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| ALIEN CONTACT 64 |
| Science Fiction Alien Contact |
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A map of the world that does not
include Utopia is not even worth glancing at. |
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| Einige wenige Gewehrsalven markierten das Ende des real
existierenden Sozialismus, ein Diktator fiel ihnen zum Opfer. Was sich Anfang des 19.
Jahrhunderts lautstark angekündigt hatte (»Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst
des Kommunismus«), verabschiedete sich Ende des 20. Jahrhunderts fast geräuschlos von
der Weltbühne. Da umbrauste einst die Losung: »Proletarier aller Länder, vereinigt
Euch!« wie Donnerhall die Welt, um gemeinsam »dem Morgenroth entgegen, ihr Kampfgenossen
all« zu marschieren. Und nur 150 Jahre später sank der Traum von einer gerechteren Welt
lautlos in sich zusammen. Aber nicht nur ein politisches System, ein militärischer
Faktor, eine Wirtschaftsordnung, auch ein Wertesystem verschwand und hinterließ ein
geistiges Vakuum. Was in 150 Jahren heranreifte, war letztlich eine faule Frucht: Versprechungen auf eine Zukunft, die sich nicht einlösten, Erwartungen, die sich nicht erfüllten, Hoffnungen, die Utopie blieben. Aber der Traum von einer besseren Zukunft
wird weiter geträumt. So wie er schon vor 500 Jahren (und länger) geträumt wurde.
Damals entwarf der englische Politiker Thomas Morus das optimale Staatswesen. In seinem
fiktiven Reisebericht von der Insel Utopia wird der soziale Gegenentwurf mit
gleichberechtigten Menschen in einer freien Gesellschaft beschrieben. Seitdem sind
zahllose Gesellschaftsentwürfe vorgestellt worden. Dabei stellen die sozialistischen
Utopien die konsequenteste Fortsetzung der Ideen eines Thomas Morus dar. Ihr Ideal von
einer gerechten Welt ohne Oben und Unten, ohne Ausbeutung, Armut und Hunger begeisterte
zahllose Leser und wurde gleichzeitig von linken Theoretikern als »phantastische
Erhebung« abgetan. Marx und Engels geißelten die utopischen Sozialisten als
»reaktionäre Sekte«1, Kautsky sah Bezüge zu Wahrsagerei und Astrologie2.
Und Bloch spottete über »vormarxistisches Utopisieren, als ob wissenschaftlicher
Sozialismus gar nicht vorhanden wäre«3. Diese Utopiefeindlichkeit gerade der
Linken degradierte die sozialistische Utopie zum »prophezeienden Unterhaltungsroman« und
zu »Guckkastenbildern in eine bessere Zukunft« (Bloch). Die Geschichte ist einen anderen Weg gegangen: Die Realisierung einer Gesellschaft auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus ist gescheitert. Ob es erneut die Unzulänglichkeit der Mittel (Kautsky über Morus) oder die Unzulänglichkeit des Ansatzes war, bleibt dahin gestellt. Die »Guckkastenbilder« dagegen haben nichts von ihrem Reiz verloren. Der Vorwurf ihrer Kritiker, sie seien »Gemütssozialismus« (Engels über Morris), trifft nicht. Dies wird zu zeigen sein. Seit mehr als einhundertundfünfzig Jahren sind Gesellschaftsentwürfe Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen. Um ein gemeinsames Verständnis zu sichern, wird hier kurz eine Definition erarbeitet. Unter der sozialen Utopie, dem utopischen Roman oder dem Staatsroman werden
übereinstimmend literarische Werke verstanden, die alternative Gesellschaftsentwürfe im
Kleid einer fiktiven Handlung vorstellen. In einer der vielen Definitionen heißt es:
»Der utopische Roman ist die literarische Erscheinungsform der spielerischen
Zusammenschau von Mensch, Gesellschaft und Geschichte in einem variablen, bildhaften
Denkmodell von raumzeitlicher Autonomie, das die Erkundung von Möglichkeiten losgelöst
von der sozialen Wirklichkeit, jedoch mit Bezug auf sie, erlaubt.«5 Setzt der Verfasser die Insel-Utopie ein, weist er vor Allem auf die Aktualität seines
sozialen Gegenentwurfs zur realen gesellschaftlichen Situation hin. Wählt er dagegen die
Zeit-Utopie, so erwartet er eine notwendige sittliche und moralische Weiterentwicklung hin
zum beschriebenen Ideal. Ausser der Zeit- und/oder Raumtrennung des heutigen gesellschaftlichen Zustandes von seinem Idealbild muss noch eine andere Unterscheidung der sozialen Utopien beachtet werden. Neben der Darstellung des gesellschaftlich optimalen (End)Zustandes in einem eutopischen Gemeinwesen widmen sich andere Autoren dem sozialen Wandel dorthin. Diese Werke sollen als Transformations- oder Revolutions-Utopien bezeichnet werden. Im Gegensatz zum elysischen »Glücksland« (Bloch) werden hier die sozialen Kämpfe, Brüche, Misserfolge und Irrtümer auf dem Weg in die befreite Welt in oft dramatischer Form geschildert (Donnelly, London, Heinlein). Im Unterschied zur Utopie oder Eutopie wird in der Dystopie (gr.: fehlerhafter Ort) ein Gesellschaftsentwurf vorgestellt, der all die vorgenannten Werte von Freiheit, Gleichheit, Entfaltung und Wohlstand ins Gegenteil verkehrt. Solche Welten werden von einem Diktator beherrscht, der Einzelne versucht, sich in der Masse zu verstecken und nicht aufzufallen. Repression und Mangel sind an der Tagesordnung, Erziehung und Presse sind eingeschränkt und gleichzeitig Eckpfeiler des Systems. Und in Abgrenzung dazu ist eine Anti-Utopie der Gegenentwurf zu einer konkreten Utopie. So hat William Morris seinen »Bericht von Nirgendwo« auch als Gegenschrift zu Bellamys »Rückblick« verfaßt. Daneben wurde von Robert von Mohl 1845 die Bezeichnung »Staatsroman« geprägt, der auf der einen Seite das Dilemma zwischen Literatur und Sozialwissenschaft deutlich macht, auf der anderen Seite die Seriosität der Entwürfe gegenüber Wolkenkuckucksheimen heraushebt. Zu seiner Zeit wurden Utopismus und Utopist zum Synonym von Spinnerei und Phantast. So bezeichnet Karl Marx in seiner Arbeit über »Das Elend der Philosophie« (1847) die frühen Theoretiker der Arbeiterbewegung als Utopisten. Inzwischen hatte sich der Begriff »Utopie« also von seinem Werk gelöst und ist Ausdruck für eine Literaturgattung geworden. Gleichzeitig hat er einen Bedeutungswandel durchgemacht vom positiv besetzten gesellschaftlichen Gegenentwurf zum negativ besetzen weltfremden Wunschbild. Das Gedankengebilde wurde zum Hirngespinst. Und für die Kommunisten wurde er sogar zum Kampfbegriff in Abgrenzung zur Lehre des wissenschaftlichen Sozialismus. So wie Thomas Morus dem Genre den Namen gab, so verliehen diese Utopien der sozialistischen Bewegung ihren literarischen Ausdruck. Unter Sozialismus soll hier ein Gemeinwesen verstanden werden, dass durch die Überwindung kapitalistischer Produktions- und Eigentumsverhältnisse in Folge einer sozialen Umwälzung entstanden ist und sich durch das Volks- oder Gemeineigentum an Produktionsmitteln, das Überwinden der Klassenschranken, die soziale Gleichheit aller Mitglieder der Gesellschaft und hohe Produktivität auszeichnet, so dass die Springquellen des gesellschaftlichen Reichtums voller fließen und allen Wohlstand bescheren. Auf dem Weg dorthin übernehmen die Proletarier die Macht (Diktatur des Proletariats), um dann in der kommunistischen Gesellschaftsformation in einer klassenlosen Gesellschaft aufzugehen |
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BeispieleBeispielhaft sollen einige Werke aus einer dramatischen Zeit kurz betrachtet werden.
Das Ende der Weimarer Republik brachte eine Flut sozialer Entwürfe von links und rechts
hervor. Auf der linken Seite reicht dies von der Genossenschafts-Utopie (Oppenheimer) bis
zur KPD-Revolutions-Utopie (Giesecke). Wir finden sowohl die Eutopie, aber häufiger die
Transformations-Utopie (Illing, Müller, Giesecke, Majerova, Doberer). Sie treten uns als
Zeit-Utopie (Oppenheimer, Norelli) oder als Insel-Utopie (Illing, Doberer) gegenüber.
Eine neue, innovative Form sind die Parallelwelt-Entwürfe von Müller und Giesecke, die
den Wandel in die neue Gesellschaft an Hand von Zeitungsausschnitten verfolgen. Sie
beinhalten zwar das Element der literarischen Fiktion, lassen aber die epische Form
vermissen. Zum 1931 erschienen Automatenzeitalter von Ludwig Dexheimer sei hier
auf das
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Übersicht zu sozialistischen UtopienDie anliegende Liste soll einen Gesamtüberblick über die (mir bekannten) sozialistischen Utopien seit Bellamys Rückblick aus dem Jahr 2000 geben. Sie ist Grundlage für eine umfassende Studie dieses Genres unter Berücksichtigung der historischen Verhältnisse (industrielle Revolution, Arbeiterbewegung) sowie der Haltung der Sozialisten zur Utopie. Für Hinweise bin ich immer dankbar.
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NachschlagIm Internet findet man natürlich über Science Fiction unzählige Seiten von den
Inhaltsverzeichnissen alter Pulpmagazines bis hin zu den Literaturhinweisen für die
Vorlesungen zur SF. Und einige befassen sich auch mit sozialistischen SF-Werken. Eine
umfangreiche, persönliche Liste hat der Schriftsteller China Mieville ins Netz gestellt: Unter der Überschrift Unter den Gesichtspunkt radikaler sozialer Ideen ist die Liste von SF-Autoren |
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| Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist, wie alle Texte in epilog.de, durch das Urheberrecht geschützt. Die unautorisierte Reproduktion, auch in Online- und Offlinemedien, ist verboten und wird straf- und zivilrechtlich verfolgt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Literaturverweise 1) Marx/Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, 1848 2) Kautsky, Karl: Thomas More und seine Utopie, Dietz Verlag Berlin, 1947 3) Bloch, Ernst: Freiheit und Ordnung Abriß der Sozialutopien, Reclam, Leipzig 1985 4) Nagl, Manfred: Science Fiction in Deutschland, Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1972 5) Krysmanski, Hans-Jürgen: Die Eigenart des utopischen Romans 6) Gnüg, Hiltrud: Utopie und utopischer Roman, Reclam Stuttgart, 1999 |
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| Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Broschüre Von Gotha über Techno City nach Japan Vorträge aus dem Science Fiction Club ANDYMON Berlin. Die Broschüre kann bestellt werden unter andymon@deutsche-sf.de. |
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