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Konrad Giesecke

Die KPD regiert – eine realpolitische Utopie

1932

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Die sozialistischen Utopien seit Bellamy

Im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands wird der Plan ausgearbeitet, die Reichsregierung bei einem regulären Kabinettstreffen festzusetzen und heimlich die Macht zu übernehmen, indem man eine Klausur der Regierung verkündet.

Mit Notverordnungen, massiven Steuersätzen und Schuldeneintreibung wird eine schleichende Sozialisierung der Großindustrie umgesetzt. Gleichzeitig werden landwirtschaftliche Betriebe zu Zwangsgenossenschaften zusammengeschlossen. Das Bankwesen wird durch die Einführung einer Binnenmark unter Regierungskontrolle gebracht, die Börsen geschlossen und der Aussenhandel staatlicher Kontrolle unterworfen. Mit einem Wohnungsbauprogramm wird die Bauwirtschaft angekurbelt, mit einem Handelsvertrag Import und Export mit Sowjet-Rußland gesichert. Am Ende der ersten zwölf Monate wird der Vorhang gelüftet und das deutsche Volk soll die Chance bekommen, über die Politik der Kommunisten abzustimmen.

All dies wird nur in Form von Zeitungsartikeln (analog zu Walter Müllers Wenn wir 1918 ...) (fast) ohne handelnde Personen dargestellt. Nur im ersten Kapitel bei der Schilderung der ZK-Sitzung tritt der (reale) KPD-Funktionär Heinz Neumann auf, der den Putschplan seines Mitarbeiters Melnik (russ.: Müller) vorstellt. Dann erfährt man die weitere Geschichte nur durch Leitartikel verschiedener Tageszeitungen, die um die fiktive »Notwende« ergänzt wird. Diese etabliert sich als Regierungsorgan. Die Ereignisse drängen sich in den ersten Monaten, die radikalen Änderungen, Enteignungen und Maßnahmen scheinen ohne Gegenwehr umgesetzt zu werden. Letztlich wird ein erfolgreicher sozialer Transformationsprozess beschrieben. Nach einem Jahr ist Deutschland sozialistisch und unter Führung der Kommunistischen Partei, die sich dann einem demokratischen Votum stellen will.

Dies ist wohl die radikalste linke Revolutions-Utopie überhaupt. Die Parallelen zu Müllers Utopie sind unübersehbar; vom Titel über den Aufbau mittels Zeitungsartikeln, ohne literarischen Helden bis hin zum radikalen und rasanten sozialen Umbau ist das Konstrukt übernommen. Der Autor ist bisher unbekannt.

• Wolfgang Both • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Konrad Giesecke: Die KPD regiert – eine realpolitische Utopie. (Königsberg/Pr.: Günther Müller Verlag, 1932
Siehe auch
Die sozialistischen Utopien seit Bellamy
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