| Im Jahre 1936 erschien im Wiener Fiba-Verlag die Utopie UtopAnno2000
von Peter Norelli. Der Autor selbst stellt sich als Vorsitzender des Utopistenverbandes
vor und leitet eine große Konferenz. Anläßlich der Jahrtausendwende lädt der
Weltutopistenverband zu einem Treffen. Dank einer technischen Erfindung ist es auch
möglich, dass die großen Geister der Vergangenheit zumindest akustisch mit
dabei sind. So sind nicht nur Philosophen und Ökonomen des Jahres 2000 anwesend, sondern
von Aristoteles über Morus bis Bellamy werden alle großen Utopisten »zugeschaltet«.
Diese Konstellation bietet die Möglichkeit einer umfassenden Rückschau und Diskussion
über die Ziele der Utopisten in den jeweiligen Epochen sowie das tatsächlich Erreichte.
Der Kongreß gliedert sich in sieben Sitzungen, die nacheinander die Sichten zu bestimmten
sozialen Aspekten behandeln. Anders als in der klassischen Utopie wird nicht ein Besucher
in die neue Welt eingeführt, sondern die Zuhörer (die Leser) nehmen an einer intensiven
Diskussion utopischen Denkens teil. Die Utopisten beziehen jeweils mit einer
entsprechenden Stelle aus ihrem Werk zu Bildung, Familie oder Eigentum Stellung. Das
fiktive Protokoll des Utopistenkongresses ist also eine Sammlung realer Zitate sortiert
nach den Themenfeldern des fiktiven Treffens realer Persönlichkeiten. Gleichzeitig wird
mit der »Wertumwertung« ein Weg zum Wandel der Gesellschaft aufgezeigt, der die Ideale
der frühen Utopisten erfüllt. Die »Wertumwertung« dreht den Geldverkehr um, indem
jeder Bürger ein Ausgabevolumen erhält, das er innerhalb eines Zeitraums umzusetzen hat.
Seine Kreditkarte ist ein umgekehrtes Sparbuch, mit dem er seine Funktion als Konsument
nachweist. Tut er das nicht im vollen Umfang, so wird sein Kreditrahmen gekürzt, bei
Konsumverweigerung drohen Strafen. Damit man nicht einseitigen Genüssen verfällt, sind
bestimmte Grundbedürfnisse in jedem Fall durch Konsum zu befriedigen (Hygiene, Kleidung,
Essen+Trinken, Wohnung, Bildung, Reisen). Der Staat hat eine zentrale steuernde und
überwachende Funktion, Unternehmer haben die Grundbedarfe zu sichern und erhalten im
Gegenzug Rohstoffe und Betriebsstoffe vom Staat. Eigene, nicht verbrauchte Kreditmittel
kann man auch zum Aufbau eines eigenen Geschäfts einsetzen. Diesem ökonomischen Modell
liegt die Freigeldtheorie von Gesell zugrunde, die sich auch in anderen utopischen Werken
findet (Felden). Durch die staatliche Kontrolle ist unendliches Wachstum von
Monopolstrukturen unterdrückt. Durch Kommentare (Zitate) von Aristoteles über Morus bis
Henry Ford versucht Norelli, die Wurzeln seines Gesellschaftsmodells bei den Klassikern zu
begründen.
Wolfgang Both ALIEN CONTACT
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