| Einspaltiger, anonymer Artikel
aus der OFFENBACHER ZEITUNG, 23.5.1932. Der zu Beginn
erwähnte Samstag war der 21.5.1932. Der später auftauchende Ausdruck »Roboten« ist
vielleicht ein Hörfehler oder eine falsche Akkusativ-Bildung: der Robot, des Robots, dem
Robote, den Roboten. Der am Schluß genannte Prof. (Karl) Brockmann war an den Technischen
Lehranstalten der lokalen Fachhochschule tätig. |
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| * Das Automatenzeitalter. Über
dieses in der Gegenwart so ungemein wichtige Problem sprach am Samstag der Schriftsteller
Ingenieur-Chemiker Ludwig Dexheimer im Verein für Volksbildung und Jugendbühnenpflege,
e. V. vor einem leider nicht sehr zahlreich erschienenen Publikum. Der Redner, welcher
unter dem Pseudonym Ri Tokko ein aufsehenerregendes Buch über das gleiche Thema
veröffentlich hat, verstand es in bester Weise, in einem einstündigen Vortrag einen
umfassenden Überblick über alles das, was mit dem Begriff des Automaten zusammenhängt,
zu geben. Er schilderte u. a. die automatische Brotbereitung, die automatische Bestellung
des Landes, zeigte an eklatanten Beispielen, wie besonders in Amerika riesige
Fabrikanlagen bestehen, in denen der menschliche Arbeiter fast nahezu verdrängt ist und
alle Arbeit durch den Automaten verrichtet wird. Sehr instruktiv waren auch seine
Ausführungen über den Befehlsschalter, bei dem durch einfaches Knöpfedrücken irgendwo
an einer entfernten Stelle Funktionen ausgelöst werden. Sehr interessant waren seine
Ausführungen über den Maschinenmenschen, den sogenannten Roboten, der heute nicht mehr
nur in der Phantasie der technischen Schriftsteller existiert, sondern schon in den
verschiedensten Ländern praktisch ausgeführt wurde. Als Spitzenleistung menschlichen
Schöpfergeistes denkt sich nun der Referent den "Homaten", den
Automatenmenschen, der, wenn die Technik einmal so vervollkommnet sein wird, nicht nur
hören, sehen und schaffen kann, sondern auch allerdings in abgeleitetem Sinne
Denkarbeit verrichten wird. Der Redner verwies auf den gewaltigen Umschwung, den
die Menschheit durch die immer mehr um sich greifende Automatisierung erleben muß, und
bezeichnet unsere jetzige krisenhafte Zeit gewissermaßen als einen Übergang zu einem
besseren Zeitalter, wo die Menschen mit einer bedeutend geringeren Arbeitszeit auskommen
und dafür um so mehr Zeit für geistige und sportliche Betätigung haben würden, ohne in
ihrem Lebensstandard gedrückt zu werden, da durch die Überflußproduktion des Automaten
ein gewisser Wohlstand für jeden einzelnen eintritt. In der sehr angeregten Diskussion,
an der sich die Herren Prof. Brockmann, Studienrat Dipl.-Ing. Trabert und
Stadtbibliothekar Völker beteiligten, wurde anerkannt, daß die Technik ungeahnte
Fortschritte gemacht habe, es wurde aber auch besonders darauf verwiesen, daß durch die
Ausschaltung der Freude an dem selbstgeschaffenen Werk, durch den Mangel an ernsthafter
Betätigung und durch die Automatisierung aller Dinge der Menschheit das hohe Ethos
verloren ginge, das sie befähigt, über das rein Materielle hinaus zu ihren geistigen
Höhen aufzustreben. |