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Science Fiction im deutschen Zeitungsroman <-- Teil 3 -->

Der Zukunftsroman in der Zeitung

von Wolfgang Both

Lexikon | Medien
> Der Zeitungsroman
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Zur Unterhaltung und Bindung der Zeitungsleser eignet sich der Abenteuerroman sehr gut, da sein Spannungsbogen einen hohen Unterhaltungswert sichert und die ständige Verfolgung der Geschichte nötig macht. Aber auch andere Genres erfüllten diese Anforderungen: Bei einer Auswertung von etwa 1000 Romanen in 30 Zeitungen dominierte im Jahre 1936 der »Gesellschafts-, Familien- und Liebesroman« mit 30,4 % aller Veröffentlichungen. Danach folgte mit 18,4 % der »abenteuerliche und phantastische« Roman. Der Kriminalroman macht 14 % aller Fortsetzungsgeschichten aus, es folgen noch der Heimatroman, der historische Roman und der Milieuroman /1/. Ähnliche Relationen fand man in Bestand und Ausleihfrequenz von Leihbüchereien, die mit der Weltwirtschaftskrise einen enormen Aufschwung genommen hatten.

Dies änderte sich nach dem Krieg radikal: Bei einer Erhebung im Jahre 1954 lag der »Liebes- und Unterhaltungsroman« mit 57,4 % weit vor dem Krimi (19,5 %), dem »Frauen- und Familienroman« (5,5 %) sowie dem »Reise- und Abenteuerroman« (5,2 %) /2/. In den ersten Jahren des Wirtschaftswunders spielte der Science-Fiction-Roman noch keine Rolle; nur der Kriminalroman konnte in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre eine Spitzenposition erobern, was ebenfalls in den Statistiken der Leihbibliotheken nachweisbar ist.

Anlass für die Recherchen zu diesem Artikel war die Arbeit an der Biografie von Herbert Häußler, dem ersten deutschen Science-Fiction-Fan, der bereits ab 1930 Kontakt zum US-amerikanischen Fandom hatte. Einige seiner Berichte über Neuerscheinungen aus Deutschland erschienen schon vor der Buchedition in US-Fanzines /3/. So stand ein »bookreview« über C. V. Rocks Flug in die Erde in der Dezember-Nummer 1937 von IMAGINATION, dem Fanzine von Forrest J. Ackerman in Los Angeles. Als offizielles Erscheinungsjahr des Buches aus dem Bremener Burmester-Verlag wird das Jahr 1938 angegeben. Die Mai-Ausgabe 1938 von IMAGINATION enthält eine Kurzdarstellung vom Experiment im All des gleichen Autors, das 1939 bei Burmester in Bremen herauskam. Berücksichtigt man die Zeiten für Beschaffen, Lesen, Verfassen der Buchbetrachtung in Esperanto oder Englisch, für den Postweg nach Amerika, die Übersetzung ins Englische und die Fertigstellung eines Fanzines, so müssen Vorabdrucke greifbar gewesen sein.

Seine erste Begegnung mit der Science Fiction schilderte Herbert Häußler so: »Zu dieser Zeit war es auch, als mir in einer Leihbücherei die ausgeschnittenen Zeitungsabschnitte einer Münchner Zeitung mit dem Roman "Der Schuss ins All" von Otto Willi Gail in die Hände gefallen sind. Diesen Roman habe ich verschlungen, und schon damals entfachte sich meine Begeisterung für Zukunftsromane.« An einer anderen Stelle erwähnte er, dass dieser Roman etwa 1923/24 in den MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN abgedruckt war.

Beim Münchner Stadtmuseum begann ich meine Suche nach einem Beleg. Man verwies mich an den Süddeutschen Verlag, der als Nachfolger des Verlagshauses Knorr und Hirtl nun die SÜDDEUTSCHE herausgibt. Dieser wiederum reichte mich an die Bayerische Staatsbibliothek weiter, da das Zeitungsarchiv im Krieg verloren ging. Durch Zufall las ich dann im Vorwort zu Gails Sachbuch über die Raketenfahrt, dass der Vorabdruck seines Romanerstlings in der MÜNCHENER ILLUSTRIERTEN ZEITUNG publiziert worden war. Dort war die Suche in der Bayerischen Staatsbibliothek endlich erfolgreich: Der Roman erschien ab Nummer 19 in Fortsetzungen zwischen dem 10. Mai 1925 bis zur Ausgabe Nummer 32 vom 9. August 1925.




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Teil 4: Zeitungsroman vs. Buchedition -->
Quellen:
/1/ Eckert, Gerhard: »Der Zeitungsroman im Jahre 1936«, DER DEUTSCHE SCHRIFTSTELLER 2(1937)9, S. 197-201
/2/ Schütz, Walter: »Deutsche Tagespresse in Tatsachen und Zahlen«, PUBLIZISTIK 1/1956, S. 31-48 (nach /1/)
/3/ Both, Neumann, Scheffler: Herbert Häußler - Der erste deutsche SF-Fan, ANDROMEDA SF MAGAZIN 148/2002
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