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Alien Contact Interview |
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| Moderatorin:
Ich begrüße Sie ganz herzlich zur Veranstaltung mit der amerikanischen Autorin Mary
Doria Russell, die Ihnen durch ihre Romane Der Sperling
aus dem Jahr 1996 und Gottes Kinder aus dem
Jahr 1998 sicherlich ein Begriff ist. Sie sind herzlich eingeladen, Fragen zu stellen und
ich hoffe, dass es eine interessante Diskussion wird. - Das Erste, was Frau Russell noch
interessieren würde, ist: Wie viele von Ihnen sprechen denn Englisch? [Ein großer Teil des Publikums hebt die Hand.] Mary Doria Russell: Erstaunlich! Moderatorin: Und wie viele kennen ihr Werk? [Eine ganze Reihe von Fingern gegen hoch.] Mary Doria Russell: Okay, sieht gut aus, das ist genug. Moderatorin: Frau Russell, Sie sind nicht das erste Mal in Deutschland, oder? Mary Doria Russell: Nein, dies ist mein dritter Besuch hier. Ich habe Neandertaler-Fossilien in Frankfurt und Jena untersucht, und vor zwei Jahren habe ich meine Familie und Freunde in Freiburg besucht - eine wunderschöne Stadt, wir sind dort eine Woche lang geblieben. Moderatorin: Wie ist Der Sperling entstanden? Mary Dorian Russell: Ich wollte dieses Buch gar nicht schreiben, es
war ein Unfall. Ich war arbeitslos, und mein Sohn fing gerade an, ganztags zur Schule zu
gehen. Ich beschloss, dass ich versuchen sollte, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Und das
kam dabei heraus!
Aus dem Publikum: Wie lange dauert der gesamte Prozess, die gemeinsame Sprache zu finden? Mary Doria Russell: Ich habe sieben Sprachen studiert. Das heißt
nicht, dass ich sie gut spreche, aber ich habe sie gelernt. Darunter sind slawische und
romanische Sprachen, aber ich wollte nicht, dass etwas davon in die Sprache der
Außerirdischen einfließt. Also habe ich zwei Sprachen genommen, die nicht zum
indoeuropäischen Stamm gehörten: einmal Ketschua, die Sprache der Indios aus dem
Hochland von Peru, und Nepalesisch, die Sprache in Nepal. Aus dem Publikum: Ich hatte das Buch einmal in einem Buchladen in der Hand, und auf dem deutschen Cover wurde versprochen, dass es den Jesuiten an die Grenzen seines Glaubens bringen würde. Ist es ein Buch über den christlichen Glauben, oder erwartet uns eine Auseinandersetzung mit einer fremden Welt und ihrer Gesellschaft? Mary Doria Russell: Das ist eine gute Frage für die Diskussion heute Abend [in der es um Religion und Mythologie in der Science Fiction gehen sollte; Anm. d. Ü.]. Kurz gesagt: Ich selbst bin Jüdin, und damit habe ich einen anderen Blickwinkel auf den christlichen Glauben. Außerdem bin ich Anthropologin, und so betrachte ich Religion von noch einem anderen Standpunkt. Und dann gibt es noch den Blickwinkel der Fremden. Es gibt also viele Sichtweisen. Auf jeden Fall bin ich keine Missionarin, ich will niemanden bekehren. Aus dem Publikum: Wie kommt man auf die Idee, einen Jesuiten-Priester als Hauptperson zu wählen? Das ist doch eher ungewöhnlich. Mary Doria Russell: Ich habe 1992 angefangen, über die Kurzgeschichte
nachzudenken, aus der dieses Buch entstanden ist. 1992 war die 500-Jahresfeier der Landung
von Kolumbus in der Neuen Welt. Mir fiel auf, dass die Diskussionen zu diesem Jubiläum
komplett anders verliefen als während meiner Jugend. Als ich klein war, war Kolumbus ein
Held, ebenso die Missionare und die Siedler - alles Helden. Um 1992 herum verstanden wir
allmählich, dass Kolumbus für die Einwohner der beiden Amerikas eine Katastrophe war.
Die öffentliche Diskussion drehte sich nur noch um die bösen Europäer und was für
schlechte Menschen sie doch waren - als wären sie in die Neue Welt gekommen, um
absichtlich Böses zu tun. Aus dem Publikum: Wie kommen Sie mit Ihrem neuen Bekanntheitsgrad zurecht? Hat sich in ihrem Leben seit ihrem Erfolg etwas geändert? Mary Doria Russell: Ich kann mir einmal in der Woche eine Putzfrau
leisten. [Gelächter im Publikum] Außerdem steht ich in meinem Adressbuch die
Telefonnummer von Antonio Banderas. Ich habe sie niemals benutzt, aber ich kenne sie. Er
wollte Emilio Sandoz spielen, aber das erste Drehbuch, das locker an meinen Titel (nicht
mein Buch) angelehnt war, war so schlecht, dass sie beschlossen, keinen Film daraus zu
machen. Inzwischen hat ein anderes Studio mit einem anderen Star ein anderes Drehbuch -
also, wer weiß? ... Es macht Spaß. Mary Doria Russell: Nein, ich denke, wir würden es wieder so machen.
Sogar, wenn man schon im Vorfeld wüsste, dass umwälzende Veränderungen, Katastrophen,
Tragödien passieren würden, wir würden es wieder tun. Wenn wir wüssten, das es ganz in
der Nähe anderes Leben gibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir nicht hingehen
würden. Irgendjemand würde auf jeden Fall hingehen. Das ist es, was sich die Kirche
bewusst gemacht hat: Irgendjemand wird gehen.
Moderatorin: Mary Doria Russell hat für ihr Werk sieben Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Tiptree Award für die beste Darstellung der Geschlechterrollen, den Kurd Laßwitz Preis, der heute Abend wieder verliehen wird, und den Arthur C. Clarke Award, die größte Auszeichnung für Science Fiction in Großbritannien. Ich weiß auch, dass ein E-Mail-Kontakt mit Arthur C. Clarke zustande kam. Ist das nicht vielleicht die größte Auszeichnung? Mary Dorian Russell: Das war das Größte. Ich habe eine E-Mail von
Arthur C. Clarke bekommen. Ich habe sofort meinen Mann angerufen: »Rate mal, was ich
bekommen habe?« Und ich habe an einer erstaunlichen Diskussion teilgenommen, mit Arthur
C. Clarke, dem Astronomen des Papstes, einem Jesuiten und mir. Der Papst hat einen
Astronomen, es gibt im Vatikan ein Observatorium. Wusste das jemand? Moderatorin: Ich denke, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit werden wir das Gespräch jetzt beenden. Es sind zwei wunderschöne Romane, ich kann sie wirklich empfehlen. Ich danke auch Hannes Riffel für die Übersetzung, es war unwahrscheinlich schwierig. Mary Doria Russell: Und vielen Dank an die Organisatoren und Besucher des Cons, die es mir ermöglicht haben, nach Deutschland zu kommen und euch kennen zu lernen. Ihr seid wirklich ausgesprochen gastfreundlich. Das Gespräch fand am 21.9.2002 während des ElsterCon 2002
in Leipzig statt. |
![]() Foto: Siegfried Breuer |
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