Drittes Kapitel

chauspieler und Produktionsteam von David Delaneys Faustus warteten in der
Garderobe auf mich und auf ihren großen Auftritt. In dem Raum roch es nach nervösem
Schweiß und abgestandenem Zigarettenqualm. Ich hockte mich neben der Tür auf einen Stuhl
und machte mir Notizen. Und beobachtete sie.
Hier herrschte eine sonderbare Anspannung. Natürlich hatte sie Masks
Tod in Aufregung versetzt, aber das war nicht alles. Unter Menschen, die eine Weile
zusammenarbeiten, bilden sich schnell Freundschaften und Abneigungen, die einer bestimmten
Logik folgen. Diese beruhigende Vertrautheit fehlte hier. Obwohl sie sich bereits seit
sechs Wochen kannten, waren sich Schauspieler und Stab des Faustus noch immer so
uneins wie eine Gruppe, die zum ersten Mal zusammentraf.
»Wenn Jon sich selbst abgefackelt hat, warum dürfen wir dann hier
nicht verschwinden?«, wollte Daniel Vachon wissen. Er wirkte angespannt, und seine
auffallende Kleidung zeugte nicht eben von Geschmack. Ganz offensichtlich war er nicht
darauf aus, einen guten Eindruck zu machen er wollte zeigen, dass er ein Schauspieler
war, und zwar in jeder Hinsicht. Sein elisabethanischer Talar mit den zahllosen Rüschen
betonte das noch, und er unterstrich jedes Wort mit einer Handbewegung. Die Zigarette in
seinen nervösen Fingern zog Rauchfahnen hinter sich her, die sich vorwurfsvoll
kräuselten und Tratsch, schlechte Witze und nervöses Lachen erwarten ließen. (Die
Zigarette war natürlich ein weiteres kleines Laster, das sein Image abrunden sollte.)
Daniel Vachon sah gut aus, und mit seinen funkelnden Augen schien er geradezu dafür
gemacht, den verdammten Faustus zu spielen. Nach der geheimnisvollen Logik, die unter
Schauspielern herrschte, übernahm er auch hinter den Kulissen eine Führungsrolle, weil
er auf der Bühne die Hauptrolle spielte.
Vachon beugte sich zu Celia Wu hinunter und flüsterte ihr etwas ins
Ohr. Sie wurde allzu schnell rot und schob ihn weg. Celia war eine asiatische Schönheit
mit haselnussbraunen Augen, die offensichtlich die Helena von Troja spielen sollte. Sie
verfügte über einen unbeholfenen Charme und eine ungekünstelte Körperpräsenz, die
jede ihrer Bewegungen erotisch auflud. Vachon gab sich temperamentvoll und respektlos,
während Celia überraschend sittsam wirkte. Sie lachte immer wieder nervös und runzelte
missbilligend die Stirn.
»David Delaney«, sagte der Regisseur. In Hemd und Hose wirkte er
zwischen den elisabethanisch gekleideten Schauspielern ausgesprochen deplaziert. Er war
Ende dreißig eigentlich recht jung für einen Mann in seiner Position. Blonde
Haare, blaue Augen, ein weiches, rundes Gesicht. Die gefalteten Hände hielt er so reglos
wie ein Mönch im Schoß. Seine Augen waren ausdruckslos. Merkwürdig, wie manche Menschen
reagieren, wenn sie mit dem Tod konfrontiert werden. Ich hatte erwartet, dass der
Regisseur launisch sein würde, traurig und wütend. Der Tod seines Stars schien bei
Delaney jedoch genau das Gegenteil bewirkt zu haben. »Ich hätte Sie gerne unter
angenehmeren Umständen kennen gelernt, Frau Fletcher, aber der Wille des Herrn
übersteigt unser Begriffsvermögen. Wenn wir Ihnen irgendwie helfen können ... Wir haben
gehört, dass Ihnen vorhin übel wurde«, fuhr er fort. In seiner sanften Stimme lag ein
Hauch Neugier. »Jonathan war zweifellos kein schöner Anblick.«
»Mir geht es gut, Herr Delaney«, sagte ich möglichst kalt auf
das Thema wollte ich nicht weiter eingehen. Angesichts des Grauens, das in der Garderobe
des Stars lauerte, hatte ich mich von meinem kargen Frühstück verabschiedet. Die fünf
Minuten, die ich auf der Damentoilette zugebracht hatte, würden meinem beruflichen Image
nicht eben zuträglich sein. Außerdem war es eine typische Gestalterreaktion. Es war dumm
von mir, dass ich mich nicht besser unter Kontrolle gehabt hatte.
Ich spielte mit meinem Stift und meinem Notizbuch und ließ mein
Publikum ein wenig zappeln. Dann warf ich meine Jacke über das Aufnahmegerät, das Rollys
Leute allzu offensichtlich neben mir auf den Stuhl gestellt hatten. Es macht die Leute
nicht unbedingt gesprächiger, wenn sie wissen, dass jedes ihrer Worte von den Bullen
mitgeschnitten wird. Ich verlasse mich da auf mein Notizbuch, in technische Spielereien
habe ich kein Vertrauen.
Die Ausstrahlung der Schauspieler nahm allmählich Gestalt an, ich
musste nur noch etwas nachhelfen. Die Anspannung war Vachons hochgezogenen Augenbrauen
anzusehen, ebenso wie der verhaltenen Energie, mit der Tara Allen, die technische
Leiterin, ihre Leute zur Ruhe ermahnte. Masks Tod hatte diese Truppe wie ein Wirbelsturm
erfasst und ihre Erwartungen wie Blätter in alle Richtungen zerstreut. Ohne sie hatte das
Muster, dass sich zwischen ihnen gebildet hatte, seine Gestalt und Bedeutung verloren.
Waren sie deshalb so merkwürdig sprunghaft? Ich hatte schon oft Gespräche mit solchen
Gruppen geführt. Schock und Verwirrtheit waren verständlich, aber nicht diese zitternde,
instabile Energie, die zwischen diesen Männern und Frauen hin und her zuckte. Mask musste
ein über die Maßen beeindruckender Mann gewesen sein, wenn seine Abwesenheit zu einem
solchen heillosen Durcheinander führte.
Sie waren alle einzeln verhört worden. Ihre Aussagen würde ich mir
später durchlesen. Jetzt wollte ich sie mir erst einmal als Gruppe vorknöpfen. Eine
Gruppe von Menschen zeichnet sich durch ganz eigene Formen und Muster aus. Von einer
Gruppe kann man Dinge erfahren, die ein einzelner Mensch nie zeigen würde. Ich sah mir
die Mitwirkenden des Faustus an ein merkwürdiges, organisches Ganzes,
dessen Geheimnisse mir noch verborgen waren. Mal sehen, was zu Tage tritt, wenn man darin
herumstochert, dachte ich.
Erneut betrachtete ich Daniel Vachons elegant gewelltes blondes Haar und
die affektierte Art, wie er seine Zigarette zwischen Daumen und Mittelfinger hielt, wie
ein Bogart-Gangster in Pantalons. »Eine ziemliche Erleichterung, dass bei Besprechungen
endlich geraucht werden darf, was?«
Er lachte. »Himmel, ich weiß nicht, wie oft ich mir geschworen habe,
dass ich mit diesem Scheißkerl nie wieder zusammenarbeiten würde ...« Vachon verstummte
und blickte irritiert auf seine Zigarette. »Woher zum Teufel haben Sie gewusst, dass Jon
auf Rauchverbot bestand?«
Alle Anwesenden starrten mich überrascht an. Celias Mandelaugen wandten
sich unvermittelt ab, ein silbernes Zittern in bebendem Grün, Gewissensbisse. Tara Allen
in ihrem olivgrauen NT-Overall. Ihre Augen wurden schmal und musterten mich feindselig.
Von David Delaney spürte ich das erste, schwache Lebenszeichen, ein
neugieriges Funkeln in seinen Augen. »Frau Fletcher wird dafür bezahlt, zwei und zwei
zusammenzuzählen, Daniel. Jonathan war ein Heiliger der Erlöserkirche, denk daran. In
jungen Jahren hat er Lippman und Reynolds mit einer Anklage wegen unmoralischen Verhaltens
drangekriegt, also ...«
»Also war es nicht schwer zu erraten, dass er in seiner göttlichen
Allmacht kurz inne halten würde, um auf einer meiner kleinen Exzentrizitäten
herumzutrampeln.« Vachon nickte.
»Affektiertheiten, wolltest du sagen.«
»Ach, Tara, ich liebe dich auch«, sagte Daniel und warf seiner
technischen Leiterin eine Kusshand zu.
»Das war eine Kleinigkeit«, fuhr Delaney fort. »Kein Fall für die
Ethikkommission.«
Wie die Gezeiten, nachdem sie ihren Tiefststand erreicht hatten,
brandete die Jagd wieder in mir hoch. Ich spürte sie in meinem Pulsschlag, mein Blick
wurde schärfer. Sie würde erst zu ihrer ganzen Stärke anschwellen, wenn ich kurz davor
stand, Beute zu machen, aber für den Anfang fühlte es sich gut an. Meine Gefühle
gewannen an Kraft wie trockene Wurzeln im Regen.
»Meine Damen und Herrn, vielen Dank für Ihre Mitarbeit. Ich weiß, es
war ein langer Tag, aber Sie verstehen sicher, dass wir größte Sorgfalt walten lassen
müssen, wenn ein Mann von Jonathan Masks Format auf ungewöhnliche Art und Weise zu Tode
kommt.«
»Vorzugsbehandlung bis zum Schluss«, spottete Vachon und hob die
blonden Augenbrauen. Einige Schauspieler rutschten unruhig auf ihren Stühlen herum und
warfen dem Regisseur hilfesuchende Blicke zu. Delaney ließ sich jedoch nichts anmerken.
Oder versuchte er absichtlich, sie nicht zu beeinflussen?
»Herr Delaney, wären Sie bitte so nett mir zu erklären, womit genau
Sie beschäftigt waren?«
Der Regisseur nickte höflich. »Der Aufsichtsrat von National
Television hat nach einer Gedenkpause von einem Jahr endlich meinen Vorschlag angenommen,
den Faustus zu inszenieren Marlowes Faustus, nicht Goethes. Sie
stimmten mit mir überein, dass die darin enthaltene Warnung vor den Versuchungen des
Geistes mit den moralischen Anliegen des Präsidenten konform gehen.« Er breitete die
Arme aus, die Handflächen nach oben gerichtet. »Die Finanzierung war mehr als
großzügig, also nahm ich mir vor, nur die Besten unter Vertrag zu nehmen. Jonathan Mask
drängte sich geradezu auf.« Überraschenderweise enthielt sich Daniel Vachon jeglichen
Kommentars. Offenbar hegten Masks Kollegen keine Zweifel an seinen Fähigkeiten.
»Warum haben Sie einen Vorkämpfer der Erlöserkirche mit der Rolle des
Teufels betraut?«
Helena von Troja hob stolz den Kopf. »Der Herr findet stets Mittel und
Wege, die Wahrheit ans Licht zu bringen.«
»Celia, halt die Klappe.«
»Ich gebe hier die Befehle, Frau Allen.«
Die technische Leiterin schenkte mir einen kalten Blick. »Klar.«
Delaney machte dem Streit ein Ende. »Ich wollte, dass Jonathan sein
Bestes gab, Frau Fletcher. Nur wenn wir wirklich gefordert sind, bringen wir unsere besten
Leistungen.« Mit einer Handbewegung wies er auf alle Anwesenden. »Ich habe das Glück,
mit den Männern und Frauen zusammenarbeiten, die Sie hier vor sich sehen. Nicht nur die
Schauspieler sind hervorragend, auch die Techniker, die an diesem Projekt beteiligt sind,
gehören zu den besten, die bei NT arbeiten bessere finden Sie im ganzen Land
nicht.«
»Völlig richtig«, sagte ein kleiner grauhaariger Mann Mitte fünfzig.
»Und wenn Dean, Sarah und ich ein Kostüm bauen, fliegt es nicht von selbst in die Luft!
Der Esel hat irgendeinen Unfug «
»Len!«, fiel ihm Tara ins Wort.
»Die verdammten Erlöser werden die ganze Sache uns anhängen, wenn wir
uns nicht wehren!«
»Man hat mich schon viele Dinge genannt, aber Erlöser gehört nicht
dazu«, sagte ich, ohne eine Miene zu verziehen. »Ich halte mich an die Beweise, Len
nicht an die Vorgaben des Präsidenten. Fahren Sie fort, Herr Delaney.«
Der Regisseur lächelte traurig. »Die Stärke des Theaters, Frau
Fletcher, liegt in seiner Nähe zum wirklichen Leben.« Himmel, er klang, als würde er
einen Vortrag halten. »Hm. Jeder Regisseur möchte seiner Arbeit etwas Originelles
hinzufügen. In diesem Fall wurde ich von dem Teufel verführt, den ich austreiben wollte
... Ich habe mir vorgestellt, aus Mephistopheles einen elektronischen Schurken zu machen.
Seine Effekte und dämonischen Kräfte sollten ganz offensichtlich auf elektronischer
Hexerei beruhen. Umso verständlicher wäre Marlowes Botschaft für mein zeitgenössisches
Publikum. Was in Marlowes Zeit die Zauberei war, ist heute die Technologie ein
Werkzeug, das ungeheure Macht mit sich bringt, aber auch die Begleiterscheinung jeglicher
Form von Macht: die Korruption.« Delaneys blaue Augen leuchteten entrückt.
Und dann kehrte er mit einem Blinzeln in die wirkliche Welt zurück. Er
zuckte mit den Achseln. »Mir ist bewusst, dass das keine besonders subtile Konzeption
ist. Aber das Fernsehen ist kein subtiles Medium: Wir tun, was wir können, um unsere
Zuschauer zu erreichen, und dafür müssen wir möglichst verständlich, spannend und in
künstlerischer Hinsicht befriedigend sein.« Die Anwesenden lauschten aufmerksam, obwohl
sie diesen Vortrag in der einen oder anderen Form sicher täglich zu hören bekamen. Celia
Wu hing geradezu an den Lippen ihres Regisseurs. Ganz offensichtlich nötigte Delaney
seinen Leuten Respekt ab.
Vielleicht lag es an seiner Entrücktheit oder an seinen durchdachten
Worten obwohl die Starre, die ihn anfangs befallen hatte, allmählich nachließ,
hüllte ihn noch immer eine Art Lackschicht ein. Wenn ich versuchte, meine Fühler
auszustrecken und in ihn hineinzulauschen, seinem Muster nachzuspüren, glitt ich immer
wieder von seinen Oberflächen ab. Das gefiel mir überhaupt nicht.
Delaney lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Wenn man ein Feuerwerk
modernster Technologie abbrennen möchte, muss man sich leider auch modernster Technologie
bedienen. Ich habe Len und seine Leute gefragt, ob sie mir ein Kostüm nach meinen
Vorgaben bauen könnten.« Die Augen des kleinen Technikers wurden schmal. »Und das ist
ihnen vortrefflich gelungen. Ihre Kreation hat meine Erwartungen sogar übertroffen. Tara
hat sie selbst getestet.« Erneut hielt er inne. Die Atmosphäre in der Garderobe wurde
angespannt und defensiv. Allmählich näherten wir uns dem heiklen Thema des Kostüms.
»Ironischerweise führte dieser Weg in unser Verderben.«
»Daran war aber nicht das Kostüm schuld!«, rief Len.
»Das hat auch niemand behauptet«, murmelte Tara Allen. »Zumindest
nicht, soweit ich das verstanden habe, nicht wahr?« Sie sah mich fragend an. Ihre Haare
waren mahagonifarben und schlicht nach hinten gekämmt. Sie war nicht schön, aber die
vier Verdienstabzeichen an der Schulter ihres NT-Overalls ließen keinen Zweifel an ihrer
Kompetenz.
»Mich würde Ihre Meinung interessieren. Was ist schief gegangen?«
»Wir haben das Kostüm einem Esel angezogen«, murrte Len.
»Das Mephistopheleskostüm war mit Kupferdrähten durchwirkt.« Tara
Allen hob die Schultern. »Es hätte keine Schwierigkeiten geben dürfen. Wir sind sehr
vorsichtig, wenn wir an neuen Entwürfen arbeiten. Sicherheit wird bei NT groß
geschrieben.«
»War der Strom im Kostüm stark genug, um jemanden zu töten?« Eine
dumme Frage schließlich lag Masks versengter Leichnam im Leichenschauhaus. Aber es
schadete nie, das Offensichtliche noch einmal zu überprüfen.
Allen wirkte entrüstet. Ihre Antwort dagegen zeichnete sich durch
große Gelassenheit aus. »Durchaus denkbar. Aber die Kabel waren alle isoliert. Einige
davon haben es Jon ermöglicht, seine Effekte selbst auszulösen: ein kleiner
Flammenstoß, Rauchwolken und dergleichen mehr. Der größte Teil war ferngesteuert
das Kostüm konnte leuchten, von Kopf bis Fuß oder teilweise, längere Zeit oder in
bestimmten Abständen. Wir haben einen Großteil der Oberfläche verchromt, damit das
Licht sich darin spiegelte. Das ganze Kostüm sollte bei Werbevorführungen einsetzbar
sein, also haben wir es kabellos gebaut. Und wir haben es mit einem mikroplanaren
Batteriesystem ausgestattet Sie wissen, was das ist?« Ich nickte. »Dann wissen
Sie auch, wie groß seine Leistung ist. Batterie und Kondensator befanden sich im Kostüm
und wurden von einem Mnemometallkäfig von Jons Körper isoliert. Wir haben zahllose
Sicherheitstests durchgeführt, bevor wir Jon auch nur in seine Nähe gelassen haben.«
»Was ist dann passiert?«
Sie breitete hilflos die Arme aus. »Wer kann das schon sagen?
Irgendetwas ist schief gegangen und der Kondensator ist durchgebrannt. Eine mikroplanare
Batterie speichert eine Menge Saft. Als der Kondensator hochgegangen ist, hat er das ganze
Kostüm unter Strom gesetzt.«
(Mask liegt in einem Netz aus Chrom und roter Plastik zuckend auf dem
versengten Boden der Garderobe. Rotes Blut, rotes Feuer.) »Wieso hat sich der Kondensator
entladen? Kann die Schwachstelle in der Batterie gelegen haben?«
»Würden Sie ein Flugzeug mit einer Schwachstelle in den Tragflächen
bauen?« In Tara Allens Augen blitzte eine winzige Träne auf. Ein Hauch von Trauer wehte
über mich hinweg, wie eine kühle Oktoberbrise. Tara hatte Mask gemocht. Aber Jammern und
Wehklagen entsprachen nicht ihrem Wesen, und sie hielt es für ihre Pflicht als technische
Leiterin, die Selbstbeherrschung zu wahren. Verdammt, fast hätte ich ihre echten Gefühle
übersehen, so sehr wurden sie von der Aufregung der anderen in der Garderobe überdeckt.
Mir wurde klar, dass sie die Einzige war die Einzige, der Masks
Tod Kummer bereitete. »Wäre der Unfall nicht passiert, hätte ich gesagt, es ist
unmöglich. Vielleicht hat Jon daran herumgespielt, auf der Suche nach einem neuen Effekt
... und dabei haben sich zwei Kabel berührt, oder eines der leitenden Teile des Kostüms
ist in eine Steckdose geraten.«
»Er soll den Finger in eine Steckdose gesteckt haben?«, fragte ich
ungläubig. »Von einem Kirchensprecher erwarte ich keine großen technischen
Fachkenntnisse. Aber das ...«
»Aber darauf läuft es hinaus«, erwiderte Tara beharrlich.
»Sie sind eine furchtbare Lügnerin, Frau Allen.«
Sie wurde rot und blickte zu Boden. Trauer glänzte in ihren
dunkelbraunen Augen, und ihre Schultern hatte sie hochgezogen, als wollte sie sich vor
einem kalten Wind schützen. Trauer und noch etwas anderes: die Ellbogen angewinkelt, der
Blick entschlossen, Trotz in jedem Herzschlag ...
Wollte sie jemanden schützen?
»Mask war zu perfekt, als dass er sich um den Rat anderer Leute
gekümmert hätte, von Anweisungen ganz zu schweigen«, knurrte Len. »Ich habe ihm
mehrmals angeboten, ihm beim Anziehen des Kostüms behilflich zu sein, aber er wollte
alleine sein, bevor er auf die Bühne ging. Er brauchte eine Viertelstunde, um sich
umzuziehen. Mit Hilfe wäre er in drei Minuten fertig gewesen. Aber davon wollte er nichts
hören. Ich habe dem Nasenbär gesagt, dass er sich eines Tages noch in die Luft jagen
würde ...«
»Len!«
»Frau Allen!«, fuhr ich sie an. »Lassen Sie ihn ausreden, bitte.
Fahren Sie fort, Len.«
Len saß mit rotem Kopf da, den Blick auf den Teppich gerichtet. Er
wusste, dass er bereits zu viel gesagt hatte. »Sie müssen mich entschuldigen, Fräulein.
Es war ein harter Tag, und wir stehen alle unter Schock. Ich habe einfach Angst, dass uns
die Schuld in die Schuhe geschoben wird, und das wäre unfair. Ich wollte dem Toten
gegenüber nicht respektlos sein.«
»Das verstehe ich. Und mir ist bewusst, dass es nicht immer leicht ist,
mit großen Schauspielern zusammenzuarbeiten.« Ich sah Vachon kurz an. Versetz der Bestie
einen kleinen Stoß und achte darauf, ob sie zusammen zuckt.
Er erwiderte meinen Blick, wandte sich dann ab und lachte. »Ach, so
schlimm war Jon gar nicht. Von Zeit zu Zeit ist er mir auf die Nerven gegangen, aber das
tun alle.«
»Das ließe sich durchaus auch von dir sagen, Daniel ...«, warf Tara
ein.
Celia kicherte.
Zu meiner Überraschung musste Vachon ebenfalls lachen. »Wohl wahr.
Schauspieler sind grundsätzlich nicht besonders umgänglich. Sie können mir glauben,
dass Jons frömmlerisches Getue mir heftigst auf den Sack gegangen ist!« Er ließ den
obszönen Ausdruck nachklingen, um seine Wirkung voll auszukosten. »Aber er war Jonathan
Mask. Ziemlich klug und kaltblütig, aber ein verdammt guter Schauspieler. Ich habe viel
von ihm gelernt.«
Vachon sah seine Kollegen und Kolleginnen an. Einer nach dem anderen
nickten sie widerwillig. Alle außer Celia Wu. Vachon runzelte die Stirn und wandte sich
dann wieder mir zu. »Er gehörte zu den Leuten, denen man vielleicht einmal einen Streich
spielt ... aber ihn umbringen?«
»Vielleicht hat ihm jemand einen Streich mit unerwarteten Folgen
gespielt«, gab ich zu bedenken. »Vielleicht hat sich jemand an den Kabeln zu schaffen
gemacht, damit sie zum unpassendsten Zeitpunkt den Geist aufgaben?« Ich wandte mich an
Len. »Wäre es möglich gewesen, den Anzug so zu manipulieren, dass der Kondensator
durchbrennt?«
Len runzelte die Stirn und kratzte sich nachdenklich am Ohr. »Nun ...
kann schon sein. Man müsste eines der Kabel lösen und zwischen der Hauptbatterie und dem
Kondensator eine direkte Verbindung herstellen.«
»Wäre das schwierig?«
Len hob die Schultern. »Naja, leicht wäre es nicht, aber möglich.
Vielleicht.«
»Danke.« Ich kritzelte etwas auf meinen Block. Mir kam das auch nicht
wahrscheinlich vor, aber es gab Dinge, die mir vorenthalten wurden, also zog ich das
Verhör in die Länge. Ich war noch nicht überzeugt, dass Masks Tod kein Unfall gewesen
war, aber ich wollte mir auch nichts entgehen lassen. Ich ging noch einmal meine Notizen
durch.
Augenblick mal. »War Mask ein pünktlicher Mensch?«, fragte ich. »War
er manchmal schlecht vorbereitet? Kam er oft zu spät?«
Vachon, der gerade dabei war, einen Kniestrumpf hochzuziehen, lachte
ungläubig. »Jon? Gütiger Himmel genau das Gegenteil. Er konnte seinen Text schon
bei der ersten Probe auswendig seinen, meinen, das ganze Stück. Und er hat sich
auch nicht verkniffen, jeden darauf hinzuweisen, wenn er oder sie etwas ausgelassen hatte.
Jon wusste überhaupt nicht, wie es war, einen Zeitplan nicht einzuhalten.« Vachon
schüttelte den Kopf, und die Spitzenborte seiner Halskrause wippte auf und ab. »Ich
weiß nicht, wie Sie darauf kommen.« Seine Stimme wurde unvermittelt ernst. »Natürlich
verfügt nicht jeder über die selbe Menschenkenntnis wie wir Schauspieler. Bei uns
gehört das irgendwie dazu, aber in Ihrem Job spielt diese Art von ... Intuition wohl
keine so große Rolle«, schloss er.
»Irgendwann findest du jemand, der dumm genug ist, um dir zu glauben»,
sagte Tara mit Verachtung in der Stimme. »Und dann wirst du als Gestalter an den Pranger
gestellt.«
»Und du würdest die Menge noch anfeuern, was?«, fauchte Vachon. »Da
haben wir ihn wieder den Fluch des einfühlsamen Mannes, von meinen Kollegen
missverstanden, und so weiter und so fort. Weh mir!« Er schnitt ein komisches Gesicht und
wurde mit einem allgemeinen Kichern belohnt.
Also war der große Schauspieler alles andere als ein Zauderer. Und doch
hatte er fünf Minuten vor dem Auftritt noch die Maske seines Kostüms aufziehen müssen.
Vielleicht war sie ihm zu heiß und unbequem? Allerdings trug er sie oft den ganzen Tag,
und ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich der Mann, den Vachon beschrieben hatte, von
einer solchen Kleinigkeit würde beeinträchtigen lassen. Merkwürdig, sehr merkwürdig.
»Ist jemandem von Ihnen während der letzten Tage aufgefallen, dass sich Herr Mask
irgendwie ungewöhnlich verhalten hätte? Wirkte er wütend oder deprimiert, hat er über
Probleme oder Sorgen gesprochen?«
Verdutzte Blicke.
»Nun, die Tastatur seines Computers hatte vor ein paar Tagen einen
Wackelkontakt«, sagte der Mann, der den Wagner spielte.
Das war wohl kaum ein Motiv für einen Selbstmord.
»Das hatte er sicher längst repariert.« David Delaney setzte sich auf
und wies auf seine Truppe. »Frau Fletcher, wenn wir auf Ihre Fragen etwas ratlos
reagieren, liegt das nicht daran, dass es uns an gutem Willen mangelt, das müssen Sie mir
glauben. Jonathan Mask war kein besonders ... emotionaler Mensch. Ich bezweifle, dass ihn
irgendetwas aus der Fassung bringen konnte, wenn er nicht auf der Bühne stand. Seine
Leidenschaften galten voll und ganz der Kamera. Hinter den Kulissen war er ein
ausgesprochen rationaler und leidenschaftsloser Mann.«
Ich warf Celia einen überraschten Blick zu für einen kurzen
Augenblick hatte sie Verbitterung ausgestrahlt, säuregrün und unglücklich. »Heutzutage
reden viele Menschen von Gott, Fräulein Fletcher, aber sie wollen sich nicht eingestehen,
dass der Herr wirklich in unser Leben eingreift. Herr Mask findet während der Aufnahmen
zu einem teuflischen Film den Tod, und Sie kommen nicht einmal auf den Gedanken, darin
Gottes Werk zu erblicken? Dabei ist sein Wille allgegenwärtig. Vielleicht war der Unfall
eine Strafe. Eine Strafe Gottes.«
»Für was?«, fragte ich überrascht.
»Du hältst deinen Mund, du frömmlerische Schlampe«, brüllte Tara.
»Wie kannst du es wagen, über ihn zu richten? Du hast ja gar keine Ahnung, was er alles
für dich getan hat.« Erschrocken sah ich Tränen in Taras Augen schimmern. »Du wusstest
überhaupt nichts über ihn, Celia. Rein gar nichts.«
»Mir hat es gereicht«, sagte Celia geheimnisvoll.
»Na na, Tara. Eifersucht ist immer noch eine der Sieben Todsünden«,
knurrte Vachon theatralisch und drohte ihr mit dem Finger. »Sei nett.«
»Celia«, sagte Delaney leise, »vielleicht solltest du in Erwägung
ziehen, einen Anwalt zu nehmen, bevor du weitersprichst.«
Celia sah mich entsetzt an. Daniel legte ihr den Arm um die Taille, als
wolle er sie trösten (ich spürte, wie er erbebte, als er ihren Körper berührte;
Begehren flammte in ihm auf, als er den Duft ihrer dunklen Haare roch). Tara Allen wandte
sich wutentbrannt ab.
In der Hitze ihrer Gefühle leuchtete die Garderobe geradezu. Delaney
sah mich an seine blauen Augen wirkten keineswegs mehr verschlafen. »Ein großer
Mann ist gestorben, und wir sitzen unter seinem Kreuz, streiten uns um seine Kleider und
fragen uns, ob der Film ein Erfolg wird. Er ist von uns gegangen. Halten wir seine
Erinnerung in Ehren.«
Beschämtes Schweigen breitete sich aus, obwohl die Gefühle noch immer
durch den Raum knisterten. »Was meinen Sie, wie ist Herr Mask gestorben?«
Erneut wandten sich alle Blicke dem Regisseur zu. »Es muss ein Unfall
gewesen sein, ein dummer, sinnloser Unfall. Schauspieler sind oft unvorsichtig und
sprichwörtlich ahnungslos, wenn es um technische Dinge geht, Frau Fletcher. Sie haben
meinen Leuten jetzt sicherlich genug Kummer bereitet«, fuhr er fort und erhob sich, um
seine Familie in Schutz zu nehmen. »Wir haben alles getan, was in unserer Macht lag, um
der Polizei und Ihnen zu helfen. Gehen Sie jetzt bitte, und lassen Sie uns mit unserem
Verlust allein.«
Es zeichnen sich erste Muster ab, dachte ich, während ich mit dem
Fahrstuhl abwärts fuhr. Ich konnte sie spüren, unterhalb des Schattens, den die
Ereignisse warfen. Noch war kein Sinn und keine Verbindung zu erkennen, sie bildeten die
Einzelteile eines Bildes, dessen Komposition mir unbekannt war. Vorsichtig versuchte ich
sie zusammenzufügen, wie ein Mosaikkünstler, der noch nicht weiß, wie sein Bild
aussehen soll ... Bruchstücke bemalter und glasierter Steine. Zeit nach Hause zu gehen,
im Doktor Faustus zu blättern und darauf zu warten, dass mir die Bullen die
einzelnen Verhörprotokolle schickten. Dass die Muster Gestalt annahmen.
Delaney, der Regisseur, Vater seiner Truppe. Celia, das unschuldige
Opfer. Daniel Vachon, Mann von Welt. Tara Allen, die ehrliche Freundin.
Nichts davon stimmte.
Ich spürte ein Jucken, das auf allen Seiten stärker wurde. Menschen
sind dreidimensional: ungehobelt, überraschend, widersprüchlich. Aber in der Garderobe
war mir etwas vorgespielt worden.
Schauspieler!, dachte ich, als ich das NT-Hochhaus verließ.
Ich hatte das Bedürfnis, ihre Pappwände einzureißen, ihre Pappfiguren
umzustoßen, ihre Kostüme zu zerfetzen und sie bis auf ihr nacktes Ich auszuziehen. Aber
... das war nicht meine Aufgabe, nicht bei einem Tod durch Unfall. Nur wenn die
Spurensicherung auf Anzeichen dafür stieß, dass sich jemand am Kostüm zu schaffen
gemacht hatte, nur wenn Mask ermordet worden war, würde ich die Gelegenheit erhalten,
ihre Bühne zu betreten und ihren Auftritt platzen zu lassen.
Bitte, Herr, dachte ich. Lass es einen Mord sein.
- Aufblende
- Die Kamera schwenkt über Masks Leichnam ein entsetzlicher Anblick. Gierig
verweilt sie auf seinem Gesicht, das im Tod ebenso edel wirkt wie im Leben. Nichts ist zu
geheim, nichts zu heilig, um es vor der Kameralinse zu verbergen. Nichts sollt Ihr Euren
Mitmenschen vorenthalten, nicht einmal Euren Tod.
- Stimme aus dem Off
- Heute trauern wir um Jonathan Mask um den Mann, der den Tempel Hollywood von
Sünde befreit und die Kamera zu einem Werkzeug Gottes gemacht hat. Wir können sicher
sein, dass der Herr ihm den Lohn hat angedeihen lassen, den dieser große Mime verdient
hat.
- Schnitt: Archivaufnahmen
- Der Interviewer mit dem attraktiven und nichts sagenden Gesicht beugt sich vor und
runzelt die Stirn. »Man hat Sie den größten Schauspieler unserer Zeit genannt.
Verspüren Sie eine besondere Seelenverwandtschaft mit anderen Giganten der
Theatergeschichte Severn, Olivier, Kean, Garrick?«
Ihm gegenüber in einem Ledersessel sitzt Jonathan Mask, lächelt und
schlägt die Beine übereinander. Er macht einen überwältigenden Eindruck: Seine Stimme
ist volltönend und nachdenklich. »Nun, ehrlich gesagt, glaube ich das nicht. Die
Männer, die Sie genannt haben, hatten sich einer Form des Theaters verschrieben, die Gott
verleugnete. Sie waren Schauspieler. Ihre Arbeit beschränkte sich darauf, eine
Illusion zu erzeugen. Mir geht es um mehr. Ich habe das Privileg, auf einer Bühne zu
stehen, die sich zum ersten Mal seit dem 14. Jahrhundert einer höheren
Sache verschrieben hat.«
Der Interviewer nickt verständnisinnig in die Kamera. »Ihr Status als
großer Mime der Erlöserkirche ist bei Kollegen und Kritikern anfangs nur auf wenig
Gegenliebe gestoßen.«
Mask lacht herzlich, so wie ein Gott lachen würde, aus dieser
Perspektive. Von einer solchen Höhe herab. »Das war zu erwarten. Ich war Teil einer
Revolution gegen eine alte, große und dekadente Tradition. Aber solange ich meinen
Einsatz vom Großen Regisseur erhalte, muss ich mir über meinen letzten Auftritt keine
Gedanken machen ...«
- Schnitt zum Moderator, ein attraktiver junger Mann, der selbst zu den zahlreichen
Rekruten von Masks Kreuzzug gehört
- Jonathan Mask hatte seinen letzten Auftritt. Der Mann, dessen Arbeit für Film und
Fernsehen ihn für Millionen zum Heiligen hat werden lassen, ist heute Opfer eines
wie es scheint tragischen Unfalls geworden.
- Schnitt auf Reporter vor Ort: Ein ernster Mann, der vor einer Tür steht. Auf der
Tür ein Schild: »STAR.«
- Hier, in der Stargarderobe des NT-Studios 329, hat Jonathan Mask sein Leben verloren.
- Schnitt auf das Gesicht von Captain Roland French.
- Allem Anschein nach ist Herr Mask heute Morgen gestorben, als ein Defekt in seinem
Hitechkostüm zu einer starken elektrischen Entladung führte. Man könnte sagen, ihn hat
der Schlag getroffen. Wir werden unsere Untersuchung fortsetzen und sind überzeugt, dass
wir bald eine umfassende Erklärung abgeben können.
- Schnitt auf: Archivaufnahmen verschiedener Pressekonferenzen mit Jonathan Mask.
- Stimme aus dem Off: Jonathan Mask galt unter seinen Kollegen als größter Mime
seiner Zeit. Geboren wurde er in Independence, Missouri, bekannt wurde er auf dem
Höhepunkt der Erlöserbewegung. Sein Bekenntnis zu einem Leben nach moralischen
Grundsätzen und seine beruflichen Fähigkeiten ließen ihn zu einem der einflussreichsten
Entertainer der letzten dreißig Jahre werden. Für viele seiner Fans war er geradezu ein
Heiliger.
- Schnitt auf: Ausschnitt aus Blauer Stern. Die berühmte Szene, in der Mask
als Dallas Godwin im Ghetto predigt, durch das Zielfernrohr seines Mörders betrachtet.
- Stimme aus dem Off: Jonathan Mask wird in den Herzen von Generationen von
Kinobesuchern weiterleben. Zahlreich sind die Rollen, in denen er brillierte: als Caleb,
als Iago in Ein Traum von der Freiheit, als Tallahassee in Rebell am Rande
der Hoffnung, und natürlich als Dallas Godwin in Blauer Stern.
- Schnitt auf: Reporter vor der Garderobe.
- Mask hatte die Rolle des Mephistopheles in David Delaneys Inszenierung des Faustus
übernommen Experten haben vorhergesagt, dass dies sein größter Triumph werden
würde. Umso tragischer ist es, dass er ihn nicht mehr wird genießen können.
Jonathan Mask ist der Technologie zum Opfer gefallen, vor der er uns
immer wieder gewarnt hat. Anonyme Quellen in Washington haben verlauten lassen, dass die
zweifache Tragödie von Masks Tod und dem Selbstmord von Minister Dobin eine Regierung
erschüttert hat, die sich schon seit längerem nach jenen einfacheren Zeiten sehnte, als
noch keine Schatten auf die leuchtenden Vorbilder der Erlöserkirche fielen.
- Schnitt auf den Moderator.
- Mit einem Hinweis auf die Unfrömmigkeit von Maschinen, die Menschen nachahmen, hat der
Präsident einem Senatsantrag zugestimmt, der bis auf weiteres jegliche Forschung im
Bereich computergenerierter Sprache verbietet. Vor einer Versammlung der Gemeinschaft
Gottesgefälliger Brüder hat er erklärt ...
- Ausblende.
- Während der Sechs-Uhr-Nachrichten erreichte mich ein Anruf von der Zentrale. Morgen
würde Anklage gegen Rutger White erhoben und der Verhandlungstermin festgesetzt werden.
Ob ich die Freundlichkeit besäße und kommen könnte, um als Bürgerin, die die
Verhaftung vorgenommen hatte, die nötigen Formulare zu unterzeichnen? White wurde
Anstiftung zur Gewalt, vorsätzlicher Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Die Anklage
plädierte auf Todesstrafe.
Passionsspiel
Zweiter Tag 4.1  |
Passionsspiel
Zweiter Tag 3.1  
Grafik: Thomas
Thiemeyer
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