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ALIEN CONTACT Sonntags-Chat mit

Thomas Thiemeyer

am 11. September 2005 im Chat-Kanal des SF-Netzwerk

Science Fiction > Alien Contact
Interview
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ChatMod: Herzlich willkommen, Thomas. Schön, dass Du heute bei uns bist.

Thomas Thiemeyer: Hallo zusammen. Ich freue mich, bei Euch sein zu dürfen. Es ist eine Premiere, mein erster Live-Chat.

ChatMod: Legen wir gleich los mit der ersten Frage von Lapismont: Wird es Bücher zu Deinen phantastischen Bildern geben, etwa fliegende Schiffe und riesige Täler?

Thomas: Es gibt diesen Roman schon und er hat genau das, was man auf vielen meiner Bilder sieht. Fliegende Inseln, Schiffe, riesige Flugwale. Mein Erstling. Phantasievoll zwar, aber schriftstellerisch ein echtes Anfängerwerk. Der bleibt besser in der Schublade.

ChatMod: Zusatzfrage von Lapismont: Gibt es denn Geschichten zu allen Bildern?

Thomas: Für meinen zweiten Roman Pacifica (auch in der Schublade) habe ich ein ziemlich spektakuläres Bild gemalt – einfach, um mir die riesige Wasserstadt, die dem Roman seinen Namen gibt, besser vorstellen zu können. Das Bild hat es dann immerhin bis ins Spectrum Jahrbuch geschafft. Bild und Buch hängen aber nicht zwingend zusammen.

ChatMod: Wie kommt man als Illustrator auf die Idee, einen Roman zu schreiben?

Thomas: Indem man sich mit dem richtigen Leuten trifft. Bei mir waren das Rainer Wekwerth, Michael Marrak und Andreas Eschbach, drei hochkarätige Schriftsteller, die sich natürlich fortlaufend über ihr Lieblingsthema Nr.1 unterhalten. Wer mit denen zusammensitzt, fängt ganz automatisch an zu schreiben, glaubt mir.

ChatMod: Frage von Morn: Wolltest Du also nicht schon immer mal schreiben?

Thomas: Doch natürlich. Wer will das nicht? Ich hab als Kind mit Comics angefangen, die perfekte Mischung. Die Anlage für beides war also schon sehr früh da. Warum es dann mit dem Schreiben erst so spät geklappt hat, hängt vielleicht mit meinem frühen Erfolg als Illustrator zusammen. Ich habe mich erst mal auf die Sache spezialisiert, die Geld brachte.

ChatMod: Frage von Jürgen: Bist Du eigentlich mehr ein Vertreter der Phantastik, oder siehst Du Deinen Schwerpunkt im Bereich Science Fiction?

Thomas: In der Illustration bin ich sehr breit gefächert. Kinderbuch, Comic, Science Fiction, Fantasy, Geschichte. Im Buchbereich sehe ich mich eher im Bereich des Wissenschaft-Thrillers, mit Touch ins Phantastische. Aber wer weiß – vielleicht schreibe ich irgendwann mal einen waschechten SF-Roman. Ideen gäb's genug.

ChatMod: Frage von Lapismont: Warum gibt es heute so wenige SF-Bücher mit Innenillustrationen, seid ihr zu teuer?

Thomas: Diese Bücher sind in der Tat sehr teuer. Vor allem, wenn man von Farbtafeln redet. Das wird nur bei sehr verkaufsträchtigen Autoren à la Eschbach gewagt. Aber auch Schwarz/Weiss-Illus sind teuer. Immerhin muss ja der Zeichner bezahlt werden ;-)

ChatMod: Frage von Argor: Hat Deine Bekanntheit als Illustrator geholfen, Deinen ersten Roman bei einem Verlag unterzubringen?

Thomas: Nein, das eine wird vom anderen strickt getrennt. Droemer hat sich sogar geweigert, meine Bekanntheit als Illustrator für Werbezwecke zu nutzen. Die waren der Meinung, eine solche Doppelbegabung würde vom Käufer weder wahrgenommen, noch geschätzt werden.

ChatMod: Dein zweiter Roman Reptilia ist seit Kurzem im Handel. Erzählst Du uns ein wenig über das Buch?

Thomas: Es beginnt wie viele klassische Abenteuergeschichten mit der Jagd auf ein sagenumwobenes Lebewesen. In diesem Fall auf Mokele'm Bembe, einen Saurier, der angeblich im Kongo leben soll. Die Auftraggeber sind Genforscher, die sich wichtige Infos im Genmaterial erwarten. Die Jagd entwickelt sich aber zu einem Katz und Maus Spiel, bei dem sich die Vorzeichen ständig umkehren. Es handelt sich bei dem Tier nämlich um einen Sprung in der Evolution mit ganz besonderen Fähigkeiten …

ChatMod: Frage von Sullivan: Über welche Themen schreibst Du am liebsten? Oder ist Reptilia das Buch geworden, das Du unbedingt schreiben wolltest?

Thomas: Klar wollte ich das unbedingt schreiben. Ich unterstelle mal, dass jeder Autor nur über die Dinge schreibt, die ihm am Herzen liegen. Schließlich muss er ein ganzes Jahr oder mehr mit dem Thema verbringen.

ChatMod: Frage von Morn: Denkst Du darüber nach, jetzt auch wieder Comics zu zeichnen und zu schreiben, wie Du es als Kind getan hast?

Thomas: Oh je, die Comics habe ich meistens während langweiliger Schulstunden gezeichnet. Was ich heute in der Richtung mache, sind Umschlagillustrationen für Klett. Niedliche kleine Lerndrachen. Aber weiter gehen meine Ambitionen gerade nicht. Ich hätte auch gar nicht die Zeit, noch ein drittes Standbein aufzubauen.

ChatMod: Frage von Jürgen: Deine Illustrationen erinnern in der Hintergrund-Gestaltung sehr stark an Werke von Hans Werner Sahm. Gibt es eine Verbindung bzw. Beziehung zu ihm ?

Thomas: Ich habe die Ähnlichkeit auch schon bemerkt, aber einen Kontakt gibt es nicht. Sahm hat einen anderen, »künstlerischen« Ansatz. Er kommt mehr aus der deutschen Romantik, während meine Wurzeln ganz klar in der kommerziellen Illustration liegen.

ChatMod: Frage von Lapismont: Kennst Du Dich im Bereich Illustratoren aus? Wer sind Deine Favoriten?

Thomas: Da gibt es viele. Whelan, Giancola, Harris, White, die Brüder Hildebrandt – und natürlich die alten Meister: Alma Tadema, Albert Bierstadt, Chesley Bonestell.

ChatMod: Hast Du Vorbilder, die Dich als Graphiker beeinflusst haben?

Thomas: Was mich immer sehr gereizt hat, ist Trickmalerei für Film. Die sogenannten »Matte-Painter« wie Albert Whitlock und Peter Ellenshaw. Ich habe vor, über so einen Typen mal ein Buch zu schreiben.

ChatMod: In letzter Zeit sind wenig Illustrationen von Dir erschienen. Können wir in Zukunft wieder mehr Cover-Illustrationen von Dir erwarten?

Thomas: Du spielst sicher auf die Durstrecke im Heyne-Verlag an. Ich würde mir mehr Aufträge aus der Richtung wünschen, aber die Zeiten sind gerade nicht so rosig. Lizenzen einzukaufen ist einfach billiger als eigene Titelbilder malen zu lassen. Dafür male ich ja jetzt Illustrationen für die Amerikaner - die kann Heyne dann einkaufen ;-)

ChatMod: Zurück zu den Büchern. Auf Deiner Homepage ist zu lesen, dass die Filmrechte für Medusa verkauft wurden. Gibt es inzwischen schon konkrete Pläne für eine Medusa-Verfilmung?

Thomas: Oh Mann, das Filmgeschäft. Kai Meyer hat mir mal gesagt, er glaube erst an den Film, wenn die Kamera läuft. Da ist was dran. Ehrlich, ich habe keine Ahnung ob da noch was passiert. Beteuert haben sie es immer wieder.

ChatMod: Frage von Sullivan zum Medusa-Film: Das Geld bekommt man trotzdem für die Filmrechte, oder erst wenn der Film gedreht wird?

Thomas: 10% werden gleich bezahlt, der Rest, wenn die Firma die "Option zieht", wie es so schön heißt. Dafür haben sie ein gutes Jahr Zeit. Aber 10% von der verhandelten Summe auch schon ein ganz schöner Batzen.

ChatMod: Frage von Lapismont: A propos Medusa – wie kam es zu diesem Titel, der ja nicht gerade originell ist?

Thomas: Mein Wunschtitel wäre gewesen »Kel Essuf«, das ist ein Tuaregbegriff für die Geister der Ahnen oder der Verstorbenen. Der Titel war dem Verlag aber zu abwegig. Sie wollten etwas Griffigeres.

ChatMod: Frage von Sullivan: Gibt es einen »seriösen« Beruf, der Dir Spaß gemacht hätte? :)

Thomas: Meine Eltern hätten mich immer gerne als Lehrer gesehen. Ausgerechnet ein Misanthrop wie ich! Gott behüte. Ins Filmgeschäft wäre ich gerne gegangen, aber ob das so seriös ist ...

ChatMod: Schreibst Du bereits an einem neuen Roman?

Thomas: Aber immer! Vielleicht hat mich einer im Fernsehen gesehen, wie ich in der Eifel auf dem Effelsberg-Teleskop rumgekraxelt bin. Das war Recherche für meinen neuen Roman, der 2007 erscheinen wird.

ChatMod: Frage von Morn: Kannst Du uns auch schon den Namen des neuen Romans verraten?

Thomas: Er wird wahrscheinlich unter dem Titel »Hydra – die steinerne Schlange« erscheinen.

ChatMod: Um was geht es in dem neuen Roman?

Thomas: Um eine Art kosmischen Intelligenztest. Die Erde ist von Ausserirdischen als Ziel auserkoren worden, klimatisch und biologisch – entsprechend ihren Bedürfnissen - »umgeformt« zu werden. Es gibt aber eine Art »Fail Safe Device«, ein Art Intelligenztest, die verhindern soll, dass Planeten mit intelligentem Leben umgeformt werden. Die Frage ist nur: zählt die Menschheit dazu?

ChatMod: Demnächst erscheint in den Visionen eine Story von Dir. Hast Du schon vorher Storys geschrieben?

Thomas: Wenig. Ich habe mich gleich auf die Romane gestürzt. Genauso wie ich mich, statt mich mit der Aquarellmalerei aufzuhalten, gleich aufs Öl gestürzt habe. Bin wohl etwas größenwahnsinnig veranlagt.

ChatMod: Wie kam es, dass Du als Romanschreiber eine Kurzgeschichte in den Visionen veröffentlichst?

Thomas: Das verdanke ich Helmuth Mommers. Er hat mich solange gelöchert, bis ich's getan hab. Wahrscheinlich wollte er in Wirklichkeit nur eine Cover-Illustration von mir. Nein im Ernst, es hat viel Spaß gemacht, und ich bin ihm dankbar für die Gelegenheit. Ein sehr kritischer Leser – schon die Findung eines passenden Titels war eine Herausforderung. Er ist halt ein echter Idealist und das ist gut so …

ChatMod: Morn fragt: Fiel es Dir schwer, von Roman auf Kurzgeschichte umzustellen?

Thomas: Sehr. Das ist eine ganz eigenständige Form von Literatur und ich weiß nicht, ob ich der ideale Kandidat dafür bin.

ChatMod: Stichwort Lesung: Machst Du Lesungen, und wenn ja, gerne oder ist das eher eine Pflichtübung?

Thomas: Hm. Schwer zu sagen. Einerseits bin ich vorher immer tierisch aufgeregt, andererseits ist das Gefühl hinterher überwältigend. Man kann also von einer klassischen Hassliebe sprechen.

ChatMod: Frage von Sullivan: Welche aktuellen Autoren gefallen Dir am besten? Liest Du viel SF?

Thomas: Ich habe früher alles verschlungen was es gab. Farmer, Foster, Niven. Heute lese ich weniger, dafür anspruchsvoller. Autoren wie Simmons, Miéville, usw.

ChatMod: Du hast vorhin Eschbach und Marrak erwähnt. Wird es irgendwann vielleicht mal ein gemeinsames Projekt mit einem der beiden geben?

Thomas: Ich fürchte, nein. Wir vier hatten mal zusammen ein echt spannendes Projekt über einen Psychopathen mit gespaltener Persönlichkeit ausgeknobelt, aber die Logistik war kaum zu bewältigen. Aber ich habe ja mit Marrak dieses kleine Projekt laufen. Michael hat den Vorschlag gemacht, Querverweise in unsere Romane einzubauen. Für die treuen Fans, die uns beide lesen. In Morphogenesis lässt er einen von meinen Toten auferstehen, ich habe dafür Bezüge über seine »Hölle« in Reptilia eingebaut, usw.

ChatMod: Frage von Lapismont: Wie schreibst Du? Hast Du dabei einen konkreten Tagesablauf?

Thomas: Früh aufstehen und vor dem Frühstück ein paar Seiten schreiben. Dann (so ab 11:00 Uhr) geht’s ans Malen. Aber das ist der Idealfall. Dieser Spagat glückt nicht jeden Tag.

ChatMod: Frage von Jürgen: Die Phantastik ist wirtschaftlich betrachtet ein enges Genre. Schriftsteller wie Marrak oder Eschbach gehen beim Schreiben immer mehr in Richtung Mainstream-Thriller. Ist das eine Option, die Du auch in Betracht ziehst, oder bleibst Du vorerst im Phantastik-Genre ?

Thomas: Lustige Frage, sehe ich mich doch als waschechten Mainstream-Autoren. Zumindest, was meine bisher erschienenen Bücher betrifft. Und das wird auch vorerst so bleiben. Für Experimente in Richtung Phantastik, SF oder Fantasy ist leider zur Zeit kein Spielraum.

ChatMod: Für wie wichtig hältst Du die SF-Literaturpreise?

Thomas: Für sehr wichtig. Auch wenn sie klein und unbedeutend erscheinen, sind sie doch oft das Einzige, was vom Ausland wahrgenommen wird. Außer natürlich, man landet einen Bestseller ;-)

ChatMod: Frage von Morn: Ist man durch Deinen Gewinn des Kurd Laßwitz Preises auf Dich aufmerksam geworden in den USA?

Thomas: Nein, aber in Frankreich und der Schweiz. In den USA lief das anders. Dort habe ich regelmäßig an Wettbewerben teilgenommen und bin ein paar mal ins Spectrum Jahrbuch gekommen - die Bibel für alle Illustratoren und Verleger. Das hat den Ausschlag gegeben.

ChatMod: Wie bist Du eigentlich zur Malerei gekommen?

Thomas: Als reiner Autodidakt. Allerdings – meine Mutter ist ebenfalls Illustratorin und mein Vater Fotograf. Da lag die berufliche Linie irgendwie nahe ...

ChatMod: Warum hast Du dich bei Deinen Illustration auf phantastische Themen konzentriert. Liegt Dir das am meisten?

Thomas: Ich habe ein Faible für Landschaften und Architektur. Je bizarrer und phantasievoller, um so lieber. Solche Bilder schüttele ich aus dem Ärmel. Mit Menschen oder Tieren tue ich mich weitaus schwerer …

ChatMod: Verkaufst Du von Deinen Bildern nur Lizenzen, oder trennst Du dich auch mal von einem Original?

Thomas: Solange ich von den Abdruckrechten gut leben kann, trenne ich mich nur ungern von den Originalen. Natürlich habe ich schon ein paar verkauft, aber die lassen sich an einer Hand abzählen. Einige von ihnen besitzt Wolfgang Jeschke.

ChatMod: Frage von Jürgen: Was kostet denn so ein echter »Thiemeyer in Öl«?

Thomas: In einer Ausstellung in der Schwyz hätte ich mal ein Original für DM 12.000,- verkaufen können, hab’s aber nicht getan. Es ist aber auch ein besonderes Bild – es gehört meiner Frau.

ChatMod: Frage von Makroplankton: Stört es dich nicht, trotz aller offensichtlichen Mainstream- und Phantastik-Ambitionen dennoch in die SF-Ecke geschoben zu werden?

Thomas: Überhaupt nicht. Das sind meine Wurzeln und zu denen stehe ich. Es gibt keine treueren Fans als SF-Fans. Abgesehen davon habe ich nicht das Gefühl in die Ecke geschoben zu werden. Im Buchhandel sind meine Bücher immer im Thriller-Bereich positioniert.

ChatMod: Wir bedanken uns bei Thomas Thiemeyer für sein Erscheinen im Kanal des SF-Netzwerk und wünschen ihm weiterhin große Erfolge als Autor und Illustrator. Einen Dank auch an die Mitglieder des SF-Netzwerk.

Thomas: Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Es hat mir riesig Spaß gemacht.

• Moderation: Werner Losert
Redaktion: Ronald Hoppe

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