The phantastic Worlds of Science Fiction Roman - Leseprobe

Maureen F. McHugh

ABC Zhang

China Mountain Zhang • 1992 • Leseprobe

Science Fiction
Stories & Romane
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Ich bin arbeitslos.
   Der Mann, der mir das Bewerbungsformular aushändigt, sagt: »Das haben Sie bestimmt schon mal ausgefüllt.« Es ist als Frage gemeint. Aber er blickt nicht auf, um meine Reaktion zu sehen, also sage ich nichts. Ich hoffe, dass mein Sachbearbeiter waiguoren ist, kein Chinese. Falls doch, dann zumindest ein huaqiao, so wie ich. Jemand, der wie ich in Amerika geboren ist, wird wahrscheinlich mehr Verständnis haben, es sei denn, er muss beweisen, dass er genauso unnachgiebig ist wie ein Chinese mit Staatsbürgerschaft. Natürlich gibt es Unterschiede, aber ich habe immer den Eindruck, dass die Chinesen die Schlimmsten sind.
   Ich sitze in einer Nische. Familienname: Zhang. Vorname: Zhong Shan. China Mountain Zhang. Meine dämliche Mutter. Es ist eindeutig ein huaqiao-Name, genauso gut hätte sie mich Wladimir Lenin Smith oder Karl Marx Johnson nennen können. Zhong Shan, im Westen besser bekannt unter dem Namen Sun Yat-sen, einer der ersten Anführer der großen chinesischen Revolution, von Anfang an dabei, während der tugendhaften Tage. Der Mann, der den Himmel stützte wie ein Berg. Ironie.
   Aber immer noch besser als Rafael Luis.
   Ich trage meine Adresse ein, eigentlich Peters Adresse auf Coney Island, da ich selbst Ohne festen Wohnsitz bin. Wer arbeitslos ist, kann sich den dekadenten Luxus der Mietzahlung an Hausbesitzer nicht leisten. Man muss sich entweder in staatlichen Unterkünften einquartieren lassen oder bei Freunden oder Familienangehörigen unterkommen. Bei Peter wohne ich seit fast sechs Monaten. Bald muss ich einen Antrag auf staatliche Unterkunft stellen, ich kann nicht ewig bei Peter wohnen. Nach Virginia umzuziehen ist nicht so schlimm, die Fahrt bis zur Journal Square Station in New Jersey dauert nur neunzig Minuten, zahllose Menschen fahren diese Strecke täglich. Für Arbeitslose ist der Zug außerhalb der Hauptverkehrszeiten kostenlos.
   KENNDEX: 415-64-4557-zs816. Berufsbezeichnung: Bautechniker. Job-Index: Comex Construct, 65997. Comex Construct will jemanden mit Verwaltungserfahrung, die ich nicht habe, dafür habe ich drei Jahre Bauerfahrung. In der Schule wollte ich Ingenieur werden, meine Mathematikzensuren waren gut, aber in meinem Jahrgang gab es keine freien Plätze. Anstelle des Bakkalaureats der Naturwissenschaften habe ich nur ein Zertifikat als Techniker.
   Ich sollte nebenher studieren, autodidaktisch, und das Examen nachholen. Das sollte ich wirklich. Wenn ich einen Job bekomme und wieder eine eigene Wohnung habe, werde ich abends nach der Arbeit vielleicht studieren, seltener ausgehen und Zeit und Geld sparen. Das habe ich mir schon öfter vorgenommen, jedes Mal, wenn ich arbeitslos war.
   Ich reiche dem Mann am Tresen das ausgefüllte Bewerbungsformular, er blickt kurz zu mir auf, seine Lippen bewegen sich, während er meine Daten ins Netz eingibt und abspeichert. Dann löst er den Kontakt an seinem Handgelenk. »Nehmen Sie Platz«, sagt er. Ich setze mich und lese meine Zeitung. Das Wartezimmer ist groß, groß genug für eine Cafeteria oder etwas Ähnliches. Außer mir warten ziemlich viele Menschen, zwanzig oder dreißig, doch sie verlieren sich in diesem Raum. Während ich lese, reichen noch mehr Leute ihre Bewerbungen ein, andere werden zu Vorstellungsgesprächen hereingerufen. Ich will auf die Uhr schauen, aber wozu? Zeit spielt keine Rolle, ich bin arbeitslos.
   Trotzdem fällt mir auf, dass über eine Stunde vergeht, ehe ich aufgerufen werde. Mein Gegenüber ist eine Frau, eine huaqiao, da bin ich mir sicher. Aus China stammt sie bestimmt nicht, sie sieht zu sehr wie eine New Yorkerin aus.
   »Zhang«, sagt sie auf Englisch. »Für die Stelle, auf die Sie sich bewerben, haben Sie nicht genügend Verwaltungserfahrung.« Ihr Haar ist glatt zurückgebunden und glänzt wie lackiert. Ein rotes Band hält es im Nacken zusammen und der kurze Pferdeschwanz bildet ein »C«.
   Ich nicke.
   Sie blickt auf den Monitor vor ihr auf dem Schreibtisch. »Sie haben zwei andere Angebote ausgeschlagen.«
   »Ich hatte gehofft, in New York bleiben zu können«, sage ich. Der eine Job war in Maryland, der andere in Arizona. Wenn ich noch eine Alternative ablehne, erhalten meine Akten einen entsprechenden Vermerk. Vielleicht hat sie keine Alternativen.
   Sie sagt zu mir auf Mandarin: »Sind Sie aus New York?« Sie ist eindeutig huaqiao, sie spricht mit New Yorker Akzent.
   »Ich bin aus Brooklyn«, sage ich.
   »Ich bin auch aus Brooklyn«, sagt sie. »Gefällt Ihnen Coney Island?«
   »Ich wohne bei einem Freund, aber es gefällt mir weit besser als ich dachte«, sage ich. »Wenn ich wieder Arbeit habe, will ich mir dort eine Wohnung suchen.«
   »Ich spiele mit dem Gedanken, einer Kooperative beizutreten«, sagt sie.
   Wie nett! Ein so persönliches Bewerbungsgespräch habe ich noch nie erlebt. Zweifellos liegt das an der Adresse, aber vielleicht gibt sie mir den Job. Ich mustere sie. Sie konzentriert sich und nagt an der Unterlippe. Sie hat Falten in den Augenwinkeln, aber die Art, wie sie die Stirn kraust, lässt sie sehr jung aussehen.
   Seufzend sagt sie schließlich: »Bukeqi, tongzhi.« Tut mir Leid, Genosse. »Ich kann Ihnen den Job nicht geben. Ihre Verwaltungserfahrung reicht nicht aus.« Ihre freundlichen Worte mildern den Schock.
   Ich nicke. Ich verstehe. Ich danke ihr.
   »Ich will einmal nachsehen, was neu reingekommen ist«, sagt sie. »Manche Stellen werden nicht im Netz ausgeschrieben.« Sie ist selbst geknickt, sie möchte mir helfen.
   Es ist reine Freundlichkeit, ich sollte nichts erwarten, aber ich mache mir trotzdem Hoffnungen. Sie ist froh, etwas für mich tun zu können. Ich sehe ihr zu, wie sie die verschiedenen Einträge abruft. Sie hält plötzlich inne und meine Hoffnung steigt. Doch kaum hat sie die Ausschreibung durchgelesen, geht sie mit ausdrucksloser Miene zum nächsten Eintrag über. Nach jedem Tastendruck schüttelt sie kurz den Kopf. Ihre Lippen sind rosig wie ein Puppenmund. Sie schimmern wie Satin. Plötzlich läuft ihr Gesicht rot an, sie ist nicht mehr so glücklich. Irgendetwas stimmt nicht. Eine Alternative, keine gute, da bin ich sicher. Sagen Sie nichts, denke ich, übersehen Sie sie einfach.
   Sie strafft die Schultern. »Zhang, ich habe hier eine Stelle, die Ihren Voraussetzungen entspricht«, sagt sie auf Englisch. Sie nennt das Gehalt, es ist dreimal so hoch wie mein letztes. Sie schaut mich nicht an. »Es handelt sich um eine Arbeit in einem Forschungszentrum, das Gehalt ist hoch, weil Sie vor Ort wohnen müssen, aber es ist ein Sechs-Monats-Vertrag mit der Option, ihn zu verlängern oder zu erneuern.«
   »Wo ist die Stelle?«, frage ich.
   »Baffin Island.«
   Baffin Island? Wo zum Teufel ist Baffin Island?
   »Eine Insel am Polarkreis.« Sie ist plötzlich kurz angebunden, reicht mir eine Karte mit weiteren Informationen und weicht meinem Blick aus. »Sie haben achtundvierzig Stunden Bedenkzeit, wenn ich Sie vormerken soll, sonst riskieren Sie, dass Ihnen jemand zuvorkommt, während Sie noch darüber nachdenken.«
   »Nicht nötig«, antworte ich.

(...)

Zwei Wochen später, in der ersten Oktoberwoche, sitze ich in einem Hubschrauber. Vor fünf Stunden bin ich in Montreal umgestiegen. Weil ich nur eine Viertelstunde Zeit hatte und die Maschine fast ohne mich abgeflogen wäre, quäle ich mich seither mit der Sorge, ob mein Gepäck auch verladen wurde. Wir werden in Hebron, auf Labrador landen. Labrador gehört, wie ich erfahren habe, zur Provinz Neufundland. Ich habe bereits meinen ersten Neufundi-Witz gehört. In Hebron gibt es noch diese alten Kanaldeckel, die mit einem Stemmeisen aufgewuchtet werden können. Ein Neufundi hüpft auf einem Deckel auf und ab und ruft bei jedem Sprung: »Siebenundsechzig! Siebenundsechzig!« Ein Geschäftsreisender kommt vorüber und bleibt verwundert stehen. Der Neufundländer winkt ihn heran und erklärt, er würde auf diese Weise Stress abbauen. (Er spricht Neufundi-Dialekt, jeder Satz endet mit »ay?«) Er fordert den Geschäftsmann auf, es selbst einmal zu versuchen. Nach kurzem Zögern stellt der sich auf den Kanaldeckel, springt in die Luft und sagt: »Siebenundsechzig!«
   Der Neufundi meint, er müsse es mit mehr Hingabe tun (ay), richtig laut schreien. Der Geschäftsmann springt und brüllt: »Siebenundsechzig!« Es macht ihm sichtlich Spaß. Er springt höher und brüllt: »Siebenundsechzig!«, immer lauter, bis er ganz rot im Gesicht ist. Seine Jackenschöße flattern auf und ab. Schließlich springt er hoch in die Luft, der Neufundi zieht ihm den Deckel unter den Füßen weg. Der Geschäftsmann verschwindet im Loch. Dann schiebt der Spaßvogel den Deckel zurück, hüpft darauf auf und ab und ruft: »Achtundsechzig!«
   Ich frage mich, was die Buffies wohl mit Amerika-Chinesen machen.
   Der Flugplatz von Hebron ist klein, dort wird fast nur Frachtgut umgeschlagen. Es gibt hier keine Boutiquen, keine fliegenden Händler, die auf Touristen Jagd machen. Die Grenze zwischen Flughafen und Stadt ist fließend. Die Stadt selbst besteht aus uralten Fertighäusern (die auf Lastwagen transportiert und vor Ort zusammengesetzt werden), doch die Häuschen sind mit Anbauten versehen und frisch gestrichen, zum Teil in leuchtenden Farben, und stellenweise schmuckvoll verkleidet mit rotem Aluminium und Plastikteilen. Der Gesamteindruck ist armselig und überaltert, dafür sieht alles sehr, sehr echt aus. Ich glaube, es gefällt mir. Es gibt ein einziges kleines Restaurant. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass mein Gepäck mitgekommen ist, gehe ich in das kleine Restaurant. Es wird von Thais geführt, was mich überrascht, aber thailändische Restaurants gibt es wahrscheinlich überall. Ich bestelle Thai-Moo Shu, und man bringt mir einen Pfannkuchen, gefüllt mit Schweinefleisch, Kohl und einer würzigen Kokosnusssauce. Die mit einem Fliegennetz bespannte Hintertür führt in einen Hof, der anscheinend als Autowerkstatt genutzt wird. Ein grauweißer Hund mit blassen Augen liegt angekettet vor einer Hütte aus blau eloxiertem Aluminium. Aber das Essen schmeckt genauso wie in den winzigen Garküchen in New York. Das Restaurant ist voller Männer und Frauen in Overalls. Ich habe das Gefühl aufzufallen, hier scheint jeder jeden zu kennen, aber Bier und Essen geben mir eine gewisse Sicherheit.
   Vielleicht gibt es auf Baffin Island auch ein Thai-Restaurant. Wenn ja, werde ich wahrscheinlich sechs Monate lang tagtäglich dort zu finden sein.
   Es geht mit einem Hubschrauber weiter, der kleiner ist als der, der mich nach Hebron gebracht hat. Ich bin der einzige Passagier. Ich stelle mir Baffin Island so ähnlich wie Hebron vor. Um acht Uhr in der Frühe habe ich New York verlassen. Wir landen um 19 Uhr 22 an der Borden-Station auf Baffin Island.
   Durch die geöffnete Tür schlägt mir erschreckend kalte Luft entgegen, gefolgt von einem erschreckend kalten Windstoß, der nach Salzwasser riecht. Es ist minus drei Grad und bereits finsterste Nacht. Außer der Crew, die den Hubschrauber festmacht, ist niemand zu sehen. Helles, weißes Flutlicht beleuchtet den Hubschrauber und wirft lange, insektengleiche Schatten in drei Richtungen. Das einzige Gebäude, das ich sehe, ist die Forschungsstation. Ich blicke mich um, suche nach einer Stadt oder Siedlung, doch es ist zu kalt, um länger Ausschau zu halten. Gemeinsam mit dem Piloten und dem Copiloten gehe ich über die Asphaltpiste auf die Station zu. »Es wird früh dunkel«, sage ich.
   Der Pilot sagt: »Sonnenuntergang war heute um 15 Uhr 10.« Fünf Uhr, denke ich und muss mich korrigieren. Drei Uhr. Sonnenuntergang um drei. Wir sind nördlich des verfluchten Polarkreises.
   In der Station sind die Wände weiß und glatt, der Teppichboden ist blau, sehr gepflegt, überhaupt nicht schäbig. Die großen Fenster blicken auf der einen Seite auf die Tundra hinaus, auf der anderen über den Lancaster-Sund. Das Eis am Ufer ist weißer als der weißeste Sandstrand, und die offene See schimmert wie schwarzes Glas.
   Auf den ersten Blick halte ich die Frau, die mich empfängt, für eine Chinesin. »Hallo. Sie sind Zhang Zhong Shan?«, sagt sie. »Ich bin Maggie Smallwood. Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.«
   »Einfach Zhang«, sage ich. Maggie ist gebürtige Amerikanerin, wahrscheinlich Eskimo. Sie hat ein rundes Gesicht und schräg stehende Augen. Auf dem Weg zu meinem Zimmer schwatzt sie mit mir, sie ist diejenige, die mir erklärt, dass die See dort draußen der Lancaster-Sund ist. Sie benutzt Begriffe, die ich noch nie gehört habe: Polayna, Beluga, Cetacea. Irgendwann komme ich dahinter, dass sie von Walen spricht.
   »Beschäftigen Sie sich mit Walen?«, frage ich.
   Sie lacht. »Entschuldigung, wir studieren die Wanderwege und Paarungsriten der Beluga.« Sie schwatzt munter weiter, während sie die Tür zu meinem Zimmer aufschließt. Es sind sogar zwei kleine Zimmer, im vorderen Zimmer stehen ein Schreibtisch und zwei Stühle, im hinteren ein Wandschrank und ein Bett. Dahinter befindet sich das Bad. Es gibt keine Küche. Ich habe eine Wohnung erwartet, das hier gleicht eher einer Studentenbude.
   »Sie haben bestimmt Hunger«, sagt sie. »Ich zeige Ihnen, wo die Cafeteria ist.«
   Die Cafeteria ist voller Leute, die sich unterhalten, Karten spielen oder Vid schauen. Zu essen gibt es nur Mikrowellenkost, doch Maggie erklärt mir, dass Frühstück und Abendessen frisch zubereitet werden. Die Verpflegungskosten werden mir vom Gehalt abgezogen, aber das Essen ist billig. Wir setzen uns zu einer Gruppe von Verhaltensforschern: Jim Rodriguez, bärtig und mit glatten, hellbraunen Haaren; Eric Munch, blond, wenn auch nicht ganz so blond wie Peter, ebenfalls bärtig; Janna Morissey und Karin Webster (die eine hat braune Locken, die andere glatte, kurze Haare, aber ich kann mir nicht merken, wer wer ist, obwohl ich mir merke, dass die Gelockte ein schmales Gesicht hat und eine anstrengende Gesprächspartnerin ist und dass sich die Kurzhaarige gerne schick anzieht. Ich habe ein entsetzliches Namensgedächtnis).
   »Ihr Englisch ist sehr gut«, sagt Eric. »Sind Sie nicht in New York angeheuert worden? Wie lange leben Sie schon in New York?«
   »Mein ganzes Leben«, antworte ich. »Ich bin ein ABC
   Das verstehen sie nicht.
   »ABC«, erkläre ich. »Ein in Amerika geborener Chinese. Ich stamme aus Brooklyn.«
   Sie lachen, sie haben die Abkürzung noch nie gehört. Verwundert schüttle ich den Kopf.
   Es sind allesamt Kanadier. Sie sind auf sympathische Weise naiv. In Kanada leben nur wenige Chinesen, weil in Kanada keine sozialistische Revolution stattgefunden hat, es ist immer noch eine konstitutionelle Monarchie. So ähnlich war es wahrscheinlich in den Vereinigten Staaten vor der Revolution. Sie wollen wissen, ob ich Chinesisch spreche und wie es kommt, dass ich in New York geboren bin. Fast hätte ich gesagt, dass nur mein Vater Chinese ist und meine Mutter Spanierin, aber ich halte den Mund. In meiner Bewerbung steht mein chinesischer Name. Ich werde mich nicht um die Vorteile bringen, die es hat, Chinese zu sein, nicht einmal hier.
   Sie sind alle sehr nett und informieren mich über die Forschungsstation. Ich erzähle meinen Neufundi-Witz und alle erzählen Neufundi-Witze.
   »Wie weit ist es bis in die Stadt?«, frage ich und denke an Hebron.
   »Was meinen Sie damit?«, fragt Janna oder Karin zurück (die mit den kurzen Haaren).
   »Die Stadt, Borden. Wie weit ist es bis dahin?«
   Jim sagt: »Das hier ist Borden. Es gibt hier nichts außer der Station.«
   Sie lachen über mein Gesicht.

(...)

Abends studiere ich Ingenieurwesen, und auf einen Brief ans Büro für Ausbildungsfragen bekomme ich die Antwort, dass Arbeiter unter fünfunddreißig Jahren, die für mindestens ein Jahr besonders schwere Arbeiten auf sich nehmen, bei der Bewerbung für ein Studium in China bevorzugt behandelt werden und, wenn nötig, auch mit einer Studienbeihilfe rechnen können.
   In China auf die Schule gehen. Chinesische Staatsbürger könunen eine Aufnahmeprüfung machen, und zehn Prozent der Studienplätze sind Chinesen aus Übersee und Fremden vorbehalten, von denen diejenigen angenommen werden, die bei der Prüfung am besten abschneiden. Mit einem Ingenieurdiplom aus China wäre ich ein gemachter Mann. Ich würde überall Arbeit finden, in New York, vielleicht sogar in China. Ich würde wahrscheinlich sogar eine Daueranstellung finden, mir würde eine gute Unterkunft zugeteilt, und vielleicht könnte ich nach einigen Jahren nach Manhattan ziehen. Das wäre ein Glück wie sechs Richtige im Lotto. Ich beginne damit, die Mathematiktexte aus der Bibliothek anzufordern, um mich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten.
   Ich bin fast täglich damit beschäftigt, die Halsey-Station auszubauen, während die anderen ihre Aufzeichnungen überprüfen und Beobachtungen anstellen. Maggie Smallwood sagt, dass es erst im Frühjahr richtig losgeht, wenn die Beluga und die Grönlandwale sich paaren. Dann, sagt sie, ist im Sund ständig etwas los. Schon jetzt zieht das Licht Plankton an und das Plankton Fische. Alle sind nett, alle sind freundlich, aber distanziert. Sie sind Wissenschaftler, sie haben eine Berufung. Ich bin ein Sechs-Monate-Techniker und, wenn das auch niemand laut sagen würde, Arbeiterklasse. Muskeln statt Hirn.
   Trotzdem, manchmal stehe ich mit meiner Tasse Kaffee da und höre zu, wenn sie über ihre Arbeit sprechen. Wenn Janna jemanden braucht, der für sie Flaschen etikettiert, helfe ich ihr gerne. Wenn Jim Probleme mit dem Mikro seines Raumanzugs – Entschuldigung, seines KA – hat, finde ich den Fehler am Receiver und behebe ihn mit den Spezialwerkzeugen aus dem Labor. Eric hat keinen Platz für das ganze Werkzeug, das er in Reichweite haben muss, und ich montiere eine Werkzeugleiste über seinem Labortisch, so wie Köche ihre Töpfe und Pfannen in der Küche aufhängen, um sie stets griffbereit zu haben. Für Karin baue ich eine bewegliche Halterung für Wasserproben, die sie je nach Bedarf hoch- und runterlassen kann, damit die Proben ihr nicht im Weg sind, wenn sie den Platz zum Arbeiten braucht. Bald werde ich ständig um irgendwelche Gefälligkeiten gebeten und bin die ganze Zeit beschäftigt.
   Dann kehren wir im Dunkeln zum Stützpunkt zurück, und der Abend ist dunkel, und morgens wachen wir auf und es ist dunkel, und da wir die Tage meistens in Halsey unter dem Eis verbringen, sehe ich das Sonnenlicht nur als blaues Schimmern, das durch ein Meter dickes Eis dringt. Alle paar Wochen muss ich den Turm von der Eiskruste befreien und abgerissene Sprossen ersetzen – ich komme nie zu meinen Kletterstiefeln –, und obwohl ich mich an das Krachen und Ächzen im Eis nicht gewöhnen kann, freue ich mich jedes Mal darauf, weil ich es zur Mittagszeit mache, wenn die Sonne über dem Horizont steht und das Eis blendend weiß leuchtet und ich das Gefühl habe, von Licht umgeben zu sein. Wenn es nach zehn ist und jemand erwähnt, etwas im Gleiter vergessen zu haben, bin ich der Erste, der sich freiwillig meldet.
   »Fehlt dir die Sonne nicht?«, frage ich Maggie Smallwood. Maggie sieht wie eine Chinesin aus, aber sie benimmt sich nicht wie eine Chinesin. Sie benimmt sich wie eine Kanadierin.
   Sie denkt kurz nach und betrachtet die schwarzen Fenster. »Ja, ein bisschen. Aber nach dem Sommer ist es angenehm, wenn es mal wieder dunkel wird.«
   Sommer. Im Juli geht die Sonne niemals unter. »Ist es im Sommer warm?«, frage ich.
   »Klar«, sagt sie. »Dann wachsen Gräser und Blumen, und die Karibus kalben. Du wirst es erleben. Moment, wahrscheinlich nicht, du bist im April wieder weg, oder?«
   »Ich weiß nicht«, sage ich. »Kommt drauf an, was aus dieser Schulsache in China wird.«
   »Prima«, sagt sie, in Gedanken woanders. »Schau mal, der Seehund dort.«
   Vorm Fenster gleitet ein Seehund vorbei, grau und schlank, mit einem schönen Kopf wie eine Katze. Die großen, mandelförmigen Augen sind auf das Licht gerichtet. Maggie wendet mir ihr rundes Eskimogesicht zu und strahlt. »Ist er nicht wundervoll?«
   Es ist das erste Mal, dass ich einen lebendigen Seehund zu sehen bekomme. »Ja«, sage ich, und dann, ohne nachzudenken: »Sehen die alle so traurig aus?«
   Sie wirft mir einen seltsamen Blick zu, antwortet aber nicht.
   Anfang November stehen wir um 12 Uhr 54 auf dem Eis und betrachten den Sonnenaufgang. Der Rand der Sonnenscheibe blitzt für eine knappe Minute über den Horizont und geht dann unter. Der rote Himmel verfinstert sich wieder. Morgen wird sich der Himmel röten, als ob die Sonne aufgeht, doch es wird dunkel bleiben. Dies ist der Vorabend einer langen Nacht. Erst im Februar wird die Sonne wieder aufgehen. Die arktische Landschaft ist wunderschön bei Nacht.
   Bloß ist sie für Menschen nicht geschaffen.
   Maggies Volk lebt seit Generationen hier. Sie sagt, ich solle mir wegen der Finsternis keine Sorgen machen, schlägt mir aber eine Lichttherapie vor, also lasse ich mich in der Klinik einmal pro Woche eine halbe Stunde mit künstlichem Tageslicht bestrahlen. Ich komme mir albern vor, während ich wie ein Sonnenanbeter unter den Lampen liege, doch die Ärztin erklärt mir, dass jeder Mensch anders auf Licht reagiert. »Leiden Sie im Januar unter Depressionen?«, fragt sie.
   Peter behauptet, ich würde unter Depressionen leiden, wenn ich einen U-Bahn-Anschluss verpasse. »Nicht dass ich wüsste«, antworte ich. »Aber meine Freunde halten mich für launisch.« Ich lächle entschuldigend.
   Sie lächelt zurück und sagt: »Warum sind Sie hierher gekommen?« Mir wird bewusst, dass mir während der vergangenen zwei Monate eine Menge Leute diese Frage gestellt haben.
   Ich lerne auf meine Ingenieurprüfung, während ich in Unterwäsche die Tageslichtbestrahlung genieße.
   Ich arbeite auf der Baustelle im ersten Stock, während die anderen im dritten Stock in den Labors arbeiten.
   Ich komme also zurecht und die Leute sind nett, wenn auch distanziert, und es ist nur für ein Jahr. Es ist eine irre Erfahrung, und wenn ich wieder in New York bin, werde ich sagen können: »Als ich am Polarkreis war…«
   Eines Tages sagt Jim zu mir: »Ich muss raus aufs Eis. Kommst du mit? Ich könnte Hilfe gebrauchen.«
   Besonders viel Lust habe ich nicht, ich will nicht den ganzen Tag in Halsey verbringen. Ich werde um eine Erfahrung reicher sein. Die Zeit wird schneller vergehen. Also schleppen wir die Ausrüstung zum Gleiter und fahren los. Wir werden ein paar Messgeräte im Wasser deponieren oder im Eis verankern. Wir werden noch am Morgen fertig sein.
   Morgen. Erst im Februar wird es wieder Morgen werden. Der Morgen ist für mich eine finstere Tageszeit geworden. Ich warte ständig darauf, dass es hell wird. Die Ärztin meint, es sei wichtig, ein Ziel zu haben, etwas, worauf man sich konzentrieren kann. Vielleicht sind die Wissenschaftler deshalb weniger anfällig für Depressionen, weil sie eine Obsession haben, und die gestaltet ihre Umwelt, ihre Eigenwelt. Wir leben in demselben physikalischen Raum, doch emotional legen wir uns diesen Raum unterschiedlich zurecht. Maggie Smallwood sagt, dass ihre Vorfahren aus dem Gedächtnis grandiose Karten zeichnen konnten, ihre Jagdgründe darauf aber immer überproportional groß abgebildet waren. Das lag daran, dass in ihrer Umwelt dies die Gebiete waren, in denen sie ihr Leben lebten, und alles andere im Verhältnis dazu gedacht wurde. Ich glaube, wenn Maggie eine Karte zeichnen müsste, würde der Sund, wo ihre geliebten Wale leben, den weitaus größten Teil beanspruchen. Ihr ganzes Leben ist um Wale herum organisiert. In ihrem Labor ordnet sie ihre Informationen über Wale, also sind die Wale irgendwie auch dort. Wenn sie verreist, muss sie ihre Wale verlassen, ihre gewohnte Welt. Sie würde wahrscheinlich Heimweh bekommen.
   Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich keine Wale, ich sehe Dunkelheit. Diese Gegend gehört nicht einmal zu meiner Umwelt. Während ich mit Jim über das Eis gleite, blicke ich auf das leere Land hinaus. Seit sechs Tagen steht der Vollmond am Himmel. Er geht weder unter noch auf. Mal ist er im Osten zu sehen, mal im Norden, mal im Westen. Kaum zu glauben, dass wir auf der Erde sind.
   So weit habe ich mich noch nie von der Borden-Station entfernt. Ich rede mir ein, dass das keine Rolle spielt, Jim macht es nicht zum ersten Mal, wir werden zurückfinden. Zur Not könnte ich zu Fuß übers Eis zurücklaufen. Mir wird bewusst, dass mir das an diesem Morgen egal ist. Ich bin zu müde, als dass mir etwas nicht egal wäre. Ich bin einfach dabei.
   Unterdessen erklärt mir Jim, dass das Eis, auf dem wir uns befinden, »Festeis« heißt, weil es uferfest ist, was bedeutet, dass es mit dem Ufer verbunden ist. Bald werden wir eine Wasserrinne überqueren und auf »Packeis« hinausfahren, das auf dem Wasser treibt. Vor uns geht das Eis abrupt von Weiß in Schwarz über. Während wir näher kommen, changiert das Eis zwischen Blauweiß – im Mondlicht – und Grau. Der Gleiter lässt einen langen, dunkelgrauen Streifen zurück, und dann überqueren wir das schwarze Eis. Jim schreit über das Rauschen des Gleiters hinweg: »Die Rinne«. Wir befinden uns über offenem Wasser. Dahinter liegt noch mehr Eis, rau und aufgewühlt, ganz anders als das Eis, das wir gerade überquert haben. Frei schwebend. Wir gleiten weiter und ich erkenne zwischen uns und diesen Erhebungen eine flache Eisfläche. An der Abbruchkante schieben sich flache graue Schollen übereinander. »Nillis-Eis«, sagt Jim. »Wenn es zu diesen Verwerfungen kommt, sprechen wir vom ›Fingerflößen‹.«
   Weshalb?
   Jim schlägt eine andere Richtung ein, und während der nächsten zwanzig Minuten folgen wir der Wasserrinne nach Westen. Von den Armaturen liest er unsere Position ab und macht schließlich den Motor aus. Gemeinsam hieven wir das erste Messgerät über Bord – mit seinen Schwanzflossen und der spitz zulaufenden Nase sieht es aus wie ein altmodischer Torpedo. Es verschwindet im Wasser, sinkt steil nach unten und verankert sich im Grund, um die Fauna der Gegend aufzunehmen. Jim bringt den Gleiter wieder auf Touren, das schwarze Wasser schäumt auf und wir schlagen einen weiten Bogen in die entgegengesetzte Richtung, nach Osten. Der Vollmond hängt über uns und die Sicht ist gut, aber die Entfernungen lassen sich nur schwer abschätzen. Ich weiß, dass wir auf dem Hinweg mehr als einen Kilometer über offenes Wasser gefahren sind, doch die Eisküste scheint zum Greifen nah zu sein.
   Jim schwenkt nach Norden ein, in Richtung auf das Packeis, doch ehe wir es erreichen, vergehen zwanzig Minuten, dann befinden wir uns wieder über einer flachen Eisschicht. Der Gleiter schwankt leicht. Hier liegt kein Schnee, so weit nördlich ist alles Wüste, es schneit nur selten. Wir gleiten über eine bläulich weiße Eiszunge, und dann ist es, als führen wir über eine sturmdurchpflügte See, so rau ist das Gelände. Jim fährt schnell, aber steuert vorsichtig, der Gleiter könnte eine Eisspitze rammen. Wir gleiten eine Eiszunge hinauf –
   Mir dreht sich fast der Magen um, als wir jenseits des Kamms anderthalb Meter tief absacken. Unwillkürlich stoße ich einen Schrei aus und suche Halt. Jim sieht mich verwundert an. Er lenkt seitlich aufs Wasser hinaus und bremst ab. Wenig später entdeckt er eine Lücke im Packeis, und wir fahren wieder in nördlicher Richtung, vorsichtiger diesmal.
   Ich verliere kein Wort. Auch Jim sagt nichts.
   Wir befinden uns auf Packeis, als Jim meint: »Wir sind nah genug dran. Schneid ein Loch, aber beeil dich, das Eis drängt nach Osten.«
   Ich steige aus und er reicht mir den Schneidbrenner. Von einer Bewegung ist nichts zu spüren. Ich habe den Eindruck, festen Boden unter den Füßen zu haben. »Wie schnell treiben wir ab?«, frage ich.
   »Keine Ahnung«, sagt er. »Packeis bewegt sich sehr unregelmäßig. Keine Sorge, der Gleiter weiß genau, wo wir uns befinden.«
   Ich habe mir gar keine Sorgen gemacht, aber wenn jemand sagt, ich soll mir keine Sorgen machen, werde ich hellhörig. Ich muss ein Loch ins Eis schneiden, ungefähr dreißig Zentimeter im Durchmesser. Das wird ein paar Minuten dauern. Ich mache mich mit dem Schneidbrenner an die Arbeit. Jim hievt derweil das Messgerät aufs Eis.
   Ich schneide durch dreieinhalb Meter Eis, bevor ich das Wasser erreiche. Dass der Schneidbrenner überhaupt durchkommt, ist erstaunlich. Meine Arme werden müde davon, dass ich ihn die ganze Zeit genau über dem Loch halten muss. Jim hievt das Messgerät ins Loch und lässt los. Wir hören, wie es weiter unten ins Wasser platscht.
   »Eins noch«, sagt er. »Komm.«
   Ich steige hinter ihm ein. »Auf offenem Wasser?«, frage ich.
   »Keine Ahnung«, sagt er.
   Ich kann nur hoffen.
   Wir gleiten über das Packeis, aber langsam, denn die Rinnen, die wir finden, schließen sich vor uns. Es weht ein starker Wind und wir können zusehen, wie das Wasser grau wird. So etwas habe ich noch nie gesehen. Mir ist nicht kalt, nicht in meinem Anzug, aber ich spüre den Wind.
   Jim ist vorsichtig, langsam steigen wir über Eisbrüche hinweg. Er spricht von »dichtem Pack« und liest immer wieder unsere Position von den Armaturen ab. Mir scheint, als würden wir diagonal abdriften, und ich frage, ob es nach Süden geht. Nein, sagt er. Das Eis dreht rund dreißig Grad vom Wind ab. Wir hüpfen über schmale Rinnen hinweg, und er beschleunigt auf ein Tempo, dass wir über das Wasser hinweggleiten. Endlich hält er nahe einer Wasserrinne an.
   »Kein offenes Wasser«, sage ich. Es gefällt mir nicht, dass ich hier ein Loch schneiden soll.
   Er schüttelt den Kopf. »Beeil dich, wir driften ab.«
   »Könnten wir das Ding nicht in die Rinne schmeißen?«
   Er kneift die Brauen zusammen und wirft einen Blick auf die Armaturen. »Ja«, sagt er. »Das könnten wir.«
   Ich klettere hinaus und nehme das Gerät entgegen. Ich packe vorn zu, er hinten bei den Flossen, und so setzen wir uns unter dem Nachthimmel in Bewegung. Wir müssen langsam gehen, der Boden ist uneben, und über dicke Eisbrocken hinwegsteigen. Das Wasser liegt fast einen Meter tiefer und ist nur über eine steile, zerklüftete Eisböschung zu erreichen. Nillis-Eis schwappt träge im grauen Wasser auf und ab. Es sieht aus, als sei es von einem Ölfilm überzogen. Weil ich auf das Schneiden verzichten wollte, steige ich die Böschung hinunter, zaghaft, und stütze die Spitze des Messinstruments. Ich verkeile meine Füße im Eis und sage: »Ich hab’s.« Ich stehe ungünstig da und muss das ganze Gewicht des Geräts abfangen.
   Ich habe das Gefühl, dass ich jeden Moment das Gleichgewicht verliere, mir rutschen die Füße weg und ich schlage so hart aufs Eis, dass mir die Luft wegbleibt. Dann bin ich unter Wasser. Ich bekomme keine Luft in meiner Maske, die sich verschließt, um kein Wasser einzulassen, und der Anzug ist nicht dafür gemacht, gegen Eiswasser zu schützen, und ich spüre die Kälte. Ich tauche auf und schlage wild um mich, Jim hält sich am Eis fest, und ich komme nicht nah genug heran, um den Rand zu packen.
   Raus hier, schreit mein Verstand. Das Eiswasser ist dick und grau und klebt an meiner Maske. Ich glaube nicht, dass ich es schaffe. Bisher hatte ich bei einem Unfall immer Angst, dass ich mich verletze und es lange Zeit dauert, bis es mir wieder gut geht.
   Das ist ernst, denke ich. Davon werde ich mich nicht mehr erholen, denke ich. Merkwürdig, es ist mir egal. Seltsamer Gedanke, dass es mir egal ist. Dann sterbe ich eben, etwas Schlimmeres kann mir nicht passieren. Die Kälte lähmt mich, ich kann kaum noch schwimmen, am liebsten würde ich aufgeben, weiß aber nicht wie. Wenn ich aufgebe, zu kämpfen aufhöre, was mache ich dann: Wasser treten und Jim anschauen? Aufhören, Wasser zu treten? Ich zapple und kämpfe und beobachte mich wie aus großer Entfernung. Ich versuche, aus dem Wasser herauszukommen, weil es mir allzu peinlich wäre, es nicht zu schaffen. In Wahrheit weiß ich nicht, wie man ertrinkt.
   »Zhang!«, brüllt Jim immer wieder. Endlich bekommt meine Hand etwas zu fassen. Ich kann mich nicht hochziehen, ich kann mich nur festhalten. Jim zögert, dann klettert er herunter und packt meinen Arm. Mir fehlt die Kraft und ihm der feste Ansatzpunkt, um mich herauszuhieven, doch er zieht und rutscht, und ich suche verzweifelt nach Halt und schaffe es schließlich, mich halb aus dem Wasser zu ziehen. Mein Körper ist bleischwer und Jim hilft mir das letzte Stück über die Abbruchkante.
   »Die Rinne reißt weiter auf!«, brüllt er, obwohl mein Mikro funktioniert und ich ihn gut verstehen kann. »Alles in Ordnung?«
   »Ja«, sage ich, habe aber immer noch das Gefühl, neben mir zu stehen. »Wo ist das Messgerät?«
   »Im Wasser! Bist du nass?«
   Mir ist kalt, besonders um die Hüfte herum. »Nein«, sage ich.
   »Alles in Ordnung?«, wiederholt er.
   »Ja«, sage ich. »Mir ist nur kalt.«
   »Wir fahren besser nach Borden zurück«, sagt er. Ohne das Messgerät kommen wir schneller vorwärts und klettern in den Gleiter. Dass mir plötzlich alles egal war, wundert mich. Ich weiß, dass das nicht gut ist, aber es ist weit besser als Angst zu haben.
   »Verdammt«, sagt Jim, »das war vielleicht verrückt! Die Rinne hat sich bewegt, ich meine, so was kommt vor, ich habe mal gelesen, dass es Eskimojägern passiert ist, aber ich habe es noch nie selbst gesehen. Die Wasserrinne ist auseinander gerissen, wie bei einem verdammten Erdbeben. Ich hab gesehen, wie du plötzlich reingeworfen wurdest, einfach reingeworfen, du konntest nicht das Geringste tun, und hätte ich nicht diesen Eisklotz zu packen gekriegt, wäre ich hinterhergerutscht und wir wären nie wieder rausgekommen.«
   Jim redet pausenlos, es sei denn, er muss sich auf den Gleiter konzentrieren. An den entsprechenden Stellen sage ich »ja«. Mehr fällt mir nicht ein. Die Wasserrinne ist plötzlich aufgebrochen und ich bin hineingefallen. Die Rinne hat sich geöffnet. Mir wird bewusst, dass sie sich genauso gut wieder hätte schließen können.
   Langsam gelingt es dem Anzug, mich aufzuwärmen. Meine Laune bessert sich plötzlich, ich bin nicht mehr der distanzierte Beobachter, ich bin Zhang, stecke in einem kalten KA und frage mich, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich versucht hätte aufzutauchen und über mir eine geschlossene Eisdecke vorgefunden hätte? Meine Zähne fangen an zu klappern. Mir wird bewusst, dass ich nicht nach Hause zurückkann. Ich will so gern nach Hause.

Anfang Dezember höre ich auf zu lernen. Typisch. Ich lerne nicht gern, rede mir zwar immer wieder ein, dass ich mich ranhalten muss, doch aller Eifer ist nach wenigen Wochen erschöpft. Bisher war die Abfolge immer fünf Abende lernen und zwei Abende ausgehen, dann drei Abende lernen und vier Abende ausgehen, dann gar nicht mehr lernen. Hier kann ich nirgends hingehen, aber ich lerne auch nicht. Ich sitze am Fenster und blicke hinaus auf den Lancaster-Sund. Manchmal beobachte ich Polarfüchse, die auf ihren kurzen Beinen schattengleich vorbeihuschen. Anschließend gehe ich oft in die Cafeteria, um Kaffee zu trinken, mich mit Janna zu unterhalten oder mit Karin oder Jim. Aber meistens ist die Landschaft leer, es sei denn, das Nordlicht schlägt Falten am Himmel, lavendelfarben, rosa und blassgrün über blauem Eis und Schnee. Ich sehe mein eigenes Spiegelbild in der Fensterscheibe. Ich schalte das Licht aus, sitze im Dunkeln und vergesse die Zeit. Ich merke, dass es möglich ist, auf Außengeräusche zu lauschen, bis das Draußen in meinem Zimmer ist. Der Wind bläst so gleichmäßig, dass ich ihn nach einer Weile nicht mehr höre, und dann höre ich gar nichts mehr.
   Ich weiß, ich passe mich nicht an.
   Ab und zu fragt mich Maggie Smallwood, ob ich Lust habe, einen Naturfilm oder ein Vid zu sehen. »Corin zeigt seinen Film über Eisbären«, sagt sie, oder: »Es läuft ein Vid aus den Staaten.«
   Also gehe ich mit und setze mich dazu. Wenn ich hinten sitze und keine Lust mehr habe, kann ich mich unbemerkt verziehen. Wenn Maggie mich in der Mitte platziert, muss ich bis zum Schluss bleiben.
   Ich bin müde. Den ganzen Tag während der Arbeit will ich nur schlafen. Aber sobald ich im Bett liege, bin ich müde, kann aber nicht einschlafen. Die Klinik gibt mir Bescheid, ich soll mich unter die Lampen legen, doch wenn ich unter den Lampen liege, bleibt mir nichts anderes übrig, als zu lernen, und ich kann es nicht ertragen, an meine Fachbücher zu denken, also gehe ich nicht mehr hin.
   In meinem Zimmer denke ich darüber nach, was ich tun soll. Ich bin siebenundzwanzig. Ich habe vor, die Aufnahmeprüfung der Universität abzulegen, damit ich nach China gehen und Ingenieurwissenschaften studieren kann. Gut. Angenommen, ich arbeite diesen Winter wirklich hart, lerne die ganze Zeit und bestehe die Prüfung. Dann würde ich nach China gehen, wo alle hinwollen. Großmutter China, das Land der Möglichkeiten. Ich würde ein paar Jahre in China studieren, fern von New York, an einem fremden Ort – zugegeben, ich bin Chinese, jedenfalls sehe ich wie ein Chinese aus, spreche auch die Sprache, aber ich war noch nie in China. Angenommen, ich halte zwei Jahre durch. Dann stünde ich vor der Wahl: entweder zu versuchen, in China zu bleiben, wo ich einen guten Job bekommen und womöglich sogar reich werden könnte. Oder nach New York zurückzukehren, wo ich Aussichten auf einen guten Job hätte.
   Und wozu der ganze Stress? Um ein bisschen mehr Geld zu verdienen. Aber ich werde immer noch Zhang sein. Wohin ich auch gehe, nehme ich mich mit, dabei will ich vor mir selbst Reißaus nehmen. Ich hasse mich. Ich hasse diesen Ort. Und ich finde es furchtbar ermüdend, ständig so viel Hass mit mir rumzuschleppen. Also sitze ich da und lausche auf die Nacht der arktischen Tundra, geschlagen, bevor ich den Kampf aufgenommen habe. Ich habe alles gründlich satt.
   Ich habe einmal gelesen, dass die erste Besatzung der Canalli-Basis auf dem Mars schwer unter Depressionen litt. Ich rede mir ein, dass ich einfach nicht mit der fremden Umgebung klarkomme. Aber meistens sitze ich in meinem Zimmer, von einem Wind umweht, den ich nicht fühlen kann.
   Zu fünft fahren wir in einem großen Gleiter nach Halsey: Jim, Maggie, Janna, Eric und ich. Ich habe die Bauarbeiten im oberen Stock fast abgeschlossen, doch mich erdrückt der Gedanke daran, wie viel Arbeit mir im zweiten Stock noch bevorsteht. Bevor die Arbeit dort beendet ist, werde ich weg sein.
   »Seht euch das an!«, sagt Eric und deutet auf das Eis, das sich an der Westseite aufgetürmt hat. Es sind Unmengen von Eis, dabei habe ich erst vor kurzem alles weggeräumt (wann war das? Bei Sonnenuntergang? Vor einem Monat?) Ich höre die Kritik in Erics Bemerkung.
   »Ich kümmere mich darum«, sage ich und steige als Erster aus dem Gleiter. Ich hole mir den Schneidbrenner, warte, bis die anderen im Labor verschwunden sind, und kehre dann aus dem warmen Licht in die Nacht zurück. Ich fange an, das Eis wegzuräumen, das wieder zurückkehren wird. Und nächsten Winter wird ein anderer Techniker das Eis wegräumen und zusehen, wie es sich immer wieder auftürmt. Jahr für Jahr werden sie es wegräumen, und erst wenn die Station geschlossen wird, wird man damit aufhören und den Turm verfallen lassen, und dann wird nichts zurückbleiben als eine glatte Eisfläche, die vor Kälte ächzt.
   Dass ich hier bin, ändert an alledem nichts. Ich habe an dieser Station mitgebaut, und eines Tages wird sie verschwunden sein, warum bin ich also hier? Ich kehre der Station den Rücken zu und brenne große, flache Schnitte in das Eis. Ich ritze chinesische Buchstaben hinein. »Wo zai jar«, ich bin hier. Und dann radiere ich die Zeichen mit dem Brenner wieder weg, bis die Oberfläche glatt ist wie Glas, alle Spuren beseitigt.
   »Zhang?«
   Maggie steht auf dem Turm, von unten beleuchtet. Sie ist gesichtslos hinter ihrer Maske, versteckt in ihrem KA, aber ich kenne ihre Größe, ihre Gestalt und Stimme. Es macht mich wütend, noch einen gesichtslosen Menschen in einem KA zu sehen. Die Arktis macht aus Menschen Dinge. Ich antworte ihr nicht, sondern schneide ungestüm durchs Eis.
   »Was treibst du da?«
   Ich finde, der Wind und die Geräusche des traktierten Eises sind Antwort genug. Verdammt, ich will den Wind spüren. Also stelle ich den Schneidbrenner aus, ziehe die Maske ab und werfe die Kapuze zurück. Der Wind ist so kalt, dass mir die Augen tränen, die Luft ist so kalt, dass jeder Atemzug wehtut. Es ist weit kälter als im Wasser. Ich öffne die Verschlüsse und ziehe das Oberteil aus. Es ist mir egal, dass ich friere. Der Kälteschmerz ist echt, endlich wieder ein echtes Gefühl. Ich nehme den Schneidbrenner und arbeite weiter.
   Ein Teil von mir kann nicht glauben, was ich da mache, aber ich habe die Nase gestrichen voll und will, dass die anderen es wissen. »Alles Scheiße!«, rufe ich Maggie zu. »Der Stützpunkt, die Eisbären, die Wale! Ohne die geringste Bedeutung. Wir haben hier verdammt noch mal nichts verloren. Wir sind nichts! Nada!« Vielleicht spiele ich bloß Theater, aber hier draußen im Wind fühlt es sich nicht so an. Ich schneide durch das Eis, der Laser dringt bis zum Wasser vor, das – schhhhiffffsss – verdampft. Ich schneide einen Graben hinein, kann mich aber nicht mehr konzentrieren und werfe den Schneidbrenner hin. Ich rede und rede und rede und rede, doch was ich sage, scheint unwichtig. Ein Teil davon ist Englisch, ein Teil davon Spanisch, die Sprache meiner Mutter. Ich rede mit Maggie. Ich rede mit mir selbst.
   Ich rede auf das Eis ein und sage immer wieder: »Ich habe den verdammten Verstand verloren, kapiert? Ich habe den verdammten Verstand verloren. Ich habe den verdammten Verstand verloren.«
   Maggie kommt zu mir, nimmt mich am Arm und sagt: »Komm rein. Komm rein.«
   Zuerst sträube ich mich. Aber dann merke ich, dass ich friere und wie sehr ich mich danach sehne, ins Warme zu kommen. Ich lasse sie mein Oberteil und den Schneidbrenner aufheben und folge ihr nach drinnen. Jetzt spricht sie und ich bin still. »Mach dir nichts draus«, sagt sie, »so was kommt im Winter schon mal vor. Komm rein, trink etwas Heißes, trink einen Tee. Die Eskimos nennen es perlerorneq, Winterdepression. Sie überfällt dich, wenn es dunkel wird und du unglücklich bist, aber das ist jetzt vorbei, dir geht’s schon besser. Ich mach dir eine Tasse Tee mit viel Zucker, hier, zieh das wieder an und wärm dich auf.« Und an Jim und Janna gewandt: »Zhang ist müde, ich bringe ihn zurück, er arbeitet heute nicht. Keine Sorge, es geht ihm schon wieder besser.«
   Was gesagt wird, geht an mir vorbei, ist mir egal. Mir ist alles egal, ich könnte vor Müdigkeit heulen. Ich frage mich, ob ich verrückt werde, aber wenn ja, kann ich wenigstens wieder nach Hause.
   Maggie bringt mich nach Borden zurück und auf mein Zimmer. Sie setzt sich zu mir ans Bett und sagt: »Im Augenblick hast du das Leben satt, perlerorneq, aber das gibt sich wieder.«
   »Tut mir Leid«, murmele ich. Aber ich fühle etwas, keine Wut. Unter all der Müdigkeit fühle ich Dankbarkeit. »Danke«, sage ich.
   »Schlaf gut«, sagt sie.

Ich schlafe sechzehn Stunden, den halben Tag und die ganze Nacht. Als ich die anderen am nächsten Morgen beim Frühstück treffe, bin ich verlegen. Sie sind alle sehr freundlich. Ich kann Maggie Smallwood nicht in die Augen sehen.
   Janna sagt: »Schwer ist es für uns alle, aber für dich, nun, du willst gar nicht hier sein.«
   »Ich weiß nicht, was mit mir passiert ist«, sage ich reumütig und verwirrt. Ich fahre mit ihnen hinaus zur Arbeit. Um mich im Auge zu behalten, geben sie mir eine Aufgabe unten im Labor und reden viel mit mir.
   Maggie erklärt mir in aller Ruhe: »Als sie im Weltraum Probleme mit Depressionen hatten, wurden die Inuit und die Grönland-Eskimos in Sachen perlerorneq zu Rate gezogen. Das ist wie bei einem Stromkreisunterbrecher. Mittlerweile wird jede Crew, bevor sie ins All fliegt, von Eskimos entsprechend vorbereitet. Das habe ich in der Schule gelernt, in Ethnologie.«
   Mein Unglücklichsein hält an, aber es ist jetzt grau, nicht mehr schwarz. Ich lege mich wieder unter die Tageslichtlampen, ich lerne ein bisschen. Montags und mittwochs abends übt Janna mit mir Infinitesimalrechnung, damit ich dranbleibe. Ich bin gut vorbereitet und sie kann gut erklären, also ist es leicht. Mit Maggie wechsle ich kaum ein Wort, sage meist nur hallo. Ich schäme mich für mein Verhalten ihr gegenüber, aber was soll ich sagen?
   So geht der Dezember vorüber. An Weihnachten kommt ein Paket von Peter, extravagante Pullis mit kleinen Pelerinen; der letzte Schrei, schreibt er. Einen schenke ich Karin. Wir tauschen Geschenke aus, singen Lieder. Es könnte schlimmer sein.
   Wir erwarten den Sonnenaufgang für den zweiten Februar um 12 Uhr 14. Den ganzen Januar lerne ich und lasse die Tage verstreichen. Ich habe das Gefühl, dass ich das Schlimmste hinter mir habe und dass ich jetzt klarkomme. Ich beschließe, den Vertrag zu verlängern.
   »Keine Sorge«, sagt Janna, »der Sommer wird dir gefallen, Sonnenanbeter, der du bist. Früher haben sich die Forscher Fellbinden über die Augen gebunden, um schlafen zu können.«
   Am neunundzwanzigsten Januar sitzen Janna und ich schon kurz vor Mittag zusammen und lernen. Eric wird von acht Uhr abends bis drei Uhr morgens in der Halsey-Außenstation ein Experiment durchführen, bei dem er einen Techniker braucht. Bis dahin habe ich frei. Täglich wird es heller am Horizont. Der Himmel glüht rosig, die Sterne verblassen, doch die Sonne zeigt sich noch nicht. Ich warte reglos. Nur noch vier Tage.
   Janna rechnet meine Ergebnisse nach, während ich den Horizont beobachte. Es scheint, als wäre der Sonnenaufgang ganz nahe, durchaus schon möglich. Der Himmel trägt das perlmutterne Weiß der Dämmerung, schimmert rosig, lavendelfarben, indigoblau und irgendwo weit oben schwarz. Das Eis nimmt die Farben des Himmels an.
   Und dann, vier Tage eher als erwartet, sehe ich den Rand der Sonne, blendend, über dem Horizont auftauchen. »Janna!«
   Sie blickt hoch, reißt die Augen auf und strahlt vor Vergnügen. »Oh, Zhang, wie wundervoll!«
   Es ist Morgen. Ich lächle und lächle.
   »Das ist noch kein richtiger Sonnenaufgang«, erklärt Janna, »es ist eine Lichtbrechung, hervorgerufen durch die Erdatmosphäre. Die Sonne steht noch fünf Grad unter dem Horizont.«
   Stumm sitzen wir da und sehen zu, wie die Sonne aufgeht und dann schnell wieder versinkt. In wenigen Minuten ist alles vorbei.
   Ich fürchte, wieder von der Nacht erdrückt zu werden, aber nein, der Sonnenaufgang ist genug. Ich kann warten. Ich kann lernen, ich kann die Aufnahmeprüfung bestehen. Und die zweite Nacht ist nicht so schlimm, niemals so schlimm wie die erste.
   Ich habe überlebt. Und ich denke, endlich passe ich mich an.

© Maureen F. McHugh, 1992
Deutsche Übersetzung von Michael Windgassen, Hannes Riffel, Iris Konopik
© der deutschen Ausgabe: Argument Verlag, 2000
Mit freundlicher Genehmigung des Argument Verlag

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Maureen F. McHugh
China Mountain Zhang (Tor Books, 1992/1997)
ABC Zhang, deutsch von Michael Windgassen (München: Heyne, 1995) [06/5276]
ABC Zhang, deutsch von Michael Windgassen, Hannes Riffel, Iris Konopik (Hamburg: Argument, 2000) [SF2053] Bestellen
Siehe auch
Rezension: Maureen F. McHugh, ABC Zhang (China Mountain Zhang, 1992)
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