Unsere Weltlinien begegneten sich in der Mission, die von der Pangalaktischen Zeitgenossenschaft der Heiligen Vergeblichkeit auf Toliman A Secundulus unterhalten wird und in der ich meine Dienste versah, also Gespräche mit Besuchern und Bittstellern dolmetschte, gelegentlich auch zwischen Missionaren. Die Mission wird hauptsächlich von den reichen Arkturiern finanziert, zu den Zeitgenossen dort gehören aber auch Myrkonier, die Schöpfer der Lehre, und einzelne Vertreter anderer Welten.
Ein Arkturier, Herr Ayhh, der Oberste Wohltäter der Mission, war es denn auch, der Herrn Kemeny von einem Souvenirmarkt mitbrachte, den jener zwar als Tourist aufgesucht hatte, aber in anderer Eigenschaft wieder verlassen musste, nachdem sein Schiff ohne ihn abgeflogen war. Er nahm ihn vorsichtig aus der Rückentasche trotz ihrer Größe und massiven Konstitution verfügen Arkturier über außerordentliches Feingefühl, und nicht allein im physischen Sinne , erkundigte sich nach seinem Befinden und teilte mit, dass er in Kürze eine Mission der Zeitgenossenschaft auf Flox einrichten und uns beide dorthin mitnehmen wolle.
Herr Kemeny protestierte entschieden und anscheinend überaus erregt, so dass ich, seines Flottenlateins durchaus mächtig, Mühe hatte, ihn zu verstehen, ganz zu schweigen von dem wenigen, was seine altertümliche Kommunikationsmaschine vermitteln konnte. Nein, ehrenwerter Erdabkömmling, den genauen Wortlaut vermag ich leider nur selten zu speichern; ich beherrsche 204 Sprachen und habe noch nie länger als dreiundsechzig Stunden netto gebraucht, um mir eine neue anzueignen, damit ist meine Gedächtniskapazität ziemlich ausgelastet. Herr Kemeny also führte aus, er sei ein freier Angehöriger der Menschenwelten sowie Offizier der Offenen Flotte, er lasse sich nicht wie ein x-beliebiger Gegenstand verkaufen und verlange seine unverzügliche Überstellung auf einen Planeten oder ein Schiff der Menschen.
Der Oberste Wohltäter antwortete, dass er den Entschluss, sich nicht verkaufen zu lassen, ausdrücklich billige, doch habe er Herrn Kemeny keineswegs verkauft, sondern im Gegenteil gekauft, und zwar nicht als x-beliebigen Gegenstand, sondern als sauerstoffatmendes Eiweißwesen von durchaus erkennbarer Intelligenz. Gerade in dieser Eigenschaft scheine ihm Herr Kemeny für den Einsatz auf Flox geeignet, wo es reichlich Sauerstoff sowie eine Bevölkerung von bekanntermaßen freundlichen, friedliebenden und klugen Wurmartigen gebe. Als Zeitgenosse und als Oberster Wohltäter auf dem Secundulus werde er sich bemühen, alle Wünsche Herrn Kemenys wie jedes anderen Intelligenzwesens auch zu erfüllen, soweit dies die Mittel und Aufgaben der Mission gestatteten. Ihn auf Kosten der Zeitgenossenschaft heimzuschicken, übersteige indes diese Möglichkeiten, und mit der Ankunft eines Menschenschiffs sei so bald kaum zu rechnen, nachdem eben erst eins abgeflogen sei. Ihn zu verkaufen, habe er jedoch keineswegs vor.
Alsdann machte er Herrn Kemeny mit dem Sekretär und Dolmetscher der neuen Mission bekannt, also mit mir, und umriss die Herrn Kemeny zugedachte überaus verantwortungsvolle Aufgabe, für die von meinen Konstrukteuren leider vernachlässigte Mobilität zu sorgen, wozu seine gesamte Konstitution ihn außerordentlich gut befähige. Zwar habe die Natur die Menschen leider nicht wie die Arkturier mit einer Rückentasche ausgestattet, doch dem würde mit zwei an mir anzubringenden Tragegurten sicherlich leicht abzuhelfen sein. Darauf machte es sich Herr Ayhh in einer der bereitstehenden Quecksilberwannen bequem, erkundigte sich, was Herr Kemeny außer Sauerstoff zu atmen wünsche, und lobte die weise Zurückhaltung, die sich in den daraufhin angegebenen 78 % Stickstoff äußere. Zweifellos werde es der Zeitgenossenschaft nicht schwer fallen, Herrn Kemenys Wünsche an Nahrung und Atemgas zu erfüllen, insbesondere, wenn er seinen zeitgenössischen Obliegenheiten gewissenhaft nachkomme.
Als wir auf Flox angelangt waren ... Gewiss, ehrwürdigster Vielzeller, erinnere ich mich an weitaus mehr; da dich aber das weitere Schicksal und insbesondere der Verbleib von Herrn Kemeny zu interessieren scheint, schlage ich vor, dass ich zunächst manches überspringe, schon, um deine bewundernswürdige Geduld nicht über Gebühr zu strapazieren. Auch so wird allerhand zu berichten sein, da ich der Gesellschaft Herrn Kemenys längere Zeit teilhaftig war. Und ich will nicht verhehlen, dass ich mich etlicher Einzelheiten nur ungern entsinne, denn insbesondere zu Beginn unserer Zusammenarbeit legte er mir gegenüber eine unverkennbar feindselige Haltung an den Tag, zu der ich ihm keinerlei Anlass gegeben hatte; meine Masse von damals rund zwanzig Kilogramm sollte ihm keine zu große Last gewesen sein, zumal ich im Gegensatz zu ihm niemals irritierende ruckartige Bewegungen vollführte.
