George R. R. Martin gehört
seit Jahrzehnten zu den maßgeblichen amerikanischen Phantastik-Autoren, ist durch sein
schmales Romanwerk in Deutschland jedoch weniger bekannt als einige seiner Kollegen. Nach
längerer Pause erschienen kürzlich die ersten Bände seines neuen, aufsehenerregenden
Fantasy-Zyklus Das Lied von Eis und Feuer
in deutscher Sprache. Der erste Band A Game of Thrones war für den World Fantasy
Award und den Nebula Award nominiert. Der Auszug »Blood of the Dragon« gewann den Hugo Award als Best Novella. An
der Wahl der » Top 100 SF
& Fantasy List« im Internet haben sich knapp 3000 SF&F-Leser und -Fans
beteiligt. A Game of Thrones ist im Januar 2001 unter den besten Science-Fiction- und Fantasy-Büchern aller Zeiten auf dem 2. Platz
zu finden (nach Tolkiens
Herr der Ringe), noch weit vor den Werken von Terry Pratchett, Frank
Herbert, Dan Simmons, Alfred Bester oder George Orwell.
Auf dem ElsterCon 2000 hatte Hardy
Kettlitz in einer Gesprächsrunde die Möglichkeit, den Autor zu befragen.
Kettlitz: Schon zu Anfang Ihrer Karriere waren Sie sehr erfolgreich
und erhielten in den siebziger und achtziger Jahren vier Hugo Awards sowie zwei Nebula
Awards, allerdings haben Sie nur wenige Romane geschrieben. Mochten Sie die literarische
Form der Kurzgeschichte damals lieber?
Martin: Ich denke, Kurzgeschichten sind die beste Möglichkeit für
junge Autoren, ihre Fähigkeiten auszuloten und Erfahrungen zu sammeln. Wenn man eine
Kurzgeschichte schreibt und sie funktioniert nicht oder sie ist erfolglos, dann hat man
ein paar Wochen oder einen Monat verschwendet. Wenn man jedoch einen erfolglosen Roman
schreibt, dann hat man vielleicht ein oder zwei Jahre vergeudet. Deshalb bin ich der
Meinung, daß angehende Autoren sich erst auf Kurzgeschichten konzentrieren sollten, um
sich einen Namen zu machen, und dann erst einen Roman schreiben sollten.
Kettlitz: Eine der interessantesten Figuren in Ihren Storys ist
Haviland Tuf (ca. 1976 - 1986). 1995 in Glasgow erzählten Sie mir, daß Sie Ideen für
weitere Geschichten haben, aber zu sehr mit anderen Projekten beschäftigt sind. Wird es
irgendwann neue Tuf-Geschichten geben?
Martin: Vielleicht irgendwann. Ich muß nur die Zeit dazu finden. Mein
derzeitiges Projekt ist sehr umfangreich und läßt mir wenig Zeit, irgendetwas anderes zu
tun.
Kettlitz: Ihre Romane behandeln sehr unterschiedliche Themen. Fevre
Dream (1982) mag ich ganz besonders, und er gehört zu den besten Vampir-Romanen, die
ich kenne. Auch in anderen Texten von Ihnen tauchen immer wieder Vampire auf. Fasziniert
Sie dieses Thema besonders?
Martin: Eigentlich nicht. Fevre Dream entstand eher aus dem
Wunsch, einen Mississippi-Dampfer-Roman als einen Vampir-Roman zu schreiben. Ich wohnte
damals am Mississippi und hatte mich sehr für dessen Geschichte interessiert. Als
Science-Fiction- oder Horror-Autor brauchte ich natürlich ein phantastisches Element, und
ich fand, daß Vampire sehr gut zu dem Dampfschiffen und ihrer dunklen Romantik paßten.
Die Eleganz der Vampire entspricht sehr schön der Eleganz der Dampfschiffe, die sich
durch die Nacht bewegen.
Kettlitz: Der Roman präsentierte eine neue Art von Vampiren ...
Martin: Ja, Science-Fiction-Vampire. Ein bißchen rationaler, ohne
ihre übernatürlichen Fähigkeiten. Als ich für das Thema recherchierte, fand ich
heraus, daß auf der gesamten Welt Vampir-Legenden existieren, nicht nur die
osteuropäische Variante, die die Leute vor allem durch Bram Stoker kennen. So hatte ich
die Freiheit, mir die Elemente der Legenden herauszusuchen, die am besten zu meiner
Geschichte paßten.
Kettlitz: Armageddon Rag (1983) ist ein außergewöhnlicher
Roman über Rockmusik. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, die Musik der Nazgûl zu hören.
Welche Beziehung haben Sie zur Musik?
Martin: Eine Beziehung nur als Hörer. Ich bin in den sechziger Jahren
aufgewachsen und meine Generation hörte natürlich die Musik der Fünfziger und
Sechziger. Den Roman Armageddon Rag schrieb ich in den frühen achtziger Jahren,
also zu einer Zeit, als die Musik und die Kultur meiner Meinung nach ihre Vitalität
verloren hatte. In gewisser Weise ist das Buch eine Art Suche nach etwas Verlorenem,
vielleicht auch die Suche nach der verlorenen Unschuld. Allerdings ist Unschuld vielleicht
nicht das richtige Wort, denn es war keine unschuldige Zeit.
Ich selbst bin jedoch sehr unmusikalisch. Nach dem College lebte ich in Chicago. Eine
eigene Wohnung konnte ich mir nicht leisten, also hatte ich einige Mitbewohner, die alle
irgendwie Musiker waren und in Bands spielten oder so. Sie fragten mich, welches
Instrument ich spielte. Ich sagte: »Die Schreibmaschine«.
Kettlitz: »Armageddon Rag« ist aber nicht nur ein Roman über Musik,
sondern auch über eine ganze Generation.
Martin: Ja, es ist ein Buch über meine Generation und das zögernde
Erwachsenwerden.
Kettlitz: Nach Armageddon Rag sind von Ihnen längere Zeit
keine Romane erschienen. Sie haben Ende der achtziger Jahre fünf Episoden für Twilight
Zone sowie 13 Episoden für Beauty and the Beast geschrieben. Wie kam es
dazu?
Martin: Das hat mit Armageddon Rag zu tun, in doppelter
Hinsicht. Als der Roman erschien, wurde er für eine Verfilmung optioniert. Ich besprach
mit dem Mann, der die Option kaufte, einem Fernsehproduzent und -Autor, bei mehreren
Treffen das Drehbuch. Allerdings wurde der Film nie realisiert, was mit der Finanzierung
zu tun hatte. Ein paar Jahre später war er derjenige, der die Serie Twilight Zone
zu CBS Television zurückbrachte. Natürlich hat er versucht, einige Science-Fiction-Autoren für die
Drehbücher zu gewinnen, darunter Harlan Ellison. Er gab mir die Möglichkeit, ein
Drehbuch zu schreiben. Das war mein erster Drehbuch-Auftrag. Das war die eine Hälfte der
Geschichte.
Die andere Geschichte: Armageddon Rag verkaufte sich trotz sehr guter Rezensionen
sehr schlecht und hat dadurch beinahe meine Karriere zerstört. Ich konnte kein weiteres
Buch mehr veröffentlichen, niemand wollte den nächsten Roman, den ich geschrieben
hätte, kaufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich für mich eine Tür geschlossen, eine
andere jedoch geöffnet, nämlich Hollywood. So wurde ich Drehbuchautor und arbeitete für
Twilight Zone.
Kettlitz: Wie kam es zur Arbeit an The Beauty and the Beast?
Für diese Serie haben Sie mehr als doppelt so viele Drehbücher geschrieben.
Martin: Ich habe eineinhalb Jahre an Twilight Zone gearbeitet
und als die Serie eingestellt wurde kehrte ich nach Hause zurück und dachte mir, die
Hollywood-Sache ist vorbei. Die Produzenten von Beauty and the Beast kannten
jedoch meine Twilight Zone-Drehbücher und boten mir den Job an. Anfangs war ich
nicht daran interessiert, an einer anderen Fernsehserie mitzuarbeiten, aber dann sah ich
den Pilotfilm und stellte fest, daß darin eine Menge dramatisches Potential lag. Die
Hintergrundgeschichte war gut und die Schauspieler, die Kameraführung und die
Spezialeffekte ebenfalls. Also habe ich meine Meinung geändert.
Kettlitz: Ist das Schreiben von Drehbüchern einfacher als das
Verfassen von Romanen?
Martin: Formal sind Drehbücher einfacher zu schreiben. Letztendlich
ist es trotzdem kompliziert, denn es sind einige Schwierigkeiten zu beachten. Wenn man
einen Roman schreibt, dann schreibt man ihn für sich selbst, für die Leser, für den
Lektor, der helfen und Vorschläge machen kann, aber letztlich ist man selbst der Boss.
Aber wenn man ein Drehbuch schreibt, dann gibt es die anderen Autoren, die Produzenten,
das Studio, der Sender, den Regisseur, die Schauspieler, die Zensoren - und jeder hat
etwas zu sagen. Also muß man ändern und neu schreiben, bis alle zufrieden sind. Das kann
einen schon verrückt machen.
Kettlitz: Ihre Erzählung »Sandkings« ist als 2-Stunden-Pilotfilm
für die Serie The Outer Limits (1995) umgesetzt worden. Sind Sie mit der
Verfilmung zufrieden?
Martin: Für sich genommen ist der Film gar nicht so schlecht, auch
wenn er nicht viel mir meiner Geschichte zu tun hat. Andererseits ist mir klar, warum die
Änderungen gemacht wurden - vor allem natürlich wegen des Budgets.
Kettlitz: Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal die eher
mißlungene Verfilmung Ihrer Novelle »Nightflyers« gesehen haben?
Martin: Ich kann mich gut an »Nightflyers« erinnern, was allerdings
nichts mit der Qualität des Films zu tun hat. In der Zeit, als »Nightflyers« gedreht
wurde - ein paar Jahre nach »Armageddon Rag« - war meine Autorenkarriere am
zusammenbrechen und ich war in ernstlichen finanziellen Schwierigkeiten. »Nightflyers«
rettete damals meinen Arsch.

Foto: Anita Winkler
Kettlitz: Von 1987 bis 1995 erschienen 15 Bände der
Shared-Worlds-Serie »Wild Cards«. Wie kamen Sie auf die Idee zu den Büchern und was hat
Sie daran fasziniert?
Martin: In den frühen Achtzigern zog ich nach Santa Fe in New Mexico,
wo ich mich schnell mit einigen Autoren anfreundete, die dort wohnten: Melinda Snodgrass,
Walter Jon Williams, Victor Milan, John J. Miller. Diese Leute hatten ein
Rollenspielgruppe und ich schloß mich ihnen an. Es war ein Superhelden-Spiel und wir
hatten wunderbare Figuren. Wir spielten das Spiel eineinhalb Jahre lang und verschwendeten
eine Menge Zeit und Kreativität darauf. Irgendwann haben wir uns gefragt, wie man damit
Geld verdienen könnte, wenn wir uns schon so viel Mühe damit gaben. Ich schlug vor, eine
Shared-World-Serie daraus zu machen und wir luden einige weitere Autoren ein, die nicht zu
unserer Spielgruppe gehörten: Roger Zelazny, Lewis Shiner, Howard Waldrop und
einige andere. Wir änderten einige Details und dachten uns die Vorgaben für die
Wild-Card-Welt aus.
Wild Cards war sehr wichtig für mich, denn es war meine Verbindung zur Bücherwelt. Jedes
Jahr erschienen ein bis zwei Bücher der Serie, die ich herausgab und für die ich auch
gelegentlich Storys schrieb. So steckte ich nicht ausschließlich im Filmgeschäft,
sondern hatte auch noch ein Standbein auf dem Gebiet, aus dem ich ursprünglich kam.
Es gibt auch eine Neuigkeit: Kürzlich wurde ein neuer Vertrag unterschrieben, der besagt,
dass die alten Bücher neu aufgelegt und zwei neue geschrieben werden sollen.
Kettlitz: 1996 sagten Sie Myra Çakan in einem Interview (siehe ALIEN CONTACT
25), daß Sie bereits seit einigen Jahren an einem neuen Fantasy-Romanprojekt arbeiten. Wie lange war
das?
Martin: Ich begann 1991 an dem zu arbeiten, was jetzt schließlich A
Game of Thrones heißt. Allerdings arbeitete ich damals nicht nur an diesem Buch,
sondern eben auch an Drehbüchern und an den Wild-Card-Bänden. Bis 1995 war die Arbeit
noch nicht sehr intensiv.
Kettlitz: Wie kamen Sie auf die Idee, einen epischen Fantasy-Roman zu
schreiben? War es eine neue Herausforderung?
Martin: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt fast zehn Jahre für Hollywood gearbeitet. Eine
Fernsehfolge ist 60 Minuten lang, wenn man die Werbespots abzieht sogar nur 46 Minuten.
Bei einem Drehbuch von 120 Seiten steht man ständig unter dem Druck, sich kurzzufassen.
Außerdem ist man in Hollywood immer dem Budget unterworfen. Ich wollte stattdessen lieber
etwas teures, ausuferndes schreiben.
Kettlitz: Es gibt in A Game of Thrones und dem Nachfolgeroman
eine Unzahl von Charakteren. Wie arbeiten Sie beim Schreiben?
Martin: Teilweise habe ich die Charaktere vorher festgelegt, vieles
ergibt sich jedoch beim Schreiben. Die Geschichte entwickelte ein eigenes Leben.
Kettlitz: An der Wahl der »Top 100 SF & Fantasy List« im
Internet haben sich fast 3000 Leute beteiligt. »A Game of Thrones« ist unter den besten
SF- und Fantasy-Büchern aller Zeiten auf dem 5. Platz zu finden, noch weit vor den Werken
von Terry Pratchett, Frank
Herbert, Dan Simmons, Alfred Bester, George Orwell usw. Überrascht Sie das?
Martin: Allerdings. [Er kannte die Liste nicht und las sie kurz
durch.] Eine erstaunliche Liste. Interessant.
Kettlitz: Der zweite Band A Clash of Kings kam in die
Endrunde beim Nebula und beim Locus Award. Hat Sie der Erfolg überrascht oder hatten sie
ihn erwartet?
Martin: Ich habe das nicht erwartet. Natürlich hatte ich es erhofft,
allerdings haben Fantasy-Romane traditionell weniger Chancen bei den Preisverleihungen als
Science Fiction. Daher war ich sehr
erfreut, mit im Rennen zu sein.
Kettlitz: Die Geschichte vom Lied
von Eis und Feuer ist sehr umfangreich. Stimmt es, daß Sie das ursprüngliche
Konzept erweitert haben?
Martin: Ja. Anfangs hatte ich drei Bücher geplant, aber noch bevor
ich das erste Buch abgeschlossen hatte, stellte ich fest, daß drei vermutlich nicht
ausreichen werden. Eine zeitlang wollte ich vier Bücher schreiben, aber inzwischen
arbeite ich hart daran, daß die Geschichte nach sechs Bänden abgeschlossen ist.
Allerdings werden es in Deutschland wohl zwölf Bücher werden, oder sogar dreizehn oder
vierzehn.
Ich will nicht für immer an dieser Geschichte arbeiten und möchte irgendwann auch wieder
etwas neues beginnen.
Kettlitz: Zu Das Lied von Eis und Feuer gibt es eine
Vorgeschichte, die in Robert Silverbergs Anthologie Legends (1998, dt. Der siebte Schrein, Heyne)
erschienen ist. Gab es diese Geschichte schon vorher oder haben sie sie erst für
Silverberg erdacht?
Martin: Als Silverberg das Konzept für Legends verkaufen
konnte, arbeitete ich bereits eine Zeit lang an meiner Serie. Er kontaktierte eine Anzahl
führender Fantasy-Autoren und fragte nach
Originalstorys zu ihren bekannten Serien. Erst zu diesem Zeitpunkt schrieb ich eine
Vorgeschichte für ihn, die einhundert Jahre vor der eigentliche Handlung spielt.
Frage aus dem Publikum: Ich habe von Ihrem deutschen Agenten erfahren,
daß Sie durch Deutschland touren, allerdings nicht um zu lesen, sondern um sich
Schlösser und Burgen anzuschauen. Hat das mit der Fantasy-Serie zu tun?
Martin: Teilweise schon, zur Recherche. Ich mag Schlösser. In Amerika
gibt es sowas nicht, und mein Besuch in Deutschland ist eine wunderbare Gelegenheit,
einige zu besichtigen. Das Mittelalter fasziniert mich. Das Gefühl, wenn man diese Orte
besucht, können Bücher nicht vermitteln. Das hilft mir beim Schreiben. Ich hoffe, daß
ich auch einige römische Ruinen besuchen kann.
Kettlitz: Autoren epischer Fantasy werden immer oft mit Tolkien verglichen.
Ärgert Sie das?
Martin: Tolkien war der Schöpfer der modernen Fantasy. Es ist eher
ein Kompliment, im gleichen Atemzug mit ihm genannt zu werden. Es git schlimmere Leute,
mit denen man verglichen werden könnte.
Frage aus dem Publikum: Jemand hat behauptet, in Amerika würde sich
Fantasy nicht sehr gut verkaufen. Stimmt das?
Martin: Nein. Die Verkaufszahlen der Hardcoverausgabe von A Game
of Thrones waren enttäuschend. Rückblickend glauben einige Leute, daß es am Cover
gelegen haben könnte. Als der Roman erstmals bei Bantam erschien, war zunächst ein sehr
traditionelles Fantasy-Cover geplant, also eine Illustration einer Szene aus dem Buch,
worauf ein Mann auf einem Pferd mit Lanze und Banner zu sehen war, sowie im Hintergrund
eine Burg mit einer Frau, die auf ihn wartet. Aber bei Bantam war man der Meinung, daß
das Buch das Potential hat, über das traditionelle Fantasy-Publikum hinaus Leser zu
finden. Also wurde das ursprüngliche Cover verworfen und schließlich nur für einen
Vorabdruck und später für die schwedische Ausgabe verwendet. In Amerika wurde es durch
ein silbern spiegelndes Foliencover ersetzt, das einen stilisierten Thron enthielt und
sonst nur typographisch gestaltet war, mit riesigen Buchstaben. So wie sonst die
Bestseller aussehen, um zu zeigen, daß es sich hier nicht um ein Genre-Buch handelt.
Viele amerikanische Bestseller haben typographische Cover, die nur den Titel und den
Autorennamen zeigen, man kennt das von John Grisham, Stephen King oder Robert Ludlum. Und
folgendes passierte: Die Ludlum-Leser nahmen es in die Hand und stellten enttäuscht fest,
daß es Fantasy war. Die Fantasy-Leser hingegen nahmen es gar nicht erst in die Hand, weil
es nicht wie Fantasy aussah. Die gebundene Ausgabe verkaufte sich eigentlich nicht
schlecht, allerdings erfüllte sie nicht die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen.
Als das Taschenbuch erschien, waren auf dem Cover ein Mann auf einem Pferd, ein Wolf und
eine Burg zu sehen. Und es verkaufte sich wie verrückt. Bei den nächsten Bänden hat man
sich für die Hardcover-Veröffentlichung für einen Kompromiß entschieden und hat dem
silbernen Foliencover zumindest eine kleine Fantasy-Illustration hinzugefügt.
Kettlitz: Für Fantasy
ist Das Lied von Eis und Feuer untypisch, denn es gibt darin sehr wenig Magie.
Martin: Das stimmt. Ich denke, als Autor mit der Magie umzugehen ist
der schwierigste Teil beim Verfassen von Fantasy. Wenn man sich Tolkiens Bücher ansieht,
findet man dort auch sehr wenig Magie, sie bleibt eher im Hintergrund, wird nur
angedeutet. Gandalf verschießt weder Blitze mit seinen Fingern, noch reitet er auf einem
Besenstiel umher oder verwandelt irgendjemanden in eine Kröte. Das wäre schlechte
Fantasy.
Kettlitz: Im Internet gibt es unter der Adresse www.mandala.net/grrmartin
eine sehr ausführliche Homepage. Haben Sie daran selbst mitgearbeitet?
Martin: Nein, ich habe leider keine Zeit, Homepages zu entwerfen. Aber
ich bin froh, daß es andere für mich machen.
Eine gekürzte Version dieses Interviews ist in ALIEN CONTACT 40 erschienen. |