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| Berlin > Geschichte |
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| Diesen Beiden, die einst
Berlin beschützten, muß ich einen Nachruf widmen, denn ich habe sie ja noch --
persönlich gekannt. Der ältere, der Königsgraben, stammte wohl aus Berlins Urzeit. Genaues kann ich nicht sagen, denn ich will keine Urkunden nachschlagen, sondern nur Miterlebtes erzählen. Er hatte seinen Anfang zwischen Waisen- und Jannowitz-Brücke, wo er von der nun verschwundenen »Stralauer Brücke« überspannt, die Straße »An der Stralauer Brücke« da durchschnitt, wo jetzt die Stadtbahn über sie hinwegführt. Dann nahm er denselben Lauf, wie nun die Stadtbahn. Von der Spandauer Brücke bis zur Spree hieß er Zwirngraben. Als solcher floß, oder besser gesagt, schlich er unter der »Herkules-Brücke« hindurch an dem jetzt freien Platz vor dem Zirkus Busch in die Spree. -- Als die Stadtbahn gebaut wurde, wurde der ganze Graben zugeschüttet und --- »Versunken und vergessen!« Die den Graben überspannende »Herkules-Brücke«, vom »Volke« Simsons-Brücke genannt, verband die Burgstraße mit der »Neuen Promenade« und als die Bahn den Graben verdrängte, verpflanzten unsere Stadtväter die Herkules-Brücke nach Berlin W, wo sie nun den Schiffahrts-Kanal überspannt und die Friedrich Wilhelmstraße mit dem Lützowplatz verbindet. Bekanntlich stellt eine der vom alten Schadow, der auch die Viktoria auf dem Brandenburger Tore schuf, geschaffenen Sandsteingruppen den Kampf des Herkules mit dem Nemäischen Löwen dar. Adolf Glasbrenner, dem bekanntlich Nichts heilig war, ließ in einem seiner Berliner Straßenbilder Herrn »Buffai´s« »Willem« diese Gruppe folgendermaßen charakterisiren: »Na weeßte Vater, ick meene doch die kleene Bricke da bei de Werderschen, weeßte, wo der nackigte Mann druff steht, der den Pudel den Zahn auszieht.« --- Die »Werderschen« füllten damals mit ihren Obstkörben den ganzen Platz zwischen
der Herkules- und der Friedrichs-Brücke. -- Ja, ja, die »Werderschen«, die jetzt ihre
Obstschätze stolz in eigenen Dampfschiffen zur Markthalle bringen, hatten damals eine Art
Herkules-Arbeit zu leisten, bevor sie an der Herkules-Brücke landen konnten, denn die
großen, mit hochaufgetürmten Obstkörben fast überlasteten Kähne wurden von Frauen
gerudert!! Von Werder bis Berlin gegen den Strom!! Ueber den Zwirngraben führte auch die »Rochbrücke«, eine Fußgängerbrücke, über
die man, wenn man einen »Sechser« (5 Pfg.) opferte, von der Neuen Friedrich- nach der
Münzstraße und umgekehrt gelangen konnte. |
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