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| ALIEN CONTACT 61 |
| Science Fiction Alien Contact |
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| Isaac Asimov ist ein Autor,
den man leicht unterschätzt. Bestimmte Merkmale seiner Werke die trockene,
konturlose Prosa, die unterentwickelten Figuren, der Mangel an visueller, anschaulicher
Stimmung stören den Leser und wirken sich zum Nachteil von Asimovs beträchtlichen
künstlerischen Fähigkeiten aus. Darüber hinaus ist es dem ihm wohlgesinnten Kritiker
bislang nicht gelungen, seine große Bedeutung überzeugend zu begründen abgesehen
von den Verweisen auf Asimov, den Unterhalter, den Rätselmeister und Humoristen, den
vielseitig gebildeten Popularisierer und so weiter. Christopher Priest, selbst ein
hochtalentierter SF-Autor, hielt 1974 an der University of London ein Seminar über
Asimovs Roman Die Stahlhöhlen (The Caves of Steel 1954) ab.
»Ich habe es mit Vergnügen gelesen«, erinnerte er sich in einem Interview mit John
Brosnan. »Guter Stoff. Aber es gab einfach nichts über das Buch zu sagen. Es
bestand nur aus Handlung und schien überhaupt keinen Inhalt zu haben« [zitiert nach
Ruddick, S. 46]. Nicholas Ruddick hält diese Reaktion für typisch: Ein Vertreter der
neuen, »literarischeren« SF-Autorenschaft reagiert auf das alte, seichte,
handlungsmotivierte, leere Lesevergnügen des goldenen Zeitalters der SF. Aber Asimovs Hauptromane und -Erzählungen haben sehr viel mehr zu bieten als nur das. Tatsächlich kann der Umstand, dass bestimmte technische Aspekte in Asimovs Arbeiten (Stil, Charakterisierung, Erzählperspektive etc.) so weit im Hintergrund stehen, sogar unterbelichtet sind, den unvorsichtigen Leser seiner Kritiker von der beeindruckenden Komplexität und Wirkung seines Werks ablenken. Die Stahlhöhlen ist zum Beispiel sehr viel mehr als nur eine Fingerübung in Sachen Handlung. Mit seinen unverkennbaren Robotern hat Asimov eine einfache, aber erstaunlich flexible Trope für breiter angelegte ethische Fragen geschaffen. Zugleich erforscht er durch sie die Beziehung zwischen Menschlichkeit und Technologie. In diesem Zusammenhang ist Die Stahlhöhlen, neben Dutzenden anderer Robotergeschichten und -Romane, ein früher Schlüsseltext. Die Stahlhöhlen präsentiert zwei grundlegend unterschiedliche menschliche Gesellschaften. Einerseits das gedrängte, schmutzige, verklumpte Leben auf der überbevölkerten Erde, deren Bewohner von ihren eigenen Ängsten und Vorurteilen im Griff gehalten werden. Andererseits die unnahbare, distinguierte Art der Spacer, die sich an den weiten, offenen Raum angepasst haben und ihr wohlhabendes Leben auf geräumigen, kolonisierten Planeten führen. Die Geschichte kommt sofort auf den Punkt. Ein angesehener Spacer-Wissenschaftler wurde in der Spacer-Erdenbasis ermordet. In Anbetracht der Feindseligkeit zwischen den beiden menschlichen Bevölkerungen und des Umstands, dass der Mörder von der Erde stammen muss, ist die Untersuchung der Tat eine heikle Angelegenheit. Julius Enderby, ein irdischer Polizei-Commissioner, gibt dem menschlichen Detektiv Lije Baley den Auftrag, das Verbrechen aufzuklären. Dafür teilt er ihm einen Spacer-Roboter namens Daneel Olivaw zu. Anders als die Roboter von der Erde, die metallisch aussehen und offensichtlich künstlich sind, ist Olivaw so konstruiert, dass er einem menschlichen Wesen aufs genaueste gleicht. Genau genommen ist er sogar seinem Schöpfer nachempfunden, dem Mordopfer Roj Nemennuh Sarton. Da Baley die typisch irdischen Vorurteile gegen Roboter teilt, steht er seinem neuen Partner zuerst ablehnend gegenüber. Das geht so weit, dass er ihn öffentlich des genannten Verbrechens beschuldigt. Eine solche Beschuldigung wird uns als absurd präsentiert, denn kein Roboter kann ein menschliches Wesen ermorden, da alle Roboter durch die drei berühmten »Gesetze der Robotik« gebunden sind:
Die Stahlhöhlen etabliert eine Reihe von Binaritäten, aber nur, um sie im Endeffekt zu dekonstruieren. Zuerst einmal stellt das Buch einen generischen Mischling aus »SF« und »Detektivroman« dar, und zwar eine der gefeiertsten Kreuzungen dieser Art. Zum zweiten präsentiert es zwei grundlegend unterschiedliche menschliche Gesellschaften: die gedrängte, schmutzige Masse in der überbevölkerten Erde und die distinguierten, unnahbaren, in die Ferne schweifenden Spacer. Zuletzt ist eine der Haupttriebkräfte des Romans natürlich der Gegensatz zwischen menschlichem Leben und robotischer Existenz, der in der Abkürzung »C/Fe« (für »karbonbasierte« und »eisenbasierte« Lebensformen steht) verkörpert wird. Aber so wie Baleys anfängliche Feindschaft gegen seinen Roboter-Partner zu Freundschaft und Bewunderung heranreift, so zielt auch der ganze Verlauf des Romans darauf ab, die Erde von ihren gegen Roboter und gegen den Weltraum gerichteten Vorurteilen zu befreien. Baleys Handlungsweise fördert die zunehmende Eintracht zwischen den beiden menschlichen Bevölkerungen in solchem Ausmaß, dass (in späteren Romanen der Reihe) ein Planet nach ihm, nunmehr einem Helden der Erde, benannt wird. Auf der Ebene des Genres war es eine von Asimovs großen Einsichten, dass die scheinbar unverwandten Modi »SF« und »Detektivroman« in Wirklichkeit eine gemeinsame Grundlage haben: die logische Schlussfolgerung. Asimovs wissenschaftlicher Verstand arbeitet sich logisch durch die Implikationen seiner Prämissen, und das Gleiche trifft für viel SF aus dem »goldenen Zeitalter« zu. Und seine Roboter handeln entlang rein logischer Folgerungen. Der Punkt dabei ist, wie John Huntingdon bemerkt, dass »in den Fünfzigern der Roboter zu einem Mittel geworden ist, mit dem das Genre in der Lage ist, von sich selbst zu sprechen« [Huntingdon, S. 170]. »SF« als eine Literaturgattung, die die logisch-deduktiven Diskurse der Wissenschaft mit den ästhetisch-emotionalen Diskursen der humanistischen Kunst vermischt, findet im Roboter, der vermenschlichten Maschine, eine perfekte Trope für ihre grundsätzlichen Fragestellungen. Der Detektivroman ist seit Sherlock Holmes ebenfalls abhängig vom logisch-deduktiven Diskurs. Whodunits, die von dieser Logik abweichen, werden von Lesern normalerweise als »unfair« eingestuft. Für Asimov bedeutet diese gemeinsame Grundlage, dass die beiden Genres sich nahtlos aneinander fügen. Aber während viele Whodunits und ebenso viele Pulp-SF-Geschichten damit zufrieden sind, fröhlich den klischierten Gleisen einer Mordfall-, Abenteuer-, oder Reise-Handlung zu folgen, ist Die Stahlhöhlen ein sehr viel gewissenhafteres Werk. Sein formales Muster (Mordfall Untersuchung Auflösung) ist der Aufhänger für eine weitreichende Dramatisierung des kantischen ethischen Imperativs und für eine Betrachtung des Verhältnisses zwischen Menschheit und Technologie. Philosophisch gesehen ist Die Stahlhöhlen eine Fuge über Themen der Logik, Identität, Differenz und Ähnlichkeit. Die Binaritäten, die der Roman scheinbar etabliert, befinden sich tatsächlich im Prozess des Kollabierens zu einer Einheit. Ganz ähnlich brachte auch Asimov selbst die letzten beiden Jahrzehnte seines Lebens damit zu, eine größere »Identität« aus den vielfältigen imaginativen Universen seiner Foundation-Bücher, Robotergeschichten und aus den »Ewigen« aus Am Ende der Ewigkeit (The End of Eternity 1955) herzustellen. Bei Kant werden ethische Fragen als Absolutheiten bewertet. In Grundlegung zur Metaphysik der Sitten erklärt er: »Ich soll niemals anders verfahren, als so, dass ich auch wollen könne, meine Maxime solle ein allgemeines Gesetz werden« [Kant, S. 28]. Das bedeutet, dass ich, bevor ich einen Mord begehe oder lüge, erst einmal darüber nachdenken muss, ob diese Handlungsweise als allgemeines Gesetz denkbar wäre wenn jeder morden oder lügen würde, dann wäre die Gesellschaft als Ganze offensichtlich nicht mehr zusammenzuhalten. Anders ausgedrückt: Ethik fragt nicht nach meinem persönlichen Vorteil, sondern nach einem allgemeinen moralischen Kode. Im selben Werk insistiert Kant: »Endlich gibt es einen Imperativ, (...) der dieses Verhalten unmittelbar gebietet. Dieser Imperativ ist kategorisch.« [Kant, S.45] Dieser kategorische Imperativ läuft in vielen Fällen den menschlichen Impulsen zuwider. Wenn ein mordlüsterner Irrer mit einer Pistole von mir wissen wollte, wo sich mein Freund versteckt, dann könnte ich es nicht nur für klug, sondern auch für moralisch gerechtfertigt halten, zu lügen (»Er ist nicht hier«). Für Kant läuft das Lügen jedoch dem kategorischen Imperativ der Moral zuwider. Für ihn wäre es die richtige Handlungsweise, die Wahrheit zu sagen, sogar in einem solchen Extremfall (»Er versteckt sich im Geschirrschrank unter der Treppe«). Es ist diese Absolutheit, die die kantische Ethik für die meisten Denker ungenießbar macht. Menschliche Wesen verhalten sich (in den meisten Fällen) nicht nur nicht in dieser Weise, sie sollten sich vielleicht auch gar nicht so verhalten. Mit seinen Robotern hat Asimov eine Spezies bewusster, denkender Wesen erschaffen, die den kantischen moralischen Imperativ internalisiert haben. Roboter gehen nicht mit ihrem Gewissen zu Rate, wenn sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden. Sie folgen einfach den drei Gesetzen, die ihr Verhalten ganz und gar bestimmen. Das Geniale an dieser Erfindung ist, dass die solcherart entstandene Spezies in ihrem Verhalten nicht vollständig festgelegt ist. Asimovs Roboter laufen nicht auf Schienen, ihr Verhalten ist nicht vollkommen vorhersagbar, sie sind keine moralischen Uhrwerkmänner. Tatsächlich ist das große Thema beinahe aller Roboterromane und -geschichten die Ausarbeitung der Implikationen, wie es wäre, unter diesem dreifachen kategorischen Imperativ zu leben. In seinem berühmten Satz aus der Kritik der praktischen Vernunft spricht Kant über Ehrfurchtgebietendes: »der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir« [Kant, S. 300]. Genau diese philosophische Position dramatisiert Asimov. Und Terry Eagletons Bezugnahme auf die kantische Ethik ist wiederum unbewusst eine präzise Darstellung der Stärken des Asimovschen Roboters.
Indem er dieser Logik folgt, wirft Asimov ein Licht auf die ethischen Dilemmata des gewöhnlichen menschlichen Lebens, insbesondere auf die Idee, dass eine »Science Fiction«, eine »wissenschaftliche Fiktion«, in ihrer Ethik die Werte der Wissenschaft verkörpern soll und zwar dem rationalen Willen gemäß. Dieser unter SF-Autoren weit verbreitete Glaube ist so unverhohlen aufklärerisch wie Kants Werk selbst. Baley, der Daneel zuerst misstraut, weigert sich zu glauben, dass er/es einen »Trieb nach Gerechtigkeit« hat. »Gerechtigkeit«, insistiert Baley, »ist ein abstrakter Begriff. Und nur ein menschliches Wesen kann diesen Begriff gebrauchen.« Sein Gesprächspartner, der Spacer Fastolfe, stimmt ihm zu. Dennoch fordert er Baley auf, Daneel nach seiner Vorstellung von »Gerechtigkeit« zu fragen.
Fastolfe beharrt: »Sie dürfen Ihre Gerechtigkeit und die R. Daneels nicht miteinander verwechseln.« [Asimov, S. 113] Er führt den Unterschied zwischen »Gerechtigkeit« als ethischem Absolutum und als subjektivem Relativismus aus. Sehen wir es mal so: Viele von uns sind der Meinung, dass wir logisch einem Regelwerk oder einem moralischen Kode folgen, der unsere Handlungen bestimmt. Andere könnten behaupten, dass ethisches Verhalten eher intuitiv ist, dass es »aus dem Bauch kommt«, und dass man den Punkt eines Moralkodes verfehlt, wenn man einfach nur getreu den Buchstaben des Gesetzes lebt (soll heißen, dass man den Geist des Gesetzes ignoriert). Asimov dramatisiert diese Positionen in seinen Robotern ebenso wie in seinen menschlichen Figuren. Die Logik, mit der Daneel den drei Gesetzen folgt, ist dieselbe deduktive Logik, mit der Baley den Mordfall aufklärt. Damit die Whodunit-Dimension des Romans zu einem befriedigenden Ende kommt, muss die Lösung ebenso unerwartet wie schlüssig sein. Wie viele andere Whodunits auch spielt Die Stahlhöhlen Erscheinung gegen Wirklichkeit aus (im Sinne von: »Es mag so erscheinen, dass der Sohn des Earls der Mörder ist, aber in Wirklichkeit war es der Butler«). Der Mordfall, den Asimov präsentiert, hängt, wie in vielen seiner Geschichten, von einem sehr genauen Verständnis der Hermeneutik ab. Die Schlupflöcher im ansonsten restriktiven logischen Muster werden erst sichtbar, wenn man das verstanden hat. Sobald die Identität des Mörders enthüllt ist, wird klar, dass Asimov seine Leserschaft durch die umsichtige Platzierung der logischen Prämisse des Falls fehlgeleitet hat. In einer früheren Passage des Romans stoßen wir auf die beiden folgenden Setzungen: [1] Ein menschliches Wesen (Roj Nemennuh Sarton) wurde ermordet. Diese zweite Setzung ist in vielerlei Weise der schwächste Bestandteil des ganzen Romans. Sie wird nur eingeführt, um Enderby von der Liste der Verdächtigen zu streichen, und sie beruht auf der unglaubwürdigen und seltsam begrenzten telepathischen Fähigkeit des Roboters Daneel, der in der Lage ist, die Gedanken des Comissioners genau genug zu lesen, um zu wissen, dass er des Mordes unfähig ist, aber nicht genau genug, um auf den Grund des Mordfalls vorzustoßen. Aber wenn wir das hinnehmen, können wir weiterlesen, um auch die nächsten beiden Setzungen zu erfahren: [3] Spacer-Roboter sind nicht von menschlichen Wesen zu unterscheiden. Des Rätsels Lösung (dass der Comissioner Sarton versehentlich ermordet hat, weil er ihn für einen Roboter hielt) folgt logisch aus diesem Voraussetzungen und beleuchtet genau die Verwechslung von Robotern und Menschen, von Erscheinung und Wirklichkeit, die eines der unterschwelligen Themen des Romans ist. Die ansonsten recht glatte Auflösung des Whodunits ist tatsächlich nur eine Manifestation der tiefer liegenden Beschäftigung mit dem Thema der Austauschbarkeit von Mensch und Roboter. Zwei von vielen Beispielen aus dem Roman: Daneel ist ein Roboter, aber er wird sorgfältig vermenschlicht, sowohl in seiner physischen Erscheinung (in einer Szene benutzt Baley denselben Duschraum wie Daneel und stellt fest, dass der Roboter sogar mit externen Genitalien ausgestattet worden ist), als auch, was seinen Charakter und seine moralische Wertigkeit betrifft. Andererseits wird Dr. Gerrigal, ein menschlicher Robotik-Experte, von Asimov in ganz und gar robotischen Begriffen beschrieben: »Er sah wie ein Mann aus, der sich nie mehr als ein kleines Lächeln gestattete. Die Sorgfalt, mit der er gekleidet war, konnte man nur als penibel bezeichnen. [...] Er setzte sich ein wenig steif, als hätten häufige mütterliche Ratschläge in jüngeren Jahren sein Rückgrat für immer erstarren lassen.« [Asimov, S. 175] Und so weiter. Dieses thematische Gegeneinander-Ausspielen des »Menschenhaften« und des »Maschinenhaften« durchzieht den ganzen Roman. Die raumängstliche Bevölkerung der Erde, die sich an das Leben in ihren »Stahlhöhlen« angepasst hat, ist unfähig, sich unter freiem Himmel auf der Planetenoberfläche zu bewegen. Und doch sieht es ganz danach aus, als hätte der Mörder offenes Land durchqueren müssen, um zur Spacer-Station zu gelangen.
Der menschliche Mörder lässt sich von einem Roboter die Waffe bringen, mit der er einen Roboter zerstören will, wobei er allerdings in Wirklichkeit einen Menschen ermordet. Ein ähnlicher Trick steckt hinter dem Rätsel in Asimovs Folgeroman Die nackte Sonne (The Naked Sun 1957). Hier versucht der Mörder, das erste Gesetz zu umgehen, indem er ein positronisches Gehirn in ein Raumschiff einbaut, das des Mordes fähig ist. Dieses Schiff könnte »freudig jedes Schiff angreifen, wenn man es ihm befiehlt« (womit es dem zweiten Gesetz gehorchen würde), wenn man es davon überzeugt, »dass alle anderen Schiffe unbemannt seien« [Asimov, S. 535]. Anders ausgedrückt ist der Aufhänger dieses Romans die Möglichkeit, dass ein Roboter einen Menschen tötet, weil er den Menschen ebenfalls für einen Roboter hält. Dabei handelt es sich um eine Variation der Situation aus Die Stahlhöhlen. Die Verwechslung von Mensch und Roboter und der damit einhergehende Kreuzvergleich von Menschen und Robotern reicht tiefer als die Lösung des jeweiligen Mordfalls. Sie wird zu einer viel allgemeineren Aussage über Wertvorstellungen. Auf den Punkt gebracht wird diese Aussage in Asimovs späterer Erzählung »Der Zweihundertjährige« (»The Bicentennial Man« 1976), die eine für diesen Zusammenhang zentrale Fabel ist. Diese Geschichte dreht sich um einen Roboter, der sich wortwörtlich selbst in ein menschliches Wesen verwandelt (Asimovs eigene Einschätzung dieser Geschichte ist, dass sie »Von allen Roboterstorys, die ich geschrieben habe (...) meine Lieblingsgeschichte, und, wie ich glaube, meine beste.« sei [Asimov, Alle Roboter-Geschichten, S. 473]). Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass Asimov während seiner gesamten Laufbahn daran gearbeitet hat, die Grenze zwischen Mensch und Roboter auszulöschen. Als Maschinen erscheinen sie anders, aber in Wirklichkeit sind sie gleich, und durch ihre moralische Festigkeit sogar überlegen. Dieses Thema rechtfertigt den Aspekt von Asimovs Werken, den viele als seinen ästhetischen Mangel sehen: die maschinenähnliche Eintönigkeit seines Erzählstils, seine beschränkte Bandbreite an Figurencharakterisierungen, all das, was Die Stahlhöhlen für Priest um den Verdienst bringt, ein ästhetisches Werk zu sein. Tatsächlich bringen genau diese Merkmale das Thema des Romans zum Ausdruck. Die Schreib-Maschine Asimov erschafft mit maschinenartiger Effizienz und Antriebskraft eine Welt, in der ethische Fragen und Probleme von Erscheinung und Wirklichkeit dem Diskurs deduktiver Logik gemäß erforscht werden. Seine Science Fiction ist die wissenschaftlichste (in einem Feld, das viel zu oft der rein technologischen Fiktion überlassen wird). Hier folgt ein Autor einem bestimmten, veräußerlichten Kode zu seinen logischen Schlussfolgerungen. Wenn R. Daneel in späteren Romanen als kosmischer Manipulator enthüllt wird, als der Steuermann, der die menschliche Geschichte und Entwicklung dahingehend beeinflusst hat, dass Nutzen und Lebensqualität für die Menschen maximiert werden (weil sich seine Auffassung vom ersten Gesetz auf das Wohl nicht nur individueller menschlicher Wesen, sondern auf das der gesamten menschlichen Art ausgedehnt hat), wird er zur konkreten Verkörperung von Kants ethischem Imperativ. Deutsche Erstveröffentlichung |
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Zitierte Werke
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Bibliographie
Bibliographie von Hans-Peter Neumann © 2004 |
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