Es gibt eine Reihe von Fragen, die sich der Mensch wieder und wieder stellt. Das war schon auf einem Planeten mit Namen Erde so, der für uns kaum mehr bedeutet als eine phantastische kosmische Sage. Und das wird so sein bis in alle Zukunft unseres Planeten Andymon, über der genau wie über der irdischen Vergangenheit der Schleier der Zeit liegt.
Ich bin früh auf diese Fragen gestoßen, fast noch als Kind. Ich hatte die Bücher für mich entdeckt, und ich las viel und je nach Stimmung leichtverständliche Wissenschaft, viel Geschichte, erfundene Abenteuer, aber auch Lyrik. Und eines dieser Gedichte, dessen Wortlaut in der toten Sprache der Inka ich nicht kenne, fragte: Woher komme ich? Was bin ich? Wohin gehe ich?
Es schien, als ob ich die bohrenden Verse des längst zu Staub zerfallenen Dichters beantworten könnte: Du kamst aus dem Schoß deiner Mutter soviel wußte ich damals schon, daß die Menschen der Erde Mütter hatten in dem untergegangenen Reiche der Inka auf dem von uns nie gesehenen Planeten Erde; du warst ein Mensch, ein Homo sapiens, gemäß der Einordnung in die Systematik des Lebenden; und du bist eines gewaltsamen Todes gestorben, als bärtige Barbaren all das zerstörten, was dir als Kultur galt. So einfach erschien es mir, die Fragen des indianischen Dichters zu beantworten.
So einfach ... Doch: Woher komme ich? Was bin ich? Wohin gehe ich?
Kann ich die letzte Frage beantworten, solange mir die Umstände meines Todes ungewiß sind? Darf ich die zweite Frage mit einem sachlichen »Homo sapiens«, einem einfachen »Ich bin ein Mensch« beantworten, da doch mit uns eine neue kosmische Gattung geboren wurde? Genügt es, das Woher mit dem technischen Satz zu erhellen: Ich wurde an Bord eines Raumschiffs ohne Namen vom Inkubationssystem 2 erzeugt, als sich die Große Reise ihrem Ende näherte? Muß ich hinzufügen, daß ich Verschmelzungsprodukt des Spermiums eines mir unbekannten menschlichen Vaters und der Eizelle einer mir unbekannten menschlichen Mutter bin und daher in mir trage, was die biologische Evolution auf der Erde in Jahrmillionen ansammelte?
Ich bin nicht sicher, ob ich die Fragen des indianischen Dichters, dessen Existenz im Dunkel liegt, raumzeitlich beantworten soll. Sind sie nicht nur Ausdruck des Fremdseins in einer Welt, die dem Menschen bald feindlich, bald freundlich gegenübersteht und die er sich mit Taten und Begriffen aneignen will? Doch wie könnte ich fremd sein in einer Welt, die ich selbst mitschuf? Ich muß wohl glauben, daß aus diesen Fragen die Offenheit der Welt, die Unendlichkeit von Raum und Zeit zu mir sprechen.