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»In unserer Kindheit wurden wir von SF-Filmen verkorkst«

Ein Interview mit Holger Neuhäuser und Klaus Knoesel zu ihrem Film High Crusade - Frikassee im Weltraum (D 1994)


1960 veröffentlichte der Science-Fiction-Autor Poul Anderson seinen Kult-Roman Sir Rogers himmlischer Kreuzzug (The High Crusade • 1960). Vierunddreißig Jahre später machten die jungen deutschen Regisseure Holger Neuhäuser und Klaus Knoesel aus der Story »bornierte Ritter treffen Außerirdische« die abgedrehte Science-Fiction-Komödie High Crusade - Frikassee im Weltraum (D 1994). Produziert wurde der Film unter anderem von Regisseur Roland Emmerich. Zum Filmstart hatte die Autorin Gelegenheit, mit Holger Neuhäuser und Klaus Knoesel folgendes Interview zu führen.

Myra Çakan: Vor High Crusade habt ihr einige Kurzfilme gemacht, bei denen man bereits eure Vorliebe für Science-Fiction-Themen erkennen kann ...

Holger Neuhäuser: Es ist einfach schönes Genre, bei dem man sich eine neue Welt ausdenken und komplett auf Film hinzaubern kann.

Klaus Knoesel: Hinzu kommt, daß wir in unserer Kindheit stark von SF-Filmen geprägt oder verkorkst wurden.

MC: Welche Filme waren das?

KK: Die Enterprise-Serie im Fernsehen, als Alternativprogramm zur Sportschau.

HN: Unser erklärter Lieblingsfilm war Terry Gilliams Brazil. Und dann kam die große Welle der SF-Filme wie die Star Wars-Saga, Blade Runner oder Alien.

MC: So ein SF-Film ist ja von der Ausstattung recht aufwendig ...

HN: Uns kamen besonders die zehn Jahre Filmerfahrung des Produzenten zugute, weil wir all die Fehler, die er gemacht hat, nicht noch mal machen mußten und weil er uns unter die Arme gegriffen und gesagt hat, das funktioniert beim Bau oder das geht technisch nicht bei dieser Größenordnung.

MC: High Crusade hat einen erstaunlich hohen Standard für eine deutsche Produktion und für einen Erstling. Wie weit ist Roland Emmerich daran beteiligt?

KK: Wir haben schon versucht, unsere Kurzfilme so perfekt wie möglich zu machen. Viele der Beteiligten haben mit uns schon gedreht, das sind komplett professionelle Leute.

HN: Der Roland hat uns inhaltlich überhaupt nicht reingeredet. Außerdem hatte er auch gar nicht die Zeit dazu, denn er hat zur gleichen Zeit seinen neuen Film Stargate vorbereitet.

MC: Der Film war ja mit fünf Millionen Mark für deutsche Verhältnisse ziemlich teuer. Wie ist das Geld zusammengekommen?

KK: Das war so: die Initialzündung kam aus Referenzgeldern von Moon 44. Von der bayrischen Filmförderung, aus NRW und von der FFA sind rund zwei Millionen gekommen.

MC: Und die haben nicht komisch geguckt, als ihr Geld für einen Science-Fiction-Film haben wolltet?

HN: Es ist komisch, aber nachdem das ganze Projekt nicht mehr zu stoppen war - der Roland hat gesagt, wir machen es in jedem Fall - sind viele Förderanstalten einfach in den fahrenden Zug eingestiegen, obwohl sie so einen Stoff normalerweise nicht fördern würden.

MC: Stand von vornherein fest, daß ihr mit englischsprachigen Schauspielern arbeiten wolltet?

HN: Der Roland hat gesagt, ihr bekommt das Geld nur, wenn der Film in englisch gedreht wird, weil dann die internationalen Auswertungsmöglichkeiten viel besser sind, um das Geld wieder zurückzukriegen.

MC: Was war das für ein Gefühl - der erste Spielfilm, und dann hat man mit John Rhys-Davis einen Hauptdarsteller, der schon mit Steven Spielberg [in Jäger des verlorenen Schatzes (Raiders of the Lost Ark • USA 1981)] gearbeitet hat?

HN: Am Anfang hat man natürlich etwas Ehrfurcht, aber dann ging es eigentlich ganz kollegial zu.

KK: Der Glücksfall bei John Rhys-Davis war, daß er den Roman High Crusade kannte und es immer ein Traumbuch für ihn war.

HN: Das Absurde für ihn war auch, daß er seit zwanzig Jahren darauf gewartet hat, daß der Film zu diesem Buch gedreht wird, und dann kommen ausgerechnet zwei Deutsche, die noch nie einen langen Film gemacht haben.

MC: Habt ihr schon neue Projekte ins Auge gefaßt?

HN: Man hat uns drüben gerade einen Zwölf-Millionen-Dollar-Film angeboten. Aber wir haben uns gesagt, wir wollen nur Filme machen, die uns auch weiterbringen, mit denen wir uns steigern können ...

KK: ... und deshalb halten uns jetzt viele für verrückt, weil wir abgelehnt haben.

HN: Aber wir haben ein zweites Standbein, das sich aus den Special Effects, die wir meistens selber machen mußten, entwickelt hat. Damit können wir uns soweit über Wasser halten, daß wir nicht alles machen müssen. Konkret hat sich aber noch nichts ergeben, wir warten jetzt erstmal ab, wie High Crusade läuft.

Myra Çakan • 5/94


Siehe auch:
Roland Emmerich
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Myra Çakan
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