort von Redakteur R über das Buch von Fan F gehört hat, in dem X und Y heiraten), dann könnte Lizenzfirma M sich tatsächlich entscheiden, daß es einfacher und kostengünstiger wäre, eine Entschädigung an Fan F zu zahlen.
Es spielt überhaupt keine Rolle, daß sich die Lizenzinhaber das Z-Universum ausgedacht und die Figuren X und Y erfunden haben. Praktisch wurden sie nun dafür belangt, ihr eigenes Copyright verletzt zu haben. Und plötzlich wird sämtlichen unveröffentlichten Autoren der Welt klar, daß Lizenzfirma M in einem Rechtsstreit nachgegeben hat. Und wer weiß, vielleicht klappt es auch ein zweites Mal und ein drittes Mal und ...
Für Lizenzfirma M und Redakteur R gibt es eine sehr einfache Möglichkeit, dieser alptraumhaften Entwicklung aus dem Wege zu gehen: Sie müssen nur darauf achten, sich niemals unverlangt eingesandte Manuskripte anzusehen. Wenn sie ein solches Manuskript ungeöffnet zurückschicken und/oder einen Brief beilegen, in dem es heißt, daß es nicht gelesen wurde und daß der Autor kein weiteres Material schicken möchte, oder diverse andere Vorkehrungen treffen, dann können sie problemlos nachweisen, daß ihnen die Geschichte von Liebe und Heirat, die Fan F verfaßte, völlig unbekannt ist. Auf diese Weise können sie eine nervenaufreibende Klage und die vielen hundert weiteren vermeiden, die nahezu zwangsläufig auf einen außergerichtlichen Vergleich oder ein Urteil gegen die Lizenzinhaber folgen würden.
Unverlangt eingesandte Manuskripte zu Filmen oder Serien werden nicht gelesen. Die Lizenzinhaber und die Verlage gehen auf diese Weise einer sehr realen und wahrscheinlichen Gefahr aus dem Weg, indem sie sich gar nicht erst auf die recht hypothetische und sehr unwahrscheinliche Hoffnung einlassen, daß Fan F etwas geschrieben haben könnte, das erheblich besser ist als all das, was sie aus ihrem Stall professioneller Autoren erhalten und das außerdem noch zu all den künftigen Plänen des Lizenzunternehmens paßt.
Entsprechendes gilt genauso für Fälle wie das Asimov-Universum, auch wenn es sich um eine Buchreihe und keine Fernseh- oder Filmserie handelt, und auf alle anderen Fälle, in denen jemand ein existierendes Copyright besitzt. Dazu zählen auch die Einsendungen von Drehbüchern für Fernseh- oder Filmserien. Was Drehbücher betrifft, bin ich kein Experte, aber die Regeln, wie ich sie verstanden habe, lauten folgendermaßen: Niemand in Hollywood wird Ihr Drehbuch lesen, das auf der Serie, den Ideen oder den Figuren des betreffenden Produzenten basiert, bevor Sie keine Erklärung unterschrieben haben, in der es heißt, daß Sie niemals Schadensersatzansprüche stellen werden, nachdem diese Leute Ihr Manuskript gelesen haben. (In J. Michael Straczynskis The Complete Book of Scriptwriting findet sich eine ausführliche Behandlung dieses Themas.)
Es ist nicht angenehm, Leuten eine schlechte Nachricht zu überbringen, aber das sind die Fakten. Es wird Ihnen niemals gelingen, Ihren unverlangt eingesandten Star-Wars-Roman zu veröffentlichten - oder einen Roman, eine Story, ein Gedicht oder einen Comic nach Star Trek, Akte X, Asimovs Roboter-Geschichten, Hercules oder Die Biene Maja. Punkt.
Nachdem ich nun erklärt habe, daß es unmöglich ist, ein solches Buch zu publizieren, drängt sich eine offensichtliche Frage auf: Wie habe ich es geschafft, zwei derartige Aufträge zu bekommen? Ganz einfach. Ich schrieb mehrere Bücher nach eigenen Ideen und erwarb mir einen Namen und Ruf auf dem Feld der Science Fiction. Damit bewies ich, daß ich ein kommerziell erfolgreiches Buch schreiben konnte und die Regeln des Geschäfts verstanden hatte. Ich mußte zuerst meine eigenen Bücher schreiben, bevor man an mich herantrat und mich fragte, ob ich Star-Wars-und Roboter-Romane schreiben wollte.
Das bringt mich auf ein anderes Thema. Ich bin der festen Überzeugung, daß es generell für einen Nachwuchsautor nicht gut ist, damit zu beginnen, in einem anderen Universum zu schreiben. Romane und Storys bestehen aus drei miteinander zusammenhängenden Dingen: Handlung, Hintergrund und Figuren. Wenn sich bereits ein anderer die Personen ausgedacht und detailliert herausgearbeitet hat, wie die Welt aussieht, in der diese Personen leben, dann sind bereits zwei Punkte - nämlich Figuren und Hintergrund - abgehakt. Damit haben Sie als Nachwuchsautor keine Chance, die Ausarbeitung von Personen und Schauplätzen in Ihrer Geschichte zu üben. Damit bleibt Ihnen nur noch die Handlung, und selbst dort werden Ihre Freiheiten sehr stark durch all die Dinge eingeschränkt, die sich bereits in der vorgegebenen Geschichte ereignet haben.
Ein Nachwuchsautor, der seine Fähigkeiten entwickeln möchte, sollte zuerst mit eigenem Material arbeiten, weil er (oder sie) damit die Chance erhält, sämtliche Aspekte des Geschichtenerzählens auszuarbeiten. Und ironischerweise besteht die einzige Möglichkeit, jemals in Ihrem Lieblingsuniversum schreiben zu dürfen, darin, zunächst ein eigenständiger Profischriftsteller zu werden. Sie können erst dann in einer fremden Welt schreiben, wenn sie vorher Ihr eigenes Universum erschaffen haben.
Ich kenne Ausnahmen von all diesen Regeln, die ich hier als definitive, absolute, ewiggültige Wahrheiten ausgeführt habe. Doch praktisch all diese Ausnahmen sind so irreführend, zufällig oder extrem unwahrscheinlich, daß sie im Grunde nicht die geringste Rolle spielen. Sie im einzelnen zu beschreiben würde nur falsche Hoffnungen wecken. Was ich gesagt habe, ist zu 99,999 Prozent wahr. Ihre Chancen stehen wesentlich besser, wenn Sie etwas Eigenes schreiben, statt auf die 0,001 Prozent zu hoffen, in denen ich mich geirrt habe.
Noch eine letzte Anmerkung. Ich habe meine Verträge mit den Lizenzinhabern von Star Wars und Asimov erfüllt und abgeschlossen. Jetzt arbeite ich wieder an meinen eigenen Ideen, und ich habe keine vertraglichen Rechte mehr, für irgendeins dieser Universen zu arbeiten. Und solange ich keinen neuen Auftrag erhalte, darf ich auch nichts mehr schreiben, das in diesen Universen spielt. Deshalb nützt es überhaupt nichts, mir Ideen zu Star Wars oder Roboter-Geschichten zu schicken. Ich kann nichts damit anfangen, und ich habe auch keine Möglichkeit, als Mittelsmann zu fungieren und die Ideen weiterzuleiten.
Also schreiben Sie lieber nach Ihren eigenen Ideen. Glauben Sie mir, das ist die beste Methode, um als Autor veröffentlicht zu werden.