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Die sozialistischen Utopien seit Bellamy

von Wolfgang Both

Science Fiction
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A map of the world that does not include Utopia is not even worth glancing at.
Oscar Wilde

Einige wenige Gewehrsalven markierten das Ende des real existierenden Sozialismus, ein Diktator fiel ihnen zum Opfer. Was sich Anfang des 19. Jahrhunderts lautstark angekündigt hatte (»Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus«), verabschiedete sich Ende des 20. Jahrhunderts fast geräuschlos von der Weltbühne. Da umbrauste einst die Losung: »Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!« wie Donnerhall die Welt, um gemeinsam »dem Morgenroth entgegen, ihr Kampfgenossen all« zu marschieren. Und nur 150 Jahre später sank der Traum von einer gerechteren Welt lautlos in sich zusammen. Aber nicht nur ein politisches System, ein militärischer Faktor, eine Wirtschaftsordnung, auch ein Wertesystem verschwand und hinterließ ein geistiges Vakuum.
   Was in 150 Jahren heranreifte, war letztlich eine faule Frucht: Versprechungen auf eine Zukunft, die sich nicht einlösten, Erwartungen, die sich nicht erfüllten, Hoffnungen, die Utopie blieben.

Aber der Traum von einer besseren Zukunft wird weiter geträumt. So wie er schon vor 500 Jahren (und länger) geträumt wurde. Damals entwarf der englische Politiker Thomas Morus das optimale Staatswesen. In seinem fiktiven Reisebericht von der Insel Utopia wird der soziale Gegenentwurf mit gleichberechtigten Menschen in einer freien Gesellschaft beschrieben. Seitdem sind zahllose Gesellschaftsentwürfe vorgestellt worden. Dabei stellen die sozialistischen Utopien die konsequenteste Fortsetzung der Ideen eines Thomas Morus dar. Ihr Ideal von einer gerechten Welt ohne Oben und Unten, ohne Ausbeutung, Armut und Hunger begeisterte zahllose Leser und wurde gleichzeitig von linken Theoretikern als »phantastische Erhebung« abgetan. Marx und Engels geißelten die utopischen Sozialisten als »reaktionäre Sekte«1, Kautsky sah Bezüge zu Wahrsagerei und Astrologie2. Und Bloch spottete über »vormarxistisches Utopisieren, als ob wissenschaftlicher Sozialismus gar nicht vorhanden wäre«3. Diese Utopiefeindlichkeit gerade der Linken degradierte die sozialistische Utopie zum »prophezeienden Unterhaltungsroman« und zu »Guckkastenbildern in eine bessere Zukunft« (Bloch).
   Während technische Utopien (Science Fiction), Kriegsutopien oder völkische Utopien der Weimarer Zeit sich auch in der Literaturwissenschaft wachsenden Interesses erfreuen, wurde die sozialistische Utopie bis auf einzelne Werke immer verleugnet, bestenfalls »das Ende des revolutionären utopischen Romans« konstatiert (Nagl4). Literarische Phantasien hatten keinen Platz neben dem wissenschaftlichen Sozialismus.

Die Geschichte ist einen anderen Weg gegangen: Die Realisierung einer Gesellschaft auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus ist gescheitert. Ob es erneut die Unzulänglichkeit der Mittel (Kautsky über Morus) oder die Unzulänglichkeit des Ansatzes war, bleibt dahin gestellt. Die »Guckkastenbilder« dagegen haben nichts von ihrem Reiz verloren. Der Vorwurf ihrer Kritiker, sie seien »Gemütssozialismus« (Engels über Morris), trifft nicht. Dies wird zu zeigen sein.

Seit mehr als einhundertundfünfzig Jahren sind Gesellschaftsentwürfe Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen. Um ein gemeinsames Verständnis zu sichern, wird hier kurz eine Definition erarbeitet.

Unter der sozialen Utopie, dem utopischen Roman oder dem Staatsroman werden übereinstimmend literarische Werke verstanden, die alternative Gesellschaftsentwürfe im Kleid einer fiktiven Handlung vorstellen. In einer der vielen Definitionen heißt es: »Der utopische Roman ist die literarische Erscheinungsform der spielerischen Zusammenschau von Mensch, Gesellschaft und Geschichte in einem variablen, bildhaften Denkmodell von raumzeitlicher Autonomie, das die Erkundung von Möglichkeiten losgelöst von der sozialen Wirklichkeit, jedoch mit Bezug auf sie, erlaubt.«5
   Der utopische Roman hat (meist) einen Protagonisten, der glaubwürdig von seinen Erlebnissen in einer besseren (oder zumindest anderen) Gesellschaft zu berichten weiß. Die soziale Utopie nimmt dazu Elemente des Reiseberichts, des Abenteuerromans, später des Detektivromans und des sozialen Romans auf. Und natürlich werden – wie in Manifesten und Parteiprogrammen – politische Inhalte transportiert. Mit seinem fiktionalen Charakter wird das Werk zu einem politischen Roman. Der Verfasser will den Leser nicht nur unterhalten. Die Handlung dient vielmehr dazu, ihn bei der Stange zu halten, ihm schwer verdauliche Kost bekömmlich aufzubereiten. Eigentlich geht es weniger um den Protagonisten, seine Konflikte, sein Leben. Es geht um die neue Gesellschaft, ihre Struktur, ihre Geschichte. Sie ist der eigentliche Gegenstand des Buches. Der Autor will den Leser belehren und bekehren, er verfolgt ein erzieherisches Ziel. Daher sticht der didaktische Zeigefinger mehr oder weniger in allen Werken durch. Der politische Roman ist meinungsbildend, ein Tendenzroman. Kunst hat hier ein politisches Ziel, ist nah an der Propaganda. Die Utopie soll kein Märchenschloß sein (oder bleiben). Vielmehr ist dem Werk die Aufforderung zur Realisierung immanent. Sein Verfasser strebt geradezu danach, sein Vision vielen zugänglich zu machen, sie dafür zu gewinnen, die Idee gemeinsam so oder so ähnlich umzusetzen. Und dazu baut er ein kunstvolles Gebilde auf bis zu tausend Seiten mit detaillierten Schilderungen der Lebensweise in der anderen Welt.
   Wir finden die soziale Utopie in allen ideologischen Richtungen. Es gibt linke Utopien, völkisch-nationale Utopien, christlich-konservative Utopien, feministische Utopien, ökologische Utopien. Aber nur die linken Utopien perpetuieren die sozialen Ideen von einer gerechten Gesellschaft gleicher Menschen eines Thomas Morus, Winstanley oder Cabet, völkische Utopien dagegen pervertieren diese Traditionslinie.
   Die Utopie wird in der griechisch-christlichen Traditionslinie des Abendlandes gesehen. Tatsächlich findet sie sich ausschließlich in diesem Kulturraum. Ihre solitäre Bedeutung manifestiert sie indirekt auch dadurch, dass utopische Welten fast ausschließlich von Hellhäutigen mit griechischer Statur bevölkert werden.
   Der Begriff der »Utopie« geht zurück auf Thomas Morus, Lordkanzler der britischen Krone (1478–1535), und sein Werk von der optimalen Staatsverfassung in der Form eines Reiseberichts von der Insel Utopia. Dabei ist der Name der Insel ein Wortspiel – im Griechischen bedeutet es »Nicht-Ort«. Das macht deutlich, dass der Bericht nicht von dieser Welt ist. Vielmehr wird ein Gegenentwurf vorgelegt, der den kritikwürdigen Zustand der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verfassung von seinen Grundübeln befreit. Ihre Wurzeln hat die Utopie also in unserer Welt, ihre Krone aber ist (noch) nicht von dieser Welt.
   Dabei ist darunter sowohl eine räumlich oder auch eine zeitliche Ferne zu verstehen. Bei Morus oder Bacon spielten die Utopien auf fernen Inseln. Später, als die Erde entdeckt war, handelten sie auf entlegenen Hochebenen oder fernen Planeten.
   Der Franzose Louis-Sebastien Mercier (1740–1814) dagegen verlagerte seine Geschichte in die Zukunft des Jahres 2440. Er erkannte »die Zeit als geschichtsbildende Kraft« (Gnüg6). Und damit wird die Entwicklung selbst Teil des epischen Gedankens. Während die Inseln räumlich isolierte, autarke Areale sind und bleiben, wird hier das Irgendwo zum Irgendwann. Geschichte wird als Prozeß (Fortschritt?) begriffen. Die Utopie bleibt nicht nur idealer, statischer Gegenentwurf, sie wird erreichbares (Fern)Ziel.

Setzt der Verfasser die Insel-Utopie ein, weist er vor Allem auf die Aktualität seines sozialen Gegenentwurfs zur realen gesellschaftlichen Situation hin. Wählt er dagegen die Zeit-Utopie, so erwartet er eine notwendige sittliche und moralische Weiterentwicklung hin zum beschriebenen Ideal.
   Dabei steuert der Protagonist die Zukunft nicht bewußt und gezielt an, wie z. B. mit einer Wells'schen Zeitmaschine. Vielmehr wird er aus seiner Gegenwart gerissen und landet unvermutet in der Zukunft (Wells, Bellamy). Manchmal träumt er nur von einer zukünftigen Welt und erwacht dann ernüchtert wieder in der Gegenwart (Morris, France). Ein andermal taucht nur sein Manuskript aus der Vergangenheit auf (London). Von den Insel-Utopien erhält der Leser einen detaillierten Expeditionsbericht (Hertzka, Gilman, Illing), der das Leben dort in allen Facetten beschreibt. Meist hat der Protagonist einen Führer zur Seite, der ihn in die neue Welt geleitet, ihm Zusammenhänge und Geschichte erläutert. Daher sind die utopischen Romane stark dialogorientiert, aber oft handlungs- und spannungsarm. Der Reisende ist Frager und Stichwortgeber, sein Begleiter erläutert ihm die Errungenschaften der neuen Welt und nimmt ihn mit zu den verschiedensten Gelegenheiten, um ihm die Vorzüge und Leistungen zu präsentieren. Manchmal erwächst daraus eine persönliche Beziehung (Bellamy, Gilman, Illing, Bogdanow).

Ausser der Zeit- und/oder Raumtrennung des heutigen gesellschaftlichen Zustandes von seinem Idealbild muss noch eine andere Unterscheidung der sozialen Utopien beachtet werden. Neben der Darstellung des gesellschaftlich optimalen (End)Zustandes in einem eutopischen Gemeinwesen widmen sich andere Autoren dem sozialen Wandel dorthin. Diese Werke sollen als Transformations- oder Revolutions-Utopien bezeichnet werden. Im Gegensatz zum elysischen »Glücksland« (Bloch) werden hier die sozialen Kämpfe, Brüche, Misserfolge und Irrtümer auf dem Weg in die befreite Welt in oft dramatischer Form geschildert (Donnelly, London, Heinlein).

Im Unterschied zur Utopie oder Eutopie wird in der Dystopie (gr.: fehlerhafter Ort) ein Gesellschaftsentwurf vorgestellt, der all die vorgenannten Werte von Freiheit, Gleichheit, Entfaltung und Wohlstand ins Gegenteil verkehrt. Solche Welten werden von einem Diktator beherrscht, der Einzelne versucht, sich in der Masse zu verstecken und nicht aufzufallen. Repression und Mangel sind an der Tagesordnung, Erziehung und Presse sind eingeschränkt und gleichzeitig Eckpfeiler des Systems.

Und in Abgrenzung dazu ist eine Anti-Utopie der Gegenentwurf zu einer konkreten Utopie. So hat William Morris seinen »Bericht von Nirgendwo« auch als Gegenschrift zu Bellamys »Rückblick« verfaßt.

Daneben wurde von Robert von Mohl 1845 die Bezeichnung »Staatsroman« geprägt, der auf der einen Seite das Dilemma zwischen Literatur und Sozialwissenschaft deutlich macht, auf der anderen Seite die Seriosität der Entwürfe gegenüber Wolkenkuckucksheimen heraushebt. Zu seiner Zeit wurden Utopismus und Utopist zum Synonym von Spinnerei und Phantast. So bezeichnet Karl Marx in seiner Arbeit über »Das Elend der Philosophie« (1847) die frühen Theoretiker der Arbeiterbewegung als Utopisten.

Inzwischen hatte sich der Begriff »Utopie« also von seinem Werk gelöst und ist Ausdruck für eine Literaturgattung geworden. Gleichzeitig hat er einen Bedeutungswandel durchgemacht – vom positiv besetzten gesellschaftlichen Gegenentwurf zum negativ besetzen weltfremden Wunschbild. Das Gedankengebilde wurde zum Hirngespinst. Und für die Kommunisten wurde er sogar zum Kampfbegriff in Abgrenzung zur Lehre des wissenschaftlichen Sozialismus.

So wie Thomas Morus dem Genre den Namen gab, so verliehen diese Utopien der sozialistischen Bewegung ihren literarischen Ausdruck.

Unter Sozialismus soll hier ein Gemeinwesen verstanden werden, dass durch die Überwindung kapitalistischer Produktions- und Eigentumsverhältnisse in Folge einer sozialen Umwälzung entstanden ist und sich durch das Volks- oder Gemeineigentum an Produktionsmitteln, das Überwinden der Klassenschranken, die soziale Gleichheit aller Mitglieder der Gesellschaft und hohe Produktivität auszeichnet, so dass die Springquellen des gesellschaftlichen Reichtums voller fließen und allen Wohlstand bescheren. Auf dem Weg dorthin übernehmen die Proletarier die Macht (Diktatur des Proletariats), um dann in der kommunistischen Gesellschaftsformation in einer klassenlosen Gesellschaft aufzugehen

Beispiele

Beispielhaft sollen einige Werke aus einer dramatischen Zeit kurz betrachtet werden. Das Ende der Weimarer Republik brachte eine Flut sozialer Entwürfe von links und rechts hervor. Auf der linken Seite reicht dies von der Genossenschafts-Utopie (Oppenheimer) bis zur KPD-Revolutions-Utopie (Giesecke). Wir finden sowohl die Eutopie, aber häufiger die Transformations-Utopie (Illing, Müller, Giesecke, Majerova, Doberer). Sie treten uns als Zeit-Utopie (Oppenheimer, Norelli) oder als Insel-Utopie (Illing, Doberer) gegenüber. Eine neue, innovative Form sind die Parallelwelt-Entwürfe von Müller und Giesecke, die den Wandel in die neue Gesellschaft an Hand von Zeitungsausschnitten verfolgen. Sie beinhalten zwar das Element der literarischen Fiktion, lassen aber die epische Form vermissen. Zum 1931 erschienen Automatenzeitalter von Ludwig Dexheimer sei hier auf das kompetente Vorwort in der Neuausgabe durch Ralf Bülow beim Shayol-Verlag Berlin (2004) verwiesen.

Übersicht zu sozialistischen Utopien

Die anliegende Liste soll einen Gesamtüberblick über die (mir bekannten) sozialistischen Utopien seit Bellamys Rückblick aus dem Jahr 2000 geben. Sie ist Grundlage für eine umfassende Studie dieses Genres unter Berücksichtigung der historischen Verhältnisse (industrielle Revolution, Arbeiterbewegung) sowie der Haltung der Sozialisten zur Utopie. Für Hinweise bin ich immer dankbar.

Ersch.jahr Autor Titel Insel-Utopie Zeit-Utopie Soz. Eutopie Revolutions-Utopie
1888 Bellamy, Edward Rückblick aus dem Jahr 2000   X
2000
X  
1889 v. Suttner, Berta Das Maschinenzeitalter        
1890 Morris, William Kunde von Nirgendwo X   X  
1890 Hertzka, Theodor Freiland X
Afrika
  X  
1890 Donnelly, Ignatius Cäsars Säule   X
1990
  X
1891 Bolle, Gustav Sozial X   X  
1893 Neupauer, Josef Österreich im Jahre 2020   X
2020
X  
1893 Griffith, George Angel of the Revolution   X   X
1895 Hertzka, Theodor Entrückt in die Zukunft   X X  
1898 Bellamy, Edward Gleichheit   X
2000
X  
1904 France, Anatole Auf dem weißen Felsen   X X  
1905 Bogdanow, Alexander Der Rote Planet X
Mars
X
1922
X  
1907 London, Jack Die eiserne Ferse   X   X
1913 Bogdanow, Alexander Ingenieur Menni X      
1915 Gilman, Charlotte Perkins Herland X
Südamerik. Hochland
  X  
1917 Frank, Leonhard Der Mensch ist gut   X
1919
  X
Liebknecht
1918 Felden, Emil Menschen von morgen   X
+10 J.
X  
1919 Ströbel, Heinrich Die erste Milliarde der zweiten ... 1930 X X  
1920 Farrére, Claude Die Todgeweihten   X
1990
  X
1922 Ehrhardt, Paul G. Die letzte Macht.   X
1930
  X
1922 Tolstoi, Alexej Aelita X
Mars
X
1925
  X
1923 Wells, Herbert George Menschen Göttern gleich Parallelwelt X X  
1923 Mundus Die Sonnenstadt   X X  
1924 Sinclair, Upton Nach der Sintflut X X
2000
  X
1926 anonymus Im geldlosen Staate   X
1960
X  
1929 Winter, Max Die lebende Mumie   X
2025
X  
1929 Lorraine, Lilith
(d.i. Mary Wright)
The Brain of the Planet   X
1936
  X
Soz. Wandel durch Gehirnwellen
1930 Lorraine, Lilith Into the 28th Century   X
2700
X  
1930 Illing, Werner Utopolis X
Insel (Utopolis)
    X
1930 Müller, Walter Wenn wir 1918 ... Parallelwelt     X
1931 Dexheimer, Ludwig
(als Ri Tokko)
Das Automatenzeitalter   X
2500
X  
1932 Majerová, Maria Die Talsperre   X
Mitte 1930er Jahre
  X
1932 Giesecke, Konrad Die KPD regiert Parallelwelt     X
1934 Oppenheimer, Franz
(als Francis D. Pelton)
Sprung über ein Jahrhundert   X
2032
X  
1936 Doberer, K. K. Republik Nordpol X
Kreuzer, Nordpol
X
1938
  X
1936 Norelli, Peter Utop Anno 2000   X
2000
X  
1966 Heinlein, Robert Revolte auf Luna X
Mond
X   X
1973 Reynolds, Mack Looking backward 2000   X
2000
X  
1974 LeGuin, Ursula Planet der Habenichtse X      

Nachschlag

Im Internet findet man natürlich über Science Fiction unzählige Seiten von den Inhaltsverzeichnissen alter Pulpmagazines bis hin zu den Literaturhinweisen für die Vorlesungen zur SF. Und einige befassen sich auch mit sozialistischen SF-Werken. Eine umfangreiche, persönliche Liste hat der Schriftsteller China Mieville ins Netz gestellt: »Fifty Fantasy&Science Fiction Works that Socialists should read«. Viele seiner Empfehlungen sind auch in meiner Liste zu finden, anderes habe nicht aufgenommen, da der große Gesellschaftsentwurf nicht im Zentrum steht. Trotzdem sind seine Empfehlungen eine Betrachtung wert.

Unter der Überschrift »Anarchist and Libertarian Societies in Science Fiction« hat der Autor Dan Clore einen Artikel für das Magazin NEITHER FISH NOR FOWL (NEITHER FISH NOR FOWL is a fanzine dealing with the things behind the scenes of SF works and around them. In other words, with the way of thinking behind science fiction and fantasy) von utopischen Gesellschaftsentwürfen geschrieben. Hier liegt der Schwerpunkt mehr auf anarchistischen Gesellschaftsentwürfen.

Unter den Gesichtspunkt radikaler sozialer Ideen ist die Liste von SF-Autoren »Political Futurists and Radical and Utopian SF Authors« zusammengestellt. Es ist erstaunlich, wie viele Schriftsteller hier zusammengetragen werden. Aber noch nicht alles ist wirklich gelesen, erschlossen und einsortiert. Im Netz lässt sich sicher auch diesbezüglich noch mehr finden.

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Literaturverweise
1) Marx/Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, 1848
2) Kautsky, Karl: Thomas More und seine Utopie, Dietz Verlag Berlin, 1947
3) Bloch, Ernst: Freiheit und Ordnung – Abriß der Sozialutopien, Reclam, Leipzig 1985
4) Nagl, Manfred: Science Fiction in Deutschland, Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1972
5) Krysmanski, Hans-Jürgen: Die Eigenart des utopischen Romans
6) Gnüg, Hiltrud: Utopie und utopischer Roman, Reclam Stuttgart, 1999
Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Broschüre Von Gotha über Techno City nach Japan – Vorträge aus dem Science Fiction Club ANDYMON Berlin. Die Broschüre kann bestellt werden unter andymon@deutsche-sf.de.
Siehe auch
Science Fiction im deutschen Zeitungsroman
Science Fiction-Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften der DDR
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