ALIEN CONTACT
ALIEN CONTACT 51 Inhalt Archiv

George R. R. Martin

Brot und Fische

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<-- Teil 5 -->

»Ich hasse Schwerkraft«, sagte Tolly Mune zu Josen Raels lächelndem vergrößertem Gesicht, nachdem sie ihren Bericht über das Abendessen beendet hatte. »Sie erschöpft mich, und ich will gar nicht daran denken, was diese ganze gottverdammte Last mit meinen Muskeln und meinen inneren Organen anstellt. Wie könnt ihr Würmer so leben? Und das ganze beschissene Essen! Wie er das runtergeschlungen hat, das war obszön, und die Gerüche ...«
   »Hafenmeisterin, wir haben Wichtigeres zu besprechen«, sagte Rael. »Hat alles geklappt? Haben wir ihn?«
   »Wir haben seine Katze«, sagte sie mürrisch. »Genauer gesagt: Ich habe seine gottverdammte Katze.« Wie aufs Stichwort jaulte Sodom und presste ihr Gesicht gegen den Plastahl-Maschendrahtkäfig, den die Sicherheitsmänner in einer Ecke ihres Apartments aufgestellt hatten. Die Katze jaulte viel; in der Schwerelosigkeit fühlte sie sich eindeutig unwohl, und wenn sie versuchte, sich zu bewegen, wirbelte sie jedes Mal unkontrolliert herum. Jedes Mal, wenn sie gegen die Seite des Käfigs knallte, verzog Tolly Mune schuldbewusst das Gesicht. »Ich war mir sicher, dass er den Transfer unterzeichnen würde, um seine beschissene Katze zu retten.«
   Josen Rael wirkte verärgert. »Ich halte nicht allzu viel von Ihrem Plan, Hafenmeisterin. Warum im Namen des Lebens würde jemand einen Schatz in der Größenordnung der Arche aufgeben, um ein Tier zu retten? Schließlich haben Sie mir erzählt, dass er noch weitere Exemplare der gleichen Schädlingsart an Bord seines Schiffes hat.«
   »Weil er eine emotionale Beziehung zu diesem besonderen Schädling hat«, sagte Tolly Mune mit einem Seufzen. »Allerdings ist Tuf noch gerissener, als ich dachte. Er hat meinen Bluff durchschaut.«
   »Dann vernichten Sie diesen Schädling doch. Zeigen Sie ihm, dass wir meinen, was wir sagen.«
   »Oh, seien Sie vernünftig, Josen!«, entgegnete sie ungeduldig. »Wie würden wir dann aussehen? Wenn ich die verdammte Katze töte, habe ich gar nichts mehr. Tuf weiß das, und er weiß, dass ich es weiß, und er weiß, dass ich weiß, dass er es weiß. Zumindest haben wir auf diese Weise etwas, das er will. Wir befinden uns in einer Pattsituation.«
   »Wir werden das Gesetz ändern«, schlug Josen Rael vor. »Lassen Sie mich ... Ja, die Strafe dafür, Schädlinge in den Hafen einzuschmuggeln, sollte die Konfiszierung des für den Schmuggel verwendeten Schiffes beinhalten!«
   »Ein gottverdammter Geniestreich«, sagte Tolly Mune. »Zu schade, dass die Charta rückwirkende Gesetze verbietet.«
   »Bisher habe ich von Ihnen noch keinen besseren Plan gehört.«
   »Leider habe ich im Augenblick keinen, Josen. Aber das wird sich ändern. Ich werde sie ihm abschwatzen. Ich werde sie ihm abschwindeln. Wir wissen, dass er Schwächen hat. Essen, seine Katzen. Vielleicht gibt es noch mehr – etwas, das wir ausnutzen können. Ein Gewissen, einen Trieb, eine Schwäche für Drinks, für Glücksspiele.« Sie legte eine nachdenkliche Pause ein. »Glücksspiel«, wiederholte sie. »Genau. Er liebt Spiele.« Sie zeigte mit einem Finger auf den Bildschirm. »Halten Sie sich raus. Sie haben mir drei Tage gegeben, und meine Zeit ist noch nicht um. Also halten Sie die Luft an.« Sie wischte seine Gesichtszüge vom riesigen Videoschirm und ersetzte sie durch die Dunkelheit des Weltalls, mit der Arche, die vor einem Feld leuchtender Sterne schwebte.
   Die Katze schien sich an das Bild auf dem Schirm zu erinnern und gab ein dünnes, klagendes Miauen von sich. Tolly Mune schaute hinüber, runzelte die Stirn und bat darum, zu ihrer Sicherheitsüberwachung durchgestellt zu werden. »Tuf«, bellte sie. »Wo steckt er jetzt?«
   »Im Sternenklasse-Spielsalon des Weltblick-Hotels, Ma«, erwiderte die diensthabende Beamtin.
   »Das Weltblick?«, stöhnte sie. »Er musste sich natürlich einen gottverdammten Würmer-Palast aussuchen! Was haben wir da, volle Schwerkraft? Ach, zum Teufel, was soll’s? Sehen Sie nur zu, dass er dort bleibt. Ich komme runter.«

Sie entdeckte ihn, als er Fünfseitiges Dilemma gegen ein Paar älterer Erdenwürmer spielte – gegen einen Cybertech, den sie vor ein paar Wochen wegen Systemplünderung suspendiert hatte, und gegen einen mondgesichtigen, fleischigen Handelsagenten von Jazbo. Dem Berg von Spielmarken nach zu urteilen, der sich vor ihm auftürmte, gewann Tuf mit Leichtigkeit. Sie schnippte mit den Fingern, und die Salonhostess schob ihr einen Stuhl herüber. Tolly Mune setzte sich neben Tuf und berührte ihn leicht am Arm. »Tuf«, sagte sie.
   Er drehte den Kopf und rückte von ihr ab. »Bitte sehen Sie freundlicherweise davon ab, Hand an meine Person zu legen. Hafenmeisterin Mune.«
   Sie zog die Hand zurück. »Was tun Sie hier, Tuf?«
   »Im Moment probiere ich eine interessante neue Strategie gegen den Unterhändler Dez aus. Ich fürchte, sie wird sich als unzuverlässig erweisen, aber wir werden sehen. Im übrigen bin ich bemüht, ein paar magere Standards durch die Anwendung statistischer Analysen und angewandter Psychologie zu verdienen. S’uthlam ist keineswegs preiswert, Hafenmeisterin Mune.«
   Der Jazboite, dessen langes Haar von irisierenden Ölen glänzte und dessen fettes Gesicht mit Rangesnarben bedeckt war, lachte rau und enthüllte einen Mund voller polierter schwarzer Zähne, die mit winzigen karmesinroten Edelsteinen besetzt waren. »Ich fordere Sie heraus, Tuf«, sagte er und berührte einen Knopf unter seiner Station, um seine Spielaufstellung auf die erleuchtete Oberfläche des Tisches zu bringen.
   Tuf lehnte sich kurz vor. »In der Tat«, sagt er. Ein langer bleicher Finger bewegte sich in angemessener Weise, und seine eigene Formation wurde innerhalb des Spielkreises sichtbar. »Ich fürchte, Sie haben verloren, Sir. Mein Experiment hat sich als erfolgreich erwiesen, wenngleich zweifellos durch reinen Zufall.«
   »Verflucht seien Sie und Ihr verdammtes Glück!«, sagte der Jazboite und stand unsicher auf. Weitere Spielmarken wechselten den Besitzer.
   »Sie spielen ziemlich gut«, sagte Tolly Mune zu Tuf. »Aber das wird Ihnen verdammt wenig helfen. Hier hat das Haus die besten Chancen. Sie werden nie so viel Geld gewinnen, wie Sie brauchen.«
   »Dessen bin ich mir durchaus bewusst«, entgegnete Tuf.
   »Lassen Sie uns reden.«
   »Damit sind wir doch in diesem Augenblick beschäftigt, oder?«
   »Lassen Sie uns unter vier Augen reden«, drängte sie.
   »Während unserer letzten Unterhaltung unter vier Augen wurde ich von Männern mit Nervenpistolen bedroht, verbal angegriffen, grausam betrogen, eines geliebten Gefährten beraubt, und mir wurde die Möglichkeit versagt, mein Dessert zu genießen. Ich bin nicht besonders auf weitere Einladungen erpicht.«
   »Ich spendiere Ihnen einen Drink«, sagte Tolly Mune.
   »Nun gut.« Tuf erhob sich schwerfällig, sammelte seine Spielmarken ein und wünschte den anderen Spielern viel Glück. Die beiden gingen in eine Privatkabine am anderen Ende der Spielhalle. Tolly Mune schnaufte vor Anstrengung leicht, weil sie gegen die Schwerkraft ankämpfen musste. Im Innern der Kabine plumpste sie in die Kissen, bestellte geeiste Narcoblaster für zwei und aktivierte die Vorhänge.
   »Der Genuss narkotischer Getränke wird kaum Einfluss auf mein Entscheidungsvermögen haben, Hafenmeisterin Mune«, sagte Haviland Tuf. »Auch wenn ich gewillt bin, Ihre Großzügigkeit als Wiedergutmachung für Ihre kürzliche Perversion der zivilisierten Gastfreundschaft zu akzeptieren, bleibt meine Position nichtsdestotrotz unverändert.«
   »Was wollen Sie, Tuf?«, sagte sie müde, nachdem die Drinks gekommen waren. Die schlanken Gläser waren vom Frost beschlagen, der Schnaps darin kobaltblau und eiskalt.
   »Wie jeder Angehörige der menschlichen Rasse habe auch ich viele Wünsche. Im Moment wünsche ich am dringendsten, dass Sodom sicher in meine Obhut zurückkehrt.«
   »Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass ich die Katze gegen das Schiff eintauschen werde.«
   »Wir haben diesen Vorschlag diskutiert, und ich habe ihn als ungerecht abgelehnt. Müssen wir das alles noch einmal durchgehen?«
   »Ich habe ein neues Argument«, sagte sie.
   »Tatsächlich.« Tuf nippte an seinem Drink.
   »Betrachten wir einmal die Frage der Eigentumsverhältnisse, Tuf. Mit welchem Recht gehört Ihnen die Arche? Haben Sie sie gebaut? Hatten Sie irgendeinen Anteil an ihrer Planung? Zum Teufel, nein.«
   »Ich habe sie gefunden«, sagte Tuf. »Gut, diese Entdeckung wurde in der Gesellschaft von fünf anderen gemacht, und es kann nicht geleugnet werden, dass deren Ansprüche an diesem Eigentum in einigen Fällen die meinen überstiegen. Allerdings sind sie tot, und ich bin am Leben. Dies verstärkt meine Ansprüche erheblich. Weiterhin befindet sich das fragliche Artefakt im Moment in meinem Besitz. In vielen ethischen Systemen ist der Besitz der Schlüssel, sogar oftmals die überragende Determinante, die über Eigentumsverhältnisse entscheidet.«
   »Es gibt Welten, wo der Staat alles von Wert besitzt, wo Ihnen Ihr gottverdammtes Schiff einfach abgenommen würde.«
   »Dessen bin ich mir bewusst. Ich habe absichtlich derartige Planeten vermieden, als ich meinen Zielort auswählte«, sagte Haviland Tuf.
   »Wir könnten Ihr verdammtes Schiff einfach beschlagnahmen, wenn wir wollten, Tuf. Vielleicht ist es die Macht, die über Eigentum entscheidet, was?«
   »Es ist wahr, dass Sie über die leidenschaftliche Loyalität unzähliger Lakaien mit Nervenpistolen und Lasern verfügen, während ich allein bin, ein bescheidener Händler und ein am Anfang seiner Karriere stehender ökologischer Pionier, nur von seinen harmlosen Katzen begleitet. Trotzdem bin auch ich nicht ohne gewisse kleine Reserven. Es wäre theoretisch möglich, dass ich Verteidigungsmechanismen in die Arche einprogrammiert habe, die eine derartige Beschlagnahmung eventuell weniger einfach durchführbar machen, als Sie es sich vorstellen. Natürlich ist diese Annahme rein hypothetisch, aber Sie sollten gut daran tun, es in Betracht zu ziehen. Auf jeden Fall wäre eine brutale militärische Aktion nach den Gesetzen von S’uthlam illegal.«
   Tolly Mune seufzte. »In einigen Kulturen bestimmt der Nutzen das Eigentum. Andere setzen auf die Notwendigkeit.«
   »Ich bin mit diesen Doktrinen nicht unvertraut.«
   »Gut. S’uthlam braucht die Arche nötiger als Sie, Tuf.«
   »Falsch. Ich brauche die Arche, um meinen gewählten Beruf auszuüben und meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ihr Planet hat keine Verwendung für das Schiff selbst, sondern für ökologische Technologien. Daher hatte ich Ihnen meine Dienste angeboten, doch mein großzügiges Angebot wurde verschmäht und als unzureichend bezeichnet.«
   »Nutzen«, unterbrach ihn Tolly Mune. »Wir haben einen ganzen gottverdammten Planeten voller brillanter Wissenschaftler. Sie sind nur ein Händler, wie Sie selbst zugegeben haben. Wir können besseren Nutzen aus der Arche schlagen.«
   »Ihre brillanten Wissenschaftler sind größtenteils Spezialisten für Physik, Chemie, Kybernetik und ähnliche Gebiete. S’uthlam ist auf den Gebieten der Biologie, Genetik oder Ökologie nicht besonders weit fortgeschritten. Dies ist in zweifacher Hinsicht offensichtlich. Wenn Sie über derartige Sachkenntnis verfügen würden, wie Sie andeuten, bräuchten Sie erstens die Arche nicht so dringend, und zweitens hätten Sie nie zugelassen, dass Ihre Umweltprobleme die gegenwärtigen bedenklichen Ausmaße erreicht hätten. Daher stelle ich Ihre Behauptung in Frage, Ihre Leute würden das Schiff effektiver nutzen. Seit ich in Besitz der Arche gelangt bin und meinen Weg hierher angetreten habe, habe ich mich pflichtbewusst in das Studium vertieft, und ich kann mit einer gewissen Berechtigung behaupten, dass ich nun der einzige qualifizierte ökologische Pionier der menschlichen Spezies bin – Prometheus eventuell ausgenommen.«
   Haviland Tufs langes weißes Gesicht blieb ausdruckslos; an jeder Äußerung feilte er sorgfältig und feuerte sie in kühlen Salven gegen sie ab. Doch obwohl er so unerschütterlich war, spürte Tolly Mune, dass sich hinter Tufs ruhiger Fassade eine Schwäche verbarg – Stolz und eine Eitelkeit, die sie sich nutzbar machen konnte. Sie deutete mit dem Finger auf sein Gesicht. »Worte, Tuf. Nichts als beschissene leere Worte. Sie können sich ökologischer Pionier nennen, aber das bedeutet gar nichts. Sie könnten behaupten, Sie seien eine Geleefrucht, aber in einer Schüssel Rahm würden Sie immer noch ziemlich dämlich aussehen!«
   »In der Tat«, sagte Tuf.
   »Ich wette mit Ihnen«, sagte sie und ging zum Angriff über, »dass Sie gar nicht wissen, was zur Hölle Sie mit diesem verdammten Schiff tun sollen.«
   Haviland Tuf blinzelte und bildete mit seinen Handflächen auf der Tischplatte einen Kirchturm. »Das ist eine interessante Behauptung«, sagte er. »Fahren Sie fort.«
   Tolly Mune lächelte. »Ihre Katze gegen das Schiff«, sagte sie. »Ich habe unser Problem bereits beschrieben. Lösen Sie es, und Sie bekommen Sodom zurück, gesund und munter. Wenn Sie verlieren, bekommen wir die Arche
   Tuf hob einen Finger. »Ihre Intrige ist durchschaut. Obwohl Sie mir eine formidable Aufgabe gestellt haben, wäre ich nicht abgeneigt, eine solche Herausforderung anzunehmen, wären die vorgeschlagenen Einsätze nicht so unausgeglichen. Die Arche und Sodom gehören beide mir, obwohl Sie sich skrupellos, wenn auch legal, in den Besitz Letztgenannter gebracht haben. Daher scheint es, dass ich, falls ich gewinne, einfach nur zurückerhalte, was rechtmäßig mir gehört, wohingegen Sie die Aussicht auf einen großen Gewinn haben. Das ist ungerecht. Ich habe ein Gegenangebot. Ich bin wegen gewisser Reparaturen und Umbauten nach S’uthlam gekommen. Im Fall meines Erfolgs lassen Sie diese Arbeiten kostenfrei durchführen.«
   Tolly Mune hob ihr Getränk an die Lippen, um einen Moment nachdenken zu können. Das Eis war matschig geworden, aber der Narcoblaster hatte es immer noch in sich. »Reparaturen für fünfzig Millionen Standards umsonst? Das ist zu viel.«
   »Das war auch meine Meinung«, sagte Tuf.
   Sie grinste. »Die Katze«, sagte sie, »mag anfangs Ihnen gehört haben, aber jetzt gehört sie uns. Was jedoch die Reparaturen anbelangt, Tuf – da gebe ich Ihnen Kredit.«
   »Zu welchen Bedingungen und Zinsen?«, fragte er.
   »Wir kümmern uns um die Wiederinstandsetzung«, sagte sie lächelnd. »Wir werden umgehend damit beginnen. Wenn Sie gewinnen – was Sie nicht werden –, bekommen Sie Ihre Katze wieder, und wir geben Ihnen ein zinsfreies Darlehen in Höhe der Reparaturrechnung. Sie können uns von dem Geld bezahlen, das Sie da draußen«, – sie winkte vage in Richtung des restlichen Universums – »mit Ihren verdammten Ökotechnologien verdienen. Aber wir haben ein Pfandrecht auf die Arche. Wenn Sie nicht in fünf Standardjahren die Hälfte des Geldes zurückgezahlt haben, oder alles in zehn, gehört das Schiff uns.«
   »Die ursprüngliche Schätzung von fünfzig Millionen Standards war übertrieben hoch«, sagte Tuf. »Augenscheinlich ein überzogener Betrag, allein in der Absicht, mich dazu zu zwingen, Ihnen mein Schiff zu verkaufen. Ich schlage vor, wir setzen die Summe von zwanzig Millionen Standards als Basis für diese Vereinbarung fest.«
   »Lächerlich«, bellte sie. »Meine Spinnerets könnten Ihr gottverdammtes Schiff für zwanzig Millionen Standards noch nicht einmal streichen. Aber ich werde auf fünfundvierzig runtergehen.«
   »Fünfundzwanzig Millionen«, schlug Tuf vor. »Da ich allein an Bord der Arche bin, ist es nicht zwingend notwendig, dass alle Decks und Systeme vollständig wiederhergestellt werden. Ein paar abgelegene Decks mit Funktionsstörungen sind nicht von elementarer Bedeutung. Ich werde meinen Arbeitsauftrag dergestalt kürzen, dass nur die Reparaturen eingeschlossen sind, die für meine Sicherheit, meinen Komfort und meine Bequemlichkeit unternommen werden müssen.«
   »Wenn Sie meinen«, sagte sie. »Ich gehe auf vierzig Millionen.«
   »Dreißig«, beharrte Tuf, »scheinen mir mehr als genug.«
   »Lassen Sie uns nicht wegen ein paar Millionen Standards streiten«, sagte Tolly Mune. »Sie werden verlieren, also spielt es nicht die geringste Rolle.«
   »Ich stehe da auf einem etwas anderen Standpunkt. Dreißig Millionen.«
   »Siebenunddreißig«, sagte sie.
   »Zweiunddreißig«, entgegnete Tuf.
   »Anscheinend treffen wir uns bei fünfunddreißig, nicht wahr? In Ordnung!« Sie streckte die Hand aus.
   Tuf betrachtete ihre Hand. »Vierunddreißig«, sagte er ruhig.
   Tolly Mune lachte, zog die Hand zurück und sagte: »Was soll’s? Vierunddreißig.«
   Haviland Tuf stand auf.
   «Nehmen Sie noch einen Drink«, sagte sie mit einer einladenden Handbewegung. »Auf unsere kleine Wette.«
   »Ich fürchte, ich muss ablehnen«, sagte Tuf. »Ich werde feiern, nachdem ich gewonnen habe. Einstweilen wartet viel Arbeit auf uns.«

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Deutsche Erstveröffentlichung
Originaltitel: »Loaves & Fishes«
© 2002 by George R. R. Martin. Alle Rechte vorbehalten.
Mit freundlicher Genehmigung seines Agenten Werner Fuchs
Übersetzung © 2002 Berit Neumann
Erstveröffentlichung in ANALOG, Oktober 1985
Die Übersetzung folgt der Buchausgabe in Tuf Voyaging (London: Victor Gollancz, 1988)
Mit herzlichem Dank an George R. R. Martin & Werner Fuchs
Grafik © 2002 Manfred Lafrentz

Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist, wie alle Texte in epilog.de, durch das Urheberrecht geschützt. Die unautorisierte Reproduktion, auch in Online- und Offlinemedien, ist verboten und wird straf- und zivilrechtlich verfolgt.
Siehe auch
Legenden - Interview mit George R. R. Martin
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