| Nach dem Start in England erlebte der Zeitungsroman in Frankreich eine erste
Blüte. Die französische Revolution 1789 brachte bürgerliche Freiheiten mit sich, die
auch in der Literatur zu einer Entfaltung führten. Liberalere Pressegesetze bis hin zum
Wegfall der Zensur öffneten den Zeitungsmarkt, billiger Massendruck senkte die
Zeitungspreise. Merimée, Hugo, Balzac oder Dumas waren die Könige des
Fortsetzungsromans. In Deutschland brachten die Aufhebung der Vorzensur (1848) und der
Fall des staatlichen Anzeigenmonopols (1850) einen Aufschwung auf dem Zeitungsmarkt. In
Konkurrenz zu den literarischen Zeitschriften boten die Herausgeber nun auch hier
Unterhaltung nach französischem Vorbild. Als Abbild der kleinstaatlichen Struktur war der
Zeitungsmarkt ebenfalls regional orientiert. Neben dem Abdruck bekannter Autoren entstand
der Bedarf an Lokalkolorit in den Romanserien, wobei nicht nur der Heimatroman diese
Anforderungen erfüllte. In der Folge bildeten sich Zwischenhändler, sogenannte
Feuilleton-Korrespondenzen heraus. Sie sammelten Autoren und vermittelten ihre Werke. Auch
Zeitungsverleger wie August Scherl in Berlin hatten eine solche Agentur im Unternehmen.
Gleichzeitig entstand der Vorabdruck einer geplanten Buchausgabe in Form eines
Fortsetzungsromans. Der Name des jeweiligen Autors wirkte als Magnet auf die Zielgruppe
der Leser. Ob Fontane oder Dostojewski, Zola, Balzac oder Gerstäcker, sie alle waren als
Autoren eines Zeitungsromans vertreten. Die Vorankündigung eines neuen Romans konnte
ebenso zum Medienereignis werden wie die Meldung aus einem Fürstenhaus. Um die
Jahrhundertwende gab es über 3.000 Tageszeitungen in Deutschland, die einen jährlichen
Bedarf von etwa 20.000 Romanen hatten. Dafür arbeiteten fast 40
Feuilletonkorrespondenzen. Kriegsbedingt verringerte sich die Zahl der Zeitungen (1917:
2.900) und der Agenturen (1918: 15); bis zur nationalsozialistischen Gleichschaltung
1934 stieg sie wieder stark an (1934: 4.700/25) /1/. Der Fortsetzungsroman
konkurrierte mit den Literatur- oder Familienzeitschriften und anderen Monatsheften wie JUGEND,
GARTENLAUBE oder UHU. Auch Wochenzeitungen bedienten sich
bald dieses Unterhaltungsmittels. |









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