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Vossische Zeitung 29.10.1838Eröffnung der Eisenbahn zwischen Berlin und Potsdam |
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| Vossische Zeitung | ||||
| Berlin, den 29. Okt. Die Eröffnung der Berlin - Potsdamer - Eisenbahn.
Gern würden wir über dies wichtigste Ereignis, was sich seit einer Reihe von Jahren für
diese beiden Residenzstädte zugetragen, ausführlicher sein, wenn die Kürze der Zeit
nicht eine eben so kurze Mittheilung geböte. - Diesen Morgen um 12 Uhr fand die
Eröffnung der ganzen Bahn zwischen hier und Potsdam in so feierlicher Weise als man es
nur wünschen könnte, statt. Die sämmtlichen hier anwesenden Prinzen des Königl. Hauses
hatten die Einladung des Direktoriums, der Eröffnungsfahrt beizuwohnen, huldreichst
anzunehmen geruht; desgleichen waren Einladungen an die Herren Staatsminister und viele
hohe Civil- und Militair-Beamte ergangen, die sich gegenwärtig befanden, und außerdem
230 Personen durch Karten eingeladen worden. Demgemäß befand sich eine Auswahl der
angesehensten Männer Berlins zugegen. Aus Potsdam waren die eingeladenen Personen schon
Morgen´s um 8 Uhr auf der Eisenbahn herüber gekommen. Wie groß die Anzahl der
Versammelten überhaupt war, ließ sich nicht mit Bestimmtheit ermitteln, jedoch schätzen
wir dieselben auf mehr als drei hundert, nach der Zahl der Wagen, eilf, welche den Zug
bildeten. Schon in den Straßen der Stadt war die Wirkung dessen, was sich vor dem Thore
begab, sichtbar; eine lebhafte Menge wogte die Leipziger Straße hinab, zahlreiche Wagen
rollten dem Eisenbahnhofe zu. Draußen sah man gedrängte Schaaren fröhlicher Zuschauer
versammelt, und besonders war das Gast-Etablissement neben dem Bahnhofe an allen
Gallerien, Fenstern, und auf den Dächern dicht damit erfüllt. Die noch nicht ganz
vollendeten Gebäude des Bahnhofes waren mit Blumen und Grün festlich geschmückt, auf
dem Balcon am Ende der Gallerie befand sich ein Musikcorps. Punkt 12 Uhr ertönte das
Signal zum Einsteigen, und wenige Minuten darauf setzte sich der Zug, durch die
Lokomotiven Pegasus und Iris geführt, in Bewegung. Die freudigste Theilnahme war auf
allen Zügen zu lesen. Mit der Uhr in der Hand beobachtete man die Schnelligkeit der
Bewegung. Nach der Beobachtung des Ref. wurden die einzelnen Stationen in folgender Weise
erreicht: Die ersten Häuser Schönebergs in 5, die letzten in 2 ½ Minuten; der dort
befindliche große Bergdurchstich wurde in 80 Sekunden zurückgelegt. Hinter denselben
wurde die Bewegung bedeutend schneller. Steglitz war in 5, Zehlendorf in 7 ½ Minuten
erreicht. Dort wurde die Thätigkeit der Bewegung gehemmt, welches 1 Minute wegnahm;
Kohlhasenbrück wurde demnächst in 12 ½, Nowawes in 4, die Grenze des Bahnhofes zu
Potsdam in 3 Minuten erreicht, und noch etwa 2 Minuten (nicht ganz) verstrichen bis der
Zug hielt. So war denn die eigentliche Fahrt in 40 Minuten zurückgelegt worden, und 42
Minuten dauerte es, bis die Maschine feststand.
Überall am Wege hatten sich dichte Gruppen von Zuschauern aufgestellt, welche den heranbrausenden Zug freudig durch Hüteschwenken und Zuruf begrüßten. In Potsdam wurde er durch donnernde Böller, Musik und lauten Jubelruf der gedrängten Menge empfangen. Auch hier waren die verschiedenen Lokalitäten des Bahnhofes mit Blumen und Kränzen geschmackvoll verziert. JJ. KK. HH. die Prinzen des Königlichen Hauses, welche die Fahrt mit machten, hatten in einem eigenen Wagen gesessen, von dem Fahnen herabwehten. - In Potsdam selbst wurden die zur Fahrt geladenen Gäste durch ein Frühstück bewirthet, das man im Durcheinanderkreuzen und lebhaftesten Gespräch, welches diesmal nur einen Gegenstand hatte, einnahm. - Die Rückfahrt wurde einige Minuten vor drei Viertel auf zwei Uhr angetreten, und die einzelnen Stationen auf derselben fast alle in gleicher Schnelligkeit erreicht, die letzte jedoch noch ansehnlich rascher zurückgelegt so daß die Fahrt bis zur Grenze des Bahnhofes in 39 Minuten vollendet war, und bis zum Haltpunkt noch nicht volle 40 Minuten verstrichen. - Eine unverkennbare Freude drückte sich bei allen Theilnehmern aus. Jeder fühlte, daß dies der Anfangspunkt einer höchst segensreichen, bedeutungsvollen Zukunft für beide Städte, bald auch, so empfand man allgemein, für das ganze Land sein werde, indem sich nun, da der Glaube an die dem Wunderbaren nahe kommenden Wirkungen der Eisenbahn so in die Hand gegeben ist, das Interesse dafür, und mit ihm die fernere Ausdehnung derselben, gewiß von Tage zu Tage steigern wird! - Dank und Heil denen, welche mit Eifer und Muth vorangegangen sind. Jetze, nach langen Mühen und oft mit Undank gelohnten Bestrebungen sehen sie sich am Ziel. Möge nun die Zukunft ihren Erwartungen entsprechen; wir unsrerseits haben den festen Glauben, daß sich dieselben auf die glänzendste Weise erfüllen werden. Und diesem Glauben gesellen sich unsre lebhaftesten Wünsche zu. - Einige Worte über das, was sich schon in der nächsten Zukunft Erfreuliches und Heilsames an diese Unternehmung knüpfen dürfte, behalten wir uns zu gelegenerer Zeit vor. L. Rellstab.
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